Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Lärm-Angriff im Schlafzimmer

published: 19.11.2009

Gesundheits-Expertin Dr. Anderson beantwortet eure Fragen im Unikosmo-Forum (Foto: Public Address)Gesundheits-Expertin Dr. Anderson beantwortet eure Fragen im Unikosmo-Forum (Foto: Public Address)

Eigentlich sollte die nächtliche Schlafstätte ein Ort der Entspannung und vor allem der Ruhe sein. Für viele Menschen ist das aber nicht so. Der Grund: laute Schnarchgeräusche. Wenn die störende Lärmquelle in Form eines penetranten Schnarchers direkt neben einem liegt, ist es mit dem nächtlichen Schlaf oft vorbei.

Für viele Paare wird das allabendliche Sägen zum echten Belastungstest für die Beziehung. Nicht selten zieht ein Partner einfach um und übernachtet in einem anderen Raum. Glaubt man Statistiken, schnarcht in Deutschland fast jeder zehnte Bundesbürger. Im Alter nimmt die Häufigkeit oft noch zu. Ein echtes Problem für die Partnerschaft. Ähnliche Erfahrungen machte auch Unikosmos-User Simon.

Er schreibt ins Unikosmos-Forum:

"Hallo Frau Dr. Anderson. Ich habe ein Problem: Seit einiger Zeit habe ich jetzt eine neue Freundin. Natürlich übernachtet sie auch manchmal bei mir. Allerdings gibt es da ein Problem: Ich schnarche. Das war mir bisher nie selbst aufgefallen (wie auch, ich schlafe ja), aber meine Freundin stört das sehr. Sie ist von der Schnarcherei schon so angenervt, dass sie manchmal nachts auf das Sofa im Nachbarzimmer umzieht.

Das finde ich natürlich nicht so toll. Außerdem hat sie gesagt, dass sie mehrfach probiert hat, mich nachts auf das Schnarchen aufmerksam zu machen. Ich wache dann aber nicht auf.

Woher kommt das Schnarchen? Kann es sein, dass sich das erst in letzter Zeit neu entwickelt hat. Oder liegt es vielleicht daran, dass ich gelegentlich rauche. (Habe ich mir eigentlich abgewöhnt, kann es mir auf Partys aber nie ganz verkneifen.)Über eine Tipp wäre ich sehr dankbar."

Die Antwort von Dr. Karin Anderson:

"Hallo, Simon, die meisten Schnarcher merken, wie du, selber nichts von ihrer Schnarcherei, und sind dann peinlich berührt, wenn ihre neue Freundin oder ihr neuer Freund sie auf ihr nächtliches Sägen aufmerksam machen. Männer schnarchen etwa doppelt so häufig wie Frauen, mit zunehmendem Alter sind sogar die Hälfte aller Männer davon betroffen. Manche schnarchen nur gelegentlich, etwa wenn sie erkältet sind, andere dagegen ständig. Die Lautstärke des Schnarchens kann dabei von leisem, kaum hörbarem Schnurcheln bis zur Lärmintensität einer vielbefahrenen Autobahn reichen.

Das Schnarchgeräusch entsteht dadurch, dass beim im Schlafen entspannten Körper auch das Gaumensegel erschlafft und dann bei jedem Atemzug in flatterndes Schwingen gerät. In diese flatternde Bewegung können auch Zungengrund und Rachen einbezogen werden. Als Folge werden die Atemwege teilweise blockiert und die Atmung erschwert. Im schlimmsten Fall entsteht dadurch die sogenannte Schlafapnoe, bei der die Atmung wiederholt für kurze Zeit total aussetzt.

Auch der Schnarcher leidet
Bei häufigen und starken Schnarchern leidet daher nicht nur der am Schlafen gehinderte Bettgenosse, sondern auch der Schlafende selbst, denn das Schnarchen nimmt ja gerade dann zu, wenn der Schläfer im Zustand der größten Entspannung in die wichtige Tiefschlaf- und Traumphase überwechselt.

Die Drosselung der Sauerstoffzufuhr veranlasst dann das Gehirn, einen Aufwachimpuls auszusenden. Starke Schnarcher werden also immer wieder aus der Tiefschlafphase aufgeschreckt und ihre Schlafqualität nimmt dadurch erheblich ab. Auf Dauer kann das zu Herzerkrankungen und anderen Krankheitssymptomen führen.

Schnarchen wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. In Rückenlage tritt es viel häufiger auf als in Seitenlage, weil sich der Mund durch den nicht abgestützten Unterkiefer eher öffnet. Wenn durch Schnupfen oder Allergien die Schleimhäute geschwollen, oder die Mandeln vergrößert sind, oder eine schiefe Nasenscheidewand die Atmung ohnehin behindert, ist Schnarchen die unausweichliche Folge.

Alkohol ebenso wie Schlaf- oder Beruhigungsmittel wirken durch ihr starkes Entspannungs- und Erschlaffungspotential als Schnarchauslöser. Besonders schnarchgefährdet sind außerdem übergewichtige Menschen - bei ihnen wirkt das vermehrte Fettgewebe im Nasenrachenraum als Atmungsblockade.

Mit folgenden Hausmittel kann die Schnarchwahrscheinlichkeit vermindert werden
- möglichst nicht in Rückenlage schlafen und kein zu flaches Kopfkissen benutzen
- vorm Schlafengehen gut durchlüften und im Winter gegen trockene Heizungsluft einen Luftbefeuchter verwenden
- bei Schnupfen Nasentropfen zum Abschwellen der Schleimhäute verwenden
- bei Hausstauballergie antiallergene Bettdecken und Kopfkissen benutzen
- abends keinen Alkohol trinken, möglichst auf Schlaf- und Beruhigungsmittel verzichten (wenn sie nicht vom Arzt verordnet sind!)
- bei Übergewicht die überflüssigen Pfunde abspecken
- feste Schlafensgehzeiten einhalten

Schnarchpflaster und Schnarchbandagen
In der Apotheke sind Schnarchpflaster und Schnarchbandagen erhältlich, mit denen das durch den Mund Atmen verhindert werden soll. Der Zahnarzt kann außerdem eine sogenannte Protrusionsschiene anpassen, die dem gleichen Zweck dient.

Wenn ein schiefes Nasenseptum oder sehr vergrößerte Mandeln das Schnarchen verursachen, kann ein operativer Eingriff in Frage kommen. Extrem starke Schnarcher müssen sowieso ärztlich und eventuell operativ behandelt werden, weil ihr Schnarchen ihre Gesundheit gefährdet."

[TK]

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