Jungs verstehen

Die Jungs-Gebrauchsanweisung

published: 13.09.2005

Kann man mit Jungs auch mal reden, oder sind sie immer nur am daddeln? (Foto: TK) Kann man mit Jungs auch mal reden, oder sind sie immer nur am daddeln? (Foto: TK)

Schuhe und Fußball
“Er macht mich echt wahnsinnig”, schimpft Tine und lässt sich auf mein Bett fallen. “Was ist denn nun schon wieder?”, frage ich und sehe kaum von meiner Zeitschrift auf – dass Tine Ärger mit ihrem Freund hat, kommt eben öfter vor. “Wir wollten schön zusammen zum Shopping gehen. Und was ist? Felix sitzt gelangweilt herum und ist auch noch genervt, wenn ich ihn bitte, mir beim Aussuchen von einem Paar Schuhe zu helfen. Er wollte schließlich pünktlich zum Fußball wieder zu Hause sein.” Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen: “Klischeehafter geht es ja kaum, Tine! Aber wir wissen schließlich nicht erst seit ´Sex And The City´, dass Männer und Frauen einfach nicht zusammenpassen.” - “Und warum nicht?” entgegnet Tine; doch darauf bleibt mir nur ein Achselzucken.

Die Jungs-Gebrauchsanweisung
Später am Abend male ich mir aus, wie es wäre, eine Jungs-Gebrauchsanweisung zu erfinden. Die könnte etwa so aussehen: “Wollen Sie mit Ihrem Freund in die Stadt gehen, drücken Sie auf den Knopf ´Shopping´, für intensive Gespräche schalten Sie bitte in den Kommunikationsmodus. Sollte es trotzdem einmal Probleme geben, rufen Sie bitte unsere Hotline an – selbstverständlich haben Sie zwei Jahre Garantie und innerhalb von zwei Monaten volles Rückgaberecht.” Es würde eigentlich schon eine Anleitung reichen, die einem plausibel macht, warum ein männliches Wesen so handelt, wie es handelt und warum ein Typ ist, wie er ist. Das würde vieles einfacher machen. Schließlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass häufige Streitereien und Missverständnisse das Leben verkürzen und die Gesundheit beider Parteien negativ belasten. Vielleicht sollte ich einen Brief an den Bundesgesundheitsminister schreiben, damit er eine Aufklärungskampagne startet à la “Verlängern Sie Ihr Leben, lernen Sie, warum Jungs ticken, wie sie ticken!” Dann würde Tine mit Felix immer glücklich sein und ich würde endlich wissen, ob Alexander mich wirklich mag und müsste mir nicht ständig den Kopf deswegen zerbrechen...

Das Schweigen im Walde
Wer Frauenzeitschriften durchblättert, wird spätestens beim dritten Magazin auf einen Artikel stoßen, der die Überschrift “Das Schweigen der Männer” trägt. Tine scheint also nicht die einzige zu sein, die sich über eine mangelnde Kommunikation mit ihrem Freund beschwert. Psychologen haben dafür eine simple, aber logische Erklärung: Unter Jungs ist es eben uncool, über Gefühle zu sprechen, da dies als Zeichen von Schwäche gewertet wird. Umfragen haben ergeben, dass sich 75 Prozent der männlichen Bevölkerung vor Gefühlen fürchtet. Zum anderen können die Herren der Schöpfung gar nicht anders: Bereits im Mutterleib bewegen weibliche Embryonen ihren Kiefer um 30 Prozent häufiger als die männlichen. Und das setzt sich fort, denn ein paar Jahre später plappern Mädchen durchschnittlich 23 000 Wörter pro Tag, während sich Jungs mit 12 000 begnügen. Ein Paartherapeut in einer Frauenzeitschrift empfiehlt sogar, Jungs mit Fragen nach technischen Details zum Reden zu bringen. Dumm nur, wenn die uns Mädchen gar nicht interessieren!
Vielleicht sollte Tine es mal mit dem Ratschlag versuchen, feste Redezeiten mit Felix einzuführen. Er kann sich dann darauf einstellen und weiß, dass irgendwann auch wieder Feierabend mit der Kommunikation ist.

Bloß kein Liebesfilm!
Testosteron heißt der „Stoff, aus dem die Männer gemacht sind“. Dank dieses Hormons haben Jungs eine ausgeprägtere Muskulatur, halten Lärm besser aus und bekommen später Falten. Und wenn sie sich nach einem kurzen Rock umdrehen, sind meistens auch nur die Hormone schuld... Das typische Problem: Sie will kuscheln, er möchte Sex und den am liebsten sofort – angeblich auch eine Folge des Testosteron. Ja, sogar im Kino beeinflusst dieser Stoff die Männer! Eine Studie, die in der Fachzeitschrift “Hormones And Behavior” erschienen ist, hat ergeben, dass Action-Filme den Testosteronspiegel bei männlichen Personen ansteigen ließen. Liebesfilme hingegen ließen ihn sinken. Frauen reagierten da anders: Ihr durchschnittlicher Testosteronwert sank sogar während des Action-Films, während ein Liebesfilm die Produktion des weiblichen Hormons Progesteron förderte. Kein Wunder also, dass er andere Filme sehen will als sie.
Obwohl – mit Alexander würde ich sogar in einen Action-Film gehen! Aber das liegt wohl an der Kompromissbereitschaft der Frauen.

Die harte Schale
Derbe Sprüche und Begriffe wie “Titten” und “Arsch” sind aus dem Wortschatz vieler Jungs nicht wegzudenken. Wir Mädels nehmen solche Bezeichnungen oft persönlich und werten dies als Reduzierung auf unser Äußeres. Doch Psychologen geben Entwarnung: Unter dem Druck der Coolness (wie wir wissen, muss der Mann immer stark sein, oder zumindest so tun als ob) verstecken viele Jungs ihren weichen Kern hinter einer harten Schale. Genau aus dem gleichen Grund können Jungs ganz schön gemein zu einem Mädchen sein, wenn sie heimlich in sie verliebt sind. Doch in Wirklichkeit kann selbst der härteste Kerl zum sensiblen Weggefährten werden – insgeheim wünschen sich nämlich 86 Prozent der deutschen Männer eine Langzeitbeziehung.

Das schlechte Gedächtnis
Er hat wieder mal euren Jahrestag vergessen? Klar, das tut weh. Aber anders als wir Mädels, legen Jungs nicht soviel Gefühl in Erinnerungen. Sie erinnern selektiv, was bedeutet, dass andere Sachen, die systematisch für sie von Bedeutung sind, im Vordergrund stehen. Soll er sich also an den Jahrestag von euch erinnern, musst du diese Erinnerung in den Vordergrund bringen, beispielsweise durch Andeutungen oder indem du seine Freunde bittest, ihn daran zu erinnern. Klingt plump, funktioniert aber.

Das Technik-Phänomen
Mit dem Computer kennt er sich wunderbar aus, aber wenn es darum geht, Wäsche zu waschen, verweigern seine grauen Zellen den Dienst? Das ist eine faule Ausrede, denn theoretisch können Jungs technische Geräte besser bedienen. Dem männlichen Intellekt fällt es nämlich leichter, logisch zu denken und systematische Vorgänge nachzuvollziehen. Wir Mädchen können dafür im sprachlichen und kreativen Bereich punkten. Das liegt daran, dass bei Frauen die linke und die rechte Gehirnhälfte stärker vernetzt sind, während Jungs abstrakter denken können. Deswegen sind beide gleich intelligent, die Gehirne arbeiten allerdings anders. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, doch Wissenschaftler haben dieses Grundprinzip einwandfrei nachgewiesen.
Da eine Waschmaschine ein technisches Gerät ist, kann ein Junge sie also wunderbar bedienen. Vermutlich hat er gelernt, dass Hausarbeit Frauensache ist. Ist ihm die Waschmaschine ein Buch mit sieben Siegeln, so sind es vermutlich auch der Staubsauger und die Abwaschbürste. Hat er seine Vorurteile aber einmal überwunden, wirbelt er in der Küche wie kein Zweiter, wie mir meine große Schwester, die kürzlich mit ihrem Freund zusammengezogen ist, bestätigte.

Die Sportlerfraktion
Tine ist der festen Überzeugung, dass ich Alexanders Aufmerksamkeit am ehesten erregen könnte, wenn ich mich schwarz-weiß anmale und vor ein Tor lege. Wir müssen immer sehr über diese Vorstellung lachen, aber manchmal schleicht sich bei mir die leise Befürchtung ein, dass da wirklich etwas dran ist. Aber es gibt schließlich auch Mädchen, die kicken wie Beckham und Jungen, denen ein Fußballmatch allenfalls ein müdes Lächeln entlockt. Vielleicht finden Jungs Fußball so toll, weil sie hier endlich Gefühle zeigen können – wer ein paar Tränchen vergießt, weil die Lieblingsmannschaft nicht ins Endspiel gekommen ist, wird von keinem Kumpel schief angeguckt.

Das schwache Geschlecht
Neulich habe ich in der Zeitung gelesen, dass Männer akute Schmerzen besser aushalten als Frauen. Diese Studie muss von Männern initiiert worden sein, um zu widerlegen, was alle Mädchen längst wissen: Jungs leiden. Und sie leiden gern. Bahnt sich bei meinem Bruder beispielsweise eine simple Erkältung an, jammert er den ganzen Tag, wie schlecht es ihm doch gehe.
Tine und ich amüsieren uns regelmäßig über die Fußballer, die reihenweise, selbst bei kleinen Lappalien, zusammenbrechen und sich auf dem Rasen winden. Aber beurteilen können wir das natürlich nicht – wir kennen uns mit Fußball nicht aus, wie uns Felix regelmäßig attestiert. Dass Männer das schwache Geschlecht sind, das hat unsere Bio-Lehrerin neulich bestätigt. Genetisch ist der Mensch eigentlich als Frau angelegt. Während zur Entwicklung eines Mädchen ein X-Chromosom reicht (beispielsweise wenn zwar ein Y-Chromosom vorhanden, aber defekt ist), werden das Chromosom X und das Chromosom Y gleichermaßen benötigt, damit ein Junge entstehen kann. Aus diesem Grunde werden Frauen durchschnittlich älter als Männer und sind gesünder – sie sind das stärkere Geschlecht. Dies gilt allerdings nur für die Genetik. Vielleicht sollten wir Mädels aus diesem Grund unsere emotionale Intelligenz nutzen und gelegentlich ein Auge zudrücken, wenn die Jungs sind, wie sie sind. Das nächste Mal geht Tine einfach mit mir zum Shopping – allein unter Mädels macht das sowieso mehr Spaß.

[TK]

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