Die Pubertät

Das passiert mit deinem Körper

published: 31.10.2006

Dr. Karin Anderson bewantwortet häufige Fragen zum Thema Pubertät.Dr. Karin Anderson bewantwortet häufige Fragen zum Thema Pubertät.

Die Pubertät ist die Zeit, in der du dich vom Kind zum Erwachsenen entwickelst – also vom Mädchen zur Frau oder vom Jungen zum Mann. Plötzlich brauchst du Anti-Pickel-Creme und Deo, überall wuchern die Haare und du schießt wie ein Baum in die Höhe. Als Mädchen kaufst du BHs, bekommst deine Periode und kannst theoretisch Kinder bekommen. Als Junge könntest du nun Kinder zeugen, du krächzt im Musikunterricht und bist stolz auf deine breiten Schultern zum Anlehnen. Eine spannende und manchmal auch nervige Zeit, in der viele Fragen aufkommen. Dr. Karin Anderson beantwortet einige davon.

* Pete, 10: Was sind eigentlich die ersten Anzeichen dafür, dass ich in die Pubertät komme? Wann geht sie normalerweise los und wann bin ich damit durch?
Dr. med. Karin Anderson: „Bei Jungen beginnt die Pubertät etwa mit dem 12. Lebensjahr (Mädchen sind durchschnittlich zwei Jahre früher reif). Zunächst vergrößern und verändern sich deine Hoden, kurz darauf fängt auch dein Penis an zu wachsen. Deine Prostata und die Samenblase in deinem Becken wachsen ebenfalls, aber das kannst du natürlich nicht von außen erkennen. Die ersten Schamhaare sprießen und nun beginnt dein Körper auch insgesamt zu wachsen, du wirst muskulöser und schießt in die Höhe.

Ab 14 kannst du dann deinen ersten Samenerguss erleben, nachts, von allein, ganz ohne dein Zutun. Anfangs sind darin noch nicht sehr viele lebende Samenzellen enthalten, aber theoretisch könntest du bereits ein Kind zeugen. Erst wenn du deinen größten Wachstumsschub hinter dir hast, fangen auch deine Barthaare, die Haare unter den Achseln und auf der Brust an zu wachsen. Außerdem setzt dein Stimmbruch ein. Die Veränderung deiner Stimme kann allerdings eine ganze Zeit lang dauern. Mit etwa 20 Jahren sollte deine körperliche Reifung aber abgeschlossen sein.“

* Marla, 13: Ich habe vor einem halben Jahr zum ersten Mal meine Periode gehabt. Die letzten Monate hat sich jedoch nichts mehr getan. Wie kann das sein?
„Es ist ganz normal, dass bei jungen Mädchen, die erst vor kurzem ihre erste Regel hatten, die Monatsblutung zunächst sehr unregelmäßig kommt. Die Produktion weiblicher Hormone (Östrogene) in deinen Eierstöcken kann anfangs nämlich noch ziemlich schwanken. Von einer zuverlässig regelmäßigen „Regel“ kann daher in den ersten sechs bis zwoelf Monaten noch nicht die Rede sein, dein Menstruationszyklus muss sich erst allmählich einpendeln. Daher wundere dich nicht allzu sehr über diese Pause bei der Periode, sie wird bald wieder von ganz allein einsetzen.

Ein Grund zur Beunruhigung besteht nur dann, wenn ein Mädchen stark untergewichtig ist. Wenn bei unterernährten oder magersüchtigen Mädchen das Gewicht nämlich eine kritische Grenze unterschreitet, setzt die Produktion weiblicher Hormone völlig aus, denn der Körper muss sich, um funktionieren zu können, auf lebenswichtigere Funktionen als die Fortpflanzungsfähigkeit beschränken.“

* Gerry, 11: Was ist eigentlich eine „Morgenlatte“?
„Jungen stellen oft verwundert beim Aufwachen fest, dass ihr Glied steif ist - das ist die sogenannte ‚Morgenlatte’. Unser Körper hat viele Funktionen, die sicherstellen sollen, dass all unsere Organe optimal funktionieren können. Dazu gehören beispielsweise auch spontane nächtliche Erektionen, die normalerweise 3 bis 6 mal pro Nacht auftreten und dabei 10 bis 40 Minuten lang anhalten können.

Diese Erektionen passieren während deiner Traumschlafphasen (REM-Schlaf), haben aber nichts mit dem Inhalt deiner Träume zu tun, sondern geschehen automatisch und unwillkürlich. Wie beim Aufladen einer Batterie sorgt ein starker Blutstrom im Becken dafür, dass dein Penis so viel Sauerstoff erhält, wie er benötigt.
Nur wenn du unmittelbar aus so einer Traumschlafphase mit einer Erektion aufwachst, merkst du etwas von dieser ‚Wartungsarbeit’. Du hast eine ‚Morgenlatte’!

Übrigens erleben auch Mädchen solche nächtliche Blutwallungen in ihren Geschlechtsorganen. Da dieser Vorgang bei ihnen aber weniger sichtbare Beweise hinterlässt, merken sie nichts davon.“

* Niklas, 14: Hallo, seit einiger Zeit schwitze ich total unter den Achseln. In der Schule ist mein T-Shirt oft richtig nass, auch wenn ich mich nicht viel bewege. Woher kommt das?
„Es gibt zwei verschiedene Arten von Schweißdrüsen: die einen (ekkrinen) Schweißdrüsen funktionieren von Geburt an. Du besitzt davon über 2 Millionen. Sie sitzen überall an deinem Körper und sondern ununterbrochen klaren, geruchlosen Schweiß ab, etwa 1 1/2 Liter pro Tag. Ihre Aufgabe ist es, den Körper durch Verdunstung zu kühlen und so vor Überhitzung zu schützen. An Füssen und Händen hast du davon besonders viele, nämlich etwa 400 pro Quadratzentimeter, am Rücken und Po sind es dagegen nur 55.

Wenn du in die Pubertät kommst, fangen auch die anderen (apokrinen) Schweißdrüsen an zu arbeiten. Sie befinden sich in den Achselhöhlen und im Schambereich und geben dir deinen ganz eigenen, typischen Geruch. Sie dünsten nämlich außer Wasser noch ungefähr 250 weitere chemische Substanzen aus.
Diese apokrinen Schweißdrüsen, die erst während der Pubertät ihre Arbeit aufnehmen, sind dafür verantwortlich, dass du seit einiger Zeit stärker unter den Achseln schwitzt. Sie reagieren nämlich nicht nur auf Überhitzung, sondern auch auf Stress, nervliche Anspannung, Aufregung und Angst. Daher kann es leicht passieren, dass dein T-Shirt in der Schule auch dann feuchte Schweißflecken bekommt, wenn du dich gar nicht großartig körperlich anstrengst, sondern im Unterricht angespannt oder irgendwie unter Druck fühlst.“

* Anna, 15: Neulich hab ich mitbekommen, dass meine Freundin ihre Achsel- und Schamhaare abrasiert. Ist das überhaupt gut? Schließlich werden sie doch einen Sinn haben, oder?
„Die chemischen Bestandteile unseres Achselschweißes bestimmen nicht nur unseren ganz ureigenen Körpergeruch, sondern sie sind leider auch sehr einladend für bestimmte Bakterien. Sie mögen eine feuchtwarme Umgebung, die sie unter deinen Achseln finden. Können sie dort dann ungehindert deinen Schweiß zersetzen, ist das bald deutlich zu riechen. Dieser ‚Duft’ mag zwar für unsere Ururahnen in ihren Höhlen das reinste Parfüm gewesen sein, aber deine heutigen Mitmenschen werden wahrscheinlich eher die Nase rümpfen, wenn du derart ruchbar daherkommst.

Wenn du die Haare unter deinen Achseln aber regelmäßig entfernst, dich außerdem natürlich täglich wäschst (und dazu noch ein Deo benutzt), verleidest du den schweißzersetzenden Bakterien ihr muffliges Biotop. Deine Achselhaare können die Feuchtigkeit nämlich nicht mehr festhalten und das Wachstum der Bakterien wird behindert. Das Gleiche gilt in geringerem Maß auch für die Schamhaare, aber dort ist die Schweißbildung nicht so auffällig und unangenehm. Daher ist es mehr eine kosmetische Entscheidung, ob du dich auch im Schambereich rasieren willst oder nicht.

Natürlich ist deine Frage nach dem Sinn der Haare ganz berechtigt. Heutzutage haben aber eigentlich nur noch Kopfhaare und Wimpern eine echte Schutzfunktion. Brauenhaare spielen eine Rolle bei der Mimik. Bart und Brusthaar zeigen an, dass es sich bei dem Träger um ein männliches Wesen handelt. Die feinen Härchen, die wir sonst überall am Körper haben, sind sowieso nur noch die kümmerlichen Überreste eines schützenden Pelzes, den wir Menschen schon seit Urzeiten gegen künstliche Bekleidung getauscht haben.“

* Sylvie, 13: Meine Freundin ist ein Jahr älter als ich und hat schon eine Oberweite: Kann ich etwas dafür tun, damit auch mein Busen besser wächst (Vitamine, Tabletten, Salben)? Und ist es gesund, gleich von Anfang an einen BH zu tragen?
„Wann, wie schnell und wie stark dein Busen wächst, hat einzig und allein etwas mit deinen Erbanlagen zu tun. Frühreife Mädchen sehen bereits mit 11 oder 12 Jahren ganz erwachsen aus, während bei mancher Spätentwicklerin noch mit 16 ein Busen nur dank Polsterung des BHs erkennbar ist.

An diesen biologischen Tatsachen kannst du nichts ändern, auch wenn du noch so viele Vitamine oder Medikamente schluckst oder deinen Busen mit noch so reichlich Cremes oder Salben einreibst. Es gibt zwar immer wieder Hersteller obskurer Mittelchen, die behaupten, ihr Produkt würde wundersamerweise flache Busen auf Hollywoodformat wachsen lassen. Diese Behauptung ist aber medizinisch nicht haltbar, und wer darauf hereinfällt, wirft bloß sein Erspartes zum Fenster hinaus.

Ein BH dient vor allem dazu, das zarte Brustgewebe zu stützen. Eigentlich ist das Tragen eines Büstenhalters daher bei kleiner Oberweite nicht unbedingt notwendig, bei großen, schweren Brüsten kann ein BH aber verhindern, dass das Haltegewebe durch das Gewicht des Busens zu stark gedehnt wird und ‚ausleiert’.“

* Linus, 13: „Mein Problem ist, dass ich momentan immer dünner werde, obwohl ich super viel esse. Meinen Körper finde ich richtig hässlich. Muskeln kann ich auch nur schwer aufbauen. Was soll ich tun?
„Während der Pubertät macht dein Körper eine gewaltige Veränderung durch. Deine Hoden fangen an, männliche Hormone zu produzieren, die nicht nur dafür sorgen, dass deine Geschlechtsteile, Hoden, Penis, Prostata und Samenblase reifen, sondern sie bewirken auch die Umwandlung deines Jungen- in einen muskulösen Männerkörper. Zusätzlich erlebst du dann einen Wachstumsschub, du schießt in die Höhe, und deine Eltern müssen dir alle paar Monate neue Schuhe kaufen, weil dir die alten nicht mehr passen.

Dieser Umbau deines Kinder- in einen Erwachsenenkörper dauert seine Zeit, bei Jungen ist die Pubertät erst im Alter von 20 Jahren wirklich abgeschlossen. Außerdem braucht dieser Reifungs- und Wachstumsprozess eine Menge Energie. Daher ist es nicht verwunderlich, dass du jetzt so enorm viel essen kannst und trotzdem eher dünner wirst. Und die Entwicklung läuft leider auch nicht gleichmäßig ab, sondern in unregelmäßigen Schüben. Deshalb machst du derzeit auch ein ‚hässliches Entlein-Stadium’ durch, in dem dein Körper zeitweilig richtig unharmonisch und ungelenk erscheint. Aber diese Phase geht vorüber, und dann werden deine Hormone auch ganz sicher deinen Muskelaufbau ankurbeln.“

[TK]

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