Wie wir unseren Partner auswählen

Wieder an den Falschen geraten?

published: 05.06.2007

Wieso geraten einige Frauen immer an denselben Typ Mann? (Foto: Public Address)Wieso geraten einige Frauen immer an denselben Typ Mann? (Foto: Public Address)

Katja hat Streit mit ihrem Freund. Es geht wie so oft um seine Unzuverlässigkeit. Ständig kommt er zu spät zu einer gemeinsamen Verabredung oder verschläft das Treffen sogar ganz. Katja kennt dieses Verhalten nur zu gut: Auch ihr Ex-Freund kam ständig zu spät. Und eigentlich nahm es auch der davor mit der Pünktlichkeit nicht so genau. Warum nur fällt sie immer wieder auf Männer mit derselben Macke herein?

So wie Katja geht es vielen Menschen. Obwohl sie durch eine schlechte Erfahrung mit einem bestimmten Typ Mensch gewarnt sein müssten, geraten sie doch wieder an einen Ähnlichen. Dabei sind nicht mal nur äußerliche Merkmale gleich. Auch die Charaktereigenschaften sind verwandt. Nach welchen Kriterien also suchen wir unseren Partner aus?

Gleich und Gleich?
Den meisten Menschen ist schleierhaft, warum sie sich verlieben. Antworten gibt die Wissenschaft. Nach ihren Theorien ist die Liebe kein Zufall. Ausschlaggebend für unsere Partnerwahl, sagen Biologen, sind neben den Genen vor allem in der Evolution entwickelte Muster. Intuitiv wählen wir unsere Partner, behauptet die naturwissenschaftliche Forschung und begründet das mit dem uralten Trieb nach Fortpflanzung, der in uns allen stecke. Und dafür suche sich jede Frau den bestmöglichen Partner aus. Unbewusst wähle sie nach äußeren Merkmalen und sozialem Status den idealen Vater für ihre Kinder. Hier zähle vor allem der Sicherheitsaspekt, sowohl bei körperlichen als auch bei materiellen Merkmalen.

Nach neusten Studien spielt vor allem der Geruch eine wichtige Rolle. Chemische Botenstoffe im Schweiß des Mannes würden Auskunft über die genetischen Fähigkeiten ihres potenziellen Partners geben. Dabei wähle die Frau einen Mann mit einem Gen-Pool aus, der sich von ihrem eigenen stark unterscheidet. Mit dieser Andersartigkeit könne das Immunprofil des Nachwuchses nämlich bestmöglich ergänzt werden.

Allerdings trifft diese Differenz nur auf die Nachwuchs-Frage zu. Allgemein gilt für die Partnerwahl eher: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Paare haben häufig eine ähnliche Bildung, ähnliche Attraktivität, den gleichen Wohnort und dieselbe ethnische Herkunft. Hier sollen die so genannten MHC-Gene (Major Histocompatibility Complex) eine Rolle spielen. Sie sicherten der Frau die emotionale Nähe und Unterstützung bei der Betreuung des Nachwuchses.

"Farbenprächtige Männchen"
In erster Linie treffen also Frauen die Entscheidung über den Vater ihrer Kinder. Männer sind in diesem Prozess eher passiv, auch wenn sie oft den ersten Schritt machen.
Höchstens ihr Balzverhalten spielt eine Rolle, mit dem sie die Frauen auf sich aufmerksam machen wollen. Im Tierreich sieht man diesen Effekt der Evolutionsbiologie sehr deutlich: Hier sind die Männchen oft farbenprächtig und legen sich mächtig ins Zeug, in der Balz vom Weibchen ausgewählt zu werden.

Doch auch Männer haben Vorlieben, wenn es um die Wahl der Frau geht. Die Biologen meinen, sie achteten als erstes auf äußerliche Merkmale und bevorzugten vor allem Damen mit weiblichen Rundungen. Auch hier handele es sich um Überbleibsel aus der Steinzeit: Frauen, die über ein paar Fettpolster verfügen, konnten ihre Kinder auch in schlechten Zeiten ernähren.

Irren sich die Gene?
Wer sich in wen verliebt, scheint in erster Linie von unseren Genen und Hormonen abzuhängen. Aber warum funktioniert das nicht immer richtig? Denn warum Frauen wie Katja sich immer in den falschen Typ verlieben, erklärt das evolutionsbiologische Prinzip der Partnerwahl nicht. Können sich die Gene auch irren?

Darauf haben Psychologen Antworten. Manche Frauen seien in die Liebe verliebt. Sie könnten nach dem Gefühl des Verliebtseins eine regelrechte Sucht entwickeln. Die wirkliche Liebe beginne aber in der Regel erst viel später - nämlich dann, wenn man den Partner nicht mehr durch die rosarote Brille sieht. Hören die Schmetterlinge im Bauch auf zu schwirren, verlieren einigen Menschen schnell das Interesse an ihrem Partner. Oder ihnen fallen Fehler auf, die sie vorher nicht bemerkt haben. Dann orientieren sie sich lieber neu.

Diese Erfahrung teilen viele Männer und Frauen. Mit schöner Regelmäßigkeit fühlen sich Menschen von einem Partner angezogen, der sich nicht für eine Bindung eignet, der schlechte Charaktereigenschaften hat, der nicht gut tut.
Auch eine gewisse Bindungsangst kann dafür sorgen, sich einen falschen Partner auszuwählen. Diese Angst werde im Unterbewusstsein gespeichert und führe zu einer falschen Partnerwahl, glauben Psychologen.

Manche Menschen versuchen unbewusst, durch ihre Partnerwahl unbewältigte Konflikte zu lösen. Hier kann eine Überhöhung von Mutter oder Vater dahinter stecken, die mit dem potenziellen Partner konkurrieren.

Dass die Menschen von ihrem Partner fasziniert sind, beruhe zum Teil darauf, dass wir begehren, was wir selbst nicht haben. Der oder die Erwählte hat dann eine Eigenschaft, die wir uns selbst wünschen, die für unser Leben von Wichtigkeit ist, damit wir uns zufrieden fühlen.

Einen Tipp für alle, die ihren Traumpartner noch nicht gefunden haben: Dass auf jeden Topf der richtige Deckel passt, ist klar. Nur wie wir ihn kennen lernen, ist die Frage. Laut einer Statistik lernt die Hälfte der Deutschen ihren zukünftigen Partner am Arbeits- oder Ausbildungsplatz kennen. Statistisch gesehen laufen also noch weitere 50 Prozent potenzieller Traumprinzen und -Prinzessinnen umher, die wir an vielen anderen Orten kennen lernen können.

[Jörg Römer]

Gefällt's? Teile es.

Das könnte dich auch interessieren:

Services
Service

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung