Gesunde Kleidung

Natürliche Stoffe auf der Haut

published: 27.04.2009

Das Label des Öko-Tex Standards 100 zertifiziert, dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten wurden  (Foto: Öko-Tex) Das Label des Öko-Tex Standards 100 zertifiziert, dass die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten wurden (Foto: Öko-Tex)

Jana hat sich gerade ein neues Top gekauft und freut sich total auf den Abend, an dem sie es endlich vorführen kann. Doch beim ersten Diskobesuch entpuppt sich die große Eroberung als absoluter Flop: Schon nach fünf Minuten auf der Tanzfläche ist sie durchgeschwitzt und ihre Haut beginnt, leicht zu jucken. War das Oberteil vielleicht doch keine so tolle Anschaffung? Scoolz hat sich für dich informiert, welche Textilien schonend für die Haut sind.

Warum ist wichtig, woraus meine Kleidung besteht?
Die Haut ist das größte Organ und trägt wesentlich zum Stoffwechsel und zur Körperatmung bei. Sie reagiert sensibel auf Wärme und Kälte, auf Feuchtigkeit, Trockenheit und auf Berührungen bis hin zum feinsten Lufthauch. Genau deshalb sollte man darauf achten, womit man dieses empfindliche Sinnesorgan belastet.

Nicht nur Allergiker haben häufig Probleme mit Kleidung, die einen hohen Anteil an künstlichen Fasern wie Polyester, Nylon oder Viskose aufweist. Besonders Hersteller, die günstig modische Bekleidung in großen Massen herstellen, greifen oft auf diese Stoffe zurück, da deren Verarbeitung wesentlich günstiger ist als die von Naturfasern.

Doch nicht nur im Tragegefühl unterscheiden sich synthetische Textilien von natürlichen, auf Dauer kann mit Chemikalien behandelte Kleidung dem Körper ernsthaft schaden. So lassen sich bestimmte Allergien teilweise nachweislich auf Schadstoffrückstände in der Bekleidung zurückführen. Um die chemische Belastung zu mildern, empfiehlt es sich generell, neue Kleidungsstücke vor dem ersten Gebrauch zu waschen. Dennoch kann der natürliche Körperschweiß chemische Substanzen aus dem Textil regelrecht herauslösen und auf die Haut übertragen.

Woraus bestehen Naturtextilien?
Kleidungsstücke, die aus natürlichen pflanzlichen oder tierischen Fasern hergestellt werden, bezeichnet man als Naturtextilien. Zu den Pflanzenfasern gehören der aus Leinen gewonnene Flachs, die Brennnessel, Baumwolle und Hanf. Tierische Fasern sind Fellfasern und Schurwolle beispielsweise von Schafen, Alpakas und Ziegen, aber auch echte Seide, die man aus dem Kokon einer Seidenspinnerlarve gewinnt.

Die Vorteile dieser Materialien liegen in ihrer Hautverträglichkeit. So lässt Baumwolle die Luft optimal zirkulieren und nimmt die Hautfeuchtigkeit des Körpers auf. Hanf und Leinen sind gröber, leichter und luftiger, was besonders in der Sommerhitze angenehm kühlt aber auch gegen UV-Strahlung schützt. Wolle und Seide ähneln in ihrer Struktur der menschlichen Haut. Die Wollfaser ist in der Lage bis zu 60 Prozent ihres Eigengewichtes an Flüssigkeit zu speichern. Dadurch bleibt die Haut trocken und warm.

Häufig verlieren Naturfasern ihre guten Eigenschaften, wenn sie während der industriellen Verarbeitung intensiv mit Chemie behandelt werden. Zwar werden einige der Chemikalien anschließend durch intensives Waschen wieder entfernt, um die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten, rückstandsfrei ist die Kleidung aber nicht.

Siegel des Vertrauens?
Bisher ist der Begriff "Naturtextilien" nicht geschützt, das heißt, es gibt keinerlei Richtlinien, wann ein Hersteller seine Ware als solche bezeichnen darf. Als Folge davon ist eine Reihe von "Öko"-Siegeln entstanden, die leider wenig darüber aussagen, woher das Material stammt und wie es bearbeitet wurde.

Die strengsten Standards, die bei "echten" Naturtextilien eingehalten werden, zertifiziert der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft e.V., der die Labels „Better“ und „Best“ vergibt. Während des gesamten Produktionsprozesses dürfen hier keine schädlichen Chemikalien eingesetzt werden, "Best" garantiert zusätzlich, dass schon beim Baumwollanbau weder Pestizide oder Kunstdünger noch Entlaubungsmittel benutzt wurden.

Darüber hinaus sind die ausgezeichneten Waren nach den Bedingungen der "Charta für fairen Handel mit Kleidung" gefertigt, die für gesetzliche Mindestlöhne, ein Verbot der Kinderarbeit und soziale Bedingungen für alle Herstellungsstufen steht.

Das Label "Best" garantiert, dass bei Anbau der verwendeten Baumwolle weder Pestizide oder Kunstdünger noch Entlaubungsmittel benutzt wurden (Foto: IVN)Das Label "Best" garantiert, dass bei Anbau der verwendeten Baumwolle weder Pestizide oder Kunstdünger noch Entlaubungsmittel benutzt wurden (Foto: IVN)

Das am weitesten verbreitet Öko-Siegel ist der "Öko-Tex Standard 100", welcher die Einhaltung der gesetzlich festgelegten Standards garantiert. Diese Grenzwerte garantieren zwar gesundheitliche Unbedenklichkeit, billigen aber immer noch eine ganze Reihe an Chemikalien. Auch werden hier nur die bereits fertigen Kleidungsstücke auf Schadstoffe überprüft, eine Bewertung der Herstellungsmethoden oder der Entsorgungsmöglichkeiten findet nicht statt.

Sehe ich dann auch aus wie ein Öko?
Die Zeiten, in denen Öko gleichbedeutend mit Schlabberpullis, Latschen und Flickenhosen war, sind glücklicherweise vorbei. Heutzutage sind die Hersteller von Naturtextilien ebenso auf dem Stand der Mode wie andere Unternehmen, denn auch Designer haben den Öko-Trend inzwischen für sich entdeckt. Ein Nachteil der gesunden Kleidung ist allerdings, dass sie häufig etwas teurer ist als herkömmliche Anziehsachen. Allerdings ist sie, mal abgesehen vom gesundheitlichen Faktor, häufig besser verarbeitet - ein Kauf rentiert sich also auf lange Sicht allemal.

[Franzisca]

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