Die Pubertät

Aufregender als Abenteuer-Urlaub

published: 13.09.2005

Pickel sind nur ein Symptom der Pubertät (Foto: Alexander Raths/shutterstock.com) Pickel sind nur ein Symptom der Pubertät (Foto: Alexander Raths/shutterstock.com)

Die Pubertät - aufregender als Abenteuer-Urlaub, rasanter als dreifache Loopings und realer als die allerneuste Computer-Animation. Da ist plötzlich die erste Verliebtheit. Das reine Gefühlschaos. Und dann auch noch diese körperlichen Veränderungen! WWas passiert da mit mir?", fragen sich viele Jungen und Mädchen, die diese Phase durchleben. Klar, Papa und Mama haben Antworten - und Freunde sowieso. Aber manche von euch wollen es ganz genau wissen. Dr. Karin Anderson beantwortet einige der am häufigsten gestellten Fragen.

Die erste Regel
* Ich bin zwölf Jahre alt und habe gestern zum ersten Mal meine Tage bekommen. Wieso schon jetzt?
Dr. med. Karin Anderson: “Die meisten Mädchen bekommen ihre erste Regel zwischen zehn und 14 Jahren. Daher liegt eine Zwölfjährige, die zum ersten Mal ihre Monatsblutung bekommt, absolut im Durchschnitt. Einige Mädchen sind sogar mit acht oder neun Jahren körperlich schon so weit entwickelt, dass sie menstruieren. Und dann gibt es natürlich auch die Spätentwickler, Teenager, die erst mit 16 Tampons oder Binden benutzen müssen. In früheren Jahrhunderten bekamen Mädchen ihre erste Regel später als heute. Das liegt daran, dass die Ernährung damals weniger nährstoffreich (eiweißhaltig) war. Die Natur ist offenbar der Meinung, dass gesunde, gut ernährte Mädchen früher fortpflanzungsfähig sein sollen - selbst wenn sie seelisch überhaupt noch nicht darauf vorbereitet sind.”

* Ich habe das Gefühl, dass ich während meiner Tage ganz viel Blut verliere - wie viel ist normal?
“Die Regelblutung ist meist am 1. und 2. Tag besonders stark und nimmt dann über die nächsten drei Tage ab. Auch wenn es scheint, als ob viel Blut dabei verloren geht - es sind im Allgemeinen nur 50 - 80 ml, das entspricht etwa einer halben Tasse. Die rote Flüssigkeit, die aus der Scheide abfließt, besteht auch nicht nur aus Blut, sondern auch aus dem Schleimhautgewebe, das die Gebärmutter während des Monatszyklus aufbaut, um für die Aufnahme eines befruchteten Eis bereit zu sein. Dieses kleine ‚Nest‘ aus Schleimhautzellen und das nicht befruchtete Ei werden mit der Regelblutung abgestoßen, weil sie ja nicht für eine Schwangerschaft gebraucht wurden. Wenn die Blutung aber über mehrere Tage sehr stark ist, und der Tampon oder die Binde auch am 4. und 5. Tag noch sehr häufig (häufiger als alle vier Stunden) gewechselt werden muss, kann tatsächlich die Gefahr einer Blutarmut (Anämie) bestehen. Mädchen mit diesem Problem sollten sich frauenärztlich untersuchen lassen. Sie bekommen dann vermutlich die Pille verschrieben, um ihren unausgeglichenen Hormonspiegel zu stabilisieren, der für solch übermäßig starke Blutung verantwortlich ist.”

* Meine beste Freundin bekommt ihre Tage in kürzeren Abständen als ich. Wie kann das sein?
“Auch wenn sie ‚Regel‘ heißt - bei den meisten Teenagern ist der Abstand zwischen den Monatsblutungen noch alles andere als regelmäßig. Das liegt daran, dass sich die Hormonproduktion, die den Menstruations-Zyklus (Zeit vom ersten Tag der Regel bis zum ersten Tag der nachfolgenden Blutung) steuert, noch nicht richtig eingespielt hat und daher schwankt. Die durchschnittliche Zyklusdauer beträgt 28 bis 30 Tage, es können aber auch 23 bis 35 Tage sein. Die durchschnittliche Menstruationsblutung hält drei bis fünf Tage an.”

* Hört meine Regel auf, wenn ich die Pille nehme?
“Wenn ein Mädchen oder eine Frau mit der Pille verhütet, machen die darin enthaltenen Hormone dem Gehirn weis, dass sie schwanger ist. Daher verhält sich das Gehirn dann auch wie bei einer Schwangerschaft und stoppt vorerst die Reifung weiterer Eizellen in den Eierstöcken. Sobald dann dem Körper aber kein künstliches Hormon mehr zugeführt wird, tut das Gehirn das Gleiche wie am Ende jedes Menstruationszyklus. Da keine Schwangerschaft mehr signalisiert wird, erteilt es den Befehl zum ‚Aufräumen‘. Die nicht mehr als ‚Nest‘ gebrauchten Schleimhautzellen der Gebärmutter lösen sich ab und werden mit einer Blutung nach draußen befördert. Bei Einnahme der Pille wird die Regel also zeitweilig ausgesetzt, beginnt aber nach Einnahme der letzten Hormondosis von vorn.”

* Stimmt es, dass man sich anders ernähren muss, sobald man seine Regel hat? Meine Freundin sagt, man kriegt sonst Mangelerscheinungen.
“Nein. Die Regelblutung ist ja ein ganz normaler Vorgang und keine Krankheit. Nur wenn ein Mädchen übermäßig starke Blutungen hat, das heißt, länger als fünf Tage und in kürzeren Abständen blutet, besteht die Gefahr, dass sie anämisch (blutarm) wird. Dann sollte sie sich frauenärztlich untersuchen lassen. Zwar kann dann ein Medikament, das Eisen enthält, gegen die Blutarmut helfen, wichtiger ist aber eine Hormonbehandlung, um das Problem der zu starken Blutung zu beseitigen.”


Die erste Ejakulation
* Manchmal merke ich morgens, dass ich nachts einen Samenerguss hatte. Das ist mir peinlich. Hört das irgendwann wieder auf?
Dr. med. Karin Anderson: “Ein nächtlicher Samenerguss (Ejakulation) braucht einem Jungen genauso wenig peinlich zu sein wie einem Mädchen die Regelblutung. Genauso wie die Natur Mädchen und Frauen durch das Wachsen eines ‚Nests‘ aus Schleimhautzellen in der Gebärmutter für eine Schwangerschaft vorbereitet, bereitet sie Jungen und Männer durch die Produktion von Samenzellen in den Hoden und von Samenflüssigkeit in der Vorsteherdrüse (Prostata) auf die Zeugung vor. Bei einem Mädchen, das nicht schwanger ist, werden das nicht befruchtete Ei und die nicht mehr benötigten Schleimhautzellen jeden Monat abgestoßen und mit der Regelblutung nach draußen befördert. Bei einem Jungen passiert im Prinzip das Gleiche mit dem nicht verbrauchten Sperma. Wenn ein männlicher Teenager nicht sexuell aktiv ist und auch nicht masturbiert, kommt es schließlich zu einem Überschuss an reifem Samen, der hinausbefördert werden muss, um Platz für neuen, frischen Samen zu schaffen. Dieser Abstoßungsprozess dient sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen dazu, optimale Bedingungen für eine eventuelle Zeugung und Schwangerschaft durch frisches, gesundes Erbmaterial zu schaffen. Nun hat die Natur den männlichen Körper aber so eingerichtet, dass Samenzellen nur durch einen Orgasmus hinausbefördert werden können. Hierzu bedient sich das Gehirn eines sehr einfachen Mittels: es lässt nämlich einen passenden Traum aufmarschieren, der den schlafenden Jungen oder Mann ein tolles sexuelles Abenteuer erleben lässt. Diese Träume werden manchmal erinnert, manchmal aber auch nicht. Dann merkt ‚mann‘ erst beim Aufwachen, dass man einen nicht ohne Grund so genannten ‚feuchten‘ Traum gehabt hat. Nächtliche Ejakulationen kommen am häufigsten bei jungen Männern vor. Ältere Männer erleben einen nächtlichen Samenerguss meist nur, wenn sie lange Zeit nicht mehr sexuell aktiv waren.”

* Ist für einen Jungen eine Ejakulation dasselbe wie ein Orgasmus? Oder kann er ejakulieren, ohne einen Orgasmus zu haben und umgekehrt?
“Eine Ejakulation ist fast immer mit einem Orgasmus verbunden. Allerdings können beim Sex kleine Mengen Sperma auch schon vor einem Orgasmus austreten. Daher ist das sogenannte ‚Aufpassen‘ (wenn ein Junge sein Glied herauszieht, bevor er zum Höhepunkt kommt) auch eine ziemlich ungeeignete (weil unsichere) Verhütungsmethode. In seltenen Fällen kann es allerdings vorkommen, dass ein Mann ejakuliert, bevor er einen Orgasmus erlebt. Umgekehrt ist aber ein männlicher Höhepunkt ohne Ejakulation von der Natur nicht vorgesehen - ein Zeugungsakt ohne ‚Material‘ wäre ja auch biologisch völlig unsinnig!”

* Stimmt es, dass auch Mädchen beim Orgasmus ejakulieren?
“Es gibt Untersuchungen, die zu belegen scheinen, dass auch Mädchen und Frauen beim Orgasmus ejakulieren. Dafür soll der sogenannte ‚Grafenberg-Punkt‘ (G-Punkt) verantwortlich sein, der im Bereich der vorderen Scheidenwand und der Harnröhre liegen soll. Dieser Bereich, so vermuten manche Wissenschaftler, soll bei sexueller Erregung anschwellen (wie der Penis) und besonders lustempfindlich sein. Als erste Berichte über die Existenz des lustversprechenden G-Punkts veröffentlicht wurden, machten sich Horden von Sexualforschern und Klatschblättern daran, die weibliche Bevölkerung darüber aufzuklären, wie und wo sie diesen magischen Punkt bei sich ausfindig machen könnten. Leider hat sich bisher laut letzten Reports des renommierten amerikanischen Sexualforschers Kinsey die Existenz des G-Punkts genauso wenig wissenschaftlich belegen lassen wie die des Osterhasen.”

* Woher kommt das Sperma?
“Als Sperma bezeichnet man Samenzellen (Spermien) in einer Flüssigkeit, die von den Nebenhoden (Drüsen, die neben den Hoden gelegen sind), der Vorsteherdrüse (Prostata), den Samenbläschen in den Hoden und den sogenannten Cowper-Drüsen produziert wird. Beim Orgasmus wird Sperma aus dem Penis herausgespritzt. ‚Ejaculare‘ bedeutet im Lateinischen ‚hinauswerfen‘ - eine Ejakulation ist also ein ‚Hinauswurf‘.”

* Ist mein Sperma irgendwann aufgebraucht?
“Nicht nur in der Bibel wird berichtet, dass Männer noch im hohen Alter Kinder gezeugt haben. Der Schauspieler Jean-Paul Belmondo wurde beispielsweise vor kurzem mit 70 Jahren noch einmal Vater - in einem Alter also, in dem Männer im Allgemeinen schon lange ‚Opa‘ genannt werden. Während bei Frauen nach dem Stoppen der Regelblutung (Menopause) keine Eizellen mehr in den Eierstöcken heranreifen, werden bei Männern in den Hoden Spermien bis ins Alter produziert. In 1 ml Sperma schwimmen 20 bis 150 Millionen Spermien herum, in jeder Ejakulation (3 - 5 ml) sind 200 bis 500 Millionen Samenzellen enthalten! Je älter ein Mann wird, desto höher wird allerdings der Prozentsatz an beschädigten, weniger zeugungsfähigen Samenzellen im Sperma. Aber bei dem großzügigen Angebot, mit dem die Natur männliche Wesen ausstattet, kann trotzdem auch bei älteren Männern ‚jeder Schuss ein Treffer‘ sein.”

[TK]

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