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26.09.2003 16:33 Zitieren Zitieren

Carlo B. 17 Jahre alt
Gast

26.09.2003 16:33 Zitieren Zitieren

Krank ? Ansteckend ?

Hallo Frau Dr. Anderson,

Hilfe ! ich weis nicht mehr weiter. Ich war vor einigen Wochen sehr müde und hatte Glieder- und Bauchschmerzen. Ich fühlte mich sehr matt. Ich schleppte mich so durch den Tag und schlief sehr viel. Meine Bauchdecke fing an zu spannen und ich suchte einen Arzt auf. Ich untersuchte mich und nahm Blut. Das Ergebnis war für mich sehr niederschnetternt.
Diagnose : Hepatitis C !
Wie gehe ich mit dieser Diagnose um ? Ich habe das Gefühl mein Hausarzt ist mit dieser Erkrankung total überfordert.
Ich soll jetzt in die Uniklinik um dort eine Interfon-Behandlung zu beginnen.
Ich habe eine nette Freundin, doch seit der Diagnose habe ich nicht mehr mit ihr geschlafen. Ich habe Angst sie anzustecken, da das Viruas auch über Sperma oder Speichel übertragen wird.
Ist dies das Ende meines Lebens. Ich habe einfach Angst - und die Angst bekomme ich auch nicht weg. Ich habe ngst meine Freundin zu verlieren. Und der hammer kommt noch - ich wollte Krankenpfleger lernen und dies ist mit Hepatitis C nicht möglich !

Bitte schreiben Sie mir.

Danke.

Carlo

27.09.2003 11:38 Zitieren Zitieren

Verena
Pointer-User

27.09.2003 11:38 Zitieren Zitieren

Hi Carlo!
Ich musste dir einfach schreiben, als ich deinen Artikel las! Ich weiß, du kannst jetzt bestimmt kein Mitleid gebrauchen, deswegen sag ich auch nicht so was, wie: du tust mir ja so Leid!!!! Ich wollte dir nur sagen, dass du immer positiv denken solltest und das Leben (so schwer das klingt) als Geschenk annehmen solltest! Deine Freundin scheint zu dir zu stehen und hilft dir bestimmt durch diese schwere Zeit! Du schaffst das schon, ich bin fest davon überzeugt und denk an dich! Gib nicht auf zu kämpfen!!!

27.09.2003 15:13 Zitieren Zitieren

Carlo
Gast

27.09.2003 15:13 Zitieren Zitieren

Viele Dank Verana für Deine mutmachenden Zeilen.

Grüsse Carlo

06.10.2003 05:48 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

06.10.2003 05:48 Zitieren Zitieren


Lieber Carlo, ich kann mir vorstellen, dass du ueber die Diagnose Hepatitis C (HCV) sehr verzweifelt bist. So merkwuerdig sich das fuer dich in dieser Situation anhoeren mag - du hast vielleicht sogar noch Glueck gehabt, dass deine Infektion bereits im akuten Stadium Symptome verursacht hat und dadurch frueh diagnostiziert werden konnte. Denn so ist ja jetzt eine Behandlung moeglich, die hoffentlich eine weitere Ausbreitung des Virus in deiner Leber verhindern kann.
Hepatitis C ist eine chronische Leberentzuendung, die leider recht haeufig vorkommt. Das Virus wird durch Kontakt mit infiziertem Blut uebertragen, gelangt mit dem Blut in die Leber und vermehrt sich in den Leberzellen. Dieses Stadium, die akute Hepatitis C, verursacht bei 60 - 70% der befallenen Patienten ueberhaupt keine Symptome, sondern geht nach etwa 6 Monaten unbemerkt in eine chronische Leberentzuendung ueber. Wenn in diesem akuten Stadium aber Symptome auftreten, sind das die gleichen, die du beschreibst: starke Muedigkeit, Schlappheit, Appetitlosigkeit, Bauchweh und eventuell eine Gelbsucht.
Ob Symptome auftreten oder nicht, erste Schaeden an den Leberzellen koennen nach 2 - 8 Wochen in Bluttests nachgewiesen werden. Nur in seltenen Faellen geht die Leberentzuendung spontan zurueck, bei mehr als 80% der Betroffenen schreitet sie, wenn auch sehr langsam, fort. Wird die Hepatitis C nicht erkannt und behandelt, schaedigen die Viren die Leberzellen schliesslich so stark, dass sie sich nach 10 bis 30 Jahren in Bindegewebe umwandeln (Leberzirrhose) und schliesslich nicht mehr ausreichend funktionieren ( Leberversagen).
Dein Hausarzt hat das Richtige veranlasst und dich zur Behandlung in die Uniklinik ueberwiesen. Dort werden Leberspezialisten verschiedene Tests mit dir vornehmen, um genau zu bestimmen, welche Art der Interferonbehandlung fuer dich am aussichtsreichsten ist.
Alpha-Interferon ist ein Abwehrstoff, der auch von deinem Koerper produziert wird, um Virusinfektionen wie z. B. eine Grippe, zu bekaempfen. Das Interferon lagert sich an gesunde Zellen an und blockiert das Eindringen der Viren. Es ist ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems, das die Virusvermehrung verhindern und dem Koerper helfen kann, bereits infizierte Zellen abzustossen.
Eine Interferonbehandlung dauert zwischen 24 und 48 Wochen. Das Alpha-Interferon muss, je nach Praeparat, 1 - 3 mal pro Woche als Spritze verabreicht werden. Oft wird es in Kombination mit einem anderen Medikament, Ribavirin, gegeben, wodurch sich die Wirksamkeit erhoehen soll. Die Behandlung hat dann Erfolg, wenn 6 Monate nach Therapieabschluss kein Virus im Blut mehr nachweisbar ist, oder wenn eine Untersuchung der Leberzellen unterm Mikroskop (histologische Untersuchung) zeigt, dass die Entzuendung abgeklungen ist.
Interferon hat allerdings, wie alle sehr potenten Medikamente, bestimmte unangenehme Nebenwirkungen, die zum Teil den Symptomen aehneln, die du hast, wenn dein koerpereigenes Interferon eine Grippe bekaempft. Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Fieber, Erschoepfung und Uebelkeit sind einige davon.
Das hoert sich nicht besonders angenehm an, ich weiss, aber diese Medikamente koennen dir wirklich helfen! Du musst dich allerdings ganz genau an die Anweisungen deiner Aerzte halten, auch wenn du dich waehrend der Zeit der Behandlung aufgrund der Nebenwirkungen etwas elend fuehlen solltest.
Du schreibst, dass du dich gar nicht mehr traust, mit deiner Freundin Sex zu haben und dass du Angst hast, sie zu verlieren. Es ist zwar richtig, dass du bestimmte Vorsichtsmassnahmen einhalten musst, aber du kannst zum Glueck doch ein ziemlich normales Leben (und Liebesleben) auch mit einer chronischen Hepatitis C fuehren. Ihr muesst allerdings Safer Sex praktizieren, dass heisst, du musst ein Kondom benutzen und ihr solltet keinen oralen Sex haben. Zwar stecken sich, wie Untersuchungen ergeben haben, auch bei ungeschuetztem Sex weniger als 5 % der Partner, aber deine Freundin sollte sich in jedem Fall vorsichtshalber auch auf Hepatitis C testen lassen.
Du brauchst natuerlich nicht ueberall herumerzaehlen, dass du HCV infiziert bist. Aber deine Partnerin, deine Familie, und alles medizinische Personal, das in Kontakt mit deinem Blut kommen koennte (z. B. auch deinen Zahnarzt) musst du ueber deine Krankheit informieren. Dann koennen sie sich gegen eine evtl. Uebertragung schuetzen und z. B. Handschuhe benutzen.
Bestimmte Hygiene-Vorschriften sind auch fuer dich sehr wichtig. Wenn du Verletzungen oder offene Stellen in der Haut hast, solltest du sie mit Pflastern und Bandagen abdecken. Alles, was mit deinem Blut befleckt ist (Pflaster, Tupfer usw.) musst du sicher entsorgen, damit kein anderer damit in Beruehrung kommen kann. Und wenn du irgendwo Blut verlierst, musst du die Stellen abwischen und desinfizieren. Nur mit deinem Blut musst du vorsichtig sein - du kannst deinen Freunden die Hand geben oder sie umarmen, ohne sie zu gefaehrden. Wenn jemand versehentlich aus dem gleichen Glas trinkt wie du, wird er sich sicher nicht anstecken. Deine Zahnbuerste oder deine Rasierklingen (an denen Spuren von Blut kleben koennten) solltest du aber nicht verleihen.
Um deinen Koerper so gut wie moeglich in seinem Kampf gegen das Virus zu unterstuetzen, solltest du darauf achten, dass du dich gesund ernaehrst (Vitamine, Vollwertkost) und genuegend Bewegung hast (Sport). Auf Alkohol solltest du unbedingt verzichten, deine Leber hat ja bereits genug mit Virenbekaempfung zu tun und darf nicht noch unnoetig mit zusaetzlichen Entgiftungsaufgaben belastet werden.
In der Uniklinik wird man dich sicher beraten, worauf du achten musst und was fuer dich unbedenklich ist. Versuch, dich so gut wie moeglich ueber deine Krankheit zu informieren, frag deine Aerzte, schau im Internet nach. Je besser du dich informierst, desto weniger hilflos und unsicher wirst du dich fuehlen. Nimm dir nicht uebel, wenn du eine Zeit lang depressiv und mutlos bist. Eine solche Diagnose ist immer ein grosser Schock, und es braucht eine laengere Zeit, um sich an das Wissen um die ploetzliche Versehrtheit seines Koerpers zu gewoehnen, und an die schmerzhafte Erkenntnis, dass man mit einer chronischen Krankheit leben muss.
Die Einsicht, dass du in deinem Traumberuf, Krankenpfleger, als HCV-Infizierter nicht arbeiten darfst, traegt natuerlich ebenfalls dazu bei, dass es sich fuer dich so anfuehlen muss, als sei dir der Boden unter den Fuessen weggezogen worden. Auch das wird eine Zeit der Trauer fuer dich bedeuten, bis du dich umorientieren und einen anderen Beruf erlernen kannst.
Ich wuensche dir ganz viel Mut und druecke dir fuer deine Behandlung beide Daumen!
Alles Liebe, Dr. Karin Anderson

 
 

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