Neurodermitis

Wenn die Haut rebelliert

published: 27.12.2006

Was bei Neurodermitis mit deinem Körper vor sich geht, weiß die Techniker Krankenkasse.Was bei Neurodermitis mit deinem Körper vor sich geht, weiß die Techniker Krankenkasse.

Tim leidet seit er denken kann an Neurodermitis - und „leiden“ ist das richtige Wort. Seine Haut ist extrem trocken und juckt höllisch. Manchmal weiß er kaum noch, was er gegen die Ekzeme tun soll. Ekzeme sind gerötete und schuppende, manchmal auch nässende Hautveränderungen. Mal ist es schlimmer, mal besser, denn die juckenden Hautstellen kommen und gehen bei Tim in Schüben. Meistens sind seine Beine und Arme am schlimmsten befallen. Doch auch im Gesicht hat er immer wieder rote Flecken. Am heftigsten plagt ihn jedoch der Juckreiz, der ihn viele Nächte wach hält. Wenn er eine spezielle Diät macht, beginnt seine Haut zu heilen. Auch besondere Cremes, die ihm der Hautarzt verschrieben hat, machen seine Krankheit erträglich. Manchmal fühlt er sich hilflos, ausgeliefert und traurig. Doch Tim gibt die Hoffnung nicht auf!

Nervende Stelle
Nimmt man das Wort „Neurodermitis“ auseinander, weiß man, dass es um Nerven und Haut geht. Es kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „Hautentzündung“. Die geschwächte, entzündete Haut hat überempfindliche Nerven, die auf kleine Reize stark reagieren. Schon ein Kitzeln löst einen Juckreiz aus. Die Haut ist trocken, der Fettsäureschutzmantel schlecht ausgebildet und so schädlichen Einflüssen wehrlos ausgeliefert. Meist hat man die Neurodermitis schon als Säugling oder Kleinkind. Bei der Hälfte aller Babys verabschieden sich die juckenden Stellen innerhalb der ersten zwei Jahre. Bei über 70 Prozent aller betroffenen Kids verschwinden die Hautveränderungen nach der Pubertät.

Ist meine Haut gesund?
Hier kannst du checken, ob du zu Neurodermitis neigst. Treffen mindestens drei der folgenden Dinge auf dich zu?
• In deiner Familie gibt es Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma.
• Deine Haut juckt oft stark.
• Du hast trockene, rissige Haut an Ellenbeugen, Kniekehlen, Nacken, Hals und Gesicht.
• Du hast diese Anzeichen schon seit sechs Monaten oder länger.

Wenn noch drei dieser Anzeichen hinzukommen, solltest du dir vom Arzt helfen lassen:
• Wenn du dich kratzt, wird die Haut an der Stelle weiß (anstelle von rot, wie bei gesunder Haut).
• Wolle auf der Haut verträgst du nicht gut.
• Wenn du schwitzt, könntest du dich ständig kratzen.
• Du bist um den Mund sehr blass und hast Augenringe.
• Du hast Risse an den Ohrläppchen.
• Du hattest öfter schon Warzen oder Hautpilze.
• Seit deiner Geburt hast du eine doppelte untere Lidfalte.
• Deine Brustwarzen sind oft entzündet.
• Man sieht Hautlinien bei dir besonders deutlich.

Warum die Haut rebelliert
Die Neurodermitis gehört zu den häufigsten Hautkrankheiten. Woher sie genau kommt, ist nicht ganz klar. Man weiß, dass die Neigung dazu vererbt wird, es liegt also in deinen Genen, ob du Neurodermitis bekommen kannst oder nicht. Ob die Krankheit dann tatsächlich bei dir ausbricht, kann ganz verschiedene Ursachen haben. Daran kann ein bestimmtes Klima schuld sein, Allergien oder manche Nahrungsmittel, ein schlechtes Abwehrsystem aber auch deine Psyche, wenn du oft gestresst oder traurig bist. Meist müssen mehrere Umstände zusammenkommen. Es gibt zahlreiche Maßnahmen, um deine Qualen zu lindern und Schübe eventuell zu verhindern. Ganz und gar heilbar ist Neurodermitis leider nicht.

Das juckt mich
Was richtig nervt, ist der Juckreiz. Sich ständig kratzen zu wollen, ist das Schlimmste an der Neurodermitis, besonders nachts und direkt nach dem Ausziehen. Die Haut kann vom Kratzen sogar bluten. Diese Stellen können sich leicht entzünden. Das Dumme ist, dass dadurch der Juckreiz noch zunimmt. Ein Kratzanfall ist dann kaum noch zu beherrschen und der Teufelskreis beginnt. Deine Eltern sind meist genauso hilflos, wenn sie dich so leiden sehen. Falsche Klamotten, Zigarettenrauch oder Hausstaub können das Jucken noch schlimmer machen. Aber auch Langeweile oder ein Streit können eine Kratzattacke auslösen. Entspannungsübungen und Ablenkung helfen meist, auch kühlende, feuchte Umschläge mit Wasser oder kaltem Kamillentee sind lindernd.

Gut eingecremt
Deine Haut braucht bei Neurodermitis eine ganz besondere Pflege. Sie darf niemals austrocknen und muss daher oft eingecremt werden. Eine tägliche Hautpflege mit rückfettenden Ölbädern, rückfettenden aber auch kühlenden Salben ist die wichtigste Therapie. Cremes mit Cortison helfen meist gut, besonders wenn die Haut gerade schlimm aussieht, sind aber auch umstritten. Frage deinen Arzt! Probiere ruhig mehrere Cremes aus, denn deine Haut hat wechselnde Ansprüche: im Winter fetthaltig, im Sommer lieber wasserhaltig.

Prima Klima
Ein Klimawechsel tut bei Neurodermitis richtig gut. Ab an die Küste, heißt es dann. Von Mai bis September hilft die Ostsee. Du und deine Haut erholen sich hier schnell. Aber auch ein extremes Reizklima, wie an der Nordsee oder im Hochgebirge, sind prima Reiseziele, um das Jucken zu lindern. In feuchtwarmen Gegenden, wie den Subtropen, bessert sich die Haut häufig, weil sie nicht soviel Feuchtigkeit an die Umgebung abgeben muss. Bei Kids löst das Wetter im Herbst und Winter in Deutschland häufig zusätzliche Krankheitsschübe aus.

Clevere Tipps:
• Nachts ist das Jucken besonders schlimm? Beim Schlafen Handschuhe zu tragen ist dann Trick 17.
• Achte darauf, dass deine Fingernägel immer kurz geschnitten sind, damit du dich nicht so schnell kratzt.
• Deine Kleidung sollte keine tierische Wolle oder hautreizende Fasern wie Angora oder Mohair enthalten. Sie sollte luftig sein und möglichst aus naturbelassener Baumwolle oder Leinen bestehen.
• Etiketten immer aus der Kleidung entfernen, damit sie nicht kratzen.
• Diäten können gut helfen. Lasse dich beraten und dir deinen ganz persönliche Diätplan zusammenstellen. Meist hilft es schon, bestimmte Sachen wegzulassen.
• Was nicht gut kommt: Aktivitäten, bei denen du doll schwitzt. Achte auch darauf, dass es in deinem Zimmer nicht zu warm ist.

Beachte: Wenn ein Ekzem Flüssigkeit absondert, dann solltest du deinen Hautarzt aufsuchen. Das gilt auch, wenn sich in dem Ekzem gelbe Bläschen bilden. Das Ekzem ist dann wahrscheinlich mit Bakterien infiziert und muss dringend behandelt werden.

Nur Mut!
Die Möglichkeiten, Neurodermitis zu lindern, sind sehr vielfältig. Daher kann die Behandlung oft schwierig sein und lange dauern. Man kann nie voraussehen, ob eine Hautstelle abheilt, oder ein neuer Schub kommt. Überlege gemeinsam mit deinem Arzt, wie ihr die Therapie anpackt. Beobachte dich und dein Verhalten. Was löst deine Schübe aus und was genau hilft dir? Gute Besserung!

[TK]

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