Freiwilliges Soziales Jahr

Engagiert Erfahrungen sammeln

published: 01.07.2007

Wencke Appel weiß nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr, welchen Beruf sie erlernen möchte (Foto: Public Address)Wencke Appel weiß nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr, welchen Beruf sie erlernen möchte (Foto: Public Address)

Kinder können anstrengend sein. Das weiß Wencke Appel inzwischen sehr genau. Von links zerrt der dreijährige Hugo an ihrem Ärmel, am anderen hängt die kleine Emma. Der gefühlte Lärmpegel liegt ungefähr auf dem Level eines Fußballstadions, zwei Sekunden nachdem ein Tor gefallen ist. Vor der 20-Jährigen liegt plötzlich noch ein drittes Kind, das über die eigenen kleinen Beine gestolpert ist und nun getröstet werden will... Wo also zuerst helfen?

Eigentlich könnte Wencke jetzt auch in einem netten Straßenkaffee sitzen und ihren Milchkaffee schlürfen. Die 20-Jährige müsste ihre Nerven nicht in einer Hamburger Kita strapazieren. Denn sie ist freiwillig hier, absolviert in der Einrichtung seit September 2006 ein soziales Jahr. Und es gefällt ihr gut. "Am tollsten ist, wenn ich den Kindern etwas beibringen kann, wenn die Kindergartenkinder ein wenig Lesen oder Schreiben lernen und ich die Erfolge sehe. Oder wenn ich merke, dass die Hortkinder, die schon in die Schule gehen, etwas bei den Hausaufgaben hingekriegt haben."

Was ist das Freiwillige Soziale Jahr?
So wie Wencke engagieren sich etwa 30.000 junge Menschen jährlich in sozialen Einrichtungen freiwillig. Sie betreuen Kinder, alte Menschen, Behinderte oder arbeiten im kulturellen Bereich. Die meisten betrachten dieses eine Jahr als Chance, sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen oder in einen sozialen Beruf hineinzuschnuppern. Das war auch bei Wencke so. "Für mich ist die Zeit im Kindergarten ein Aufschub. So konnte ich mich orientieren, mache aber trotzdem etwas Sinnvolles." Dafür verdienen die so genannten FSJ-ler auch ein wenig Geld. Etwa 360 Euro erhält Wencke im Monat. Der Verdienst hängt aber stark vom Träger der jeweiligen Einrichtung ab. Häufig werden sie auch in der Einrichtung verpflegt.

Ihr Hobby Fußball hat Wencke Appel für das FSJ aufgegeben (Foto: Public Address)Ihr Hobby Fußball hat Wencke Appel für das FSJ aufgegeben (Foto: Public Address)

Das FSJ dauert in der Regel zwölf Monate und beginnt am 1. August oder am 1. September eines Jahres. Die Mindestdauer beträgt sechs Monate, die Höchstdauer 18 Monate. Bewerber müssen zwischen 16 und 27 Jahren alt sein. Auch im Ausland kann das FSJ absolviert werden.

Übrigens: Auch Männer können ein Freiwilliges Soziales Jahr einlegen. Dieses können sie sich sogar als Ersatz für den Zivildienst anrechnen lassen. Dann muss das FSJ aber mindestens zwölf Monate dauern.

Wie werde ich FSJ-ler?
Wer sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden hat, muss sich bei einem der vielen meist karitativen Träger bewerben. Die größten und bekanntesten sind das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter Samariter Bund oder die Arbeiterwohlfahrt. Eine Übersicht über die Anbieter von Stellen für FSJ-ler sowie nützliche Tipps und Informationen gibt es hier hier.

Nach einer Bewerbung werdet ihr zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Doch obwohl sich die Einrichtungen über jeden Freiwilligen freuen sollten, werden einige Bewerber trotzdem abgelehnt, erzählt Wencke. "Wer nicht verantwortungsbewusst ist, kann kein soziales Jahr machen", sagt die Hobbyseglerin.

Beim FSJ geht es aber nicht nur um die Arbeit. Die Freiwilligen treffen sich zu mindestens 25 Seminar-Tagen im Jahr. Hier wird über die Erfahrung mit der praktischen Arbeit gesprochen und Orientierung bei der Berufswahl gegeben. "So lernt man andere FSJ-ler kennen. Daraus haben sich auch Freundschaften ergeben", erzählt Wenke.

Genaue Informationen zum FSJ enthält die Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Was bringt das FSJ?
Warum engagieren sich Menschen freiwillig? Schließlich ist der Druck für junge Leute, schnell eine möglichst gute Ausbildung zu durchlaufen heute so groß wie nie. Wer sich noch nicht für ein Studium oder eine Ausbildung entschieden hat, könnte genau so gut in der nächsten Kneipe jobben. Hier ließe sich deutlich mehr Geld verdienen und mit Menschen hätte man auch zu tun.

Wencke sieht das anders. "Das FSJ ist anerkannt und besser als ein Jahr rumzugammeln. Da habe ich vielleicht auch Vorteile im Berufsleben. Ich bekomme ja auch ein Zeugnis ausgestellt." Auch wenn es mit den Kindern manchmal anstrengend ist, hat sie gute Erfahrungen gemacht. "Die erste Zeit nach der Schule ist natürlich ganz anders. Das war sehr anstrengend. Da erlebt man mal, wie das Arbeitsleben aussieht."

Auch wenn sich Wencke inzwischen für ein Bauingenieurs-Studium entschieden hat, ist sie sich sicher: "Ich würde es noch mal machen."

[TK]

Links

Deutsches Rote Kreuz
Arbeiter Samariter Bund
Arbeiterwohlfahrt
Broschüre des Bundesministeriums

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