Stottern

Sprache als Stolperstein

published: 27.03.2007

Etwa fünf Prozent aller Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren und ein Prozent der Erwachsenen stottern. (Foto: Public Address)Etwa fünf Prozent aller Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren und ein Prozent der Erwachsenen stottern. (Foto: Public Address)

Peinliches Schweigen
Marco meldet sich eigentlich so gut wie nie im Unterricht. Wenn der Lehrer ihn trotzdem einmal drannimmt, läuft er knallrot an und starrt ängstlich auf den Boden. Die Klasse kichert dann meist und sein Lehrer fordert ihn schließlich verärgert auf, das nächste Mal besser aufzupassen. Dabei weiß Marco die richtige Antwort fast immer, er traut sich nur nicht, sie auszusprechen. Seit er ein kleiner Junge ist, stottert er. In seiner Freizeit fällt es dem 16-Jährigen leichter, sich zu unterhalten, aber in der Schule vor den Anderen kriegt er den Mund einfach nicht auf. Zu oft wurde er schon ausgelacht und fühlte sich bis auf die Knochen blamiert.

Gemeiner Teufelskreis
Kommt dir das bekannt vor? Etwa fünf Prozent aller Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren und ein Prozent der Erwachsenen stottern. Männer bzw. Jungs sind wesentlich häufiger betroffen. Leider gibt es viele Vorurteile und Missverständnisse, mit denen so genannte Stotterer zu kämpfen haben. Ähnlich wie Marcos Lehrer verstehen eine Menge Leute das Schweigen oder Stottern von Betroffenen als Zeichen dafür, dass sie dumm sind oder ihnen nicht die richtigen Worte einfallen. Für Marco ist dies das Schlimmste an seinem Sprachfehler, da er ja eigentlich oft etwas zu sagen hätte. Aus Angst vor der Blamage setzt er sich nur noch mehr unter Druck und befindet sich mitten in einem Teufelskreis. In einer angstfreien Umgebung kann Marco, wie viele stotternde Menschen, nämlich völlig flüssig sprechen.

Warum stottert man eigentlich?
Bisher konnte nicht zufrieden stellend geklärt werden, warum manche Menschen stottern. Allerdings sind sich die Wissenschaftler einig, dass diese Sprachstörung weder etwas mit der Intelligenz noch mit falscher Erziehung zu tun hat. Und auch diejenigen, die behaupten, Stotterer würden unter psychischen Störungen leiden, liegen meilenweit daneben. Es gibt aber bestimmte Stress-Situationen, die das Symptom auslösen können. Manchmal kann dies der Tod der Oma sein, die Geburt des Geschwisterkindes oder die Trennung der Eltern. Es stimmt jedoch nicht, dass Stottern darauf hinweist, dass diese Erlebnisse nicht vollständig verarbeitet wurden.

Häufig stottern gleich mehrere Familienmitglieder, die Veranlagung dazu kann also vererbt werden. Die Experten sind sich sicher, dass bei Betroffenen Nervensignale für Sprache und Sprechen falsch verarbeitet werden und die Störung aus dieser körperlichen Fehlfunktion resultiert. Wenn du sprichst, sind daran mehr als hundert Muskeln beteiligt. Eine motorische Störung der am Sprechen beteiligten Organe kann ebenfalls schuld am Stottern sein.

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