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Politik und WM

Diplomatie auf der Tribüne

published: 29.06.2006

Während der WM gilt: Die Politiker der Welt zu Gast bei Angela Merkel (Foto: Public Address) Während der WM gilt: Die Politiker der Welt zu Gast bei Angela Merkel (Foto: Public Address)

Gerne und oft ist sie vertreten auf den Tribünen der WM-Stadien, die politische Prominenz Deutschlands. Ob nun die Bundeskanzlerin höchstpersönlich, ob der erste Repräsentant des Staates, Bundespräsident Horst Köhler, oder andere hochrangige Politiker wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier: Die positive Imagewirkung eines solchen Auftrittes ist ihnen allen bestens bekannt. Warum nicht das strahlende Mega-Event WM nutzen, um für die eigene Karriere ein wenig vom Glanz abzuzweigen?

Wer jedoch glaubt, neben so viel Stadion-Präsenz seien die Berliner Aktivitäten weitestgehend eingeschlafen, hat weit gefehlt. Schnell wird noch die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht, verborgen im Dunst einer berauschten Fußballnation. Wer könnte sich auch über das Fondsmodell aufregen, angesichts dieser überragenden deutschen Mannschaft?

Auch Bundespräsident Köhler (r.), hier mit OK-Präsident Beckenbauer, weiß die PR-Wirkung des Fußballs zu nutzen (Foto: Public Address)Auch Bundespräsident Köhler (r.), hier mit OK-Präsident Beckenbauer, weiß die PR-Wirkung des Fußballs zu nutzen (Foto: Public Address)

Auch internationale Begegnungen lassen sich bei der Gelegenheit zu einem geschickten Schachzug umwandeln, nicht umsonst nennt sie sich "die hohe Kunst" Diplomatie. Ein wohlgemeintes Wort nach dem verlorenen Spiel, ein wenig Stadion-Euphorie und ein Schuss Verbindlichkeit, fertig ist eine vielsagende Geste vor den Augen des Weltpublikums.

Warum nahm Kroatiens Nationalelf unsere Bundeskanzlerin wohl mit einem eigens für sie bedruckten Trikot in ihr Team auf? Und warum ausgerechnet als Nummer Neun? Ein Schlingel, wer einen Zusammenhang zwischen der Angreifer-Position der kroatischen Nummer Neun, Dado Prso, und der erwarteten Beschleuniger-Funktion Merkels beim kroatischen EU-Integrationsprozess vermutet.

Eine Million Euro für die Worte, die Merkel dem grimmigen Lech Kaczynski nach der 2:0-Niederlage Polens ins Ohr flüsterte. Ob es ihr gelang, über ihre offenkundige Freude hinwegzutäuschen? Tröstete ein vorher erfolgreich verlaufener Termin bei der deutschen Staatschefin den costa-ricanischen Präsidenten Óscar Arias Sánchez über den Sieg der Deutschen hinweg? Und was hatte Köhler mit Ghanas Staatsoberhaupt, John Kufour, zu besprechen? Lediglich einer wird peinlichst gemieden, seit er WM-Land-Boden betreten hat: Der iranische Vize Mohammed Aliabadi. Dabei gäbe es doch gerade auf diesem Sektor einen erhöhten Bedarf an Diplomatie.

Politik am Rande der WM, das heißt logistische Planung auf Hochtouren. 697 angemeldete Staatsgäste wollen gehegt und gepflegt werden, ein gemeinsamer Stadionbesuch mit gewollten Freunden gehört schließlich zum guten Ton. Falls Frankreich sich noch länger hält, kann man vielleicht sogar in puncto EU-Verfassung wieder hoffen. Möge der Fußball die Völker verbinden!

[Franzisca Teske]

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