Fußball

Hinter den Kulissen der Bundesliga

published: 31.03.2016

Von der Pressetribüne im Volksparkstadion aus hat Pointer-Reporter Jonas Bickel einen guten Blick aufs Spielfeld (Foto: Public Address) Von der Pressetribüne im Volksparkstadion aus hat Pointer-Reporter Jonas Bickel einen guten Blick aufs Spielfeld (Foto: Public Address)

Aaron Hunt stapft verschwitzt und mit grimmiger Miene vom Spielfeld des Volksparkstadions. Sein HSV hatte zuvor mit 1:3 gegen den Tabellenvorletzten aus Hoffenheim verloren. Der Stürmer marschiert nicht wie viele seiner Teamkollegen stillschweigend in Richtung Kabine. Er bleibt im Eingang des Mixed-Bereichs bei den Journalisten stehen und beantwortet die Fragen der Fernsehteams. Sport1 und die ARD sind vor Ort. Auch Jochen Breyer, Moderator von "das aktuelle sportstudio" im ZDF will den Mittelfeldspieler vor der Kamera haben. Trotz mehrfachen Nachhakens gelingt es ihm nicht. Hunt geht lieber zu den Print-Journalisten rüber, die weiter hinten stehen.


Wenn man von Angestellten in der Bundesliga spricht, denken viele zunächst an die Spieler, Trainer, Manager oder auch an bekannte Radio- und Fernseh-Kommentatoren. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn insgesamt arbeiten über 50.000 Menschen in direkter Anstellung oder Beauftragung der Profiklubs in der ersten Fußball-Bundesliga. Nicht mit eingerechnet sind die Medien, welche die Berichterstattung vornehmen. Wie sieht es hinter den Kulissen eines Bundesligaspiels aus?

Samstag, 19. März 2016, 13:30 Uhr in Hamburg. Die ersten Fotografen und Reporter treffen im Presseraum des Volksparkstadions ein. Zwei Stunden später beginnt das Bundesligaspiel zwischen dem Hamburger SV und der TSG 1899 Hoffenheim. Ein Mann Mitte 40 tippt in seinen Laptop. Zwei andere Journalisten richten ihre Aufmerksamkeit noch auf die Zweitligaspiele, die auf einem Fernseher im Presseraum gezeigt werden. Vier Fotografen stellen ihre Kameras ein. Später bewegen sie sich am Spielfeldrand und machen Fotos vom Spiel.


Die Fans strömen ins Stadion, der Stadioninnenraum füllt sich. Es ist 15 Uhr. Auf der Pressetribüne, die mittig zum Spielfeld liegt, ist noch wenig los. Die Fernsehkameras für die Liveübertragung laufen bereits. Erst kurz vor Spielbeginn wird es eng auf der Tribüne. Hier sitzen auch Kommentatoren, die live vom Spiel berichten. Vor ihnen stehen Monitore und ein Mischpult. Davor liegt ein Stapel Notizzettel.

Das Spiel beginnt. Die anfangs tolle Atmosphäre im Stadion verfliegt schnell. Denn nach 23 Minuten führen die Gäste aus Hoffenheim bereits mit 0:2. Erst ein verwandelter Handelfmeter von Aaron Hunt lässt die HSV-Fans wieder hoffen. Im Block über der Pressetribüne fiebern viele Angestellte des HSV mit. Sie haben ihre Plätze durch sogenannte Arbeitskarten bekommen. Ein Abstieg würde wohl einen Stellenabbau mit sich bringen. Umso mehr wünschen sie sich den Klassenerhalt ihres Teams.

Hamburger SV - 1899 Hoffenheim

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In der Halbzeitpause strömen die Zuschauer in Scharen zu den Bier- und Würstchenständen im Stadion. Ordner sorgen freundlich, aber entschlossen dafür, dass alles friedlich abläuft. Im Presseraum, der nun deutlich voller ist, geht es ähnlich hektisch zu. Journalisten, Fotografen und andere Mitarbeiter laufen durcheinander, diskutieren und besprechen sich. "Die Fotos vom Elfmeter müssen ganz schnell in die Redaktionen", sagt ein Fotograf zu seinem Mitarbeiter, der die Bilder der ersten Halbzeit bearbeitet. Noch kurz Infos hinzufügen und schon werden die Fotos via Internet an die großen Zeitungen und TV-Sender geschickt. "Bild", ZDF und Co. haben dann die freie Auswahl. Nutzen sie ein Bild für ihre Berichterstattung, zahlen sie in der Regel zwischen 40 und 60 Euro. Nach 15 Minuten verlassen nahezu alle den Presseraum und begeben sich wieder in den Stadioninnenraum. Die zweite Halbzeit beginnt. Das 1:3 durch den Hoffenheimer Eduardo Vargas in der 67. Spielminute ist gleichzeitig der Endstand. Der HSV ist somit wieder im Abstiegskampf angekommen.


Demzufolge ist auch die Stimmung bei Aaron Hunt eher bescheiden. "Wenn wir den Ball aus zwei Metern nicht reinkriegen, gewinnen wir auch kein Bundesliga-Spiel. Das muss sich ändern, schleunigst!", lautet sein Statement gegenüber dem Dutzend Printjournalisten, das sich hinter der Abgrenzung im Mixed-Bereich versammelt hat. Ein Großteil der Reporter hält Mikrofone in Hunts Richtung, nur wenige schreiben mit. Als alle Fragen beantwortet sind, macht sich Hunt auf in Richtung Spielerkabine. Der Journalisten-Pulk stürzt sich auf den nächsten HSV-Spieler. Jetzt steht der Verteidiger Matthias Ostrzolek Rede und Antwort.

Pressekonferenz nach dem Spiel

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Danach geht die Pressekonferenz los. Der Raum ist voll, als Heim-Coach Bruno Labbadia und Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann das Podium betreten. Sie geben jeder ein knappes Statement zum Spiel ab. Die Journalisten stellen daraufhin Fragen. Gerade einmal zwei beantworten die beiden. Die Reporter wollen wissen, was die Trainer von einigen strittigen Schiedsrichterentscheidungen halten. "Ich war in Regelkunde im Fußball leider sehr schlecht", scherzt Nagelsmann. Keine fünf Minuten später ist die Konferenz vorbei. Einige Journalisten tippen noch ihre Artikel oder verschicken Fotos. Gegen 20 Uhr verlassen die letzten Medienvertreter das Stadion. Die Erkenntnis bleibt: Ein Fußballspiel dauert für viele deutlich länger als 90 Minuten.

[Jonas Bickel]

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