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10.10.2003 09:55 Zitieren Zitieren

Martin
Pointer-User

10.10.2003 09:55 Zitieren Zitieren

Sterben des Vaters eines Freundes

Liebe Doktor Anderson, ich habe ein Problem. Der Vater eines meiner Freunde ist so schwer krank, dass er bald sterben wird. Er hat Darmkrebs und die Ärzte haben die Hoffnung aufgegeben. Meine Frage ist: meine Freund (Dirk heißt er) redet von sich aus nie darüber und ich weiß nicht, wie ich ihn darauf ansprechen soll und wie oft es gut ist, dass ich ihn anspreche. Ich meine, wenn er sich gerade ablenken will, will ich ihn ja nicht zwingen, wieder daran denken zu müssen. Aber er muss es doch auch mal rauslassen! So was kann man doch nicht in sich hineinfressen, das muss ihn doch total fertig machen.

Bitte geben Sie mir einen Tipp. Die Situation überfordert mich, weil ich will ihm echt helfen und habe keine Ahnung wie. Ich bin übrigens 21 Jahre alt.

10.10.2003 13:44 Zitieren Zitieren

Lars
Pointer-User

10.10.2003 13:44 Zitieren Zitieren

hallo,
ich weiss nicht ob es dir hilft, aber ich war vor kurzer zeit in der situation deines freundes. mein vater war auch unheilbar krank und ich habe auch mít kaum jemand darüber gesprochen ausser meiner familie. meine freunde wußten auch nicht wie sie damit umgehen sollten, und ich mochte es auch nicht darauf angesprochen zu werden. aber ich wußte sie sind für mich da, wenn ich drüber reden wollte, das haben sie mir alle gesagt und ich war dafür allen sehr dankbar. ich denke wenn du deinem freund helfen willst solltest du ihn nicht drängen darüber zu sprechen, sondern ihm nur sagen und zeigen das du für ihn da bist wenn er dich braucht. es ist halt eine sehr persönliche sache wenn ein geliebter mensch stirbt und als direkt betroffene person mag man oft nicht darüber reden, weil man der meinung ist, die anderen verstehen den eigenen schmerz sowieso nicht. ich hoffe ich konnte dir etwas helfen.

10.10.2003 17:56 Zitieren Zitieren

tomate 16
Gast

10.10.2003 17:56 Zitieren Zitieren

ich stimme lars meinung zu. manchmal ist es besser, einen menschen einfach nur wissen zu lassen, dass er jederzeit mit einem über sein problem reden kann, und ihn nicht unnötig mit einem belastenden thema zu konfrontieren. sag ihm doch einfach nur: "ich weiß nicht genau, was im moment in dir vorgeht, aber ich will nur, dass du weißt, dass ich jederzeit für dich da bin, falls was ist.". dieser satz mag einfach wirken, aber man glaubt kaum, was er in wirklichkeit bei jemandem auslöst. womöglich wird dein freund erkennen, dass du es gut mit ihm meinst, und dass er nicht allein ist.

13.10.2003 13:10 Zitieren Zitieren

Karolina
Gast

13.10.2003 13:10 Zitieren Zitieren

Hallo Martin,

also, ich kenne das Thema nicht wirklich, aber ich versuche mich ein bisschen hineinzuversetzen.
An deiner Stelle würde ich erstmal gar nichts machen, sprich ihn bloß nicht auf das Thema an, denn das ist im Moment für ihn wahrscheinlich zu heikel. Lass das Thema außen vor, es quält ihn nur, wenn du ihn fragst und er kommt sich eventuell so vor, als ob er Rechenschaft vor dir ablegen müsse. Das ist natürlich nicht der Fall, aber Leute, die einen Menschen durch den Tod verlieren sind oft zutiefst verletzt und wollen nicht darüber sprechen, zumindest vorerst nicht. Du solltest versuchen ihn ganz normal zu behandeln, pack ihn nicht übertrieben in Watte! Klar kannst du ein bisschen Rücksicht nehmen, aber lass ihn das nicht merken.

Weißt du, ich kenne das, weil meine Mutter einmal Krebs hatte, sie ist daran zum Glück nicht gestorben, aber ich finde dieses Thema auch nicht so toll und ich will auch nicht mit meinen besten Freundinnen oder anderen Freunden darüber reden. Ich will es einfach nicht und ich brauche es auch nicht mehr. Ich habe mich mal deswegen in mein Zimmer gesetzt und geheult, aber ich verspüre gar nicht den Drang, mit jemandem darüber zu reden.
Die anderen haben schon Recht, zeig deinem Freund, dass du jederzeit für ihn da bist, dass du Interesse an ihm hast, das wird ihm helfen. Er muss den Zeitpunkt bestimmen, an dem er das erste Mal über den Verlust seines Vaters sprechen will. Das kann noch lange dauern. Vielleicht wird bei ihm zu Hause schon so viel darüber gesprochen, dass er mal froh ist, wenn er nicht ständig mit diesem schrecklichen Thema konfrontiert wird. Manche Leute sprechen nicht gerne über Probleme, zB mein Exfreund, seine Mutter ist auch tot, aber wir haben nie darüber gesprochen. Er hat mir mal erzählt, dass sie tot ist, aber ich hab dann auch nicht näher nachgefragt, ich bin dem Thema immer aus dem Weg gegangen, weil ich teilweise nicht wusste wie ich reagieren sollte. Aber er wollte auch glaube ich, nicht wirklich mit mir darüber sprechen.

Glaub mir, wenn dein Kumpel, mit wem auch immer irgendwann einmal über dieses Thema sprechen möchte, dann tut er es. Er wird sich selber überwinden und darüber sprechen. Momentan ist er noch nicht so weit. Akzeptiere das. Vielleicht wird er auch nicht mit dir darüber sprechen, vielleicht mit einer Freundin oder mit einem Bekannten, denn oftmals ist es so, dass man sich mit Leuten, die man nur sehr flüchtig kennt zB an einem Abend wunderbar über so ein Thema unterhalten kann. Gerade weil man sie flüchtig kennt, das ist eine Distanz, die aber auch hilft. Man kann besser darüber sprechen, ohne, dass man das Gefühl hat, dass man vor einem guten Freund das Gesicht verliert. so kenne ich das von mir. Ich habe mich beispielsweise mal sehr lange mit einem Mädel, das ich im Zug kennen gelernt habe die ganze Fahrt über superprivate Dinge unterhalten. Danach haben wir uns getrennt, ich hab sie nie wieder gesehen, es war aber gut so.

Hoffe, dass ich dir geholfen habe, Karolina

13.10.2003 23:43 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

13.10.2003 23:43 Zitieren Zitieren

Lieber Martin, liebe Karolina, lieber Lars und liebe Tomate, ich finde es toll, wie einfuehlsam ihr mit diesem schwierigen Thema umgeht. Es ist tatsaechlich nicht so einfach, eine allgemeingueltige Antwort auf deine Frage zu geben, Martin. Die anderen haben schon Recht, das Wichtigste ist, dass du fuer deinen Freund da bist und Verstaendnis fuer seine Gefuehle zeigst, auch wenn er depressiv ist, sich zurueckzieht oder scheinbar abweisend verhaelt.
Ein Gespraech ueber den drohenden Verlust eines geliebten Familienmitglieds oder Freundes kannst du deinem Freund natuerlich nicht aufdraengen, aber es hilft, wenn du signalisierst, dass du jederzeit bereit bist, mit ihm zu reden, wenn er es moechte.
Ein solches Thema ist belastend, natuerlich, aber es steht ja unuebersehbar mitten im Raum! Wenn du es vorsichtig anschneidest, belastest du deinen Freund also nicht wirklich damit, denn er ist ja schliesslich in jeder wachen Minute damit konfrontiert. Viel belastender als das Darueberreden ist das Darueberschweigen-Muessen. Und das ist leider in Familien viel haeufiger der Fall, als das Gegenteil.
Sehr oft glauben Freunde und Familienmitglieder, die Betroffenen zu schonen, wenn moeglichst wenig darueber geredet wird. Das kann zu einer ungeheure seelische Belastung fuehren, weil dann auch keiner trauern darf! Wenn die Mutter den Kindern nicht zeigen will, wie sehr sie unter Vaters unheilbarer Krankheit leidet, wenn die Kinder die Mutter schonen wollen, weil sie doch mit der Pflege schon so belastet ist, wenn die Geschwister untereinander nicht sprechen moegen, weil das Thema tabu ist, bleibt am Ende jeder mit seinem Kummer allein und kann sich nicht durch Trauern auf den unausweichlichen Abschied vorbereiten. Fuer den Kranken ist es im uebrigen oft auch sehr schlimm, wenn alle dem Thema Krankheit ausweichen, weil er dann ja ebenfalls mit seinem Schmerz allein gelassen ist.
Wichtig fuer deinen Freund ist sicherlich das Gefuehl, dass du, als sein Freund, seine Trauer AUSHALTEN kannst. Dass du nicht erwartest, dass er dir etwas vormacht, damit er dich nicht durch sein Leid belastet. Mehr brauchst du wirklich nicht zu tun, um deinem Freund in dieser Situation zu helfen. Dasein, Gespraechsbereitschaft signalisieren, seine Trauer aushalten - das bedeutet eine ungeheure seelische Unterstuetzung. Viele Trauernde erleben naemlich, dass sich ihre Freunde aus falscher Ruecksichtnahme oder aus verlegener Hilflosigkeit gegenueber dem Thema Tod von ihnen zurueckziehen. Durch diese vermeintliche "Schonung" fuehlen sich die Trauernden dann doppelt alleingelassen!
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

 
 

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