Italien - Ghana

Respektable Leistung der Afrikaner

published: 13.06.2006

Der Ghanaer Mensah lieferte sich mit dem italienische Stürmer Toni gleich zu Beginn einen erhitzten Zweikampf (Foto: Public Address) Der Ghanaer Mensah lieferte sich mit dem italienische Stürmer Toni gleich zu Beginn einen erhitzten Zweikampf (Foto: Public Address)

Was heißt eigentlich "Noch mal gut gegangen!" auf italienisch? "Fan" jedenfalls heißt "Tifosi" und von denen waren zur Partie Italien gegen Ghana gleich 8000 in das hannoverische WM-Stadion gekommen, um ihre "Squadra Azzura" anzufeuern. Mit dem 2:0-Sieg am Montagabend dürfte der italienischen Mannschaft ein riesiger Stein vom Herzen gefallen sein. Nach den jüngsten Manipulationsskandalen in der heimischen Liga erwartete die Nation nun einen „Ehrensieg“ von ihrer Elf, um dem Land den Spaß am Fußball zurückzugeben.

Auch Bundesaußenimister Frank Walter Steinmeier sah sich das Spiel an (Foto: Public Address)Auch Bundesaußenimister Frank Walter Steinmeier sah sich das Spiel an (Foto: Public Address)

Doch auch das ghanaische Team kann trotz des nicht erreichten Ziels, aus der Begegnung mit einem Unentschieden herauszugehen, sehr zufrieden mit seinen Leistungen sein. In einem mit 43.000 Zuschauern ausverkauften Stadion lieferte der WM-Debütant und vierfache Afrikameister dem europäischen Team einen starken Kampf. Die junge Truppe aus Ghana präsentierte sich gegen den Favoriten Italien gut und spielte einige gefährliche Torchancen heraus. Lediglich bei der Umwandlung fehlte es an Erfahrung und vielleicht auch ein bisschen an Glück.

Das Duell begann zunächst ruhig. Nach einem Zweikampf mit Mensah blieb der italienische Stürmer Toni zunächst liegen, konnte aber weiter spielen. Die erste gefährliche Szene für Ghana ergab sich in der zwölften Minute. Toni verpasste die scharfe Hereingabe durch Mittelfeldspieler Perrotta nur knapp, Gilardino konnte anschließend den Ball nicht am ghanaischen Keeper Kingston vorbeibringen. Auch die Afrikaner kamen immer mehr ins Spiel und griffen stärker an. Ein Kopfballversuch der Ghanaer folgte, wenig später konnte Italienverteidiger Nesta eine Flanke nur durch den Schuss ins Seitenaus vor dem heranspurtenden Amoah retten.

Das siegreiche Team Italien (Foto: Public Address)Das siegreiche Team Italien (Foto: Public Address)

Die bis dahin spektakulärste Situation brachte nach einer halben Stunde Spielzeit ein haarscharfer Lattenschuss von Luca Toni, der an der Unterkante abprallte. Unerschrocken folgte ein schneller Konter der Ghanaer, bei dem Stürmer Gyan das lange Eck des gegnerischen Tores nur knapp verfehlte. Wie wach die Afrikaner geworden waren, zeigte kurz darauf ein weiterer Torschuss des Linksverteidigers Pappoe, der sechs Meter allein vor dem italienischen Keeper Buffon den Ball über die Latte verzog.

Schließlich fiel in der 40. Minute das 1:0 für Italien durch Andrea Pirlo: Die schnelle Ausführung einer Ecke durch Totti brachte Pirlo in Schussposition, er beförderte den Ball aus 18 Metern ins lange Eck. Mit diesem für die Afrikaner unbequemen Zwischenstand gingen die Mannschaften in die Pause.

Politik und Funktionäre: FIFA-Präsident Joseph Blatter (l.) mit Bundespräsident Köhler (m.) und OK-Chef Franz Beckenbauer (r.) (Foto: Public Address)Politik und Funktionäre: FIFA-Präsident Joseph Blatter (l.) mit Bundespräsident Köhler (m.) und OK-Chef Franz Beckenbauer (r.) (Foto: Public Address)

Unter den Fans befand sich auch jede Menge politische Prominenz: So waren Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Frank Walter Steinmeier ins Stadion gekommen. Auch FIFA-Präsident Joseph Blatter und Franz Beckenbauer sahen sich die Partie von den besten Plätzen aus an.

Die zweite Hälfte startete weniger rasant, Italien verhielt sich abwartend, versuchte lediglich über lange Pässe nach vorn gefährlich zu werden. Nach einem Foul musste die "hängende Spitze" Francesco Totti nur fünf Monate nach seinem Wadenbeinbruch ausgewechselt werden, für ihn kam Camoranesi.

Gute 20 Minuten vor Schluss wehrte Ghanas Torwart, Richard Kingston, nach einem Traumpass von De Rossi einen gefährlichen Schuss Perrottas erstklassig ab. Mit dieser Parade rechtfertigte der Keeper, der während des Spiels nicht immer ganz souverän wirkte, seinen WM-Einsatz. Kurz vor dem 2:0 kam es zu einer strittigen Aktion von De Rossi und Gyan im italienischen Strafraum, bei der Gyan zu Boden ging. Trotz dessen Elfmeterforderung ließ der brasilianische Schiedsrichter Carlos Simon das Spiel weiter laufen. Im Stadion schlossen sich daraufhin viele bislang neutrale Zuschauer den Rufen der afrikanischen Fans an.

Schließlich entschied der italienische Stürmer Iaquinta in der 83. Minute die Partie: Er nutzte einen kapitalen Fehler von Ex-Bayern-Spieler Sammy Kuffour, der einen zu kurzen Rückpass an seinen eigenen Keeper spielte. Iaquinta fing den Ball ab, umspielte Kingston und verwandelte die Chance.

Nach drei Minuten Nachspielzeit, in denen Italien nun komplett dominierte, wurde das Spiel abgepfiffen. Italien kickte sich damit auf den zweiten Tabellenplatz der Gruppe E nach Tschechien und vor Ghana und die USA. Die nächsten Begegnungen dieser Gruppe finden am 17. Juni 2006 statt, bei denen sich Ghana und Tschechien in Köln und Italien und die USA in Kaiserslautern treffen.

[Franzisca Teske]

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