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05.01.2007 23:30 Zitieren Zitieren

Marina
Gast

05.01.2007 23:30 Zitieren Zitieren

Etwas stimmt nicht...

Liebe Frau Dr.Anderson,

ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob das hier der richtige Ort ist, um zu schildern, was mit mir nicht stimmt, aber irgendetwas muss ich tun, glaub ich...
Ich bin gerade erst 18 geworden, und Neujahr gab es bei uns am Frühstückstisch ein Gespräch, in dem es darum ging, was ich nach meinem Abitur machen werde. Zuhause darf ich nicht bleiben, und ich studiere schön weit weg. So habe ich es verstanden. Und es war ziemlich deutlich.
Das hat sehr weh getan. Und solche Auseinandersetzungen sind bei uns nicht mehr selten. ich glaube, früher war das anders, ist aber schon lange her... ich vermisse es trotzdem.
Ich verstehe das nur nicht, denn nach Außen hin ist die Familie intakt. Ich weiß, dass es sehr viel schlimmeres gibt.
Und ich weiß auch, dass ich wirklich nichts Böses möchte! Ich möchte meinen Eltern gefallen. Ich bin der größte Fehler meines Vaters, dabei gebe ich mir Mühe , nichts falsch zu machen und auch meine Leistungen in der Schule sind gut bis sehr gut. Das wird von meinen Eltern zwar nicht verlangt, aber sie erwarten es selbstverständlich von mir. Eigentlich ist es ihnen egal.
Schule ist aber im Allgemeinen ein schlimmer Ort für mich geworden, auch das war früher anders. Aber nun muss ich den Großteil meiner Zeit dort verbringen, wenn ich nach Hause komme, ist es dunkel. Das auszuhalten fällt mir sehr schwer, aber trotzdem geht es immer irgendwie. Die Klausuren überraschen mich selbst. Aber in diesen Phasen fühle ich mich ganz seltsam, alles geht mechanisch, aber ich bin nicht richtig wach. Dafür war ich mir letztens in der Pausenhalle absolut bewusst, dass ich traurig bin, die Sonne nur noch durch Fensterscheiben sehen zu können. Es ist so absurd, solche Gedanken zu haben...
In den Ferein geht es jetzt. Ich kann sehr viel malen und kümmere mich um einen Hund von Nachbarn. Das tue ich so gern, dabei denke ich an nichts. ich liebe das Gefühl, mich um ein Tier zu kümmern und werde ganz ruhig dabei!Und schließlich habe ich auch einen Grund, morgends aufzustehen, wenn das arme Tier hunger hat.
Außerdem ist es in den Ferien nicht so schlimm, wenn ich abends lange nicht einschlafen kann.
Aber ich habe jetzt schon Angst vor dem Schulbeginn, obwohl ich nie Probleme mit der Schule hatte. Und liebe Freunde hätte ich eigentlich auch, nur will ich sie nicht wiedersehen. Früher hatte ich viele Freunde, als ich mich noch darum bemüht habe, ich selbst zu sein. Und auch jetzt sind die meisten Menschen unheimlich nett zu mir, wenn man bedenkt, wie ich mich benehme.
Ich bin nicht unfreundlich, im Gegenteil, ich gebe mir viel Mühe. Aber mir ist aufgefallen, dass ich vom Lachen Kopfschmerzen bekomme. Es ist richtig Stress, unter Menschen zu sein, selbst wenn es meine Freunde sind.
Daher greife ich jede Ausrede auf, um nicht mit Freunden zusammensein zu müssen. Nicht, weil ich sie nicht mag, aber es schnürt mir unbewusst die Luft ab... und ich muss so kämpfen, um liebenswert zu tun.
Ans Telefon gehe ich auch kaum noch. Das ist so unhöflich...
Und ich weiß den Grund nicht, ich habe das Gefühl, dass ich das alles nicht absichtlich mache.
Dazu kommt, dass ich mich viel zu häufig in Phantasiegebilden wiederfinde, die mich verletzten, sobald mir klar wird, dass sie niemals real sein können.
ich habe bereits erfahren wie es ist, jemanden zu lieben, der unerreichbar ist, aber jetzt liebe ich Dinge, die nicht existieren. Das ist doch niemals normal! Und schmerzhaft ist es auch. Diese Sache ist manchmal am Schlimmsten.
Und es zeigt mir, wie viel ich in den letzten Jahren habe vorbeiziehen lassen... zum Beispiel so viele Arten von Liebe. Trotzdem war es früher anders, ich war viel hoffnungsvoller. Jetzt ist es einfach leer. Und ich weiß nicht, warum. Warum ich weine, wenn ich Familien im Fernsehen sehe oder eine Liebesgeschichte lese. Warum ich meine Freunde so wenig schätzen kann.
Ich bin doch eigentlich noch so jung, aber ich fühle mich uralt.
Ich komme mir vor wie eine Maschine. nicht wie ich selbst, gar nicht mehr wie ein Mensch. Ich tue nur das, was unbedingt nötig ist. Aber das so gut ich kann, in der Hoffnung, anderen zu gefallen, oder sie zumindest nicht zu enttäuschen. Meist klappt das glaub cih nicht, aber dann kann ich wenigstens so tun, als ob alles in Ordnung wäre.
Ich glaube nur, dass ich dieses Bild nicht mehr lange halten kann. Und wenn es fällt, dass habe ich doch nichts mehr.
Im Moment würde ich lieber ein paar Jahre ganz still irgendwo alleine sitzten, als noch einmal hinauszugehen. Ich mache es trotzdem, weil ich weiß wie albern das ist. Nicht nur albern, verrückt sogar... Dabei bin ich jetzt volljährig und sollte mich wohl nicht mehr so benehmen. Aber wenn ich an die Zukunft denke, bekomme ich kaum Luft. Ich werde das niemals schaffen.
Besonders abends ist es schlimm, mittlerweile weine ich jede Nacht. Möglichst leise, damit es niemand hört, dabei möchte ich eigentlich schreien, denn es tut richtig körperlich weh. Anfangs kann ich noch versuchen, es zu betäuben. Es geht eine Zeit, wenn ich mir irgendein sinnloses Bild im Fernsehen ansehe, mich nicht bewege und versuche tief zu atmen. Aber spätestens wenn ich die Augen schließe ist es aus und vorbei.
Was kann ich denn nur tun? Ich komme mir so dumm vor, so alt und so kindisch. Und verrückt!
Es tut mir so leid, dass ich all diese blöden Dinge schreiben musste! Aber ich bekomme langsam Angst vor mir selbst, bestimmt ist irgendetwas ganz falsch. Ich bekomme Angst, dass ich irgendwann etwas ganz Dummes mache, und das wieder nicht absichtlich, oder zumindest nicht bewusst. Und es wird jeden Abend schwerer, einzuschlafen.
Ich weiß, dass sich das alles ganz schrecklich unsinnig anhört, aber vielleicht können Sie versuchen, mich ernst zu nehmen? Ich habe mir auch Mühe gegeben, es in einem erträglichen Rahmen zu halten... Ich bin mir natürlich trotzdem bewusst, dass es nicht leicht ist, mich noch für voll zu nehmen...

Trotzdem liebe Grüße!
Marina

08.01.2007 17:06 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

08.01.2007 17:06 Zitieren Zitieren

Liebe Marina,
Ich finde nicht, dass sich deine Schilderung unsinnig anhoert. Und ich nehme deine Probleme auch sehr ernst.
Ich glaube, dass dein jetziger Zustand mehrere Ursachen hat. Ich werde versuchen, zusammenzutragen, was du mir an Informationen ueber deine Schwierigkeiten gegeben hast, und dir zu sagen, wie ich die Sache sehe.
Du bist jetzt 18, kurz vor dem Abitur, und weisst offenbar noch nicht genau, worauf du beruflich hinaussteuern willst. Du befindest dich jetzt in einer Uebergangssituation, vom Jugendlichenalter ins Erwachsensein, von der Schule ins Studium, von der Abhaengigkeit von Elternhaus in die Unabhaengigkeit des Alleinlebens. Du musst Abschied von dem Vertrauten nehmen und ins Ungewohnte hinausgehen. Solche Uebergangsituationen im Leben sind immer auch Krisensituationen! Sie loesen auch bei jedem Menschen mehr oder weniger starke Aengste aus.
Fuer junge Erwachsene, die sich in ihrem Elternhaus sicher und geborgen fuehlen, die sich von ihren Eltern geliebt und anerkannt wissen, ist dieser krisenhafte Uebergang meist recht schnell zu bewaeltigen, sie sehen mehr das Positive in dem Schritt nach draussen und ihre Aengste loesen sich rasch auf.
Anders ist es, wenn junge Leute, wie du, auf einem emotional unsicheren Boden stehen, wenn sie sich nicht von den Eltern mit einem lachenden und einem weinenden Auge ziehen gelassen fuehlen. Wenn sie, im Gegenteil, sogar den Eindruck haben, dass es den Eltern eigentlich ziemlich egal ist, ob sie noch da sind oder nicht, oder, noch schlimmer, dass die Eltern vielleicht sogar froh sind, wenn sie "schoen weit weg studieren", steht nicht mehr das Positive, das Abenteuer Selbstaendigkeit, im Vordergrund, sondern das Negative, der Verlust, die Trennung, das "Hinausgestossenwerden aus dem Nest, egal ob man schon fliegen kann oder nicht".
Am meisten leiden nicht diejenigen Kinder unter Heimweh, die eine sehr innige Beziehung zu ihren Eltern haben, sondern die "unsicher gebundenen", die das traurige Gefuehl haben, "aus den Augen, aus dem Sinn", und die nicht daran glauben koennen, dass sie von ihren Eltern auch dann noch wahrgenommen werden, wenn sie nicht ganz in ihrer Naehe sind.
Du beschreibst dich als "groessten Fehler meines Vater". Das ist eine unheimlich traurige Feststellung! Dein Vater muss dir offenbar das Gefuehl gegeben haben, schuld daran zu sein, dass etwas in seinem Leben nicht so verlaufen ist, wie er es erhofft hat. "Musste" er heiraten, weil du unterwegs warst? Ist seine Karriere nicht gestartet, weil er auf eine Familie Ruecksicht nehmen musste? Sein Vorwurf scheint sich ja weniger auf das zu beziehen, was du tust, sondern vielmehr auf die Tatsache, dass du ueberhaupt da bist!
Ich weiss aus meiner Arbeit mit vielen Patienten, wie stark ein solcher Vorwurf der Eltern Kinder seelisch verletzt und wie ein Fluch auf ihnen lastet. Wenn du mit einem solchen Vorwurf aufwaechst, wenn du immer wieder zu spueren bekommst, dass du ein "Fehler", ein "Unfall" bist, oder, wie einer meiner jugendlichen Patienten von seinem Vater zu hoeren bekam, "eigentlich haette ich dich lieber an die Wand spritzen sollen", traegst du eine schwere seelische Buerde.
Aber das Schlimmste daran ist, dass sich die Betroffenen diese haltlosen, ungerechten Vorwuerfe zu eigen machen. Ebenso wie die Opfer von sexuellem Missbrauch glauben sie, tatsaechlich schuld daran zu sein, dass ihre Eltern sie so behandeln!
Marina, du bist nicht "der groesste Fehler" deines Vaters.
Du bist ein liebenswertes, begabtes, intelligentes Maedchen, auf das Eltern stolz sein koennen!
Deine Eltern sind ganz allein verantwortlich dafuer, wie sie ihr Leben gestaltet haben! Es ist immer viel einfacher, andere dafuer verantwortlich zu machen, dass man selbst die falschen Entscheidungen (oder gar keine Entscheidungen) getroffen oder sich vor Veraenderungen gescheut hat.
Wenn man unter seinen Umstaenden leidet und sich in einer Krise befindet, besteht immer die Moeglichkeit, an sich zu arbeiten und etwas fuer sich zu veraendern. Wenn man in ein reales Gefaengnis eingesperrt ist, kann man nicht heraus, aber eigene innere Mauern koennen ueberwunden werden!
All die Symptome, die du beschreibst, sind Ausdruck deiner inneren Krise. Es sind depressive Symptome, dein Rueckzug von deinen Freunden, deine Antriebs- und Lustlosigkeit, deine Aengste, die du selbst als unbegruendet erkennst, deine Traurigkeit und das Gefuehl der Leere, dein Nichteinschlafenkoennen und deine Angst vor der Zukunft.
Zu der psychischen kommt hier aber noch eine ganz wichtige aeussere Komponente: du beschreibst deine Abneigung gegen die Dunkelheit der Jahreszeit, wie du darunter leidest, dass es bereits dunkel ist, wenn du von der Schule nach Hause kommst. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Mangel an Sonnenlicht den Gehirnstoffwechsel negativ beeinflusst und Depressionen beguenstigt.
Da du offenbar zu den Menschen gehoerst, die besonders sensibel auf diesen winterlichen Lichtmangel reagieren, vielleicht auch dadurch, weil du sowieso herabgestimmt bist, wuerde ich dir empfehlen, dir eine Lampe zu besorgen, die eine Birne mit Sonnenlichtspektrum hat, und dein Zimmer damit hell zu beleuchten. Es gibt ausserdem sogar Lampen, die mit einem Timer gekoppelt sind und durch ganz allmaehliches Hellerwerden einen frueheren Sonnenaufgang simulieren. Diese Lichtlampen helfen wirklich! Du kannst damit mit Sicherheit deine Stimmungslage verbessern!
Deine Fuersorge fuer den Hund deines Nachbarn ist ein anderes, wichtige "Antidepressivum". Untersuchungen haben bestaetigt, dass der Umgang mit einem Tier deutlich stimmungsaufhellend wirkt und das Streicheln beruhigt und den Blutdruck senkt.
Vielleicht koenntest du dir ja, wenn du dich an deinem Studienort eingerichtet hast, einen Hund oder eine Katze aus einem Tierheim holen
Deine Fantasien, deine Sehnsucht nach etwas, das du unerreichbar nennst, sind kein Ausdruck von "Verrruecktheit", sondern zeigen, dass du Ressourcen in dir hast, die dir helfen koennen, dir Ziele zu setzen. Du kannst dir ja Moeglichkeiten vorstellen, Szenarien ausmalen. Wer dazu in der Lage ist, erreicht sein Ziel nachgewiesenermassen eher, als jemand, der keine Traeume hat. Auch wenn deine depressive Stimmung dir jetzt solche Fantasien eher als unerreichbar und daher "verrueckt" erscheinen laesst, in Wirklichkeit sind sie eine Staerke, die du besitzt!
Ich moechte dich dazu ermutigen, nach vorwaerts zu schauen! Such dir ein Studium fuer einen Beruf, der dich wirklich interessiert. Deine Zukunft ist eine Chance, nicht ein Verlust. Was du verlieren solltest, ist vor allem der Familienballast! Versuch, dich innerlich von deinen Eltern und ihren Problemen zu loesen. Es sind nicht deine Probleme und du bist weder dafuer verantwortlich, noch kannst du ihnen dabei helfen.
Du bist offenbar eine intelligente, sensible, nachdenkliche junge Frau, du besitzt eine gute Auffassungsgabe (gute Schulleistungen), du interessierst dich fuer das Wohlergehen anderer und moechtest ihnen helfen (Nachbarshund), du bist in der Lage, gute Freundschaften zu schliessen, und du besitzt genuegend innere Ressourcen, um deine Krise ueberwinden zu koennen.
Vielleicht waere es sogar eine gute Idee fuer dich, nicht nur "schoen weit weg", sondern
"aufregend weit weg" zu studieren. Wie waere es mit einem Auslandsaufenthalt? Wie waere es, wenn du dir aktiv ein ganz anderes Umfeld suchst, wo du ganz andere Erfahrungen machen kannst?
Eine Krise ist immer eine Aufforderung des Lebens, einen Schritt nach vorn zu tun und eine Trennung vom Alten (und nicht unbedingt Guten) zu wagen. Wenn du diese schwierige Uebergangskrise ueberwindest, wirst du ein grosses Stueck reifer und unabhaengiger sein! Ich bin sicher, dass du es schaffen wirst.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

 
 

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