Insektenstiche

Blutsauger und andere Plagegeister

published: 27.08.2009

Nicht nur wir genießen den Sommer - auch zahlreiche Insekten kommen nun aus ihren Löchern gekrochen (Foto: shutterstock.com/schankz) Nicht nur wir genießen den Sommer - auch zahlreiche Insekten kommen nun aus ihren Löchern gekrochen (Foto: shutterstock.com/schankz)

Sommer, Sonne, Urlaubsfeeling! Die angenehmen Temperaturen locken uns ins Freie, zu Grillplätzen, an Badeseen und in Parks. Doch nicht nur wir genießen nach dem langen Winter das Leben an der frischen Luft, auch zahlreiche Insekten kommen nun aus ihren Löchern gekrochen. Schnell ist es passiert: ein stechender Schmerz, Rötung, Schwellung – ein Insekt hat zugestochen.

Viele Menschen haben Angst vor einem Insektenstich, der zwar schmerzhaft, aber in der Regel harmlos ist. Gefährlich wird es erst, wenn ein Insekt verschluckt wird, in Auge oder Ohren gerät oder wenn es aufgrund einer Allergie zu einer Schockreaktion kommt. Dass Bienen und Wespen generell stechlustig seien, stimmt nicht. Oft verhalten wir uns einfach unangemessen, wenn uns die Quälgeister zu dicht auf die Pelle rücken.

Harmlose Mückenstiche können bei Allergikern starke Schwellungen auslösen (Foto: Public Address)Harmlose Mückenstiche können bei Allergikern starke Schwellungen auslösen (Foto: Public Address)

Bienen, Wespen, Stechmücken und Bremsen sind bei uns die am weitesten verbreiteten Insekten, die stechen oder beißen. Stiche von Hornissen, Hummeln, Ameisen, Wanzen und Flöhen sind seltener. Besonders lästig an lauen Sommerabenden sind Mücken. Die Blutsauger geben ihren hautreizenden Speichel in die Bisswunde ab. Dadurch bildet sich eine juckende Quaddel. Meist ist dieser kleine Stich nicht gefährlich - allerdings können Insekten auch Viren, Bakterien oder Parasiten übertragen, wie in tropischen Gebieten Malaria. Hornissen, Bienen und Wespen spritzen bei einem Stich Gift in unsere Haut, welches die unangenehmen Symptome hervorruft.

Sofortmaßnahmen: Was lindert den Schmerz?

Ganz wichtig ist es, nicht zu kratzen – auch wenn es noch so sehr juckt. Die Einstichstelle kann sich sonst entzünden. Entfernt bei Bienen- oder Wespenstichen vorsichtig den Stachel, wenn möglich mit einer Pinzette und ohne Druck auf die am Stachel hängende Giftblase. Anschließend die Wunde säubern und desinfizieren, um Infektionen zu vermeiden. Schnelle Kühlung hilft gegen Schwellung, Schmerz und Juckreiz. Hier eignen sich Eiswürfel, verdünnter Alkohol, Quarkwickel, Arnikaumschläge oder Produkte mit Aloe Vera. Normales Teebaumöl wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend, dämpft den Juckreiz und ist für die Haut gut verträglich. Knoblauch, Zitronen- oder Zwiebelscheiben sind bewährte Hausmittel gegen Insektenstiche. Natürlich könnt ihr auch Juckreiz stillende Salben und Gele aus der Apotheke verwenden. Übrigens: Ein Tropfen Spucke auf dem Mückestich ist das einfachste und billigste Mittel gegen die in der Regel harmlosen Symptome.

Achtung bei Stichen in Mund oder Rachen

Süße Getränke oder Kuchen im Freien bilden eine besondere Attraktion für Insekten. Und das kann gefährlich werden: Schnell übersieht man eine Biene, die dann ungewollt im Mund landet. Sticht sie hier zu, droht eventuell Erstickungsgefahr. Ruft in diesem Fall sofort einen Notarzt! Haltet den Oberkörper aufrecht, lutscht Eiswürfel und legt euch zusätzlich eine kühlende Kompresse um den Hals.

Wann musst man zum Arzt?

Sucht nach einem Insektenstich sofort einen Arzt auf, wenn nach kurzer Zeit starke allergische Reaktionen auftreten oder eine Insektengiftallergie schon bekannt ist. Auch bei Stichen im Mund-Rachen-Raum oder an den Lippen sollte ein Arzt Hilfe leisten. Entzündet sich die Einstichstelle, solltet ihr euch ebenfalls behandeln lassen.

Wo lauern Gefahren und wie kann man sich schützen?


Mücken halten sich bevorzugt in Süßwassernähe auf. In einer feuchtwarmen Umgebung fühlen sie sich besonders wohl: an Teichen, in Wiesen und Waldgebieten. Besonders bei Gewitter sowie in der Dämmerung plagen uns die stechfreudigen Viecher. Der beste Schutz vor Stichen ist angemessene Kleidung, also lange, helle Hosen bzw. Oberteile und keine weite, bunt gemusterte oder schwarze Kleidung. Laufe abends am Strand nicht barfuß, denn auch Sandflöhe können zubeißen.

Wer Bienenstichen entgehen möchte, hält sich im Freien fern von Blumen, reifem Fallobst und Abfällen. Vorsicht ist insbesondere bei der Gartenarbeit und beim Obstpflücken geboten. Süße Getränke und Speisen locken Insekten an, ebenso Schweiß, Parfüm oder parfümierte Kosmetika. Eine Wiese solltet ihr nur mit Schuhen betreten. Gerne verstecken sich hier Bienen und Wespen.

Verhaltet euch stets ruhig und vermeidet hastige Bewegungen, um Bienen oder Wespen nicht zu reizen. Auch ist es ungünstig, eins der Tiere zu erschlagen, denn dabei werden Duftstoffe freigesetzt, die andere Insekten eventuell aggressiv machen. Und: Wespen können Krankheitserreger übertragen. Daher solltet ihr euch regelmäßig gegen Tetanus impfen lassen.

Verseht die Fenster mit Fliegengittern, um Insekten aus der Wohnung fernzuhalten, oder besorgt euch für eine ruhige Nacht ein Moskitonetz. Auch könnt ihr die Haut mit Insekten abweisenden Geruchsstoffen einreiben, etwa Zitronen-, Zedern- oder Teebaumöl bzw. chemische Substanzen aus der Apotheke. Es gibt im Handel auch spezielle Insektenfallen, die jedoch unterschiedlich gut wirken und zum Teil gesundheitsschädlich sein können. Zuverlässig und umweltfreundlich helfen Gelbfallen und Elektrofallen. Einige Insektensprays und Klebefallen sind aufgrund ihrer Inhaltstoffe umstritten. Macht euch schlau! Verbraucherzentralen und Umweltorganisationen haben die Informationen, die ihr sucht.

Extremfall: Insektengiftallergie

Ernste gesundheitliche Probleme können auftreten, wenn der Körper auf Insektengift allergisch reagiert. Die Einstichstelle schwillt dann innerhalb weniger Minuten extrem an, eventuell begleitet von Schwindel, Hautrötung, Atemnot, Schweißausbrüchen, Erbrechen, Herzklopfen und Schwächegefühl. Im Extremfall kommt es zu einem anaphylaktischen Schock: Das ist ein Kreislaufkollaps, bei dem sogar Lebensgefahr besteht. Vier Prozent der Deutschen gehören laut des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) zu dieser Risikogruppe.

Ausgelöst wird die Allergie meist durch Wespen- oder Bienenstiche (die Biene ist allerdings weniger aggressiv). Hummeln und Hornissen lösen nur selten allergische Reaktionen aus. Wenn das Insekt sein Gift in die menschliche Haut abgibt, kommt es zunächst zur normalen Reaktion: Jucken, Brennen und Quaddelbildung. Nach ein paar Tagen ist nichts mehr zu spüren. Bei manchen kommt es jedoch nach solch einem Stich zu einer Sensibilisierung des Immunsystems. Die Folge: Beim nächsten Stich reagiert der Körper allergisch und mit den beschriebenen heftigen Symptomen. In diesem Fall muss sofort der Notarzt benachrichtigt werden.

Stellt der Arzt eine Insektengiftallergie fest, wird er ein Notfallset mit rezeptpflichtigen Medikamenten verordnen, das die Betroffenen in Zukunft immer bei sich tragen sollten. Sorgt dafür, dass Freunde und Familienmitglieder wissen, wie sie euch damit im Notfall helfen und somit euer Leben retten können! Langfristig kann die Insektengiftallergie mittels einer Hyposensibilisierung behandelt werden: In geringen Dosen wird euch dabei über einen längeren Zeitraum das Insektengift verabreicht. Diese Immuntherapie ist bei den meisten Allergikern erfolgversprechend.

Also keine Panik vor dem nächsten Ausflug in die freie Natur: Wer gut informiert ist, kann sich schützen und muss Stechattacken nicht fürchten.

[Melanie Eberlein]

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