Kontaktaufnahme & Flirttipps

So lernst du Leute kennen!

published: 13.09.2005

Verlieben geht schnell, wie aber Kontakt zum Wunschpartner aufnehmen? (Foto: shutterstock.com/Digital Storm) Verlieben geht schnell, wie aber Kontakt zum Wunschpartner aufnehmen? (Foto: shutterstock.com/Digital Storm)

In eine neue Stadt gezogen? In eine andere Klasse gekommen? Alleine auf einer Party mit lauter Unbekannten? Nicht verzweifeln! Nette Menschen sind überall – man muss sie nur kennen lernen. Wie das geht? Dr. Anderson weiß Rat.

* Warum haben viele Jugendliche Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen?
“Es ist leicht, sich zu verlieben. Manchmal genügt schon ein Blick oder ein Lächeln und es flattern die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Was wir sehen, begeistert uns, und den Rest liefert uns unsere Fantasie. Wir träumen uns schon als Paar, engumschlungen auf der Parkbank - oder zumindest Hand in Hand auf dem Schulweg - wenn da nicht noch das große Hindernis ‚Ansprechen‘ wäre. Schüchternheit ist das Stichwort, unter dem viele Teenager in unserem Forum Rat suchen.

Schüchternheit ist ein sehr häufiges Problem! Das schönste Gefühl, der beste Vorsatz nützen nichts, wenn störende Gedanken auftauchen wie: ‚Die findet mich wahrscheinlich doch bloß langweilig - oder unattraktiv!‘, ‚Die fragt sich bestimmt: ‚Was will der Loser denn von mir?‘‘ oder ‚Das ist doch so ein toller Typ, alle Mädchen schwärmen für den. Warum sollte der sich ausgerechnet für mich interessieren?‘ Diese Ängste, die jeden Versuch zur Kontaktaufnahme mit einem begehrten Wesen blockieren können, haben dabei nicht wirklich etwas mit dem Aussehen oder anderen vermeintlichen Mängeln zu tun. Sie entstehen ausschließlich aufgrund von Selbstwertzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen. Wenn sich Jugendliche als unattraktiv und langweilig erleben, erwarten sie automatisch, dass alle anderen sie auch so sehen.

Dies ist ein wichtiger Grund, warum Internet-Flirts so beliebt sind. Über die Distanz, wenn man den Chat-Partner oder die Internet-Liebe nur als ‚Twiggy15‘ oder ‚Born2bwild‘ kennt, ist es leicht, locker vom Hocker zu flirten. Da man schön weit weg und anonym ist (auch wenn man dem anderen vielleicht ein ausgesucht attraktives Foto von sich gemailt hat), braucht man auch keine Angst zu haben, sich zu blamieren oder abgewiesen zu werden.”

* Warum lernen Jungs leichter Jungs kennen und Mädchen leichter Mädchen?
“Den meisten Jungen und Mädchen gelingt es viel leichter, mit Jugendlichen vom eigenen Geschlecht Kontakt zu knüpfen. Sie wissen ja genau, wie andere Mädchen oder Jungen denken und fühlen und sind gewissermaßen Experten darin, wie man als Junge oder Mädchen in bestimmten Situationen reagiert. Leider fehlt den meisten Jugendlichen diese Sicherheit durch Erfahrung im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Nur wenn ein Junge mit Schwestern (oder Cousinen) und ein Mädchen mit Brüdern (oder Vettern) aufwächst, können sie genügend Erfahrung sammeln, wie das andere Geschlecht fühlt und reagiert. Im Gegensatz zu früher, wo mehrere Geschwister mit oft geringem Altersabstand in Familien die Regel waren, leben die meisten Jugendlichen heutzutage in Deutschland in Ein- oder Zwei-Kind-Familien. Da fehlt dann ganz einfach die nötige Übung, um locker und unbefangen auf das andere Geschlecht zuzugehen.”

* Welche Anmachsprüche sind besonders gut?
“Alles, was auswendig gelernt, krampfhaft witzig oder wie ein abgedroschener Uralt-Spruch klingt (‚Haben wir uns nicht schon irgendwo mal gesehen?‘), wirkt mit Sicherheit eher abtörnend als dass es Lust macht, denjenigen näher kennen zu lernen, der einem so dumm daherkommt. Wer nicht sehr selbstbewusst ist und aus der Situation heraus unbefangen eine lockere Bemerkung machen kann, sollte lieber nicht versuchen, besonders originell oder intellektuell daher zu sein. Ein ganz einfacher Satz wie: ‚Findest du auch, dass... (die Musik Klasse ist, die U-Bahn ruhig öfter fahren könnte...)‘ lädt den anderen unbefangen zum Gespräch ein, wirkt ehrlich und dadurch mit Sicherheit sympathischer als der coolste, angelernte Spruch.”

* Was kann man tun, damit man nicht rot wird und stottert?
“Wenn Jungen oder Mädchen wissen, dass sie leicht rot werden und anfangen zu stottern, wenn sie sich unsicher und unter Beobachtung fühlen, hilft es ihnen im Allgemeinen nichts, wenn sie versuchen, sich ‚zusammen zu reißen‘. Je mehr sie sich bemühen, ruhig und gelassen zu bleiben, umso angespannter und ängstlicher werden sie. Und dann sind Stottern und ein puterrotes Gesicht so sicher wie das Amen in der Kirche. Sie können diese peinliche Situation aber entschärfen und gleichzeitig aus ihrem Problem eine Stärke machen - und sogar einen witzigen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch liefern. ‚Jetzt werde ich sicher wieder gleich rot‘ oder ‚Ich fange leicht an zu stottern, wenn mich was stark beschäftigt‘ sind eine gute Art der ‚Vorwärtsverteidigung‘.

Ist das Problem benannt, lässt auch die Anspannung nach. Und auf so viel Ehrlichkeit reagiert jeder Gesprächspartner positiv. Zum Glück nimmt die Neigung zum Rotwerden und Stottern aufgrund von Unsicherheit und Schüchternheit fast immer mit der Zeit ab. Je weniger man sich dieses Symptom übel nimmt und je mehr man es als vorübergehende und eher harmlose, wenn auch ärgerliche Störung akzeptiert, desto eher wird man es los. Diese Empfehlung gilt natürlich nur für ‚normales‘, gelegentliches Stottern oder Rotwerden. Stottern als echte Sprachstörung muss schon im Kindesalter logopädisch behandelt werden. Und eine Angst vorm Erröten (Erythrophobie), die so groß ist, dass die Betreffenden jeden sozialen Kontakt vermeiden, kann meist nur mit psychotherapeutischer und medikamentöser Hilfe überwunden werden.”

* Was ist von dem Tipp zu halten, sich “Mut anzutrinken“?
“Der Tipp, seine Schüchternheit mit Hilfe von Alkohol zu bekämpfen, ist ein durchaus zweischneidiges Schwert. Einerseits kann ein Glas Wein durchaus dazu beitragen, dass man seine Hemmungen überwindet, mehr aus sich herauskommt und auf andere leichter zugeht. Andererseits ist die Gefahr groß, dass es nicht nur bei dem einen Glas bleibt, sondern dass man sich tatsächlich so lange ‚Mut antrinkt‘, bis man beschwipst oder sogar regelrecht betrunken ist. Auch wenn dann die Hemmungen gegen Null gehen und Wodka oder Bier jegliche Schüchternheit wegschwemmen - die Frage ist, ob die Superfrau oder der süße Typ es wirklich so besonders attraktiv finden, wenn ihr Flirt eine Fahne hat, total aufgedreht ist, alles ungeheuer erheiternd findet oder auf einmal überhaupt nicht mehr vernehmungsfähig ist.

Betrunkene Anmache wirkt keinesfalls erotisierend, sondern, im Gegenteil, ziemlich abstoßend. Nicht zu unterschätzen ist außerdem das Risiko, dass Jugendliche sich zu sehr an die ‚Fühl-Dich-Gut- und Kümmer-Dich-Nicht‘-Wirkung des Alkohols gewöhnen und dadurch immer öfter versucht sind, Ängste und Hemmungen im Kontakt mit anderen mittels mehrerer Drinks zu überwinden.”


* Wie kommt man am Besten ins Gespräch?
“Der beste Einstieg in ein Gespräch ist immer der einfachste. Wenn ein Junge oder ein Mädchen darauf warten, dass ihnen der supercoole Spruch, der geistreichste Gag oder die mega-schlaue Bemerkung einfallen, werden sie vermutlich so lange mit sich ringen, bis die oder der Angebetete nach Hause gegangen ist.Der einfachste Beginn einer Unterhaltung bezieht sich auf etwas, was aus dem unmittelbaren Umfeld beider Gesprächspartner kommt, was beide gerade erleben oder erlebt haben. Auf einer Party können das die Musik oder die Leute sein, in einer Schul-AG das Thema, woran man gerade arbeitet, an der Bushaltestelle die dauernden Verspätungen, usw.

Eine offene Frage (‚Wie findest du..., was meinst du dazu..., bist du auch...‘) fordert den anderen zum Gespräch auf, ohne dass gleich eine ‚Anmach-Absicht‘ erkennbar ist. Daraus kann sich dann, wenn das Interesse auf Gegeninteresse stößt, ein heißer Flirt entwickeln - oder aucheinfach nur ein nettes Gespräch.”

* Wo lernt man am Leichtesten Leute kennen?
“Nette Menschen kann man im Prinzip überall kennen lernen. Die Statistik zeigt allerdings, dass die meisten Leute ihre Partner über ihre Freunde oder ‚die Clique‘ kennen lernen. Auch gemeinsames Lernen oder Arbeiten (Schule, Ausbildung, Studium, Job) machen das Kennen lernen einfach. Und Kontaktbörse Nummer drei ist bereits das Internet.

Über 60 Prozent aller Singles mit Internetanschluss in Deutschland sollen sich nach neuesten Umfragen (‚Stern‘ 40/2003) bereits ein oder mehrmals per E-Mail oder beim Chat zu einem Treffen verabredet haben. Grundsätzlich kann man vielleicht sagen, dass das Kennen lernen dort am leichtesten fällt, wo man sich am wohlsten und vertrautesten fühlt (Freundeskreis), ein gemeinsames Interesse verfolgt oder zusammenarbeiten muss (Schule, Job) oder sich vortasten und wieder zurückziehen kann, oder risikolos - weil anonym - über Gedanken und Gefühle plaudern kann (Chat).”

* Kann man Flirten lernen?
“Ein Flirt ist keine gezielte, direkte Anmache, sondern ein Spiel mit Blicken, Gesten und Worten. Beim Flirten ‚tastet man sich gegenseitig ab‘, lädt sich gegenseitig ein, aber kann sich auch jederzeit zurückziehen, ohne ‚das Gesicht zu verlieren‘. Ein Flirt hinterlässt ein beschwingtes Gefühl des Attraktivseins, auch wenn der Flirtpartner nie als Liebespartner infrage kommen würde. Ein Flirt lebt vom spontanen Einfall, er ist nichts mühsam Antrainiertes. Flirten hat sehr viel mit Selbstbewusstsein zu tun, daher ist es eine Sache der Erfahrung.

Ob man Flirten lernen kann? Obwohl es spezielle Flirtkurse für schüchterne Zeitgenossen gibt, bezweifele ich, dass so ein reines Lernprogramm auf die Dauer wirklich Erfolg verspricht. Wer erfolgreich flirten will, muss auf die Reaktionen seines Flirtpartners achten und sie deuten können. Das gelingt nur demjenigen, der entspannt ist, und nicht dem, der nur mit sich und seinen Problemen beschäftigt oder von Zweifeln und Hemmungen blockiert ist.”

* Welche Rolle spielt die Körpersprache?
“Mimik, Gesten und die Haltung des Körpers spielen eine sehr wichtige Rolle beim Kennen lernen. Bevor auch nur ein Gedanke gedacht wird, hat unser Unbewusstes bereits einen Eindruck parat, der über Sympathie oder Abneigung entscheidet. Jedes kleinste Detail des Gesichtsausdrucks, jede minimale Bewegung des Gegenübers senden ein Signal, das unser Unbewusstes verarbeitet und blitzschnell zu einem Gefühl verdichtet.

Aus diesem Gefühl formt dann unser Großhirn einen bewussten Gedanken, wie etwa: ‚Sie hat ein nettes Lächeln, ich mag sie.‘ Diese Körpersprache ist in gewisser Weise erlernbar, ebenso wie die Kunst, Reden zu halten (Rhetorik). Ein gutes Beispiel dafür sind Politiker, die am Anfang ihrer Karriere hölzern und unbeholfen wirken und dann durch energisches Coaching gestenmäßig auf Vordermann gebracht werden.”

* Welche Regeln sollte man beim Smalltalk beachten?
“Smalltalk nennt man eine freundlich-lockere Unterhaltung, die man mit Leuten führt, die man nicht besonders gut kennt. Smalltalk ist die Kunst, über etwas zu reden, ohne dem Gesprächspartner zu viel über sich selbst preiszugeben. Smalltalk ist die ideale Party-Unterhaltung. Man plaudert lebhaft über Gott und die Welt, ohne besonders in die Tiefe gehen zu müssen. Dank Smalltalk kann man schnell mit Fremden ins Gespräch kommen und sich so eine vielleicht sonst unbehagliche Situation angenehmer machen. Smalltalk kann durchaus witzig und erfreulich sein - wenn man bestimmte Regeln beachtet:

1. Breite nicht dein ganzes Seelenleben aus!
Dein Kummer über die Trennung von deinem Ex oder deine rachsüchtigen Gefühle gegenüber seiner neuen Flamme gehen deinen frisch kennen gelernten Gesprächspartner nichts an und wirken auf ihn wie das Überstülpen eines Seelenmülleimers.
2. Werde nicht zum Langweiler!
Auch wenn du noch so Fußball begeistert bist, kannst du nicht erwarten, dass deine neue Party-Bekanntschaft ebenfalls jedem Tor deiner Lieblingsmannschaft entgegenfiebert. Wenn du merkst, dass sie deine sportlichen Vorlieben nicht teilt, wechsele das Thema. Versuche nicht, sie durch eine detaillierte Beschreibung des letzten Heimspiels zum HSV-Fan zu machen.
3. Rede nicht wie ein Wasserfall!
Auch wenn du noch so viel zu sagen hast, lass dein Gegenüber auch zu Worte kommen und höre zu, auch wenn es nicht um tiefschürfende Dinge geht.
4. Sei vorsichtig mit Klatsch!
Dein Smalltalkpartner könnte der Bruder der Gastgeberin sein, über die du gerade deine nicht sehr schmeichelhafte Meinung (‚ganz öde Tussi‘) zum Besten gibst.

Wenn du diese Regeln für einen erfolgreichen Smalltalk beachtest und dadurch auf dein Gegenüber sympathisch wirkst, könnte sich aus oberflächlichem Geplauder durchaus ein Flirt oder eine echtes Kennen lernen entwickeln.”

[TK]

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