Heißhunger

Lust auf Kalorien

published: 14.06.2006

(Foto: Public Address) (Foto: Public Address)

Ina sitzt gemütlich vorm Fernseher und schaut ihre Lieblingsserie. „Hm, jetzt etwas Schokolade“, denkt sie. „Nein, lieber nicht! Die macht dick.“ Zwei Stunden später hat Ina nicht nur Appetit auf Schokolade, sie könnte auch eine Familienpackung Eiscreme verdrücken ... oder Kuchen ... oder Pizza. Ina geht an den Kühlschrank und findet dort zwei Tafeln Schokolade, die dran glauben müssen. Hinterher gibt es noch Eis, Brötchen, Kekse und Würstchen. Die Essfalle hat zugeschlagen. Ina hat längst keinen Hunger mehr, doch aufhören kann sie erst, als sie sich elend und voll fühlt.

Klar, essen müssen wir alle. Doch Hunger und Heißhunger sind zwei paar Schuhe. Denn normaler Hunger meldet sich nur langsam. Du musst nicht sofort etwas essen und fühlst dich nicht schwach, nervös oder unkonzentriert. Heißhunger hingegen gleicht einem Schwächeanfall. Dein Körper verlangt sofort nach vielen Kalorien – in Form von Süßigkeiten, Eis, Kuchen oder Fastfood. Deine Lust auf bestimmte Nahrungsmittel ist so groß, dass du an nichts anderes mehr denkst. Dieser hemmungslose Appetit kann unterschiedliche Ursachen haben.

Die Ess-Attacke
Heißhunger kann körperliche, aber auch seelische Gründe haben. Die Nahrung, die du täglich zu dir nimmst, bestimmt auch dein Hungergefühl. Vielleicht isst du nicht ausgewogen und regelmäßig oder dir fehlen bestimmte Mineralstoffe. Machst du gerade eine Diät? Hast du Stress in der Schule, mit Freunden oder deinen Eltern? Wenn du deinen Hunger für längere Zeit ignorierst, kann eine Heißhungerattacke entstehen. Braucht dein Körper dringend Energie, wirst du zittrig und dein Kreislauf spielt verrückt. Du stopfst dann unkontrolliert Süßes und Fettiges in dich hinein – mehr als du eigentlich willst und brauchst.

Der Blutzuckerspiegel
Hast du länger nichts gegessen, fällt dein Blutzuckerspiegel unter einen gewissen Wert und dein Hungerzentrum wird aktiviert - du hast Kohldampf. Bei Heißhunger verlangt dein Körper nach schnell verfügbarer Energie, also nach Lebensmitteln, die deinen Blutzucker schnell ansteigen lassen – Süßigkeiten, Fastfood oder weißes Brot.

Wenn du viel Süßes isst, bekommst du leichter Heißhunger. Das liegt daran, dass der darin enthaltene Zucker schnell ins Blut wandert, dein Blutzuckerspiegel steigt, deine Bauchspeicheldrüse Insulin produziert, der Blutzucker abgebaut wird und du bald wieder Appetit hast.

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Länger satt machen hingegen Vollkornprodukte, beispielsweise Müsli oder eine Scheibe Brot, Nudeln und Reis. Die Kohlenhydrate werden in deinem Darm zu Einfachzucker zerlegt, welcher nach und nach ins Blut gelangt, so dass dein Blutzuckerspiegel ausgeglichen bleibt. So kommt Heißhunger gar nicht erst auf und du bist länger konzentriert und leistungsfähig.

„Heißhungerfallen“ sind hingegen Getränke mit viel Zucker - Cola, Limo oder Eistee – aber auch Pommes, Chips und Erdnussflips.

Die Periode
Heißhunger auf Süßes ist typisch für Frauen. Dass der Appetit auch von der Periode abhängig ist, liegt an der Hormonumstellung. Zum Ende der Periode hin sinkt meist der Blutzuckerspiegel und der Körper braucht Kalorien – am liebsten süße Sünden.

Ein Warnsignal
Der plötzliche Appetit auf bestimmte Speisen kann auch ein Signal deines Körpers sein, dass ihm bestimmte Vitamine und Mineralstoffe fehlen. Besonders im Wachstum brauchst du ausgewogene Mahlzeiten, sonst meldet sich dein Organismus zu Wort. Diese Signale solltest du nicht ignorieren, sondern lernen zu deuten. Vertraue deinem Appetit, denn dein Körper weiß meist am besten, was er braucht. Mit dem Heißhunger auf ein bestimmtes Nahrungsmittel kann dir dein Körper ganz konkrete Hinweise auf einen Mangel bzw. eine Unterversorgung geben.

Die Diätfalle
Wer kennt sie nicht, die Reis-, Ananas- oder Hollywooddiät?
Schlank in Rekordzeit – so werden sie in Magazinen und Büchern angepriesen. Doch wer sich schon einmal an einer Diät versucht hat, weiß: Die Heißhungerfalle macht häufig alle guten Vorsätze zunichte. Die Folge sind miese Laune und zusätzliche Pfunde auf der Waage sowie geringes Selbstbewusstsein.

Eine Diät, bei der du dich extrem einschränken musst und ständig hungrig bist, kann auf Dauer nicht erfolgreich sein. Möchtest du Heißhunger vorbeugen, solltest du dir keinen allzu strengen Diätplan auferlegen. Versuche, nur nach und nach weniger zu essen. Ersetze Fettiges und Kalorienhaltiges durch Reis, Kartoffeln, Nudeln und Vollkornprodukte. Kleine Sünden sind hier und da erlaubt. Ein Riegel Schokolade oder eine Hand voll Chips lagern sich nicht gleich auf den Hüften ab.

Wer über längere Zeit versucht sein Hungergefühl zu ignorieren, kommt schnell in einen Teufelskreis aus Hungern und Heißhunger-Attacken – der Beginn einer ernst zu nehmenden Essstörung.

Binge-Eating
Eine Essstörung mit anfallartigen Fressgelagen nennt man auch Binge-Eating-Störung (BES). Im Gegensatz zu Magersucht und Bulimie ist diese Krankheit noch nicht so lange als solche anerkannt. Man isst sehr schnell und viel, bis der Kühlschrank leer ist, obwohl man keinen Hunger hat. Nach dem Heißhunger-Anfall fühlt man sich schuldig und vollgestopft. Auslöser für die Attacken können unter anderem Probleme, Stress oder Einsamkeit sein.

Während bei Bulimikern das Essen wieder in der Toilette landet, ein Abführmittel genommen oder exzessiv Sport getrieben wird, behalten hier die Betroffenen das Gegessene bei sich. Mit der Zeit geht das Gewicht rauf, nach Jahren kann es zu Problemen mit Herz, Kreislauf, Gelenken und Diabetes kommen. Die Personen ziehen sich meist zum Essen zurück, schämen sich in der Öffentlichkeit und können so depressiv werden.

Dann ist es Zeit, sich professionelle Hilfe bei einem Arzt oder Therapeuten zu holen. In Einzel- und Gruppentherapien können die Probleme in Angriff genommen und das Selbstbewusstsein wieder gestärkt werden. Wichtig sind eine individuell abgestimmte Ernährungsberatung, mehr Bewegung im Alltag und Übungen zur Stress- und Problembewältigung.

Keine Chance für Heißhunger
Tricks, um Heißhunger-Attacken zu vermeiden, gibt es viele. Immer etwas Gesundes zu essen, sobald du Hunger verspürst, ist die beste Regel. Denn es ist eine Tatsache, dass wir Menschen Nahrung aufnehmen müssen, um unseren Organismus in Schwung zu halten. Regelmäßige Mahlzeiten sind also wichtig.

Wer viel Sport treibt, genug schläft und sich ausgeglichen fühlt, ist ebenfalls besser gegen Heißhunger gewappnet. Langeweile hingegen fördert Heißhunger. Sobald du Leerlauf hast, steigt auch der Appetit. Horche in dich hinein und überlege, ob du tatsächlich Hunger hast, was du essen möchtest oder ob du eigentlich etwas anderes brauchst: Zuwendung, Spaß, Schlaf oder Bewegung.

Japanische Forscher haben nachgewiesen, dass Sport gegen Heißhunger auf Süßigkeiten hilft. Nach einem Training nimmt die Lust auf Süßes ab. Die Veränderung des Geschmacks hängt vermutlich mit den beim Sport ausgeschütteten Glückshormonen, den so genannten Endorphinen, zusammen. Du fühlst dich wohl, und dein Körper braucht keinen weiteren Kick in Form von Zucker.

[TK]

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