Wie war das noch?

Erste Hilfe

published: 06.12.2005

Die stabile Seitenlage ist ausschließlich bei bewusstseinsgetrübten oder bewusstlosen Menschen anzuwenden (Foto: SpeedKingz/shutterstock.com) Die stabile Seitenlage ist ausschließlich bei bewusstseinsgetrübten oder bewusstlosen Menschen anzuwenden (Foto: SpeedKingz/shutterstock.com)

Erste Hilfe - ein alter Hut?

Zum Thema Erste Hilfe fällt dir nur der Pflichtkurs für den Führerschein und der Verbandskasten in der Schule ein? Schade, denn Erste Hilfe ist viel mehr als das und vor allem: Erste Hilfe kann Leben retten. Deshalb geht sie jeden etwas an. Wenn du dich in einer Notsituation befindest, bist du auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Und wenn jemand anders einen Unfall hatte oder sich in einer lebensbedrohlichen Lage befindet, bist du rechtlich verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Besonders wichtig sind fundierte Kenntnisse in Erster Hilfe auch für Mädels und Jungs, die sich ihr Taschengeld mit Babysitten aufbessern, Zivildienstleistende und Jugendliche mit kleinen Geschwistern oder Personen mit schweren Krankheiten in der Familie. Hier muss man auch in speziellen Gebieten Bescheid wissen. Für alle anderen sind zumindest die Basics der Ersten Hilfe unerlässlich. Und mit neuen Lehrmitteln, beispielsweise CDs oder Internet, sind Erste-Hilfe-Kurse jetzt up to date und ganz und gar nicht eingestaubt. In den letzten Jahren gab es zudem Neuerungen, über die jeder informiert sein sollte.

Wie war das noch?

Klar, die stabile Seitenlage kennt jeder, aber wirklich anwenden können sie die wenigsten. Meistens ist man mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, dass man die Grundlagen der Ersten Hilfe schnell vergessen hat. Und wo war gleich noch mal der Verbandskasten, der in keinem Haushalt fehlen darf? Keine Bange, Scoolz und das Deutsche Rote Kreuz e.v.fassen die wichtigsten Dinge zusammen und haben Adressen parat, bei denen du einen Erste-Hilfe-Grundkurs oder Auffrischungskurs absolvieren kannst. So ein Kurs dauert meist nur wenige Stunden und kann in einem Notfall Leben retten.

Ein handelsüblicher Verbandskasten gehört nicht nur ins Auto, sondern auch in jeden Haushalt (Foto: shutterstock.com/elenabsl)Ein handelsüblicher Verbandskasten gehört nicht nur ins Auto, sondern auch in jeden Haushalt (Foto: shutterstock.com/elenabsl)


Die Grundausrüstung: der Verbandskasten

Ein handelsüblicher Verbandskasten gehört nicht nur ins Auto, sondern auch in jeden Haushalt. Einmal im Jahr sollte der heimische Verbandskasten auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit überprüft werden. Das kannst du selbst an Hand unserer Checkliste tun. Aber auch in Apotheken hilft man dir gerne weiter. Dort kann man dir sagen, welche Dinge du ersetzen oder zusätzlich beschaffen musst. Ist das Haltbarkeitsdatum überschritten, müssen alle Produkte ausgetauscht werden. Der Inhalt eines Verbandskastens ist im Paragraphen 35h StVZO festgelegt und verweist auf DIN 13164B, also eine ganz bestimmte Norm. Im Laufe der Jahre hat es in dieser Norm Änderungen gegeben: So wurde beispielsweise die Anzahl der Wundschnellverbände und Mullbinden geändert. Rettungsdecke und Einmal-Handschuhe gehören erst seit ein paar Jahren zur Pflichtausstattung eines Verbandskastens. Und Ölkreide und Sicherheitsnadeln sind nicht mehr zwingende Bestandteile. Folgendes muss in einem Verbandskasten nach heutigem Standard enthalten sein:

1 Spule Heftpflaster (5 x 2,5) mit Außenschutz
8 Wundschnellverbände (10 x 6), Staub geschützt verpackt
1 Verbandpäckchen (13151-G)
3 Verbandpäckchen (13151-M)
1 Verbandtuch (13152-A)
2 Verbandtücher (13152-BR)
2 Fixierbinden, einzeln Staub geschützt verpackt
2 Mullbinden (61631-MB-6) CV/CO
3 Fixierbinden (61634-FB-8), einzeln Staub geschützt verpackt
3 Mullbinden (61631-MB-8) CV/CO
6 Wundkompressen (10 x 10), maximal paarweise steril verpackt
2 Dreiecktücher (13168-D), Staub geschützt verpackt
1 Schere (58279-A)
1 Rettungsdecke aus metallisierter Polyesterfolie, nahtfrei, Aluminium bedampft, Mindestmaß: 210 x 160 cm, Mindestdicke: 12 µm
4 Einmalhandschuhe (EN 455-1 + EN 455-2), nahtlos, groß, Staub geschützt verpackt
1 Erste-Hilfe-Broschüre
1 Inhaltsverzeichnis

Interview mit Apothekerin Jutta Schröder

Welche Bereiche umfasst die Erste Hilfe?
”Erste Hilfe bedeutet, spontan zu helfen. Das kann jederzeit erforderlich werden - plötzlich und überall. Notfälle können jederzeit geschehen. Unter Erster Hilfe ist nicht nur die Hilfe bei lebensbedrohlichen Notfällen zu verstehen, sondern auch die Hilfe, die beispielsweise eine Mutter einem hingefallenen Kind leistet, indem sie das Kind tröstet. Erste Hilfe muss bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wie akutem Herzversagen, Unterzuckerung, Asthmaanfall oder Schock, bei Unfällen im Haushalt, am Arbeitsplatz, bei Sport und Spiel oder im Straßenverkehr geleistet werden. Gerade die ersten Minuten vom Eintritt eines Notfalls bis zum Eintreffen des Rettungsdienstpersonals sind für das Wohl des Patienten oftmals entscheidend! Wichtig ist, dass man überhaupt etwas tut. Beruhigend auf den Betroffenen wirkt schon, dass man sich um ihn kümmert.”

Was gehört zur Erste-Hilfe-Grundausstattung im Haushalt?
”Zur Erste-Hilfe-Versorgung im Haushalt gehört ein handelsüblicher Verbandkasten, wie er sich in jedem PKW befinden muss. Genau wie dieser sollte er einmal jährlich auf Vollständigkeit und Verfall überprüft werden. Wenn man das nicht selber tun möchte, bieten auch viele Apotheken gegen ein geringes Entgelt oder kostenlos diesen Service an. Im Deckel oder als Broschüre ist der Inhalt des Verbandkastens aufgelistet. Der Inhalt ist nach Fahrzeuggröße oder bei Betrieben nach Angestelltenzahl und Art des Gewerbes von den Berufsgenossenschaften definiert und vorgeschrieben. So ein Kasten enthält ein Sortiment verschiedener Wundauflagen und Pflaster für viele Eventualitäten. Die enthaltene Schere ist meistens stumpf und sollte durch eine gut schneidende Haushaltsschere ersetzt werden, damit man im Notfall nicht wertvolle Zeit verliert. Meist muss der Haushaltsverbandkasten um eine Splitterpinzette ergänzt werden. Auch eine Salbe gegen Verstauchungen, Wunddesinfektionsmittel, ein Fiebersenkungsmittel und ein Fieberthermometer gehören mit hinein. Etwas gegen Durchfall und Magenschmerzen sollte ebenso zum Inhalt gehören wie Mittel gegen Halsschmerzen und Hustenreiz sowie Zubereitungen gegen Verbrennungen und Insektenstiche.”

Was ist von Verbandskästen zum Schnäppchenpreis zu halten?
”Sollte man einen preisgünstigen Verbandkasten angeboten bekommen, ist eine Inhalts- und Verfallsdatumskontrolle Pflicht.”

Kann man Omas Hausmittel empfehlen?
”Omas Hausmittel sind längst nicht out. Die Phytomedizin (die Lehre der Pflanzen) birgt viele Heilungschancen. Ob Aloe oder Artischocke, Efeu, Mistel und Flohsamen - alle sind aktuelle Forschungsobjekte der Pharma-Industrie. Apropos Aloe: Die hatte meine Großmutter auf der Fensterbank in einem großen Blumentopf. Bei Verbrennungen half der frisch ausgetretene Saft abgebrochener Blätter - und leichte Verbrennungen kamen beim Kochen auf der offenen Herdflamme häufiger vor. Nelken kamen nicht nur an den Rotkohl sondern halfen und helfen auch gegen Zahnschmerzen!”

Wie kann ich mich bei Erste-Hilfe-Maßnahmen vor Infektionen schützen?
”Bei allen blutenden Wunden oder beim Freimachen der Atemwege sollte man unbedingt die im Verbandkasten enthaltenen Vinyl- oder Latexhandschuhe tragen. Und verbrauchtes Material aus dem Kasten muss natürlich unverzüglich ersetzt werden.”

Was hat sich in den letzten Jahren im Bereich Erste Hilfe verändert?
”Soweit ich weiß, ist der Defibrillator recht neu. Dieses Gerät soll irgendwann mal in allen öffentlichen Gebäuden zugänglich sein, weil es bei rechtzeitigem Einsatz einem Infarktpatienten das Leben retten kann. Einen Defibrillator kann auch ein Laie bedienen, denn das Gerät selbst gibt Anweisungen zur Handhabung.”

Dei Sofortmaßnahmen am Unfallort sind der erste Teil der Rettungskette (Foto: SPK Lifestyle Stock Photo)Dei Sofortmaßnahmen am Unfallort sind der erste Teil der Rettungskette (Foto: SPK Lifestyle Stock Photo)


Die Rettungskette

Genauso wichtig wie ein Verbandskasten ist eine gut funktionierende Rettungskette. Damit ist kein Schmuckstück gemeint, sondern die Abfolge der lebensrettenden Maßnahmen von der Soforthilfe bis zur Versorgung im Krankenhaus. Die Rettungskette ist damit Grundlage einer jeden Erste-Hilfe-Leistung. Nach dem nun folgenden Überblick gehen wir auf einzelne Maßnahmen noch einmal detailliert ein.

Teil 1 der Rettungskette: Sofortmaßnahmen

Wenn du jemanden nach einem Unfall, einer Vergiftung oder Ähnlichem auffindest, gilt es, dir zunächst einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Du musst als Erstes dafür sorgen, dass keine akute Gefahr mehr für dich selbst oder jemand anderen besteht. Das kann dadurch passieren, dass du eine Unfallstelle absicherst oder bei einem Stromunfall für Stromunterbrechung sorgst. Bei einer Vergiftung durch chemische Dämpfe oder ausgelaufene Chemikalien, die du nicht gefahrlos beseitigen kannst, solltest du dich dem Unfallort nicht nähern und auf das Eintreffen der Einsatzkräfte warten. Konntest du die Unfallstelle absichern, musst du zunächst das Unfallopfer ansprechen um festzustellen, ob es bei Bewusstsein ist.
Zu den Sofortmaßnahmen gehört auch:
· bedrohliche Blutungen stillen
· Atemwege freimachen
· Bewusstlose in Seitenlage bringen
· gegebenenfalls Wiederbelebung beginnen

Der Notruf

Hast du die Sofortmaßnahmen durchgeführt, muss der Notruf getätigt werden. Wenn dies ein Dritter tun kann, spart das Zeit und ermöglicht es dir, beim Unfallopfer zu bleiben. Wer bei einem Verkehrsunfall kein Handy zurHand hat, kann an jeder Notrufsäule oder in jeder Telefonzelle kostenfrei die Notrufnummern 112 (Feuerwehr und Rettungswagen) oder 110 (Polizei) wählen. Auf einer Autobahn findest du die nächste Notrufsäule, indem du den Pfeilen an den Leitpfosten folgst. Bereite dich auf die Fragen der Rettungshelfer vor. Am Telefon wirst du beispielsweise Auskunft auf die W-Fragen geben müssen:

- Wo ist es passiert?
- Was ist passiert?
- Wie viele Personen sind betroffen?
- In welchem Zustand befindet sich der Patient?
- Und ganz wichtig: Auf Rückfragen warten!

Teil 2 der Rettungskette: weitere Maßnahmen

Je nach Zustand des Betroffenen musst du nun mit bestimmten Erste-Hilfe-Maßnahmen wie beispielsweise der Lagerung je nach Zustand oder Wunsch des Betroffenen beginnen. Weiterhin gilt es, die Vitalfunktionen (Bewusstsein, Atmung und Kreislauf) des Opfers zu überprüfen und sich um die Erstversorgung von Wunden zu kümmern. Auch wichtig ist die Schockbekämpfung, die du bis zum Eintreffen der Rettungskräfte durchführen musst. Das Unfallopfer sollte bei allen Maßnahmen auch psychologisch betreut werden. Sprich beruhigend mit dem Verletzten.Anschließend solltest du den eintreffenden Rettungsdienst einweisen.

Teil 3 der Rettungskette: der Rettungsdienst

Sobald der Rettungsdienst vor Ort ist, solltest du ihm freie Bahn lassen und dich an die Anweisungen des Rettungsteams halten. In dessen Aufgabenbereich fällt:
· Medizinische Erstversorgung
· Notärztliche Maßnahmen
· Herstellen der Transportfähigkeit
· Sachgerechter Transport

Teil 4 der Rettungskette: Krankenhaus

Ist das Unfallopfer einmal im Krankenhaus eingetroffen, kümmern sich die zuständigen Ärzte um alle weiteren Maßnahmen. Sie erstellen eine Diagnose, leiten die entsprechende Therapie ein und kümmern sich um die weitere Pflege des Patienten.

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