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03.02.2007 00:37 Zitieren Zitieren

anonyme
Gast

03.02.2007 00:37 Zitieren Zitieren

klinik??

hallo liebes scoolz-team. ich(17jahre,12.jahrgang) leide seit über einem jahr an sehr sehr starken depressionen. seit einem halben jahr mache ich nun endlich- und glücklicherweise- eine therapie, in der ich versuche herauszufinden, was mit mir los ist und wie es zu den depressionen kam. lange zeit war ich wie tot, ich habe nix mehr gefühlt und kein leben mehr gespürt, mehrere male stand ich vor einem selbstmord. die therapie hilft mir sehr, immerhin habe ich nach über einem halben jahr wieder gefühle gehabt, aber es fällt mir sehr schwer, den alltag zu meistern und nicht aufzugeben... immer wieder breche ich einfach zusammen, kann nicht schlafen, weine tagelang, kann nichts essen, habe schreckliche albträume und wünsche mir den tod, weil ich mich selbst nicht spüren kann und die probleme mich überwältigen. dann wünsche ich mir auch oft, in eine psychiatrische klinik zu gehen, weil ich befürchte, es alleine einfach nicht zu schaffen, auch wenn es ja irgendwie schon verbesserungen gegeben hat. am liebsten würde ich einfach einmal weg von allem und in einer klinik einen neustart versuchen, aber dann habe ich auch angst davor (klinik würde ja jeder mitbekommen, da es mindestens 6wochen ist und ich möchte nicht, dass irgendjemand aus meiner schule oder irgendwelche bekannten davon erfahren), auch, weil ich mir nichts "verbauen" will...denn ich bin mitten in meinem abitur und die leistungen sind nie schlechter geworden... ich weiß einfach nicht was der richtige weg ist und ob ich es auch ohne klinikaufenthalt schaffen kann, oft wünsche ich mir schon noch, nicht mehr leben zu müssen. bitte antwortet... vielen lieben dank schonmal!

10.03.2007 20:41 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

10.03.2007 20:41 Zitieren Zitieren

bitte...kann mir denn keiner helfen??? ich kann nicht mehr.

11.03.2007 15:42 Zitieren Zitieren

pferd
Pointer-User

11.03.2007 15:42 Zitieren Zitieren

hallo du!!
Ja, so ähnlich wie du es beschreibst, geht es mir auch immer wieder... In den letzten Wochen habe ich mich auch sehr intensiv mit dem Gedanken befasst, Hilfe in einer psychiatrischen Klinik zu suchen. Die Tatsache, dass es dann wohl oder übel zeimlich viele Leute mitbekommen würden, war mir in dem Moment egel - wollte einfach nur noch raus aus der besch... Situation, hatte keine Kraft mehr.
Der Ausschlag, es dann doch nicht zu tun, gab hauptsächlich die Tatsache, dass ich in wenigen Wochen mit meiner Abschlussprüfung beginnen werde in der Ausbildung. Und ein Jahr länger bleiben, das möchte ich auf gar keinen Fall. Schließlich - so meine Theorie - liegt die Ursache von den ganzen Schlamassel bei den Bedingungen, die während der Ausbildung jetzt so sind zwecks Arbeitszeiten, Verlust von Kontakrten zu Freunden usw.
Auch gibt es kein Arzt, der meine Probleme ernst nimmt, es wird alles verharmlost und auf eine rein körperliche Ebene runtergebrochen, alles soll mit dem Streß zusammenhängen... Meiner Meinung nach sind die zwei Ärzte da total auf dem Holzweg.
Wie geht es bei dir denn weiter?
Liebe Grüße
P.S.: das Thema "überarbeitet??" ist von mir

11.03.2007 18:41 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

11.03.2007 18:41 Zitieren Zitieren

Liebe Anonyme,
Ein Klinikaufenthalt kann fuer Menschen mit psychischen Problemen (ich spreche jetzt nicht von schweren psychiatrischen Erkrankungen!) unter bestimmten Bedingungen sehr hilfreich sein. Zum Beispiel dann, wenn ein Patient noch gar keine tiefere Einsicht in seine Probleme hat und durch die stationaeren Gruppen- und Einzelgespraeche ueberhaupt erstmal eine Vorstellung davon bekommt, dass sein Leiden etwas mit der Psyche zu tun hat. Oder als Ueberbrueckungsmassnahme, wenn er psychotisch wird oder so stark selbstmordgefaehrdet ist, dass eine ambulante Therapie ihn nicht mehr auffangen kann.
So verlockend die Idee, "sich einliefern zu lassen" und "aus allem mal raus zu sein" auch auf den ersten Blick erscheinen mag, du musst immer bedenken, dass der stationaere Aufenthalt nur einige Wochen dauert, d. h. dass alle Therapiemassnahmen begrenzt sind und daher nicht sehr in die Tiefe gehen koennen. Die Therapeuten sind, wenn es sich nicht um eine speziell psychotherapeutische Fachklinik handelt, meist Aerzte oder Psychologen in der Ausbildung, die noch ueber keine langjaehrige Erfahrung verfuegen. Durch Entlassungen und Neuzugaenge herrscht in den Gespraechsgruppen oft ein staendiger Wechsel, es faellt daher im Allgemeinen schwer, genuegend Vertrauen in die Gruppe aufzubauen, um wirklich ueber Dinge zu sprechen, die "mehr ans Eingemachte gehen".
Fuer die Einzelgespraeche gilt, wenn du Pech hast, Aehnliches, dein Therapeut kann mitten drin wechseln, weil er seine Ausbildung auf einer anderen Abteilung fortsetzt. Und wenn du Glueck hast, und deine Therapeutin oder deinen Therapeuten sympathisch findest - sie werden nach deiner Entlassung nicht mehr fuer dich verfuegbar sein. (Einige meiner Patienten, die stationaer psychiatrisch behandelt wurden, bevor sie zu mir in ambulante Behandlung kamen, erlebten diese Trennung von vertrauten Therapeuten als ausgesprochen traumatisch!)
In psychiatrischen Kliniken findest du natuerlich viele Patienten, denen es aehnlich geht wie dir und die du nett und unterstuetzend findest. Du wirst aber dort auch Leute finden, die du weniger gut aushalten kannst und deren Symptome und Verhalten du moeglicherweise als sehr stoerend oder beunruhigend erlebst.
Eine gute psychiatrische Klinik wird sich bemuehen, mit dem ambulanten Therapeuten zusammenzuarbeiten. Ich habe aber leider auch das Gegenteil erlebt: eine Patientin brach die Therapie bei mir ab, weil der Klinikarzt ihr gesagt hatte, sie koenne nicht "zwei Herren dienen"(!)
Ich weiss, dass die psychotherapeutische Arbeit ein dornenreicher Weg ist. Und es ist normal, dass zwischendrin auch sehr schmerzhafte, quaelende Gefuehle hochkommen, die nur schwer zu ertragen sind. Diese Arbeit wird dadurch moeglich, dass du einen speziellen Raum fuer dich hast, bei deiner Therapeutin, die dir ihre Zeit, ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihr Einfuehlungsvermoegen, ihre Intelligenz und ihre Sympathie zur Verfuegung stellt.
Nur diesem Vertrauens"raum" ist es moeglich, eine nach der anderen die inneren Tueren zu oeffnen, hinter denen du unertraegliche Gefuehle der Vergangenheit weggesperrt hast, die ihre giftigen Gase durch undichte Stellen in deine Gegenwart schicken und dir Leid verursachen. Der psychotherapeutische Prozess kann zaeh, muehselig und streckenweise frustrierend sein. Aber ganz allmaehlich wird es dir gelingen, all das zu sortieren, was sich in dir verknaeuelt, und das zu heilen, was dir wehtut.
Wenn du deiner Therapeutin vertraust und gut mit ihr arbeiten kannst, wuerde ich dir raten, diese Arbeit nicht zu unterbrechen, um voruebergehend etwas zu machen, was dich moeglicherweise letztendlich nicht entscheidend weiterbringt, aber erstmal aus deinem inneren Prozess herausreisst. Von dem, was du beschreibst, habe ich den Eindruck, dass deine Therapie gut laeuft und dass du dich von deiner Therapeutin unterstuetzt und verstanden fuehlst. Ein voruebergehender Klinikaufenthalt in deiner Situation ist m. E. nur notwendig, wenn du wirklich stark selbstmordgefaehrdet bist.
Ich habe sehr viel Verstaendnis fuer dein Hin- und Hergerissensein. Du gehst durch etwas, was sehr viele Patienten erleben, die viel Leidvolles in ihrem Leben erfahren haben. Die Therapie soll dir ja nicht nur dabei helfen, mit Vergangenem aufzuraeumen, sondern in der Gegenwart fuer die Zukunft etwas zu veraendern, damit dir deine negativen Erfahrungen und daraus resultierenden Gefuehle nicht immer wieder dieselben Fallstricke spannen und dich zu denselben negativen und destruktiven Verhaltensmustern verleiten.
Da du ja bereits ein ganzes Stueck auf deinem Weg gegangen bist und gute Fortschritte gemacht hast, bin ich davon ueberzeugt, dass du es auch schaffen wirst, deine Therapie erfolgreich zu Ende zu fuehren. Vielleicht hilft es dir, deine jetzigen quaelenden Gefuehle in einem anderen Licht zu sehen, wenn du dir, wie eine meiner Patientinnen, vorstellst, dass therapeutische Arbeit wie das ist, was ein Heiliger Scarabaeus-Kaefer nach dem Glauben der alten Aegypter tut: er rollt und rollt unermuedlich Mist herum, um schliesslich Leben daraus zu schaffen (sie wussten ja nicht, dass er erst seine Eier hineinlegte).
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

 
 

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