Schwärmerei oder Besessenheit?

Verliebt in einen Star

published: 29.07.2007

Besonders Teenager verlieben sich oft in ihre Idole (Foto: Tyler Nix on Unsplash) Besonders Teenager verlieben sich oft in ihre Idole (Foto: Tyler Nix on Unsplash)

Steigen Tokio Hotel oder US 5 in einer Stadt ab, dauert es nicht lange, bis sich die ersten Fan-Trauben vor dem Hoteleingang sammeln. Stundenlang harren sie aus, um eventuell einen ihrer Lieblinge am Fenster zu erspähen oder gar ein Autogramm zu ergattern, wenn die Idole das Gebäude verlassen. Für viele Teenager gehört dieser Starkult zum ganz normalen Alltag, während ihre Eltern und auch so manche Altersgenossen nur verwundert den Kopf schütteln.

Was für die einen harmlose Schwärmerei ist, finden die anderen einfach nur übertrieben und hysterisch. Doch wo liegt eigentlich die Grenze zwischen unbedenklichem Fan-Dasein und gefährlicher Traumwelt? Die Techniker Krankenkasse hat sich umgehört.

Liebe im geschützten Raum

Wer sich in einen Star verliebt, geht kein Risiko ein. Schließlich erscheint der oder die Angebetete fast immer makellos, über seine Macken weiß man meist kaum etwas. In einen Promi verliebt zu sein, heißt, sich in ein Traumbild zu verlieben. Ein Sänger oder Schauspieler lässt sich aus der Ferne anhimmeln, ohne dass er einem wehtut oder Körbe verteilt.




Psychologen sprechen bei der Fan-Liebe von einer großen Chance für junge Menschen. Sie lernen, mit neuen Emotionen umzugehen und reifen dabei gefühlsmäßig. So erfahren sie beispielsweise, was es heißt, "Schmetterlinge im Bauch" zu haben oder was Liebeskummer und Sehnsucht sind. Man könnte diese Art von Liebe auch als "Trockenübung" für die erste Beziehung verstehen. Bei einem Star muss man nämlich keine Angst haben, dass man sich zu sehr für jemanden aufgibt, man ihn mit seinen Gefühlen einengt oder dass er einen verlässt.

Echte Gefühle

Ob man sich nun in den Nachbarsjungen, die Sportlehrerin oder eben in Bill von Tokio Hotel oder Richie von US5 verliebt, eines haben die Gefühle gemeinsam: Sie sind absolut echt und deshalb gleichermaßen ernst zu nehmen. Egal ob Star oder Klassenkamerad, man sollte jemanden, der sich richtig verliebt hat, auf keinen Fall auslachen. Besonders für Jungs ist es schwerer, zuzugeben, dass sie sich verliebt haben, da sie oft von ihren Freunden damit aufgezogen werden. Dennoch sollte man sich nicht verunsichern lassen: Stars sind dafür da, angehimmelt zu werden!




Aufgepasst!

Ein echter Fan stellt schon so manche Verrücktheit an und nimmt auch einige Opfer auf sich. Das Taschengeld geht für Fanartikel, Konzertkarten oder Bahnfahrten drauf und auch das Gesprächsthema ist zeitweilig sehr eintönig. Meist dauert diese extreme Phase jedoch nur eine überschaubare Weile an und legt sich irgendwann wieder.

Problematisch wird es, wenn der- oder diejenige den Bezug zur Realität verliert. Das merkt man beispielsweise daran, dass die Betroffenen kaum noch etwas mit realen Freunden unternehmen oder ihnen egal ist, ob sie mit ihrem Verhalten andere verletzen. Auch können die schulischen Leistungen abfallen oder der Fan reist seinem Idol ohne Absprache mit den Eltern einfach hinterher. Besonders wenn der- oder diejenige sich bei anderen verschuldet, um seine Vorliebe zu finanzieren, oder gar klaut, ist das ein dringendes Warnzeichen, dass die Starliebe außer Kontrolle gerät.




Wie kann man helfen?

Fällt einem ein solches Verhalten bei einem Freund oder einer Freundin auf, sollte man ihn oder sie dringend darauf ansprechen. Vielleicht ist es ihm oder ihr ja noch gar nicht aufgefallen, dass der Freundeskreis sich langsam entfernt. Manchmal gibt es Probleme, Ängste oder Minderwertigkeitsgefühle, die Menschen dazu bewegen, auf diesem Wege aus seinem echten Leben zu flüchten. Oft hilft es schon, Alternativen in der Realität anzubieten, indem man etwas gemeinsam unternimmt. Das kann ein Besuch im Freibad oder Kino sein oder auch nur eine gemeinsam verbrachte große Pause.

Liebe im wahren Leben

Wer lange genug in einen Star verliebt war, wird irgendwann etwas Entscheidendes vermissen: die Nähe zu einem echten Menschen. Schließlich möchte man nicht immer nur träumen, sondern irgendwann auch wirkliche Erfahrungen sammeln. Das ist nur mit einem Partner, mit dem man streiten kann, den man küssen kann oder der einen tröstet, möglich. Wer weiß, vielleicht befindet sich die wahre Liebe ja in nächster Nähe…

[TK]

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