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30.06.2004 21:15 Zitieren Zitieren

Marie
Pointer-User

30.06.2004 21:15 Zitieren Zitieren

Depressionen

Liebe Expertin!
Ich habe eine ganz dringende Frage: Was sind eigentlich die Anzeichen(ich weiß nicht, ob man Symptome sagen kann) einer Depression? Und ab wann spricht man davon, wie lange ist es nur ein einfaches Tief?
Ich wäre Ihnen wirklich sehr dankbar, wenn Sie meine Fragen beantworten könnten!
Marie, 15 Jahre

03.07.2004 13:50 Zitieren Zitieren

Phillip
Gast

03.07.2004 13:50 Zitieren Zitieren

Wenn du die befürchtung hast, depressiv zu sein, kannst du auch einen Test machen. Du solltest das Ergebnis aber nicht zu ernst nehmen.

http://www.netdoktor.de/teste_dich_selbst/Fakta/goldberg.asp

Lg Phillip

09.07.2004 20:50 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

09.07.2004 20:50 Zitieren Zitieren

Liebe Marie, in der Umgangssprache wird der Begriff "Depression" gern fuer alle moeglichen Gefuehlslagen verwendet, die mit einer schlechten Stimmung einhergehen, egal ob das nun Kummer ueber einen Verlust, eine Liebesenttaeuschung, ein schlechtes Zeugnis, Streit mit Freunden, Aerger am Arbeitsplatz oder auch nur ein "Nicht gut drauf sein" ist. Im medizinisch-psychiatrischen Sinn ist eine Depression allerdings eine echte Krankheit, die mit Medikamenten und manchmal auch stationaer in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden muss.
Das Woertchen "los" kennzeichnet viele Symptome einer echten Depression: naemlich freudlos, lustlos, hoffnungslos, antriebslos, energielos, schlaflos und appetitlos.
Typischerweise fuehlt sich ein depressiver Patient morgens, nach dem Aufwachen, am schlimmsten, er kann sich schwer zu irgendetwas aufraffen, der Tag liegt wie ein unueberwindbarer Berg vor ihm. Alles ist grau, nichts bereitet ihm Freude, aber er ist auch nicht traurig. Wenn er ueberhaupt etwas fuehlt, so sind das Schuldgefuehle, ansonsten spuert er nur eine innere Leere, abgetrennt von der Umwelt, wie unter einer Glasglocke. Er kann sich schlecht konzentrieren, und steht unter einer starken inneren Anspannung. Seine Gedanken kreisen immer um die gleichen Inhalte. Oft glauben Depressive, dass sie eine schwere Schuld auf sich geladen haben. Zum Beispiel klagte eine 70-jaehrige Patientin immer wieder, sie sei der schlechteste Mensch auf Erden, weil sie als kleines Kind einmal in einem Baeckerladen ein Broetchen gestohlen hatte. Andere Depressive sind fest davon ueberzeugt, dass sie bei der Arbeit schwere Fehler begangen haben, die unausweichlich zu Entlassung und finanziellem Ruin fuehren werden.
Obwohl alle depressiven Patienten unter starker innerer Unruhe leiden, wirken manche nach aussen hin wie versteinert, andere dagegen koennen keine Minute still sitzen, trippeln staendig von einem Fuss auf den anderen, ringen die Haende und jammern laut. Die Ueberzeugung, nichts wert oder sogar abgrundtief schlecht zu sein, Strafe zu verdienen, finanziell bald am Ende zu sein, ist dabei oft unverrueckbar in ihrem Denken verankert, sie lassen sich nicht davon abbringen.
Gegen Abend hin fuehlen sich Depressive oft ein wenig besser, aber dann leiden sie wieder an Schlaflosigkeit und verfallen in ihr Gruebeln. Durch ihre Appetitlosigkeit verlieren viele Depressive auch stark an Gewicht.
Solche Depressionsphasen koennen langsam schleichend oder auch ploetzlich einsetzen, oft treten sie im Fruehling oder im Herbat auf. Sie koennen wochen- bis monatelang anhalten. Fuer Angehoerige sind depressive Familienmitglieder eine grosse seelische Belastung, weil alle Liebe, alles Reden, alle Muehe, die sie sich um den Depressiven geben, keine Hilfe fuer den Kranken bedeutet. Ausserdem besteht auch noch die Gefahr, dass depressive Patienten sich das Leben nehmen, weil sie ja von ihrer Schlechtigkeit und der Sinnlosigkeit ihres Daseins ueberzeugt sind. Ausser den reinen Depressionen gibt es auch noch die manisch-depressiven Erkrankungen, bei denen sich Phasen von unnormalen Stimmungshochs mit depressiven Phasen abwechseln.
Kennzeichnend fuer diese Art von Erkrankungen ist, dass sie nicht als Folge von schwerwiegenden Katastrophen, wie Tod, Trennung oder schweren Krankheiten auftreten. Sie koennen allerdings sehr wohl durch aeussere Ereignisse beguenstigt werden, die bei den Betroffenen zu einem inneren Konflikt fuehren. Eine meiner Patientinnen wurde nach einem erfolgreich bestandenen Examen tief depressiv und versuchte, sich das Leben zu nehmen. Sie war naemlich im tiefsten Inneren davon ueberzeugt, so einen Erfolg nicht zu verdienen, weil sie ein schlechter Mensch sei.
Es besteht offenbar eine gewisse erbliche Veranlagung, denn oft leiden in der Familie noch andere Mitglieder an Depressionen, manisch-depressiven Erkrankungen oder anderen Gemuetskrankheiten, oder haben versucht, sich das Leben zu nehmen.
Ausser diesen schweren Depressionen gibt es auch mildere Formen. Sie sind ebenfalls durch die "-losigkeit" Symptome gekennzeichnet und entwickeln sich eher schleichend. Die Kranken liegen oft tagelang im Bett, fuehlen sich bedrueckt, haben zu nichts Lust, koennen sich schlecht konzentrieren und zu nichts entscheiden. Sie essen entweder zu viel oder zu wenig, schlafen entweder staendig oder sehr schlecht. Manche versuchen, sich mit Alkohol aus diesem Stimmungstief zu befreien, was die Sache nur noch schlimmer macht. Auch sie leiden unter Gefuehlen der Sinn- und Hoffnungslosigkeit, und glauben, nicht viel wert zu sein. Diese Phasen halten meist monatelang an, und sind selten laenger als acht Wochen von besserer Stimmung unterbrochen.
Wichtig ist es, einen Unterschied zwischen Depression als psychischer Erkrankung und depressiven Verstimmungen als Folge belastender aeusserer Ereignisse zu machen. Waehrend diese schweren Erkrankungen unbedingt mit Psychopharmaka behandelt werden muessen (manchmal ein Leben lang), klingen depressive Verstimmungen infolge von Trauer, Liebeskummer usw. normalerweise von allein ab, wobei allerdings voruebergehend Medikamente unterstuetzen koennen. Eine psychotherapeutische Behandlung ist oft eine gute Hilfe. Sie kann auch bei schweren Depressionen (nach Abklingen der Phase) wirksam sein, allerdings dann nur im Verbund mit Medikamenten.
MfG, Dr. Karin Anderson

 
 

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