Raus von Zuhaus

Die eigene Butze

published: 05.10.2005

Auf dem Weg in die erste eigene Bude (Foto: shuttertsock.com/wavebreakmedia) Auf dem Weg in die erste eigene Bude (Foto: shuttertsock.com/wavebreakmedia)

Damit die erste Wohnung kein Flop wird


Es ist soweit: Die Schule ist geschafft und du wirst deine Heimatstadt verlassen, um in einer neuen Umgebung zu studieren und zu leben. Oder du beginnst eine Ausbildung und ziehst nur ein paar Straßen weiter, vielleicht findest du auch einfach, dass es an der Zeit ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, der einem ein Gefühl von Freiheit gibt und quasi Flügel verleiht. Damit der Traum von der ersten eigenen Wohnung nicht als Bruchlandung endet, gibt es einige Dinge, die du unbedingt beachten solltest.

Die Wohnungssuche

Für die Wohnungssuche sollte man sich genügend Zeit nehmen, damit die Traumbude nicht nur ein Traum bleibt. Wenn du ein WG-Zimmer suchst, lohnt es sich auf jeden Fall, die Schwarzen Bretter der Universitäten und Fachhochschulen zu studieren. Neben dem Wohnungsmarkt der Zeitungen leistet auch das Internet gute Dienste, beispielsweise die Seiten www.studenten-wg.de, www.wohnpool.de, www.immobilienscout24.de und die Onlineangebote überregionaler Zeitungen. Du solltest dir unbedingt mehrere Wohnungen ansehen, um einen Eindruck von Preisen und Angeboten zu bekommen. In einigen Fällen kann es lohnen, sich beim Einwohnermeldeamt oder beim Amt für Wohnungswesen einen Mietspiegel zu besorgen.

Checkliste für Wohnungsumgebung

- Nähe zum Arbeitsplatz/zur Uni
- Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel
- Einkaufsmöglichkeiten
- Lage zu Ärzten/Apotheken
- Parkmöglichkeiten
- Wie sieht die Umgebung aus?
- Ist das Treppenhaus sauber?
- Was für Mieter wohnen im Haus?
- Sind Briefkästen/Hof/Garten gepflegt?

Die Wohnungsbesichtigung

Eine Wohnungsbesichtigung sollte möglichst tagsüber erfolgen, damit du sehen kannst, wie hell eine Wohnung ist. Auch auf Straßenlärm und die Nähe zu Bahnschienen solltest du achten. Schon bei der Wohnungstür heißt es: Augen auf! Wurde das Schloss einmal ausgewechselt oder ein neuer Zylinder eingesetzt? Das kann auf einen Einbruch hinweisen. Vier Augen sehen mehr als zwei und deswegen solltest du ruhig einen Elternteil (macht bei einigen Maklern und Vermietern einen guten Eindruck) oder einen Freund/eine Freundin mitnehmen. Acu AuchAuch praktisch: ein Notizbuch, in dem sich alle Vor- und Nachteile einer Wohnung festhalten und mit anderen Wohnungen vergleichen lassen.

Checkliste für die Wohnungsbesichtigung

- Bekommt die Wohnung genug Licht?
- Wie hoch ist der Lärmpegel?
- Sind die Fenster – wenn nötig – doppelverglast, gut isoliert und lassen sich gut öffnen und schließen?
- In Bad und Küche: Sind Dichtungen, Wasserhähne, die Wasserspülung und Fliesen in Ordnung?
- Gehören Möbel zum Wohnungsinventar?
- Gibt es genug Steckdosen?
- In welchem Zustand befindet sich die Heizung?
- Wenn du Haustiere hast: Ist Tierhaltung gestattet?
- Wird die Wohnung im renovierten Zustand übergeben?
- Wie hoch ist die Kaution?
- Ist eine Keller- oder Bodennutzung inbegriffen?
- Gibt es einen Hausmeister?

Die Wohnungsübergabe

Es ist geschafft: Du hast deine Traumwohnung gefunden. Dann steht als nächstes die Wohnungsübergabe an. Den Termin macht man in den meisten Fällen mit dem Vermieter aus und die Übergabe sollte möglichst ein paar Tage vor deinem Umzug sein, damit eventuelle Mängel noch behoben werden können. Dafür lohnt es sich, zusammen mit dem Vermieter ein Übergabeprotokoll zu erstellen, in welchem alle möglicherweise vorhandenen Mängel aufgelistet werden. Das hat den Sinn, dass du bei einem Auszug nicht für Schäden verantwortlich gemacht werden kannst, die du gar nicht verursacht hast. Es sollte auch schriftlich festgehalten werden, wie viele Schlüssel zur Wohnung gehören.

Der Mietvertrag

Mit dem Unterzeichnen des Mietvertrages (eventuell auch einer Bürgschaft deiner Eltern) erklärst du dich bereit, deine Miete pünktlich zu überweisen, die Hausordnung zu befolgen und deiner Fürsorgepflicht für die Wohnung (das heißt im Klartext: Sie nicht verkommen lassen) nachzukommen. Im Mietvertrag ist außerdem festgelegt, ob du einen Keller- oder Dachboden zugewiesen bekommst, wie hoch die Kaution ist, welche Kündigungsbedingungen gelten und ob Haustiere erlaubt sind. Deswegen: Lieber einmal mehr durchlesen, bevor du unterschreibst! Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, solltest du Mitglied im Mieterbund werden, dort wirst du in allen Fragen rund um ein Mietverhältnis beraten (www.mieterbund.de). Die Mitgliedschaft kostet etwa 40 Euro pro Jahr.

Schönheitsreparaturen und Renovierung

Im Mietvertrag kann auch festgelegt sein, ob du die Wohnung bei einem Auszug besenrein oder renoviert übergeben musst und inwieweit während der Wohnzeit renoviert werden muss. Dabei ist es zulässig, wenn der Vermieter von dir verlangt, Küche und Bad alle drei Jahre neu zu streichen - Wohnzimmer, Schlafraum, Flur und Diele sollten alle fünf Jahre gestrichen werden, sonstige Nebenräume alle sieben Jahre. Musst du bei einem Auszug renovieren, musst du die Wände "normal”, also nicht in schrillen Farben, anpinseln. Auch kleinere Schönheitsreparaturen darfst du selbst ausführen, sofern dies fachgerecht geschieht. Der Vermieter kann dich nicht zwingen, Schönheitsreparaturen durch einen Fachmann durchführen zu lassen.

An- und Ummelden nicht vergessen

An- bzw. Ummelden (wenn du schon vorher in einer eigenen Wohnung gewohnt hast) musst du dich bei allen Betrieben, die dich mit Gas, Strom, Wasser oder Fernwärme versorgen. Ob du dich auch bei der Müllabfuhr anmelden musst, kannst du beim Vermieter erfragen. Außerdem fallen Amtsgänge zum Einwohnermeldeamt (innerhalb der ersten vier Wochen und absolute Pflicht), deiner Bank und eventuell dem Finanzamt und der Bundesagentur für Arbeit an (bei Arbeitslosigkeit). Bei der Post gibt es gegen eine Gebühr von circa 15 Euro die Möglichkeit, dir ein halbes Jahr die Post hinterher schicken zu lassen (Nachsendeantrag). Wie das geht, erfährst du unter [link67]. Das ist eine praktische Sache, dennoch darfst du nicht vergessen, Vereinen, in denen du Mitglied bist - vom ADAC bis zum Sportverein oder deinem Internetprovider - deine neue Adresse mitzuteilen. Auch Abonnements sollten die neue Adresse erreichen. Deswegen musst du daran denken, rechzeitig die Verlage zu informieren!

Alles (ver)sicher(t)?!

Zwei Versicherungen, die jeder (zukünftige) Mieter unbedingt braucht: Hausrat- und Haftpflichtversicherung. Die Hausratversicherung ist wichtig, damit Schäden, die in deiner Wohnung durch einen Einbruch, Blitzschlag, Wasser etc. angerichtet werden, wieder repariert werden können oder nach einem Einbruch ersetzt werden. Hier solltest du unbedingt vergleichen, denn die Beiträge und die dafür erbrachten Leistungen für eine Hausratversicherung variieren von Anbieter zu Anbieter. Einige Versicherungen haben spezielle Angebote für junge Leute unter 25 Jahren. Erkundige dich unbedingt danach! Bis zum Ende der Ausbildung kannst du bei deinen Eltern noch mit haftpflichtversichert sein, ab wann du selbst eine Haftpflichtversicherung brauchst (hängt von Alter, Ausbildung und anderen Faktoren ab), solltest du unbedingt erfragen. Eine Haftpflichtversicherung sorgt dafür, dass Schäden, die du verursacht hast, abgegolten werden. Das gilt beispielsweise auch, wenn deine Waschmaschine kaputt geht und dadurch Wasser durch den Boden sickert und in einer anderen Wohnung Schaden anrichtet. Bei Versicherungen mehrerer Anbieter zu checken, kann sich wirklich lohnen und durch die anfängliche Lauferei und Mühe lassen sich am Ende einige Euros sparen.

Nebenkosten niedrig halten

Auch die Nebenkosten musst du mit einplanen. Aber vielleicht lässt sich auch hier bares Geld sparen, wenn du dich ans vergleichen machst. So solltest du Angebote von verschiedenen Telefondienstleistern einholen und auch beim Strom die Preise vergleichen (www.stromtarife.de).

Finanzielle Unterstützung

Gerade wenn man sich in der Ausbildung befindet, reicht das Geld oft hinten und vorne nicht. Doch es gibt Wege, finanzielle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, damit du nicht jeden Cent zweimal umdrehen musst:

WBS – Wohnungsberechtigungsschein

Der WBS ist der rechtliche Nachweis für die Bezugsberechtigung einer Wohnung im sozialen Bereich. Um einen WBS zu bekommen, musst du über 18 Jahre alt sein und dein Einkommen darf eine bestimmte Grenze nicht überschreiten. Anträge gibt es bei den Bürger- und Bezirksämtern.

Wohngeld

Wohngeld ist ein finanzieller Zuschuss für die Miete einer Wohnung. Beantragen können ihn Auszubildende, die ihre Lehre abgeschlossen haben. Anträge gibt es bei den Bezirksämtern.

BAB – Berufsausbildungsbeihilfe

Reicht dein Azubi-Gehalt nicht aus, hast du die Möglichkeit, vom Arbeitsamt Berufsausbildungsbeihilfe zu bekommen. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn dein Ausbildungsbetrieb soweit entfernt von deinem Elternhaus ist, dass du eine Wohnung benötigst. Beantragen kannst du das BAB bei der zuständigen Bundesagentur für Arbeit deines Wohnortes.


BAföG – Bundesausbildungsförderungsgesetz

Wird vor allem von Studenten, aber auch Auszubildenden in Anspruch genommen, denen ein Studium oder eine Ausbildung sonst finanziell nicht möglich wäre. Die Höhe des BAföG hängt vom Nettoeinkommen deiner Eltern und deinem eigenen Einkommen ab. Die Rückzahlung der Darlehn (die Hälfte des Betrags, der dir ausgezahlt wurde) setzt fünf Jahre nach Ende der Ausbildung ein. Für BAföG gibt es spezielle Ämter, an die du dich wenden musst.

Kindergeld

Sofern dein eigenes Einkommen nicht über 7188 EUR liegt, hast du einen Anspruch auf Kindergeld bis zum 18. Lebensjahr, bzw. bis du deine Ausbildung beendet hast (max. bis zum 27. Lebensjahr). Den Antrag auf Kindergeld stellt man bei der zuständigen Bundesagentur für Arbeit.

Gemischte Gefühle

Dem Auszug aus dem Elternhaus sehen die meisten mit gemischten Gefühlen entgegen. Gerade wenn es in eine andere Stadt geht, sind Heimweh und Angst vorm Alleinsein oft vorprogrammiert. Neben der großen Freiheit erwartet einen auch jede Menge Verantwortung; man muss seine Wäsche selbst waschen, selbst kochen und sich in einer neuen Umgebung mit neuen Menschen zurechtfinden. Doch auf eigenen Beinen zu stehen, kann auch viel Spaß machen und Scoolz drückt dir auf jeden Fall die Daumen, dass bei der Wohnungssuche alles gut geht.

Gedicht von Hermann Hesse


Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nmimm Abschied und gesunde!

(Quelle: Hermann Hesse, Die Gedichte, Zweiter Band, hier: Aus den Jahren 1929 - 1941, Suhrkamp Verlag, Berlin)



[TK]

Links

www.studenten-wg.de
www.wohnpool.de
www.immobilienscout24.de
www.mieterbund.de
www.stromtarife.de
www.umzugsservice.com

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