Taschengeld

Ohne Moos nix los

published: 06.09.2005

Die Höhe des Taschengelds ist oft ein heikles Thema (Foto: MPIX/shutterstock.com) Die Höhe des Taschengelds ist oft ein heikles Thema (Foto: MPIX/shutterstock.com)

Der Taschengeld-Paragraph
"Ich brauche mehr Taschengeld, Papa!" Anna (16) starrt ihren Vater wütend an und ballt die Hände in ihrer Hosentasche zu einer Faust, "Nina (17) bekommt 30 Euro im Monat. Und alle paar Wochen neue Klamotten. Die kann sich immer die neuesten Sachen kaufen. Und ich? Ich kann mir nicht mal eine Doppel-CD leisten.” Inzwischen laufen Anna schon die Tränen über das Gesicht, so verärgert ist sie. Warum kann ihr Vater nicht verstehen, dass sie auch so tolle Klamotten haben will wie Nina, dass sie auch die neuesten CDs braucht und sich gerne wie Nina jeden Tag Süßigkeiten kaufen will? Doch ihr Vater schüttelt nur den Kopf: “Nein, Anna, ich finde 15 Euro für dein Alter völlig ausreichend. Ich habe in deinem Alter gar nichts bekommen; du solltest also mit dem zufrieden sein, was du hast.” Anna rennt auf ihr Zimmer und lässt die Tür knallen. Es ist so ungerecht! Gibt es nicht irgendein Gesetz, dass ihr mehr Taschengeld zuspricht? Wie sonst soll sie ihren Vater davon überzeugen, dass 15 Euro schneller aus dem Portemonnaie verschwunden sind, als einem lieb ist?

Taschengeld per Gerichtsbeschluss?
Es gibt tatsächlich ein Gesetz, dass sich, zumindest indirekt, mit Taschengeld beschäftigt. Paragraph 100 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), im Volksmund auch “Taschengeld-Paragraph” genannt, beschäftigt sich mit der Geschäftsfähigkeit von Jugendlichen im Bezug auf Verträge und Kaufhandlungen. Das heißt, du darfst von deinem Taschengeld etwas kaufen, ohne dass du dafür die Zustimmung deiner Eltern brauchst. Dinge, die durch das Jugendschutzgesetz verboten sind, beispielsweise Tabak oder Alkohol, gehören natürlich nicht dazu. So lange dein Taschengeld reicht, bist du also in gewissem Maße geschäftsfähig.Allerdings gibt es kein Gesetz, dass Eltern dazu verpflichtet ihren Kindern Taschengeld zu zahlen. Der Staat hält es für empfehlenswert, Taschengeld zu zahlen und gibt auch Richtlinien für die Höhe des Taschengeldes heraus, schreibt es aber niemandem vor. Letztendlich liegt es also an deinen Eltern, ob und wie viel Taschengeld sie dir geben. Wenn du dich in einer ähnlichen Situation wie Anna befindest, gibt es mehrere Möglichkeiten, mit deinen Eltern neu über Taschengeld zu verhandeln.

Orientierungswerte für Taschengeld
Verbraucherzentralen und andere Institutionen empfehlen folgende Taschengeldbeträge:
Kinder 8 – 9 Jahre: 1,50 – 3 Euro pro Woche
Kinder 10 – 11 Jahre: 8 – 15 Euro pro Monat
Kinder 12 - 13 Jahre: 12 – 18 Euro pro Monat
Jugendliche 14 – 15 Jahre: 15 – 27 Euro pro Monat
Jugendliche 16 – 17 Jahre: 20 – 35 Euro pro Monat
Diese Werte sind aber nur Richtlinien: also Empfehlungen und keine Vorgaben. Schließlich kommt es auch darauf an, wie viel deine Eltern verdienen, ob sie Schulden haben, ob du viele Geschwister hast, ob ihr auf einen gemeinsamen Familienurlaub spart und und und...

Dafür sollte Taschengeld da sein
Durch das Taschengeld sollen Kinder und Jugendliche den Umgang mit Geld lernen – sich Beträge einteilen, auf Sachen sparen, sich aber auch individuelle Wünsche erfüllen und die Dinge kaufen, die sie für ihr Freizeitvergnügen brauchen. Anna beispielsweise steht total auf Dido – logisch, dass sie sich jede CD ihres Lieblingsstars kaufen möchte. Außerdem gibt es fast jede Woche eine neue Zeitschrift mit den neuesten News über die Sängerin. Umfragen haben ergeben, dass Jugendliche ihr Taschengeld hauptsächlich in Süßigkeiten, CDs und Zeitschriften investieren. Auch Markenkleidung und Handykosten spielen eine wichtige Rolle. Taschengeld sollte nicht dafür da sein, notwendige Dinge wie Schulsachen, Sportzeug, allgemeine Kleidung oder Monatskarten zu finanzieren.

Das Geheimnis eines Gesprächs
Jede Woche die neuste Ausgabe der Bravo und ein Kinobesuch im Monat – 15 Euro sind schnell ausgegeben. Mit ihren 13 Jahren sollte Anna wirklich mit ihrem Vater über mehr Taschengeld verhandeln. Einfach nur mehr Taschengeld zu fordern, weil die Freundin mehr bekommt, macht, wie Anna bereits gemerkt hat, nicht so viel Sinn. Viel besser wäre es, wenn Anna sich eine Liste mit ihren Argumenten für mehr Taschengeld machen würde und diese mit ihrem Vater durchspricht. Dabei sollte sie auflisten, wofür sie ihr Taschengeld braucht, wofür sie sparen will und auf was sie auch verzichten würde. Sie könnte ihm sagen, dass sie, wenn sie jeden Monat 18 Euro bekommen würde, viel besser mit dem Geld umgehen könnte, vielleicht sogar einen kleinen Teil in die Sparbüchse packen könnte, um sich dann irgendwann selbst größere Sachen zu finanzieren. Außerdem könnte sie mit ihrem Vater durchgehen, wie viel ein Kinobesuch, eine Zeitschrift, eine CD etc. kostet. Worauf könnte Anna verzichten und wobei könnte ihr Vater helfen? Beispielsweise könnten sie verhandeln, dass der Vater ein Kinoticket im Monat sponsert und Anna für den Rest selbst aufkommt. Dabei hilft es, wenn Anna einen Monat lang Buch über ihre Ausgaben führt – das verschafft einen guten Überblick und macht dem Vater deutlich, dass Anna sich wirklich nicht viel leisten kann.


Wenn das Geld nicht reicht
Wenn dein Taschengeld eine angemessene Höhe hat, du aber trotzdem schon nach zwei Wochen keinen Cent mehr in der Tasche hast, können dir vielleicht folgende Tipps helfen:
• Bitte deine Eltern, dir das Geld 14-tägig statt monatlich auszuzahlen.
• Führe genau Buch über deine Ausgaben und überlege, wo du - und sei es auch nur vorübergehend - sparen kannst.
• Sprich mit deinen Eltern über größere Anschaffungen und eventuelle Möglichkeiten, dein Taschengeld aufzubessern. Experten raten davon ab, dass Eltern dir Geld für gute Noten oder Arbeit im Haushalt bezahlen, aber vielleicht gibt es ja für Extraarbeit ein paar Extra-Euro, beispielsweise fürs Autowaschen, für Gartenarbeit etc.
• Überlege, wo du mit deinen Freunden gemeinsam sparen kannst. Ihr könnt euch beispielsweise gegenseitig Zeitschriften, Bücher und CDs ausleihen, nur am Kinotag ins Kino gehen oder - nach Rücksprache mit den Eltern - alte Kleidung untereinander tauschen.

Handy und Markenklamotten
Größtes Streitthema in vielen Familien: Markenklamotten und Handyrechnungen. Hier scheint es manchmal unmöglich zu sein, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Dabei sollten Eltern Kindern ein gewisses Maß an Kleidung finanzieren, sind aber nicht verpflichtet, zu den ganz teuren Marken zu greifen. Wenn du trotzdem nur die angesagten Sachen tragen willst, schlage deinen Eltern vor, dass du lieber nur ein teures T-Shirt willst anstelle von drei billigen. Falls du später dann doch ein zusätzliches Shirt benötigst, kannst du es dir selbst kaufen. Ein weiteres Beispiel: Deine Eltern geben dir das Geld für eine normale Jeans und du sparst den restlichen Betrag dazu, so dass du dir eine kostspieligere leisten kannst. Auch für Handys lässt sich eine individuelle Lösung finden: Vielleicht können dir deine Eltern eine Prepaid-Karte pro Monat finanzieren – was du dann noch an Guthaben brauchst, teilst du dir selbst von deinem Taschengeld ein.

Was beide Seiten wissen sollten
Dass man sich nicht alle Wünsche erfüllen kann, hast du bestimmt schon gemerkt. Schließlich sollte Taschengeld unter anderem dafür da sein, den Umgang mit Geld zu lernen. Man muss also auch lernen zu sparen und akzeptieren, dass man sich nicht alles kaufen kann, was man gerne hätte. Es gilt, Prioritäten zu setzen. Wenn deine Eltern merken, dass du ein Spar-Ziel vor Augen hast und gelernt hast, mit deinem Geld umzugehen, helfen sie dir vielleicht auch mal mit einer kleinen Geldspritze aus. Du weißt: Deine Eltern sind nicht verpflichtet, dir Taschengeld zu zahlen. Nimm auf die finanzielle Situation deiner Eltern Rücksicht. Allerdings gibt es auch ein paar Spielregeln, an die sich deine Eltern halten sollten: Ist ein Taschengeldbetrag vereinbart, sollten deine Eltern dir das Geld zu einem festgelegten Termin geben, ohne dass du sie daran erinnern musst. Wenn das so wäre oder du dir sogar Vorwürfe anhören müsstest, so wäre der Sinn von Taschengeld gefährdet, meinen Psychologen. Wie sollst du dir ohne schlechtes Gewissen dein Geld einteilen und dir, ohne ein mulmiges Gefühl im Bauch, individuelle Wünsche erfüllen, wenn deine Eltern dir ein schlechtes Gewissen einreden? Außerdem sollten Eltern das Taschengeld nur kürzen, wenn du etwas mutwillig zerstört hast – als generelle Erziehungsmaßnahme halten Experten Taschengeldentzug für völlig ungeeignet.

So ging es bei Anna weiter ...
Anna hat sich die Richtlinien für Taschengeld aufgeschrieben und ist damit zu ihrem Vater gegangen. Sie hat ihm genau erklärt, wofür sie das Geld braucht und worauf sie spart – ihr Vater war nicht gleich begeistert, ließ sich aber nach einiger Überzeugungsarbeit darauf ein, ihr erst mal 20 Euro im Monat zu zahlen. Anna hat mit ihm ausgemacht, dass sie mindestens zwei Euro pro Monat spart. Dafür spendiert Papa ihr ein Zeitschriften-Abo, so dass Anna sich ihr Lieblings-Jugend-Magazin nicht mehr kaufen muss. Die anderen Zeitschriften leiht Anna sich von Nina aus. Und wenn Anna ihrem Vater einmal in der Woche beim Autowaschen hilft, schenkt er ihr ein Dido- T-Shirt. Das darf Nina sich dann auch mal ausleihen.

[TK]

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