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17.01.2004 16:13 Zitieren Zitieren

Janina
Pointer-User

17.01.2004 16:13 Zitieren Zitieren

erinnerungen

meine eltern haben sich getrennt und für mnich ist es sowohl schwer, damit fertig zu kommen als auch mit dem was war und mit der ungewissheit was noch alles passieren wird. ich erinnere mich an so viele szenen was mir wieder angst macht und traurig macht. wie kann ich sowas verarbeiten? wie kann ich mich daran hindern mich an so etwas zu erinnern?

21.01.2004 01:17 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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21.01.2004 01:17 Zitieren Zitieren

Liebe Janina, ich kann mir vorstellen, wie dir in dieser schwierigen Situation zumute sein muss. Offenbar hat es ja zahlreiche unerfreuliche Szenen zwischen deinen Eltern gegeben, die du miterleben musstest. Leider schreibst du nicht, wie alt du bist, ich schaetze mal, 15 - 16. Bei welchem Elternteil lebst du jetzt, und hast du Geschwister, die jetzt das Gleiche durchmachen wie du? Hat sich die Situation zwischen deinen Eltern durch die Trennung etwas entspannt oder geht der Streit jetzt erst recht los? Kannst du mit dem Elternteil, bei dem du lebst, ueber eure Situation reden? Und ist der andere Elternteil fuer dich erreichbar, gibt es einen regelmaessigen Besuchskontakt? All diese Dinge sind naemlich wichtig im Hinblick darauf, wie du mit der Trennung umgehen kannst, und was du moeglicherweise in Zukunft zu erwarten hast.
Ueber deine traurigen und angstmachenden Erinnerungen kommst du am besten weg, wenn du mit anderen darueber reden kannst. Deine Eltern sind dafuer wahrscheinlich nicht die richtigen Gespraechspartner, sie sind emotional viel zu sehr darin verstrickt. Wenn du Geschwister hast, die nicht zu jung fuer einen Gedankenaustausch sind, waere es gut, mit ihnen ueber eure Erfahrungen zu sprechen. Ansonsten rate ich dir dringend, dich an deine Freundinnen und ausserdem an erwachsene Vertrauenspersonen (vielleicht eine Lehrerin oder einen Lehrer, den du magst) zu wenden, und mit ihnen ueber das zu reden, was dich bedrueckt. Freunde haben vielleicht Aehnliches mit ihren Eltern erlebt und koennen dir erzaehlen, wie es ihnen damit gegangen ist. Einfach vergessen kannst du solche Erinnerungen nicht, dazu sind sie zu praegend. Du kannst nur allmaehlich Abstand dazu gewinnen, das gelingt dir am besten, wenn du dich damit beschaeftigst, nicht wenn du versuchst, die Bilder zu verdraengen.
Was in Zukunft mit dir, deinen Eltern und deiner Familie werden wird, haengt davon ab, wie schnell es den Eltern gelingt, ihre Streitigkeiten beizulegen und je mehr sie sich bemuehen, dir und deinen Geschwistern die Trennung zu erleichtern. Dazu gehoert, dass sie nicht nur Verstaendnis fuer ihre eigenen Probleme, sondern auch fuer eure traurigen, aengstlichen oder wuetenden Gefuehle haben. Dass sie den Versuch machen, mit euch zu reden, euch ihr Handeln zu erklaeren (ohne euch mit Klagen ueber den Ehepartner zu belasten). Und dass sie euch zeigen, dass sie euch lieben und Kontakt mit euch haben wollen (ohne euch gleich mit einem neuen Partner emotional zu ueberfordern).
Vielleicht magst du ja auch noch einmal schreiben, um noch einige Einzelheiten zu deiner speziellen Situation zu schildern.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

22.01.2004 08:23 Zitieren Zitieren

janina (15)
Gast

22.01.2004 08:23 Zitieren Zitieren

momentan ist es wirklich schwer bei mir zuhause. ich lebe bei meiner mutter und habe noch eine schwester, mit der ich abe rin dieser Situation überhaupt nicht mehr zurechtkomme.
Sie hat mitbekommmen wie mein Vater meine Mutter geschlagen hat und uns hat er ja auch geschlagen.
es fällt mir total schwer darüber zu reden, da kommen eine menge gefühle bei hoch.
mein vater verhält sich dazu noch zeimlich unfair, macht terror bei uns zuhause und bedroht meine mutter. ich habe das gefühl, dass ich nicht weinen/schlecht drauf sein darf, weil ich meine mutter helfen muss. sie holt sich schon überall hilfe, aber irgendwie reicht es nicht. und mich macht das kapput wenn ich sie aufbauen muss, so lieb ich sie auch habe. aber dann unterdrücke ich nämlich meine gefühle.

26.01.2004 03:36 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

26.01.2004 03:36 Zitieren Zitieren

Liebe Janina, ich kann mir vorstellen, wie bedrueckend die Situation zuhause bei dir sein muss, wenn durch die fortgesetzten unerfreulichen Szenen auch nach der Trennung deiner Eltern keine Ruhe einkehren kann. Es ist verstaendlich, dass du bei dem Terror, den dein Vater gemacht hat und offenbar auch weiterhin noch ausuebt, auf der Seite deiner Mutter stehst und dich ein Stueck fuer sie verantwortlich fuehlst. Da sie die Misshandlungen durch deinen Vater jahrelang mitgemacht hat, wird sie sicher noch lange Zeit brauchen, bis sie sich innerlich wirklich von dieser Missbrauchsbeziehung distanzieren und einen Neuanfang machen kann. So wichtig es auch ist, dass sie sich Hilfe bei dieser schmerzhaften Abloesung holt - diese Art von Hilfe kannst du nicht leisten! Du bist ja selbst das Opfer von Misshandlungen durch deinen Vater gewesen, und musst deine eigenen Wunden heilen. Deine Mutter braucht sowohl juristischen Rat (Anwalt, richterliche Hilfe gegen fortgesetzte Bedrohungen durch deinen Vater) als auch therapeutische Hilfe oder Unterstuetzung durch eine Selbsthilfegruppe fuer Opfer von Gewalt in der Ehe. Dort sind die fachlich erfahrenen Ansprechpartner fuer sie, die ihr dabei helfen koennen, ihre “eingeblaeute” Hilflosigkeit zu ueberwinden.
Du musst mit deinen eigenen traurigen und schmerzhaften Gefuehlen fertigwerden und darfst dir nicht die Rolle des Aufmunterers deiner erwachsenen Mutter zumuten. Wie du ganz richtig sagst, ueberfordert dich diese Helferrolle und verhindert ausserdem, dass du genuegend Kraft findest, dich um dich selbst zu kuemmern. Bitte versuch, auch wenn es wehtut, und alles an Traurigkeit, Wut und Enttaeuschung ueber deine Eltern (auch ueber deine Mutter, die euch nicht vor dieser Situation schuetzen konnte) in dir hochkommt, mit einer erwachsenen Vertrauensperson und mit Freunden zu reden. Alles, was ausgesprochen wird, wird nicht mehr in sich hineingefressen und ist damit “draussen”. Das bedeutet zwar noch keine Heilung, aber ein Stueck Distanz. Je mehr du dich anderen mitteilst, desto mehr Abstand kannst du innerlich gewinnen.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

 
 

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