Anti-Gewalt-Training

Wehrt euch - ohne Gewalt!

published: 22.04.2008

Wer Angst zeigt, wird häufig schnell zum Opfer (Foto: Public Address)Wer Angst zeigt, wird häufig schnell zum Opfer (Foto: Public Address)

Kim geht in die neunte Klasse. Die meisten seiner Mitschüler haben Angst vor ihm, weil er eine gewalttätige Clique anführt, die ihre Schulkameraden erpresst und bedroht. Manchmal zwingen Kim und seine Freunde sogar andere Jungs und Mädchen dazu, etwas für sie zu stehlen.

Ihr Klassenlehrer hat die Gruppe zwar schon länger im Auge, doch alle Opfer sind so eingeschüchtert, dass sie nichts gegen die Jungs sagen wollen. Um den Schülern zu helfen, beschließt der Pädagoge, mit seiner Klasse an einem Anti-Gewalt-Training teilzunehmen.

Rollenspiele zur Veranschaulichung
In dem Training setzen sich Schüler mit Situationen auseinander, in denen sie mit Gewalt in Berührung kommen. Das kann beispielsweise auf dem Schulweg passieren, in der Pause oder auch am Nachmittag. Im Mittelpunkt stehen dabei Vorfälle, die die Beteiligten selber erlebt haben, oder auch Erfahrungen von Mitschülern und Freunden.

In Rollenspielen werden diese dann nachgestellt. Dabei werden neue Verhaltensweisen ausprobiert und es soll gelernt werden, welche Möglichkeiten es gibt, sich gewaltlos gegen andere zur Wehr zu setzen. Um einen solchen Kurs durchzuführen, kommt ein externer Trainer an die Schule. Häufig handelt es sich dabei um einen Pädagogen oder Sozialpädagogen, der eine zusätzliche Ausbildung gemacht hat.

Mit Hilfe des Trainers werden gemeinsam verschiedene Gewaltsituationen nachgespielt, damit sich alle Beteiligten besser in das Geschehen hineinfühlen können. Dazu gehören unterschiedliche Arten der Körperverletzung, aber auch Raub, räuberischer Diebstahl oder Erpressung.

Die andere Seite verstehen lernen
In den Rollenspielen müssen sich Schüler, die sonst eher eine Täterrolle einnehmen, in die andere Seite hineinversetzen und umgekehrt. Dabei ist es spannend zu beobachten, wie die beiden Parteien aufeinander reagieren und was bestimmte Verhaltensweisen bei dem anderen auslösen. Die Zuschauer und Schauspieler überlegen gemeinsam, wie Stimme, Mimik und Gestik eine Situation beeinflussen.

Für Jugendliche wie Kim ist es wichtig zu merken, wie sich diejenigen fühlen, die bedroht werden. Im Nachhinein wird dann über das Vorgespielte diskutiert und nach Ursachen gesucht, warum Gewalt überhaupt entsteht. Besonders potenzielle Täter betrifft dieses Thema, im besten Fall hilft es ihnen sogar, ein Problem bei sich selbst zu entdecken.

Verhaltensweisen einüben
Zu dem Training gehört auch, Verhaltensweisen und Körperhaltungen einzuüben, um in Gefahrensituationen richtig zu reagieren. Zwar gibt es keine typische Opfer- oder Täterhaltung, jedoch lässt sich der eigene Körper dazu benutzen, etwas Bestimmtes auszustrahlen.

Wer beispielsweise leise spricht, die Schultern und den Kopf hängen lässt, wirkt schnell schüchtern und schwach. Eine gerade Haltung hingegen und eine sichere Stimme vermitteln Selbstbewusstsein. So signalisiert ein lautes und bestimmtes: "Lass das, ich will das nicht!" dem Angreifer schnell, dass er es hier mit jemandem zu tun hat, der sich wehrt.

Wie man auch sich selbst verteidigen muss, sollten auch Fremde auf einen zählen können. Dafür ist es wichtig, andere aktiv um Hilfe zu bitten, wenn noch weitere Personen anwesend sind. Dazu ist es erforderlich zu unterscheiden, ob Hilfe geleistet werden kann, ohne sich und andere zu gefährden, oder ob es besser ist, die Polizei zu rufen.

Wo fängt Gewalt an?
Viele Betroffene wissen oft nicht, dass sie ein Recht haben, sich zu wehren. Gewalt fängt nämlich manchmal schon bei Beschimpfungen oder Fäkalsprache an und nicht erst, wenn das Gegenüber handgreiflich wird, einen anrempelt, schubst oder gar schlägt. Es ist wichtig, rechtzeitig zu signalisieren, dass man sich nicht alles gefallen lässt.

[TK]

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