Liebe nur am Wochenende

Räumlich getrennt, seelisch vereint

published: 01.06.2006

An jedem Sonntag Abend kommt der Moment des Abschieds  (Foto: shutterstock.com/Kopytin Georgy) An jedem Sonntag Abend kommt der Moment des Abschieds (Foto: shutterstock.com/Kopytin Georgy)

Seit zwei Jahren sind Manuel und Lizzy nun schon ein Paar. In der Schule haben sie sich kennen und lieben gelernt, wollten nach dem Abi gerne zusammen ziehen. Doch ihre Liebe wird derzeit auf eine harte Probe gestellt: Manuel begann eine Ausbildung im elterlichen Betrieb in Hamburg, Lizzy bekam einen Medizin-Studienplatz in Berlin. Jedes dritte Wochenende steigt die angehende Ärztin nun in den Zug, um Manuel in die Arme schließen zu können. Beide fragen sich jetzt: „Liebe auf Distanz - wie lang geht das gut?“

Zwangstrennung
Immer mehr Studierende und Paare unter 30 führen in Deutschland eine Wochenendbeziehung. Wer heutzutage Karriere machen will, muss in der Liebe flexibel sein. Es ist also an der Zeit, umzudenken: Eine gesunde Partnerschaft muss nicht alten Klischees entsprechen.

Eine Fernliebe ist immer ein Risiko, sie bietet aber auch Chancen. Warum lästige Routine, wenn eure Liebe immer frisch und neu sein kann? Den Partner nicht dauerhaft um sich zu haben, ist allerdings nichts für Pessimisten oder unselbstständige Persönlichkeiten. Wenn ihr euch hingegen mit jedem Brief und Anruf neu verliebt und die Sehnsucht nach dem anderen in Vorfreude verwandelt, wenn ihr warten und verzichten könnt, dann habt ihr gute Karten. Dennoch empfiehlt es sich, in absehbarer Zeit eine gemeinsame Zukunft zu planen, spätestens nach zwei Jahren. Danach sinken statistisch gesehen die Perspektiven für das Glück zu zweit. Räumlich getrennt und dennoch seelisch vereint: So geht’s!

Beziehungsideal
Am Wochenende ein Paar, im Alltag Single. Das kann durchaus Vorzüge haben. Für viele ist es sogar die ideale Lebensform. Ihr könnt euch beide selbst verwirklichen, ihr seid eigenständig, eure zusammen verbrachte Zeit ist besonders intensiv und die kleinen Alltagssorgen belasten die Beziehung nicht unnötig. Streit um Kleinigkeiten wie Abwaschen, Aufräumen oder Müll runterbringen entfällt. Es schleichen sich keine Gewohnheiten ein, welche den Alltag öde erscheinen lassen. Ihr könnt euren eigenen Rhythmus leben, euch ganz auf das Studium konzentrieren und Freundschaften pflegen. Eure Zeit in der Woche könnt ihr frei einteilen, ihr habt mehr Ruhe beim Lernen und ihr müsst keine Kompromisse eingehen, wenn der Schreibtisch ruft.

Eine Fernbeziehung bedeutet nicht gleichzeitig, dass ihr unglücklich sein müsst. Klar, Sehnsucht kann sehr schmerzhaft sein, sie bringt aber auch den gewissen Kick in die Partnerschaft. Die Gelegenheit, den vertrauten Partner ständig neu zu entdecken, entpuppt sich vielleicht als Abenteuer. Egal, was andere sagen: Eure Liebe ist etwas Besonderes!

Trügerische Harmonie
Auf Dauer kann die Fernbeziehung aber auch eine enorme Belastung darstellen. Daher gilt es von vornherein, sich der Stolperfallen einer Liebe auf Distanz bewusst zu sein. Werden die Momente der Zweisamkeit immer seltener, besteht die Gefahr, dass ihr euch auseinanderlebt. Ihr könnt den Alltag, die Erlebnisse und vor allem die Alltagsprobleme nicht teilen. Ihr vermisst gemeinsame Ziele, die Nähe, Wärme und das Verständnis des anderen. Die gemeinsame Zeit muss stets geplant werden, es bleibt kein Raum für Spontaneität. Wer von dem Partner nicht mehr intensiv gebraucht wird, fühlt sich schnell überflüssig.

Den geliebten Menschen zu vermissen, kann sehr schmerzhaft sein und euch beim Lernen behindern, statt euch zu beflügeln. Ein weiteres Problem ist die hohe Erwartungshaltung an das gemeinsame Wochenende: Ihr wollt euch von eurer besten Seite zeigen, es „muss“ Harmonie herrschen. Der große Krach ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

Wenn man sich nicht treffen kann, ist es schön, zumindest die Stimme des Partners zu hören (Foto: Public Address)Wenn man sich nicht treffen kann, ist es schön, zumindest die Stimme des Partners zu hören (Foto: Public Address)

Hinzu kommen die hohen Kosten für zwei Haushalte, Handy, Telefon und das viele Pendeln. Immer wieder Abschied zu nehmen, tut weh, Eifersucht und Einsamkeit nagen an der Substanz. Einfach mal in den Arm genommen zu werden, wenn ihr eine Prüfung verhauen habt oder eine bestandene Klausur feiert – das wäre schön. Oft leidet einer der Partner stärker unter der Trennung. Eifersucht und Misstrauen kommen auf, wenn der andere stattdessen mit der Situation zufrieden scheint.

So festigt ihr eure Liebe!
Genießt und nutzt eure Freiräume: Trefft euch in der Woche mit Freunden, treibt Sport oder sucht euch ein neues Hobby. So kommt keine Einsamkeit auf, ihr habt dem Partner immer etwas zu berichten und bleibt so interessant!

Haltet regelmäßigen Kontakt! Handy und Internet machen eine intensive Verbindung trotz großer Entfernungen möglich. Nutzt die billigen Tarife vieler Anbieter speziell für Verliebte. Tägliche Rituale helfen, sich nicht auseinander zu leben. Eine feste Uhrzeit für ein abendliches Telefonat, eine SMS zum Aufwachen oder ein wöchentlicher Brief sind die kleinen Freuden des Alltags.

Haltet euch per Telefon auf dem Laufenden. Das schafft Nähe und Vertrauen (Foto: Public Address)Haltet euch per Telefon auf dem Laufenden. Das schafft Nähe und Vertrauen (Foto: Public Address)

Seid besonders zuverlässig! Haltet möglichst eure vereinbarten Termine zum abendlichen Telefongespräch oder dem Besuch am Wochenende ein, denn Unzuverlässigkeit ist der Nährboden für Eifersucht und Misstrauen. Das muss nicht sein!

Verplant nicht das gemeinsame Wochenende! Ihr habt nur zwei Tage gemeinsam? Dann geht die kostbare Zeit ruhig an. Wer hier Arzttermine und Treffen mit ehemaligen Klassenkameraden oder Oma und Opa über den Kopf des anderen hinweg plant, sorgt nur für unnötigen Stress.

Sprecht Konflikte an: Natürlich möchtet ihr euch nicht streiten, wenn ihr euch seht. Doch für die Beziehung ist es nicht förderlich, aus Rücksicht auf den anderen alles hinunterzuschlucken. Also macht den Mund auf!

Habt Vertrauen: Wer dem Partner nicht vertraut, ihm hinterherspioniert, Vorwürfe macht oder skeptische Fragen stellt, ist für eine Fernbeziehung nicht geeignet. Seid hingegen froh, wenn ihr über alle Unternehmungen informiert werdet und freut euch, dass der andere die Woche über Spaß hatte.

Trennt euch nie im Streit: Auch wenn es Unstimmigkeiten zwischen euch geben sollte – bis zur Abreise sollten diese aus dem Weg geräumt sein. Trennt ihr euch mit Wut im Bauch, quält ihr euch unnötig und die Chance auf eine Versöhnung rückt in weite Ferne.

Übrigens: Die besten Chancen haben Paare, die vor ihrer räumlichen Trennung schon längere Zeit zusammen waren!

[Melanie Eberlein]

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