Promi-Statement

Giovanni

published: 20.07.2006

Unterstützt die Aktion Ausbildung! - Giovanni (Foto: Public Address) Unterstützt die Aktion Ausbildung! - Giovanni (Foto: Public Address)

Giovanni unterstützt die Aktion Ausbildung, mit der bis August 2006 zusätzlich bis zu 10.000 Ausbildungsplätze geschaffen werden sollen.

· Du hast selber eine Ausbildung gemacht als IT-Kaufmann. Warum hast Du Dich dazu entschieden und wie ist es gelaufen?
"Ich habe wirklich großes Glück gehabt, nicht nur mit der Band, sondern auch mit meiner Arbeit. Ich habe Realschule gemacht und fand das dann ein bisschen zu wenig. Viele sagen, dass die Realschule mittlerweile nicht mehr viel bringt. Also habe ich noch das Fachabi nachgemacht. Dann habe ich angefangen, fleißig Bewerbungen zu schreiben. Ich habe damals schon gemerkt, dass Computer ziemlich wichtig sind, jeder Mensch einen Rechner besitzt und das einfach die Zukunft ist. Laptop, Computer, Software, Hardware, dass diese ganzen Begriffe, die damals ziemlich fremd für mich waren, die Zukunft sind. Also E-mail-Verkehr, etc.. Ich bin überzeugt davon, dass komplette Verkaufsangelegenheiten in Zukunft nur noch über das Internet laufen werden. Viele Läden, oder Bereiche zumindest, Segmente der Läden, die es jetzt in den Städten gibt, werden zumachen und alles wird leider nur noch online gehen. Da wird es viele Einbrüche geben, denke ich. Da habe ich gedacht, dass ich mich in dem Bereich ein bisschen verstärken muss, weil ich mich da nicht so gut ausgekannt habe. Dann habe ich ein paar Bewerbungen an Telekommunikationsfirmen geschrieben, weil man damals, als ich die Ausbildung vor sechs, sieben Jahren gemacht habe, immer davon gesprochen hat, dass Telekommunikation die Zukunft ist. Dann kam dieses Angebot als IT-System-Kaufmann, das heißt Informations- und Telekommunikationssystemkaufmann. Die Firma war bei mir in der Stadt, in der Nähe von Stuttgart. Ich habe drei Bewerbungen geschrieben und hatte auch drei Bewerbungsgespräche, also wirklich Glück gehabt. Meine Noten waren nicht toll und das Bewerbungsfoto sah auch nicht so toll aus. Das war wirklich nur ein gutes Händchen. Da war ich dann bei den dreien, zwei davon hätten mich genommen. Einmal die Firma, bei der ich war, und so eine Handyfirma. Ich dachte mir, Handys verkaufen müsste jetzt nicht sein, und da bin ich zu der IT-Firma gegangen. Das war ein Vertriebsjob, den ich später hätte machen können, und Vertrieb fand ich gut, weil ich auch bei meinen Eltern immer im Restaurant ausgeholfen habe. Ich wusste, dass ich mit Menschen kann. Ich kann mit Menschen reden, ich mag das, ich brauche das. Es gibt Menschen, die eher gerne für sich selbst arbeiten, die nur einen Bürojob machen und Sachen abarbeiten. Und es gibt Menschen, die gerne mit anderen Leuten kommunizieren. Und ich kommuniziere gern. Das kann ich dann auch. Ich dachte, dass das genau das Richtige für mich wäre. Ich wusste nicht, dass ich von der Sache so wenig Ahnung habe, anfangs erst mal. Aber das hat sich dann gesteigert. Es war für mich die richtige Entscheidung. Ich denke schon, dass man sich ein bisschen an dem orientieren sollte, was gerade auf dem Markt gefragt ist. Wenn man ganz steil geht und sagt, man will aber nur das Eine, das finde ich immer ein bisschen gefährlich. Man muss schon Kompromisse machen können. Man muss auch sagen, OK, momentan ist das gefragt, ich sollte einfach erst mal darauf anspringen. Mein Beweggrund für diese Ausbildung war definitiv, dass ich mich in diesem Bereich verstärken wollte, und das ist möglich durch eine Ausbildung. Deswegen heißt es ja auch Ausbildung, du wirst ausgebildet, und ich wollte meine Stärken ausnutzen. Ganz wichtig bei einer Ausbildung ist, zu wissen, wo deine Stärken liegen. Wenn ich jemand bin, der Probleme hat, mit anderen zu kommunizieren, sollte ich nicht im Vertrieb oder Management einer Firma arbeiten, wo ich mit vielen Leuten zu tun habe. Noch nicht mal Sekretärin sollte ich dann machen, da muss man auch mit vielen Menschen telefonieren. Also wirklich, dann muss ich etwas machen, was mir liegt. Es gibt Menschen, die haben wirklich ein Problem nach außen mit anderen Leuten zu kommunizieren. Jeder kennt seine Stärken, nicht unbedingt jobmäßig aber persönlich. Ich merke ja, wenn ich mit Leuten rede, wie ich ankomme. Ich merke doch, wenn ich eine besondere Gabe habe, handwerkliche Geschichten oder mathematisch sehr clever bin. Jeder sollte über die Schulzeit hinweg seine Stärken herausfinden, auch privat. Man sollte nicht nur schauen, was in der Schule läuft, sondern auch privat, wie man sich verhält. Und daraus sollte man sehen, was man dann später in seiner Ausbildung macht, in welche Richtung die Ausbildung gehen soll."

· Was würdest Du jungen Leuten noch raten, die jetzt mit der Schule fertig sind, gerade, wo es nicht so viele Ausbildungsplätze gibt?
"Ich finde es wichtig, wenn man eine Ausbildung macht, dass man einen guten Schulabschluss hat. Das erhöht schon mal die Chancen, dass du einen Ausbildungsplatz bekommst. Man sollte wirklich versuchen, wenn man Haupt- oder Realschule gemacht hat, noch einen Step oben drauf zu machen, ich hab´s ja auch gemacht. Wenn ich Hauptschule gemacht habe, dann kann ich versuchen, zumindest über Abendrealschule noch einen Realschulabschluss zu machen. Wenn ich Realschule gemacht habe, versuche ich, noch das Abi zu machen. Das ist noch ein kleiner Schritt, ein, zwei Jahre sind das, die sollte man wirklich dran hängen, weil es sich hinten heraus lohnt."

· Was hast Du für einen Abschluss gemacht?

"Ich habe Realschule, also mittlere Reife, gemacht, und dann das Fachabi, wie Abitur, aber auf betriebswirtschaftlicher Basis. In den zwei Jahren, in denen ich das gemacht habe, habe ich gemerkt, dass ich auf Vertrieb echt Bock hätte. Das finde ich wichtig. Es muss nicht sein, dass man sofort ins kalte Becken springt und sofort eine Ausbildung macht. Bei uns in Stuttgart hat man zum Beispiel angeboten, bei verschiedenen Betrieben oder Firmen erst mal drei Wochen zu schnuppern, zu probieren, ob man das mögen würde und ob einem der Bereich überhaupt liegt. Man kann sich ja auch ein halbes oder ein Jahr eine Auszeit nehmen. Eine Ausbildung dauert drei Jahre, oder zweieinhalb, und bevor man die anfängt, sollte man auch sicher sein, dass man diese Schache auch möchte. Außer Stärken herauszufinden und zu versuchen, einen guten Schulabschluss zu haben, sollte man wirklich definitiv erst einmal in den Job reinschnuppern. Mittlerweile kann man im Internet auf Google gehen und den Job eingeben. Da sieht man genau, welche Ansprüche an einen gestellt werden und was man alles können muss. Finde heraus, welche Ansprüche es an diesen Job gibt, später oder auch während der Ausbildung, und dann schau´, ob es dir überhaupt liegt. Wenn du Pro und Kontra auflistest und siehst 10 kontras und nur zwei Pros, dann mache die Ausbildung nicht. Wirklich nicht, dann lohnt es sich nicht. Man sollte wirklich eine Ausbildung machen, die einem auch liegt. Trotzdem sollte man sich auch daran orientieren, was gefragt ist, meistens hat man da auch die meisten Möglichkeiten."

· Warum ist eine Ausbildung wichtig?
"Es kommt darauf an. Bei mir ist es ja so, dass meine Eltern ein Restaurant haben. Ich hätte bei denen einfach jobben können und später dann mit einsteigen. Dann wäre das kein Problem gewesen, da hätte ich keine Lehre gebraucht. Aber es ist völlig klar und auch kein Geheimnis, dass, wenn ich nur jobben gehe, ich mein ganzes Leben nur jobben werde. Wenn ich ernsthaft in der IT-Branche arbeiten will und sage: ´Ich habe da bei meinem Kumpel gejobbt und so ein bisschen am Computer rumgemacht`, dann sagt der Chef: ´Das finde ich sehr schön, aber ich glaube, das bringt dir hier nicht viel bei uns`. Und deswegen ist eine Ausbildung verdammt wichtig. Ich habe eine Ausbildung gemacht und nebenbei noch ein bisschen bei meinen Eltern geholfen, da hatte ich am Ende des Monats auch gutes Geld. Eine Ausbildung ist viel wichtiger als dieses Rumjobben. Das Rumjobben, dass ist ein bisschen so, wie Studentsein. Jeden Tag überlegt man, ob man zur Schule geht oder nicht, ob man mal jobben geht oder nicht. Und dann braucht man 50 Euro für den Club und geht mal wieder ein paar Stunden jobben. Das finde ich gefährlich. Wenn, dann mach´ eine Ausbildung, und wenn du es richtig nötig hast, dann geh´ auch noch jobben nebenbei. Am Wochenende im Club, es gibt ja genug Möglichkeiten, Zeitung austragen oder so, das habe ich auch gemacht. Morgens um vier, will ich auch nicht mehr machen. Aber Ausbildung ist verdammt wichtig. Der nächste Schritt nach der Schule muss die Ausbildung sein."

· Warum sollten die Unternehmen mehr Ausbildungsplätze schaffen?
"Oft ist es so, dass junge Menschen sehr dynamisch agieren. Das ist gut für Unternehmen. Ein ganz blödes Beispiel ist die Nationalmannschaft. Diese Mischung zwischen den Älteren, die dann praktisch die Chefs in der Firma darstellen, und den Jüngeren, wie Lahm, Schweinsteiger und Huth etc.. Wie die Jüngeren die Dynamik reinbringen, das macht genau diese Mischung aus. Wenn Du mit wichtigen Gesprächspartnern zusammen bist, lass´ erst mal den Chef machen. Wenn man nach vorne gehen soll, Sachen abtelefonieren, Sachen akquirieren etc., dann brauchst du jemanden, der jung ist, dynamisch, der sich nicht langweilt, weil es für ihn eine neue Aufgabe ist. Das sollte die Motivation für die Arbeitgeber sein, einmal zu sagen, dass man das Unternehmen modernisieren will, ein bisschen mehr nach vorne gehen will, mehr Dynamik entwickeln will. Oft ist das Alteingesessene nicht das Richtige, nur weil man etwas Jahre lang gemacht hat, muss es nicht das Richtige sein. Oft ist es so, dass junge Leute, junge Talente auch junge Ideen haben. Das ist dann wieder sehr gut für die Weiterentwicklung von dem Unternehmen, das kann einen auf eine ganz andere Ebene bringen. Deswegen würde ich vielen jungen Leuten die Möglichkeit geben, auch wenn ich ihnen von vornherein sagen muss, dass ich sie nicht alle einstellen kann. Warum nicht 50 Leute ausbilden, wenn ich nur 10 Arbeitsplätze habe, wenn ich´s mir als Unternehmer erlauben kann. Dann stelle ich danach 10 ein, die 10, die am besten in den Job passen. Es ist doch besser, wenn es dann noch 40 Leute gibt, die eine Ausbildung in der Hand halten und zu anderen Unternehmen gehen können, als wenn ich nur zwölf Leuten die Möglichkeit gebe und danach nur zwei die Möglichkeit haben, etwas zu machen. Ich finde, man sollte vielen Menschen die Möglichkeit geben. Es bringt auch dem Arbeitgeber am Ende des Tages etwas. Erstens kosten Auszubildende nicht viel, und zweitens habe ich nachher eine viel größere Auswahl an Leuten. Wenn ich 10 Auszubildende habe und nehme die 10 danach, dann habe ich keine Auswahl mehr, dann muss ich die 10 nehmen, die ich ausgebildet habe. Wenn ich 30 ausbilde, dann habe ich die Möglichkeit zu sagen, dass ich die 10 nehme und die anderen 20 gehen auch nicht leer aus, weil die zumindest eine Ausbildung in der Hand haben."

[PA]

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