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06.08.2010 10:56 Zitieren Zitieren

cerise
Pointer-User

06.08.2010 10:56 Zitieren Zitieren

Gefühle für meinen Arzt...

Hallo,

ich bin neu hier und brauche dringend Euren Rat:

Ich habe einen festen Freund. Seit mehreren Jahren gehe ich zu einem verheirateten Arzt, den ich sehr schätze und mit dem ich irgendwie auf einer Wellenlänge liege und ich glaube, dass er sich immer freut wenn er mich sieht. Vielleicht hat er auch schon das eine oder andere Mal auf seine leise Art ein bißchen mit mir geflirtet. Bisher habe ich mich einfach nur immer darüber gefreut, aber plötzlich ist es doch anders.

Mein Freund und ich sind jetzt in eine andere Stadt gezogen. Dennoch habe ich mich dazu entschieden, kurz vor unserem Wegzug eine ausstehende Routineuntersuchung bei ihm machen zu lassen, weil ich ihm vertraue und weil ich es nicht schön gefunden hätte, einfach so zu gehen. Es ergab sich alles so kurzfristig.

Ich habe ihm auch gleich zu Beginn gesagt, dass wir in Kürze gehen und gefragt, wie schnell der Befund da ist. Er sagte mir, dass das schnell gehen würde und er hat extra noch einen Vermerk an das Labor draufgeschrieben. Drei Tage später hatte ich den Befund in der Hand. Er hat zu diesem Zeitpunkt auch nichts von Urlaub gesagt und ich bin davon ausgegangen, dass er mich hätte sehr kurzfristig anrufen können bzw. umgekehrt, wenn ich im Laborbefund etwas beunruhigendes gelesen hätte.

Wir haben uns dann auch noch ein bißchen unterhalten. Alles war so vertraut und ich habe gespürt, dass da etwas zwischen uns ist. Aber da ich meine Gedanken so schnell nicht sortieren konnte bzw. wollte, war ich vielleicht etwas auf den Mund gefallen??

Als ich dann gehen will, meint er, er wäre in drei Wochen wieder da und würde sich melden, wenn etwas wäre. Da habe ich klargestellt, dass wir genau an diesem Tag gehen und nicht mehr erreichbar sind. Was dann kam, hat mich völlig überrascht. Er wollte - vielleicht nicht ungewöhnlich - dann doch mal meine neue Privatadresse haben, dass er mich erreichen könne, falls der Befund positiv sein sollte. Er hat immer wieder betont für "Nur für den Fall" und "Wir hätten ja schon unsere neue Adresse" und irgendwie wirkte er sichtlich nervös. Ich war ziemlich überrascht über diese ständigen Wiederholungen und auch darüber, dass er vorher nichts von seinem Urlaub gesagt hat.

Aber völlig perplex war ich dann, als er mir nachdem er alles notiert hatte in einem ganz anderen fast arroganten Ton mitteilt "Aber er würde sich nur dann melden, wenn etwas ist. Ansonsten meldet er sich nicht". Er hat das "nicht" auch so gezischt und ich habe das so bei ihm noch nicht erlebt.

Vielleicht hat er ja meine Gefühle erraten und wollte mir sehr unmissverständlich klar machen, dass ich mich keinesfalls bei ihm melden soll. Andererseits kann es aber vielleicht auch sein, dass ihm die Situation peinlich war, weil er gehofft hat, dass ich sage, er könne sich auch so mal melden? Wie denkt ihr denn darüber?

cerise

12.08.2010 16:02 Zitieren Zitieren

cerise
Pointer-User

12.08.2010 16:02 Zitieren Zitieren

Mich würde wirklich Eure Meinung interessieren. Wie würdet ihr Euch denn verhalten?

Ich möchte wirklich weiter Kontakt zu ihm haben. Er ist mir sehr wichtig, auch wenn sicher nichts daraus wird.

Aber ich weiß einfach nicht mit welchem Ohr ich seine letzte Ansage hören soll, denn irgendwie kam es mir vor wie Abwimmeln auch wenn wir uns vorher so nett unterhalten haben.

Ich will einfach nicht aufdringlich sein...

16.08.2010 17:26 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

16.08.2010 17:26 Zitieren Zitieren

Liebe Cerise,
Bitte interpretiere nicht mehr in dieses etwas unbeholfene Kommunikationsverhalten deines Arztes, als ihm zukommt!
Der Arzt war sicher ueberrascht und etwas ueberrumpelt, als du ihm ploetzlich mitteiltest, dass du in eine andere Stadt umziehen wuerdest. Er hat dich dann ganz korrekt nach deiner neuen Adresse gefragt, fuer den Fall, dass sich doch noch ein kontrollbeduerftiger Befund durch die Untersuchung ergeben sollte.
Offenbar ist ihm, kaum dass er sich nach deiner Adresse erkundigt hat, eingefallen, dass du diese Frage moeglicherweise missdeuten koenntest, und er hat einen zugegebenermassen ziemlich ungeschickten Versuch gemacht, diesen Eindruck zu korrigieren.
Ich halte es zwar sehr wohl fuer moeglich, dass du ihm sympathisch bist, und dass er deshalb ueberhaupt auf die Idee gekommen ist, dass so ein "Rueckzieher" notwendig sein koennte. Aber nichts spricht dafuer, dass er wirklich mehr als freundliche Gefuehle fuer dich hegt und vermutlich ist er obendrein in festen Haenden.
Das Ganze scheint mir wirklich nur eine gewisse soziale Tollpatschigkeit zu sein von jemandem, der einen kurzen Moment aus seinem sicheren Fahrwasser der Professionalitaet geraten war.
LG, Dr. Karin Anderson

17.08.2010 16:45 Zitieren Zitieren

cerise
Pointer-User

17.08.2010 16:45 Zitieren Zitieren

Liebe Frau Dr. Anderson,

herzlichen Dank für Ihre Antwort. Genauso wie Sie schildern war mein allerletzter Eindruck bei diesem Gespräch.

Aber es ist eben auch so, dass er seit Längerem Signale sendet, die aus meiner Sicht über das Übliche hinausgehen, zumal er bisher immer eher ein ruhiger und distanzierter Typ war.

Und nun merke ich plötzlich, dass ich ihn viel zu gerne mag und ihn (zumindest) nicht ganz aus den Augen verlieren möchte, weil ich ihn nicht nur als Arzt schätze!?

Ist es denn in Ärztekreisen tatsächlich verpönt mit seinen Patienten bzw. Expatienten privaten freundschaftlichen Kontakt zu pflegen? Bzw. wie kann man leise anfragen ohne aufdringlich zu sein?

Was halten Sie denn von einem Mailgruß aus der neuen Stadt. Dann kann er antworten oder auch nicht. Ich will wirklich nicht aufdringlich sein. Es ist tatsächlich so, dass wir beide in festen Händen sind. Und wenn er nicht antwortet, wird bei mir (hoffentlich) auch nicht die Welt untergehen. Aber das Gefühl zu haben, dass da möglicherweise ein liebenswerter Mensch vergeblich auf ein Signal von mir wartet (ich spreche aus Erfahrung), ist für mich nicht gut zu ertragen. Und ihm sind ja die Hände gebunden, oder?

Und vielleicht habe ich bei meinem für Sie vielleicht nicht ganz nachvollziehbaren Gefühl eine ähnliche Situation im Blick, als ein Telefonat von uns in einem minutenlangen Schweigen endete, weil keiner mehr wusste was er sagen sollte und Monate später er ganz offensichtlich doch sehr froh war mich wiederzusehen...

Ich bin gespannt auf Ihren Ratschlag. Noch ein leiser Versuch oder lieber eine Peinlichkeit ersparen?

Ihre cerise

10.09.2010 22:49 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

10.09.2010 22:49 Zitieren Zitieren

Liebe Cerise,
Aerzte koennen sich in Patienten verlieben und umgekehrt, und schon manche Ehe ist so zustande gekommen. Unethisch ist eine solche Beziehung nur dann, wenn Arzt und Patient in einem echten Abhaengigkeitsverhaeltnis zu einander stehen, wie es etwa zwischen Therapeut und Patient besteht.
Wenn etwa ein Hausarzt eine Patientin zweimal im Jahr sieht und wegen Schnupfen oder einer Allergie behandelt, ist ein derartiges Abhaengigkeitsverhaeltnis mit Sicherheit nicht gegeben, und der Arzt oder die Aerztin nutzen ihre aerztliche Autoritaet nicht dazu aus, die emotiihnen emotionale Abhaengkeit eines Patienten zu dessen Schaden auszubeuten.
Wenn du deinem Arzt einen kleinen Gruss aus deinem neuen Wohnort zukommen laesst, vergibst du dir nichts und setzt ihn auch nicht unter Druck. Er kann diesen Gruss als reine Freundlichkeit interpretieren oder, falls er mehr Interesse hat, dir dieses Interesse in seiner Antwort signalisieren.
Das einzige Risiko, dass du eingehst, ist eine Krise in deiner eigenen Beziehung, denn du spielst ja mit dem Feuer, und eine moegliche Enttaeuschung, denn der Arzt ist ja ebenfalls offenbar in festen Haenden. Andererseits, falls ihr beide nicht gerade verheiratet seid - es herrscht schliesslich eine "freie Marktwirtschaft", und sich Ent- und wieder neu Verlieben ist etwas, das zum Leben dazu gehoert.
LG, Dr. Karin Anderson

20.09.2010 10:35 Zitieren Zitieren

cerise
Pointer-User

20.09.2010 10:35 Zitieren Zitieren

Liebe Frau Dr. Anderson,

herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ich habe tatsächlich eine nette Rückantwort bekommen, die es ermöglicht, weiter in Kontakt zu bleiben. Das ist schon fast mehr als ich erwartet habe.

Das Abhängigkeitsverhältnis von dem Sie sprechen, für welche spezielle Fachrichtungen trifft das denn alles zu? Und besteht das über die Behhandlung hinweg?

LG, cerise

27.09.2010 12:00 Zitieren Zitieren

Maike
Gast

27.09.2010 12:00 Zitieren Zitieren

Liebe Cerise,
ich wünschte dir alles Gute! Viele Grüße
Maike

05.10.2010 01:41 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

05.10.2010 01:41 Zitieren Zitieren

Hallo, Cerise,
Ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt sich naturgemäss zwischen Psychotherapeuten und Patienten, zumindest während der intensivsten Phase der Zusammenarbeit.
Durch die Art und Weise der Behandlung mit ihren langen, intensiven Gesprächen, in denen der Therapeut alles über seinen Patienten erfährt, dieser aber nur die professionelle Seite seines Gegenübers kennt, wird ein Vertrauensverhältnis gefördert, das weit über das zu einem anderen Spezialisten hinausgeht.
Mit diesem speziellen Vertrauensverhältnis muss der Therapeut sehr behutsam umgehen. Gefühle, die der Patient während der Therapie gegenüber seinem Therapeuten entwickelt dürfen von diesem nicht als erwachsene Liebesgefühle seiner Person gegenüber interpretiert - und ausgenutzt - werden, sondern sind in ihrer Natur kindlich und regressiv.
Der "normale" Haus- oder Facharzt dagegen sieht seinen Patienten üblicherweise 1 bis 3 oder 4 mal im Jahr, und er kennt normalerweise auch nur die allgemeinen biografische Daten und die Krankengeschichte.
Daher ist dieses Verhältnis nicht viel anders als das zu einem Anwalt, Steuerberater oder einem anderen Spezialisten, dessen Rat man einholt.
LG, Dr. Karin Anderson

 
 

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