Feng Shui

Alte Kunst mit aktuellem Wert

published: 05.10.2005

Das Feng-Shui-Prinzip ist eine über 7000 Jahre alte taoistische Lehre (Foto: Naphat_Jorjee/shutterstock.com) Das Feng-Shui-Prinzip ist eine über 7000 Jahre alte taoistische Lehre (Foto: Naphat_Jorjee/shutterstock.com)

Spiegel ist nicht gleich Spiegel
“Ich kann einfach nicht mehr gut schlafen”, erkläre ich meiner Freundin Katja meine dunklen Augenringe, als ich sie vor der Schule zu Hause abhole. “Ich weiß nicht, warum”. Und in der Tat schlafe ich zwar, aber irgendwie nie erholsam - und in letzter Zeit fühle ich mich jeden Morgen fertiger als am Tag davor. “Vielleicht stehen deine Möbel falsch”, grübelt Katja auf dem Weg zum Bus. “Schuld ist bestimmt dein Spiegel, denn nach den Regeln des Feng Shui kann man nur in Räumen gut schlafen, in denen die Lebensenergie Chi fließt….” Das ist doch esoterischer Blödsinn, denke ich mir und zucke mit den Schultern.

Feng Shui – Taoistischer Tick?
Später am Nachmittag, bei einer Tasse heißer Schokolade, erfahre ich, warum es meiner Freundin plötzlich so wichtig ist, wo ein Spiegel hängt: Eine Bekannte ihrer Mutter hat Katja bei einem Besuch von der Einrichtungslehre Feng Shui erzählt. “Das ist eine taoistische Lehre, die schon über 7000 Jahre alt ist. In Hong Kong beispielsweise ist fast jede Firma nach dem Feng-Shui-Prinzip eingerichtet”. “Und was soll das bringen?”, frage ich, während ich mir an der heißen Tasse meine Finger wärme. “Das bringt mehr Energie”, klärt mich Katja auf. “Denn das Leben, die Luft und unser Essen – alles besteht aus Energie. Und wenn die nicht richtig fließen kann, geht es uns nicht gut. Deshalb versucht man mit Feng Shui Häuser und Wohnungen so zu bauen und einzurichten, dass alle Lebensbereiche positive Energie bekommen.”
Klingt ziemlich abgedreht, denke ich. Aber vielleicht kann mir Feng Shui ja doch helfen, wieder gut zu schlafen...

Wohnen zwischen Wind und Wasser
Katjas Worte gehen mir nicht mehr aus dem Kopf und als ich dann am Nachmittag in einem Bücherladen ein Heftchen über Feng Shui entdecke, beschließe ich, auch im Internet nach Informationen über diese Lehre zu suchen. Vielleicht kann ich Katja ja davon überzeugen, dass dieses Energie-Geschwafel totaler Blödsinn ist? Als ich jedoch mit dem Lesen beginne, bin ich sehr erstaunt: Feng Shui, was übersetzt soviel heißt wie “Wind und Wasser”, ist im asiatischen Raum so selbstverständlich wie bei uns das Werbefernsehen und beruht auf mathematischen, physikalischen, philosophischen und astrologischen Erkenntnissen. Wer eine Feng-Shui-Beratung macht - die für eine Wohnung etwa 150 Euro kostet - bekommt anhand seines Geburtsdatums eine ganze Reihe individueller Einrichtungsvorschlägen, die das Leben angenehmer und energiereicher machen sollen.

Das Bagua-Achteck
Anhand der Geburtsdaten kann ein Feng-Shui-Berater einem Menschen zunächst ein Element (Wasser, Holz, Feuer, Erde oder Metall) und entsprechende Farben und Formen zuordnen. Auch bei Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen spielen Farben und Elemente eine wichtige Rolle, denn sie können, laut Feng-Shui-Regeln, Energieblockaden in Räumen lösen und die Energiezufuhr eines Menschen positiv beeinflussen. Dabei geht es vor allem darum, das Bagua-Achteck ins rechte Lot zu bringen. Das Bagua-Achteck besteht aus den Stationen Reichtum, Ruhm, Partnerschaft, Familie, Kinder, Wissen, Karriere und Freunde. Dieses Achteck kann, wie eine Schablone, auf eine ganze Wohnung oder auch nur einen Raum angewendet werden. Die jeweiligen Stationen müssen positiv beeinflusst werden, beispielsweise durch zwei Kerzen in der Partnerschaftsecke, um diesen Lebensbereich wieder ins Lot zu bringen.

Einrichten mit den Tiersymbolen
Feng Shui benutzt auch Tiersymbole, um einen Leitfaden zum Einrichten eines Raumes zu geben. So symbolisiert die Schildkröte beispielsweise Möbel, die zum Ruhen einladen und die man an einer Wand, möglichst im Norden, aufstellen sollte. Hohe Möbelstücke, die durch den Drachen repräsentiert werden, sollten im Osten stehen und niedrige Einrichtungsgegenstände (Tiger) auf der Westseite eines Raumes. Nähere Hinweise zu spezielleren Einrichtungsfragen sollen Phönix und Schlange geben, die ein Feng-Shui-Experte ausloten muss.

Yin und Yang


Da Feng Shui auf taoistischen Ideen basiert, unterteilt die Lehre in Yin (der dunklen, weiblichen und ruhigen Seite eines Menschen oder einer Sache) und dem Yang (welches die hellen, männlichen und dynamischen Aspekte einer Person oder Sache beschreibt). Nur wenn Yin und Yang im ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, fließen die Energieströme gleichmäßig und aktiv.

Kein Muss, aber eine Anregung
Puh, so viele neue Begriffe und fremde Symbole – da kann einem wirklich der Kopf rauchen. Feng Shui wirkt ganz schön kompliziert und während ich mich frage, ob Katja das alles überhaupt weiß, lese ich in einem Buch zum Glück etwas, das mich wieder etwas beruhigt: Feng Shui ist kein Wundermittel und kann das Schicksal auch nicht beeinflussen. Wohn- und Lebenssituation eines jeden Menschen sind verschieden und die Lehre des Feng Shui muss immer individuell gesehen werden. Was dem einen gut tut, muss nicht unbedingt auch für den anderen toll sein. Neben ganz individuellen Regeln gibt es aber auch ein paar allgemeingültige Empfehlungen, die man für sein eigenes Zimmer oder eine ganze Wohnung nutzen kann. Änderungen sollten aber nur schrittweise und langsam erfolgen und es sollte stets geprüft werden, ob diese Veränderung einem gut tut oder nicht.

Allgemeine Regeln
In den Quadraten des Bagua-Achtecks sollte man nach Feng Shui für die richtige Atmosphäre sorgen. Ein Aquarium, ein Tischbrunnen oder ein Wasserfallposter sollen in der Reichtumsecke dafür sorgen, dass Wohlstand fließt, während dreckige Wäsche oder einzelne Gegenstände in der Partnerschaftsecke die Beziehung belasten können. Etwas rotes, vielleicht zwei Kerzen oder ein Bild der Verliebten sorgt hingegen für den richtigen Fluss positiver Energie.

Wohnungs- und Hauslage
Ein Haus oder eine Wohnung sollte nicht an einer viel befahrenen Straße oder an einem Friedhof liegen, da hier zuviel negative Energie (Sha-Qui) fließt. Shi, die positive Energie kommt durch die Haustür, weswegen der Eingangsbereich einer Wohnung sauber und einladend (beispielsweise durch eine Pflanze oder sanftes Licht) sein sollte.

Schlafzimmer
Der Raum in dem das Bett steht, dient der Erholung. Hier muss Yin (also weibliche, sanfte Energie) dominieren, um einen ruhigen Schlaf zu gewährleisten. Das Schlafzimmer sollte nicht zu warm sein, mit gedämpftem Licht ausgestattet und in gedeckten Farben eingerichtet sein. Möbel mit runden Formen (ohne scharfe Kanten) haben nach der Lehre des Feng Shui eine ebenso positive Wirkung auf das Energiefeld des Raumes wie ein Bett, das möglichst weit weg von Tür und Fenstern, in diagonaler Ausrichtung zur Tür steht. Die Tür sollte man vom Bett aus im Blick haben, um sich sicher zu fühlen. Spiegel hängt man am Besten an einer Stelle auf, die nicht gegenüber eines Fensters liegt und so, dass man vom Bett aus nicht in den Spiegel gucken kann, denn das bringt negative Energie. Elektrogeräte, wie Fernseher und Stereoanlage, haben im Schlafzimmer nichts zu suchen oder finden ihren Platz möglichst weit weg vom Bett. Selbst Bücher haben nach den Regeln des Feng Shuis im Schlafzimmer nichts zu suchen, da sie für schlechte Träume sorgen können.

Arbeitsplatz
Ein Schreibtisch steht möglichst so, dass man mit dem Rücken zu einer Wand sitzt und die Tür im Blick hat. Wer direkt zwischen Tür und Fenster, also nach Feng Shui in einer Energiebahn, sitzt, kann durch Pflanzen oder einem Windspiel im Fenster mehr Ruhe zum Arbeiten finden. Wer die Tür nicht sehen kann, sollte einen Spiegel aufhängen. Ein Tischbrunnen, ein Aquarium oder auch nur ein Bild mit einer Wasserlandschaft sollen helfen, die Kreativität anzuregen.

Spiegel, Pflanzen und Windspiele
Spiegel, Pflanzen und Windspiele können also als kleine Hilfsmittel benutzt werden, wenn es keine Möglichkeit gibt, ein Möbelstück an einer anderen Stelle zu platzieren. Pflanzen mit spitzen Blättern liefern harte Energie und sind deshalb nichts fürs Schlaf- und Wohnzimmer. Hier sorgen Blumen mit runden Blättern für eine entspannte Atmosphäre. Alles kann man als Laie beim Feng Shui gar nicht richtig machen, aber das muss man auch gar nicht, denn Feng Shui verpflichtet nicht, sondern gibt nur Anregungen und Ideen, die man übernehmen kann, wenn sie einem gut tun und gefallen.

Kerzen und Milch mit Honig


Meine Möbel bleiben jedenfalls, wo sie sind, aber ich werde den Spiegel jetzt immer nachts verhängen und für das Fenster habe ich ein Windspiel gekauft. Für guten Schlaf sorgt bei jedoch vorerst ein altes westliches Hausmittel: die gute alte Milch mit Honig. Aber in der Partnerschaftsecke habe ich zwei Kerzen aufgestellt – man kann ja nie wissen. Und auch Katja hat das Feng-Shui-Fieber gepackt: In ihrer “Reichtumsecke” hängt jetzt ein Wasserfallposter, für Geldsegen und Wohlstand.

[TK]

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