Pascal Hens im Interview

Fit wie ein Weltmeister

published: 28.03.2007

Der Handball-Nationalspieler Pascal Hens befindet sich mit dem HSV auf der Erfolgsspur  (Foto: Public Address) Der Handball-Nationalspieler Pascal Hens befindet sich mit dem HSV auf der Erfolgsspur (Foto: Public Address)

Mit seinem Irokesenschnitt und gut zwei Metern Körperlänge ist Pascal Hens einer der auffälligsten Köpfe der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Der frischgebackene Weltmeister war mit 47 Toren erfolgreichster Werfer im deutschen Team und ist auch mit seinem Bundesligaverein, dem HSV, als Tabellendritter zurzeit auf der Erfolgsspur. Wir trafen den 26-Jährigen vor seinem Training zum Interview.

Im Moment läuft´s gut: Weltmeister und erfolgreichster deutscher Schütze, dritter in der Bundesliga und im April spielst Du im Pokal der Final Four - macht sich die Dauer-Belastung der letzten Wochen langsam bemerkbar oder spürt man die Anstrengung nicht, wenn man gerade so eine Serie hat?
Pascal Hens: "Ich merke es im Moment tatsächlich nicht. Natürlich ist man direkt nach einem Spiel kaputt, aber eigentlich geht’s mir im Moment richtig gut. Das läuft optimal."

Die Fußballer hört man deutlich häufiger jammern, vor allem wenn mehrere Spiele in einer Woche sind. Ihr habt allein bei der WM 10 Spiele in 16 Tagen absolviert und anschließend ohne Pause wieder in die Bundesliga. Sind Handballer fitter oder ist die körperliche Belastung eine andere?
"Bei uns ist das ja eigentlich keine ungewöhnliche Belastung. Wir spielen in der Saison immer mehrmals in der Woche und wir haben auch in jeder Saison entweder eine Europa- oder eine Weltmeisterschaft. Es macht ja auch Spaß und wenn mehrere Spiele anstehen, wird das Training entsprechend runtergeschraubt. Wir machen dann mehr Taktik und weniger Kondition. Dann ist das kein Problem da durchzukommen."

Jan Fiete Buschmann und Pascal Hens (v.l.) sind Konkurrenten im Spiel des HSV gegen den GWD Minden-Hannover (Foto: Public Address)Jan Fiete Buschmann und Pascal Hens (v.l.) sind Konkurrenten im Spiel des HSV gegen den GWD Minden-Hannover (Foto: Public Address)

Zuweilen war zu hören, dass viele Spieler das Pensum bei der WM nur durch intensiven Schmerzmitteleinsatz schafften. Ist da was dran? Und wie sieht das bei Dir aus?
"Also in so einem Turnier ist das sicher noch mal etwas anderes als im normalen Spielbetrieb. Da nehm ich auch schon mal ein Schmerzgel vor dem Spiel. Da gibt’s auch öfter mal Blessuren. Das ist ja klar, wenn man so viele Spiele hat, und man muss jedes Mal volle Leistung bringen. Und im Laufe des Turniers bekommt man schon mal ein bisschen was ab. Das ist jetzt nichts Unnormales."

Denkt man in Deinem Alter und bei Deiner Fitness schon mal über das Thema Gesundheit nach? Da gab es ja auch schon mal eine Verletzungsserie mit Bänderriss und Bandscheibenvorfall.
"Natürlich. Gerade nach meinen Verletzungen achte ich vermehrt auf meine Gesundheit und darauf, den Körper fit und stabil zu halten. Dazu gehört viel Krafttraining. Wer einmal so einen Bandscheibenvorfall hatte, möchte das auf keinen Fall wieder erleben. Da tut man dann schon viel dafür. Ich achte beim Krafttraining darauf, viel für die Rumpfmuskeln zu machen. Das man die Problemzonen kräftigt. Seit ich das mache, hab ich auch keine Problem mehr und fühl mich fit."

Rückenbeschwerden sind ja als Volkskrankheit weitverbreitet. Ist es aber nicht ungewöhnlich, dass es ausgerechnet einen jungen Profi-Sportler trifft?

"Das hat wohl damit zu tun, dass ich in schnellen Schüben viel gewachsen bin. Da hat das mit den Rückenproblemen angefangen. Und wenn man so lang und dünn ist wie ich und so einen Sport macht, muss man sehen, dass man fit bleibt und die Muskulatur stärkt."

Das hat Dir ja auch Deinen Spitznamen Pommes eingebracht, der nichts mit den Ernährungsgewohnheiten zu tun hat, sondern auf den schmalen Körperbau abzielte. Seitdem bist Du ja einiges kräftiger geworden. Wie kommt´s?
"Ja, zu meinen Wiesbadener Zeiten in der zweiten Liga hab ich nur 85 Kilo gewogen und hatte sehr dünne "Pommes"-Ärmchen. Da ist beim Training der Name entstanden. Seitdem hab ich aber einiges zugelegt, wiege jetzt über 100 Kilo. Aber den Namen hab ich jetzt natürlich weg und da wird sich auch nichts mehr dran ändern. Kein Problem für mich."

Wie kam das mit der Gewichtszunahme?
"Also, gegessen hab ich eigentlich schon immer recht gut. Aber damals blieb halt nichts hängen. Das hat sich irgendwann geändert, auch durch verstärktes Krafttraining."

Und wie steht´s sonst mit dem Thema Gesundheit? Während Toto Jansen laut seiner Fanpage brav Salat und Saftschorle bevorzugt, liest man bei Dir von Vorlieben für Nudelauflauf, Tiefkühlpizza, Döner und die schottischen Schnellrestaurants. Klingt nicht gerade nach Spezialdiät für Spitzensportler?
"Da ich nicht so schnell zulege, kann ich beim Essen auch mal über die Strenge schlagen. Das kann dann auch mal ein Döner sein. Aber vor Spielen achte ich schon darauf, mich gesund zu ernähren. Wenn's schmeckt, schlage ich auch zu. Aber ansonsten esse ich auch viele gesunde Sachen, Salate und viele Nudeln."

Bundesligaspiel gegen den SC Magdeburg: Pascal Hens setzt sich im Rückraum durch (Foto: Public Address)Bundesligaspiel gegen den SC Magdeburg: Pascal Hens setzt sich im Rückraum durch (Foto: Public Address)

Und wie sieht der Hens´sche Lebenswandel abgesehen von der Ernährung aus?
"Also, Rauchen ist überhaupt nicht mein Ding. Mit Alkohol hab ich kein Problem. Ich trinke und feiere natürlich auch ganz gern mal mit den Jungs. Aber 2 oder 3 Tage vor dem Spiel sollte man das natürlich lassen."

Wie baust Du Stress ab? Wobei entspannt Pascal Hens?
"Soviel Stress hab ich nicht. Oder zumindest empfinde ich das so nicht. Das macht man ja alles gern. Manchmal wird’s vielleicht ein bisschen viel, aber grundsätzlich macht das mit den Jungs schon Spaß, dann empfindet man das nicht als Stress. Ab und zu muss natürlich jeder mal abschalten und für sich allein zu sein. Da ich mich ja hauptberuflich viel bewege, bin ich in meiner Freizeit gern mal faul, liege auf dem Sofa gucke Fernsehen oder spiele an der Playstation."

Aber es gab ja sicher auch Phasen, in denen es nicht ganz so gut lief wie jetzt gerade...
"Wir sind ja ´ne Mannschaft, das ist ein Mannschaftssport. Wir gewinnen zusammen und wenn wir zusammen verlieren, dann gehen wir zusammen da durch. Der Verein stand ja auch schon mal finanziell am Abgrund, das war natürlich auch eine belastende Phase, aber das schaffen wir dann auch zusammen als Mannschaft."

[TK]

Links

www.pascalhens.de
www.hamburg-handball.de

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