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22.11.2002 20:45 Zitieren Zitieren

Thomas
Pointer-User

22.11.2002 20:45 Zitieren Zitieren

Spiegelung

Hallo. Ich habe da ein "kleines" Erlebnis gehabt. Laut einem Psychologie-Ratgeber sollte man in den Spiegel schauen, dabei sich selbst ganz tief in die Augen und sich dabei anlächeln. Das (Lächeln) ging erstmal nicht, fiel mir weiterhin schwer. Im ersten Moment schoss mir ein inneres Bild in den Kopf (ich sitze auf einem Stuhl neben meiner Oma, und gucke recht fröhlich, mit den Beinen wackelnd). In der Folgezeit kam es zu vielen Heulkrämpfen und Gefühlswallungen. Auch die inneren Bilder haben sich fortgesetzt. Wie könnte man dieses Phänomen beschreiben. Übrigens, ich bin schon etwas älter. Mittlerweile 28. Das beschriebene Spiegelerlebnis war vor etwa 4 Jahren.

grüße thomas

01.12.2002 23:06 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

01.12.2002 23:06 Zitieren Zitieren

Lieber Thomas, das Phaenomen, dass du beschreibst, nennt man in der Fachsprache spontanes Katathymes Bild. Solche Imaginationen kommen ebenso aus dem Unbewussten, wie Nachttraeume. Fast alle Menschen kennen traumaehnliche Bilder, die kurz vorm Einschlafen auftreten, wenn man schon sehr entspannt ist, aber noch nicht schlaeft. Es gibt uebrigens sogar eine sehr erfolgreiche tiefenpsychologische Behandlungstechnik, die mit diesen Tagtraeumen arbeitet (Katathymes Bilderleben nach Prof. Hanscarl Leuner). Bei dieser Technik werden die Patienten mit Suggestionen zuerst in einen entspannten Zustand versetzt und dann zu bestimmten Imaginationen angeregt, aus denen sich dann ganze Handlungsablaeufe entwickeln koennen. Manchmal stellen sich katathyme Bilder aber auch ganz spontan ein, wie du es erlebt hast. Ebenso wie Nachttraeume sind solche Tagtraueme haeufiger bei fantasievollen, als bei sehr nuechtern denkenden Menschen.
Voraussetzung ist, dass du emotional unter einer gewissen Spannung stehst, vielleicht ungeloeste Probleme hast. Darauf weist auch der gefuehlsmaessige Tumult hin, den du in der Zeit nach dem ersten Tagtraum vor dem Spiegel erfahren hast. Das Bild aus deiner Kindheit mit der Grossmutter war ja eine friedliche, geborgene und froehliche Situation. Vielleicht warst du gerade in einer ganz gegensaetzlichen Lebenssituation mit Spannung, Unsicherheit und Stress...
Du solltest diese spontanen Bilder als Hilfestellung deines Unbewussten ansehen, und dir ueberlegen, warum sie gerade jetzt auftreten und was sie dir sagen wollen.
Mit freundlichen Gruessen, Dr. Karin Anderson

 
 

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