Epilepsie

„Gewitter im Gehirn“

published: 19.12.2006

(Foto: /shutterstock.com) (Foto: /shutterstock.com)

Plötzlich fällt ein Klassenkamerad im Unterricht um und zuckt mit Armen und Beinen. Ihr wisst nicht, was los ist und wie ihr euch verhalten sollt - es entsteht Panik. Nach wenigen Minuten lassen die Krämpfe nach, er kommt von selbst wieder zu sich. So ein Schreck! Zum Glück geht es ihm kurz darauf wieder gut.

Plötzlich und heftig
Wahrscheinlich hast du bereits einmal etwas über Epilepsie gehört. Diese Erkrankung wird auch „Fallsucht“ genannt. Vielleicht hast du sogar miterlebt, wie in deiner Klasse oder im Freundeskreis jemand einen Krampfanfall hatte, von dem er plötzlich und heftig überwältigt wurde. Klar, so ein Anfall kann für Außenstehende zunächst beängstigend sein. Viele haben Angst, nicht richtig zu reagieren. Doch wenn du weißt, was im Gehirn des Epileptikers passiert und wie du dich richtig verhältst, verliert ein epileptischer Anfall schnell seinen Schrecken. Manche halten Epilepsie immer noch für eine Geisteskrankheit. Das ist jedoch Quatsch. Informiere dich über Epilepsie und hilf somit, Vorurteile abzubauen!

Kurzinfo!
Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende Fehlfunktion des Gehirns. Für kurze Zeit ist das Gehirn unkontrolliert aktiv. Dieser Anfall kann bei jedem Menschen jederzeit plötzlich und ohne erkennbaren Grund auftreten. Häufig beginnt die Epilepsie vor dem 20. Lebensjahr, meist ist sie dann jedoch nur vorübergehend. Denn als Kind hat man gute Chancen, dass die Epilepsie noch in jungen Jahren ausheilt. Einige werden allerdings ihr Leben lang immer wieder vom „Gewitter im Gehirn“ überrascht. Laut Statistik müsste in jeder Schule mindestens ein Kind Epileptiker sein.

Die Kontrolle verlieren
Unser Gehirn ist ein Wunderwerk: Milliarden von Nervenzellen verrichten präzise ihren Dienst, geregelt durch elektrische und chemische Signale. Bei einem Epileptiker gerät diese Feinabstimmung des Gehirns für kurze Zeit aus dem Gleichgewicht – er bekommt einen Anfall, bei dem viele Nervenzellen gleichzeitig unkontrolliert Impulse abfeuern.

Was passiert, wenn die Sicherung durchbrennt?
Beim „großen Anfall“ wird der Betroffene plötzlich bewusstlos und fällt einfach auf den Boden, der Körper verkrampft sich und er zuckt heftig. Nach Sekunden oder Minuten hört der Anfall wieder auf. Es gibt jedoch unterschiedliche Anfälle, die zum Teil weniger dramatisch ablaufen. In der Regel sehen die Anfälle bei einer Person immer gleich aus.

Info: Ein einzelner Anfall bedeutet noch keine Epilepsie. Ein so genannter „Gelegenheitsanfall“ kann auch durch zu wenig Schlaf, bestimmte Medikamente oder Alkohol verursacht werden. Erst wenn ohne besonderen Grund mindestens zwei Krampfanfälle vorgekommen sind, spricht man von Epilepsie!

Ursachen oft unklar
Bei wem Anfälle auftreten und warum, ist schwer zu sagen. Nur bei der Hälfte aller Kinder und Jugendlichen kann eine Ursache gefunden werden. Die Neigung zu den Anfällen wird manchmal vererbt. Überwiegend sind jedoch Hirnschädigungen schuld, etwa durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, durch Infektionen, Hirntumore oder Hirnverletzungen infolge von Unfällen. Die können allerdings Jahre her und längst ausgeheilt sein, bis es plötzlich zu einem Krampfanfall kommt.
Den Anfall beschreiben
Epilepsie ist nur ein Oberbegriff. Dahinter verstecken sich zahlreiche Ursachen und Erscheinungsbilder. Die Einteilung in Klassen ist wichtig, damit der Arzt eine Diagnose stellen kann, die richtige Therapie verordnet und der Patient lernt, im Alltag mit seiner Krankheit umzugehen.

Das Wichtigste für den Arzt ist die Krankheitsgeschichte des Patienten. Daher müssen andere Personen möglichst genau beschreiben, wie die Anfälle verlaufen. Jede Einzelheit kann bedeutsam sein, um die Epilepsie genau zu klassifizieren. Bei einem EEG (Elektroenzephalogramm) werden die Hirnströme – die elektrische Aktivität der Nervenzellen des Gehirns - aufgezeichnet. Hier zeigt sich, ob eine erhöhte Bereitschaft zu epileptischen Anfällen besteht.

Behandelt wird die Epilepsie am häufigsten mit Medikamenten, welche die Krämpfe unterdrücken. Man kann aber auch operieren, um die Epilepsie zu kurieren.

Das Problem, „anders“ zu sein
Eine Epilepsie wirkt sich auf den gesamten Alltag des Betroffenen aus. Beim Stürzen kann er sich beispielsweise böse verletzen. Doch er leidet nicht nur unter den Anfällen selbst: „Anders“ zu sein ist oft schmerzhaft. Viele Kinder mit Epilepsie werden gehänselt und als Außenseiter abgestempelt. Ein Grund dafür, dass viele Eltern die Schule nicht über die Erkrankung ihres Kindes informieren. Kein Wunder, denn die Umwelt reagiert schnell mit Unverständnis und die Lehrer sind überfordert. Hinzu kommt die Tatsache, dass mancher Sport, Berufswunsch oder der Führerschein für den Epileptiker unerreichbar bleibt.

Erste Hilfe
Erlebst du bei einem Freund oder einer Freundin einen epileptischen Anfall mit, dann gilt: Keine Panik – der Anfall wird nicht lange dauern! Bewahre in jedem Fall die Ruhe. Merke dir in etwa, wie lange der Anfall dauerte und wie er verlief. Gab es einen Auslöser? Packe eventuell Gegenstände zur Seite, an denen sich der Betroffene verletzen könnte. Enge Kleidung solltest du lockern. Ist es kühl, kannst du ihn mit einer Decke oder Jacke wärmen.

Wichtig: Halte nie Arme und Beine fest, schiebe nichts zwischen die Zähne und versuche keine Beatmung!

Biete nach dem Anfall deine Hilfe an. Zwar erholt sich der Betroffene meist von selbst, es kann jedoch vorkommen, dass er sehr müde ist und sich nur langsam besinnen kann.

Merke: Wenn die Zuckungen länger als zehn Minuten anhalten, wenn das Gesicht blau anläuft oder die Person länger als eine halbe Stunde verwirrt bleibt, solltest du unbedingt einen Arzt rufen.

[TK]

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