Frühzeitiges Ergrauen

Graue Haare mit 18?

published: 09.06.2007

Der Volksmund behauptet, dass einem von Kummer und Stress graue Haare wachsen (Foto: Jack Frog/shutterstock.com) Der Volksmund behauptet, dass einem von Kummer und Stress graue Haare wachsen (Foto: Jack Frog/shutterstock.com)

Graue Haare mit 18?

Noch im Halbschlaf steht Sandra morgens im Bad und putzt ihre Zähne. Bei ihrem prüfenden Blick in den Spiegel fällt ihr ein recht widerspenstiges Haar auf, das senkrecht vom Kopf in die Höhe steht. Beim Versuch, es zu bändigen, traut sie ihren Augen nicht: Ist das etwa ein graues Haar? Dabei ist sie doch erst 18! Sofort beginnt Sandra ihren Schopf nach weiteren Übeltätern abzusuchen, wird aber zu ihrer Erleichterung nicht fündig. Hm, muss sie sich jetzt Sorgen machen, dass sie innerhalb der nächsten Monate ganz ergraut? Die Techniker Krankenkasse weiß mehr.

Woher kommt die Haarfarbe?

Welche Färbung das Kopfhaar aufweist, ist bereits in der Erbmasse festgelegt. Den passenden Farbstoff dazu produzieren die pigmentbildenen Zellen, die Melanozyten. Sie wandeln körpereigene Aminosäuren in farbige Pigmente um. Dieses so genannte Melanin gibt es wiederum in verschiedenen Farbklassen, die entscheidend für die Ausbildung der Haarfarbe sind: die schwarz-braunen Eumelanine und die gelb bis rotbraunen Phäomelanine. Je nach Mischungsverhältnis kommen die unterschiedlichsten Farbvariationen zu Stande.

Warum bekommt man graue Haare?

Eigentlich werden Haare gar nicht grau, sondern weiß. Der Eindruck entsteht nur, wenn farbige und weiße Haare gleichzeitig vorhanden sind. Dass die Haarpracht im Laufe eines Lebens "ergraut", ist vollkommen unabhängig davon, ob man nun blond, brünett, schwarz- oder rothaarig ist. Das Phänomen gehört zum normalen körperlichen Alterungsprozess beim Menschen.

Verantwortlich dafür sind die Melanozyten, die immer weniger Pigmente produzieren. Der Körper ersetzt das fehlende Melanin dann, indem er Luftbläschen einlagert. So nimmt die Farbintensität von der Haarspitze bis zur Kopfhaut hin ab. Da das Keratin, aus dem ein Haar besteht, eigentlich weiß ist, bleiben mit der zunehmenden Entfärbung schließlich nur noch weiße Haare zurück.

In der Regel dauert ein "Haarleben" etwa zwei bis sieben Jahre. Dann fällt es aus und ein neues Haar wächst nach. Durch diesen Kreislauf werden die farbigen Haare mit der Zeit immer weniger und die grauen immer mehr. Besonders schnell geschieht dieser Wechsel an den Schläfen, weshalb man dort meist zuerst die grauen Ansätze erkennt.

Aber doch nicht mit 18!

Die ersten grauen Strähnen können bei weißhäutigen Menschen schon ab dem 25. Lebensjahr auftauchen, bei dunkelhäutigen etwa zehn Jahre später. Der genaue Zeitpunkt ist genetisch bestimmt und hängt weder vom Geschlecht noch in jedem Fall vom Alter ab. Doch auch jüngere Personen können schon ihre Haarfarbe verlieren. Von frühzeitigem Ergrauen spricht man dann, wenn Hellhäutige bereits unter 20 und dunklere Typen unter 30 Jahren weiße Haare entwickeln.

Bei manchen Menschen liegt diese Erscheinung in der Familie, in solchen Fällen lässt sich der Prozess so gut wie nicht aufhalten. Allerdings gibt es auch Beispiele, bei denen Fehlernährung oder Krankheiten die Ursache sind. So können etwa Vitamin- oder Eisenmangel Gründe für graue Haare sein. Behandelt man das Problem rechtzeitig, schafft man es eventuell, die Farbpigmente zu erhalten oder zumindest, das Ergrauen zu verlangsamen. Auch Blutarmut, Autoimmunkrankheiten, Schilddrüsenerkrankungen und akute Fiebererkrankungen führen manchmal zur weißen Haarpracht, genau wie bestimmte Medikamente.

Du machst mir graue Haare!

Der Volksmund behauptet, dass einem von Kummer und Stress graue Haare wachsen. Immer wieder werden Gruselmärchen von Menschen erzählt, die nach einem schlimmen Ereignis quasi über Nacht vollständig ergraut sind. Die Wissenschaft konnte das bislang allerdings nicht bestätigen.

Was tun gegen graue Haare?

Junge Betroffene sollten die Ursache auf jeden Fall medizinisch abklären lassen. Falls eine Erkrankung oder Mangelerscheinung vorliegt, wird der Arzt entsprechende Maßnahmen vorschlagen. Für diejenigen, die dieses Problem genetisch bedingt haben, gibt es leider nur zwei Möglichkeiten, die weißen Störenfriede loszuwerden: tönen oder die Haare zu färben.

Welche Haarfarbe deckt am besten graue Haare ab?

Während bei Tönungen die Farbstoffe nur oberflächlich ins Haar eindringen und dort anhaften, enthält eine Färbung neben Oxidationsmitteln und blauen Pigmenten auch kleine Farbmoleküle. Diese werden im Haarinnern größer und lassen sich nicht mehr auswaschen. Dadurch bleibt die künstliche Färbung dauerhaft im Haar und muss heraus wachsen. Die meisten Haarfarben, aber auch Tönungen, gelten heute als ziemlich aggressiv und ungesund. Pflanzenhaarfarben auf Hennabasis sind dagegen wesentlich verträglicher, decken aber weniger gut ab.

Wer nur wenige Haare findet und sich extrem an ihnen stört, kann sie sich auch einfach herauszupfen. Glücklicherweise handelt es sich bei der Behauptung, dass für ein herausgezogenes weißes Haar sieben neue wachsen, nur um ein Ammenmärchen.

[TK]

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