Umgang mit behinderten Menschen

Erst fragen, dann helfen!

published: 02.07.2006

Erst fragen, dann helfen! (Foto: Public Address) Erst fragen, dann helfen! (Foto: Public Address)

Vielleicht hast du Freunde oder Bekannte mit einer Behinderung. Auch gibt es tagtäglich Situationen, in denen eine Bordsteinkante oder eine Treppe für einen behinderten Menschen unüberwindbar sein kann. Kennst du das? Du möchtest dann gerne helfen, weißt aber nicht wie! Denn gut gemeinte Hilfe ist nicht immer angebracht. Anderen Menschen helfen zu wollen, ist grundsätzlich prima und sollte selbstverständlich sein – doch deine Hilfe muss natürlich auch erwünscht sein.

Daher gilt die Grundregel: Erst fragen, dann helfen!

Bevor du also einem älteren Menschen über die Straße oder einen blinden Menschen eine Treppe hinunter führst, solltest du fragen: „Kann ich Ihnen helfen?“ Und wenn ja: „Wie kann ich Ihnen helfen?“

In der Regel sagen dir alte und behinderte Menschen genau, ob und wie du ihnen helfen kannst, geben dir Anweisungen und teilen dir ihre Wünsche mit. Du brauchst daher keine Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Hilfe anzubieten ist immer richtig. Entscheidungen für den Behinderten zu treffen hingegen nicht!

Bestehe also nicht darauf, zu helfen! Den größten Fehler machst du, wenn du eifrig die Situation in die Hand nimmst, obwohl der Behinderte deine Hilfe dankend abgelehnt hat. Du kannst ihm ruhig glauben, dass er selbst klar kommt und nicht aus falscher Bescheidenheit „Nein“ sagt. Eine Ablehnung ist kein Grund, enttäuscht zu sein oder das nächste Mal nicht wieder nachzufragen.

Wie helfe ich richtig?
Die richtige Hilfe hängt davon ab, welche Behinderung ein Mensch hat. Denn es gibt Menschen mit körperlichen Behinderungen, die im Rollstuhl sitzen, Seh- oder Hörbehinderte, und es gibt Menschen mit geistigen Behinderungen.

Älteren oder gehbehinderten Menschen kannst du deine Hilfe beim Tragen, beim Treppensteigen, im Winter bei Schnee und Glätte oder in öffentlichen Verkehrsmitteln beim Ein- und Aussteigen anbieten. Denke daran, dein Tempo beim Mitgehen stets der Person an deiner Seite anzupassen.

Personen mit einer Handbehinderung, ältere Menschen oder auch Leute mit einem Gipsarm, kannst du fragen, ob du beim Bedienen von Fahrstühlen, Türen etc. helfen kannst oder vielleicht bei Situationen im Haushalt, wie dem Flaschenöffnen oder Brotschneiden.

Menschen im Rollstuhl kannst du eventuell bei der Überwindung von Stufen, Borsteinkanten bzw. anderen Hindernissen, bei stark fallendem oder steigendem Gelände oder beim Umsteigen aus dem Rollstuhl behilflich sein. Bedenke, dass der Rollstuhlfahrer einen anderen Blickwinkel hat als du, wenn du ihm etwas zeigen willst. Wenn ihr mit mehreren Leuten beisammen seid, dann stellt euch in einer Gruppe immer so hin, dass der Rollstuhlfahrer bequem am Gespräch teilnehmen kann. Schiebst du den Rollstuhl in einer belebten Umgebung, beispielsweise auf einem Festival oder im Kaufhaus, dann fahre besonders vorsichtig!

Damit blinde Menschen nicht erschrecken, solltest du sie immer von vorne ansprechen und nicht ohne Vorbereitung berühren. Geht ihr Seite an Seite, solltest du warten, dass sich die blinde Person bei dir einhakt oder dich dazu auffordert – direkter Körperkontakt kann sonst auch schnell bedrohlich wirken. Sage ruhig an, was du siehst, beispielsweise eine Pfütze, eine Stufe etc. Führe die Hand der Person an unbekannte Gegenstände heran und erkläre gleichzeitig, was es ist.

Von hörbehinderten und gehörlosen Menschen musst du gesehen werden. Du solltest ihnen also möglichst direkt gegenüber stehen, bevor du ihnen Hilfe anbietest oder bevor du sie berührst. Sonst können sie sich leicht erschecken. Meistens können sie dir das, was du sagst, vom Mund ablesen. Sprich daher langsam, deutlich, normal laut, ohne zu übertreiben und in kurzen Sätzen.

Ist ein Mensch sprachbehindert, dann höre ihm ganz selbstverständlich und geduldig zu, auch wenn er beim Sprechen Fehler macht. Sprich selbst normal und deutlich und vor allem nicht in Babysprache! Denk daran: Sprachbehinderte Menschen sind sich ihres Handicaps voll bewusst und leiden darunter, wenn sie sich nicht ernst genommen fühlen.

Noch geduldiger und verständnisvoller musst du im Umgang mit geistig behinderten Menschen sein. Bleibe stets höflich und freundlich, sprich in kurzen und klaren Sätzen und mache lieber etwas vor, wenn es schwierig zu erklären ist. Natürlich ist das kein Patentrezept, denn geistig behinderte Menschen haben, wie andere Menschen auch, ganz besondere Gewohnheiten und Eigenarten. Wenn du also längere Zeit mit einem geistig behinderten Menschen verbringen möchtest, solltest du dich vorher bei einer vertrauten Person erkundigen, um auf mögliche Eigenheiten deines Gegenübers entsprechend reagieren zu können.

Also: Behinderte Menschen brauchen nicht dein Mitleid, sondern manchmal einfach deine Hilfe. Dabei kannst du sie nicht oft genug nach ihrer Meinung und ihren Wünschen fragen, denn: Ein Patentrezept gibt es nun mal für keinen zwischenmenschlichen Kontakt!
Aber eigentlich dürfte das für dich selbstverständlich sein, oder?

[TK]

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