Gefährlicher Trend

Binge Drinking

published: 25.03.2006

(Foto: B000CNEP1K/shutterstock.com) (Foto: B000CNEP1K/shutterstock.com)

Unter der Woche trinkt Timo nie etwas, dafür plant er am Wochenende den totalen Absturz. Das einzige Ziel: Saufen, bis er völlig dicht ist. Um neun trifft Timo sich mit Freunden und spätestens um elf hat er die anderen unter den Tisch gesoffen. Die Zunge wird schwer, das Denken immer langsamer, er kann kaum noch gerade gehen, bis plötzlich alles im Nebel verschwindet – Filmriss. Am nächsten Tag kann Timo sich an nichts mehr erinnern, er weiß nicht, dass er sich total daneben benommen hat. Eigentlich müsste er heute noch ein Referat für die Schule vorbereiten, doch er fühlt sich elend und kann sich nicht konzentrieren. Was für ein trauriger Sonntag!

Komasaufen am Wochenende

Der englische Begriff "Binge Drinking" steht für Trinkexzesse bis zur Bewusstlosigkeit. Sich in der Gruppe absichtlich zuzuschütten, ist für manche ein "Wochenendsport": Wer säuft sich am schnellsten und billigsten ins Koma? Das Binge Drinking war bislang besonders in England bekannt. Die Pubs schlossen dort um 23 Uhr und wer einen gewissen Pegel erreichen wollte, musste sich beeilen und schnell trinken. Diese "britische Krankheit" soll nun durch eine Änderung des Ausschankgesetzes bekämpft werden, das beschloss die britische Regierung im November 2005 und schaffte die Sperrstunde ab. Doch Binge Drinking ist nicht nur in Großbritannien ein Problem. Mit Alcopops – den bunten, süßen, aber hochprozentigen Schnapslimos – holten sich auch bei uns viele den schnellen Kick, bis mit der Alcopopsteuer 2004 die Lust auf dieses Gesöff abnahm. Dafür boomt das Wochenendtrinken bis zur Auszeit.




Keine Hilfe

Viele Bars und Discos fördern das Komasaufen durch eine Happy Hour oder Flatrates, bei der für einen festen Preis bis zu einer bestimmten Uhrzeit beliebig viel getrunken werden kann. Die Gefahr: Im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen, die gerne ein Glas Wein zum Essen trinken, trinken viele Jugendliche nur, um sich möglichst schnell zu betäuben. Wer nichts dazu isst, bei dem wirkt der Alkohol extrem schnell. Besonders Mixgetränke sind fatal, da hier die Wirkung meist plötzlich eintritt. Von der einen Minute auf die andere hast du dich nicht mehr unter Kontrolle – die Gefahr einer Alkoholvergiftung ist groß. Meist gilt: je höher der Alkoholgehalt, umso kleiner das Glas. Die Wirkung des Alkohols ist außerdem abhängig von dem Geschlecht und dem Gewicht einer Person. Je weniger du wiegst, umso stärker wirkt der Alkohol. Mädels kommen schneller in den gefährlichen Grenzbereich.

Einen klaren Kopf bewahren

Durch regelmäßiges Wochenendsaufen kann die Entwicklung deines Gehirns gestört werden, du kannst dir Dinge nicht mehr so gut merken, schlechter lernen und dich weniger konzentrieren. Natürlich weißt du, dass Alkohol Gift fürs Gehirn und das Nervensystem ist, aber dieses Bewusstsein wird in dem Moment im Bierglas ertränkt. Doch sind dir die Gefahren für deine Gesundheit tatsächlich klar?




Für einen Jugendlichen ist Alkohol viel schädlicher als für einen Erwachsenen, da sich der Körper und das Gehirn noch im Wachstum befinden. Die Gefahr einer Alkoholvergiftung ist außerdem größer. Mit der Zeit werden Leber, Magen, Herz, Nieren und Bauchspeicheldrüse angegriffen, der Blutdruck steigt, die Thrombosegefahr erhöht sich. Auch fördert Alkohol viele Krebserkrankungen. Wer viel trinkt, wird oft aggressiv, verhält sich anderen gegenüber unsozial – bis hin zu sexuellen Belästigungen - ist eher selbstmordgefährdet und vor allem leichtsinnig: Die DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) schätzt, dass in Deutschland pro Jahr circa 42.000 Menschen durch Unfälle sterben, bei denen Alkohol mit die Ursache war.

Ein weiteres Risiko ist die Gefahr abhängig zu werden. Wer versucht, seine Probleme am Wochenende mit Hochprozentigem zu lösen, wird schnell süchtig. Gerade als Teenager hat man jede Menge Stress: Doch wer in dieser Zeit keinen klaren Kopf bewahrt, gerät leicht in einen Teufelskreis aus Alkoholsucht und Problemen. "Ich bin doch kein Alkoholiker", denkst du. Doch deine Gesundheit leidet auch durch gelegentliche Exzesse.

Außerdem kann es mit einigen Promillen ganz schön peinlich werden. Im Rausch tust und sagst du Dinge, die dir nüchtern nie in den Sinn kommen würden. Witzige Sprüche kommen dann nur noch verdammt uncool rüber. Und die heitere Stimmung kann schnell in Gewalt umschlagen, bei der du dir keine Freunde machst, sondern welche verlierst. Ist es das wert?

Bis der Arzt kommt

Binge Drinking endet oft mit Verletzungen durch Stürze oder Schlägereien. Alkoholmissbrauch ist bei Männern der zweithäufigste Anlass für einen Besuch im Krankenhaus. Wenn die Lichter ausgehen und du in der Klinik aufwachst, hast du gerade noch mal Glück gehabt: Bei einem Blackout ist dein Gehirn so stark gestört wie bei einer Bewusstlosigkeit. Schwere Alkoholvergiftungen können zu einem Atemstillstand und sogar zum Tod führen.

Also denk dran: Nur mit einem klaren Kopf hast du wirklich Spaß!

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Zur Info:

Im Jugendschutzgesetz des Bundesministeriums der Justiz heißt es in § 9 Alkoholische Getränke:
(1) In Gaststätten, Verkaufsstellen oder sonst in der Öffentlichkeit dürfen
1. Branntwein, branntweinhaltige Getränke oder Lebensmittel, die Branntwein in nicht nur geringfügiger Menge enthalten, an Kinder und Jugendliche,
2. andere alkoholische Getränke an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weder abgegeben noch darf ihnen der Verzehr gestattet werden.
(2) Absatz 1 Nr. 2 gilt nicht, wenn Jugendliche von einer personensorgeberechtigten Person begleitet werden.
(3) In der Öffentlichkeit dürfen alkoholische Getränke nicht in Automaten angeboten werden. Dies gilt nicht, wenn ein Automat
1. an einem für Kinder und Jugendliche unzugänglichen Ort aufgestellt ist oder
2. in einem gewerblich genutzten Raum aufgestellt und durch technische Vorrichtungen oder durch ständige Aufsicht sichergestellt ist, dass Kinder und Jugendliche alkoholische Getränke nicht entnehmen können.
§ 20 Nr. 1 des Gaststättengesetzes bleibt unberührt.
(4) Alkoholhaltige Süßgetränke im Sinne des § 1 Abs. 2 und 3 des Alkopopsteuergesetzes dürfen gewerbsmäßig nur mit dem Hinweis "Abgabe an Personen unter 18 Jahren verboten, § 9 Jugendschutzgesetz" in den Verkehr gebracht werden. Dieser Hinweis ist auf der Fertigpackung in der gleichen Schriftart und in der gleichen Größe und Farbe wie die Marken- oder Phantasienamen oder, soweit nicht vorhanden, wie die Verkehrsbezeichnung zu halten und bei Flaschen auf dem Frontetikett anzubringen.

[TK]

Links

www.hart-am-limit.info.
Das Jugenschutzgesetz im Internet.

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