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25.08.2007 23:32 Zitieren Zitieren

Sinja19
Gast

25.08.2007 23:32 Zitieren Zitieren

Sich selbst wehtun...

Hallo!

Mein Name ist Sinja, ich bin 19 und wohne bereits allein. Ich bin emotional instabil und hab 2 Klinikaufenthalte hinter mir. Der Grund, warum ich schreibe, ist relativ banal und trotzdem dachte ich mir, ich tu es einfach mal. Ich bin leider schon wieder in den Kreislauf der Selbstverletzung geraten und arbeite da mit meiner ambulanten Therapeutin bereits dran. Wichtig sind ihr und mir Ersatzhandlungen, so hab ich im Internet gesucht und diese Seite gefunden, worauf ich mir dachte, dass ich lieber poste, als Mist zu bauen.
Ich bin nun leider hochbegabt, weshalb ich eine Klasse übersprungen habe. Aufgewachsen bin ich mit Beleidigungen und Schlägen, mit nässen Schwämmen im Rücken und Furzsprayattacken. Mit 16 wurde ich von meinem damaligen "Freund" missbraucht. Als ich 17 war, hat sich mein Cousin das Leben genommen, er war 21 und sprang eines Nachts vor einen Zug. Meine Mama ist schwer depressiv und wie ich aufgrund verschiedener Medikamentenfunde und Recherchen im Internet vermute, sowas ähnliches wie schizophren und wirklich reden konnte ich mit ihr nicht.
Mit 17 schnitt ich mich das erste Mal, es artete aus und bescherte mir meinen zweiten Klinikaufenthalt. Leider immer noch hochbegabt (Test in der Klinik) und emotional instabil.
Gerade geht es mir schlecht, weil mir jemand gesagt hat, er würde mich toll finden, fast sogar lieben und am liebsten mit mir kuscheln. Ich bin total abgedreht, oder? Das ist doch was Gutes, ich versteh mich nicht...
Naja, ich hab meine Finger mal angestrengt und etwas Druck auf die Tastatur übertragen, mit Abschicken des Beitrags werde ich es anonym und virtuell los :-)

Viele liebe Grüße,
Sinja

31.08.2007 04:32 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

31.08.2007 04:32 Zitieren Zitieren

Liebe Sinja,
Es ist auf jeden Fall besser, einen Ersatz fuer das Selbstverletzen zu finden - ausserdem ist das, was du zu Papier bringst - oder ins Internet stellst - aus dir heraus und belastet dadurch ein kleines Stueck weniger.
Ich finde es gut, dass du so mutig und stark bist, fuer eine positive Veraenderung deines Lebens zu kaempfen, und mit Hilfe deiner Therapeutin an deinen Problemen zu arbeiten.
Du sagst, "leider" bist du hochbegabt. Es ist traurig, dass viele hochbegabte Kinder und Jugendliche in "normalen" Klassen aehnliche negative Erfahrungen machen wie du. Ich kenne beispielsweise einen Jungen, der als ewiger Stoerenfried und sehr schlechter Schueler galt, bis ein IQ-Test ergab, dass er sogar ueberdurchschnittlich intelligent war. Ihm war der Unterricht schlichtweg zu langweilig, sodass er sich gar keine Muehe mehr gab, daran teilzunehmen.
Seine Schwester, die ebenfalls hochbegabt war, erschien dagegen vollkommen unauffaellig. Waere ihr kleiner Bruder nicht aufgrund seiner Verhaltenauffaelligkeiten getestet worden, haette keiner ihre Hochbegabung auch nur vermutet. Erst als ihr der testende Psychologe auf den Kopf zusagte, dass sie offenbar absichtlich ihr Licht unter den Scheffel stellte, um von ihren Klassenkameraden akzeptiert zu werden, gab sie ihre Anpassungsstrategie zu.
Beide Geschwister konnten schliesslich eine Schule fuer Hochbegabte besuchen, wo sie sich nicht nur endlich anerkannt und "normal" fuehlten, sondern auch entsprechend ihrer Begabung gefordert und gefoerdert wurden. Schade, dass du diese Moeglichkeit offenbar nicht hattest, und so unter dem Neid und der Ablehnung deiner Mitschueler leiden musstest!
Du bist ja ausserdem noch in einer sehr schwierigen Familiensituation aufgewachsen. Deine psychisch kranke Mutter konntest du nicht belasten und dein Cousin hat sich das Leben genommen. Es ist kein Wunder, dass du seelische Symptome entwickelt hast, und deine ganzen negativen Gefuehle nach innen kehrtest, bzw. an dir selbst ausgelassen hast. In deiner Therapeutin hast du jetzt ja aber offenbar jemanden gefunden, dem du alles offen sagen, und dessen Belastbarkeit und Verstaendnis du vertrauen kannst.
Aus meiner ueber zwanzigjaehrigen psychotherapeutischen Praxis weiss ich, dass die Arbeit an sich selbst zwar muehevoll, langwierig und oft schmerzhaft sein kann, aber eben auch wirklich zum Erfolg fuehrt, wenn man sich nur die Chance gibt.
Eine meiner Patientinnen gab mir zum Abschied einen Skarabaeuskaefer. Fuer die alten Aegypter war der Skarabaeus heilig, denn sie glaubten, er koenne Leben aus Mist erschaffen (er legte naemlich seine Eier in die Kotballen, was sie natuerlich nicht ahnten). Meine Patientin sagte dazu, man muesse "schon eine Menge Mist herumrollen", um sich ein neues Leben zu erschaffen...
Wenn man so schwierige Erfahrungen gemacht hat wie du, faellt es oft nicht leicht, positiv auf Liebesangebote zu reagieren. Solche Annaeherungen loesen naemlich eher Angst aus, weil man befuerchtet, doch nur enttaeuscht, missbraucht oder im Stich gelassen zu werden, wenn man sich darauf einlaesst. Aber auch dieses Misstrauen und diese Aengste lassen sich mit Hilfe einer Therapie abbauen - und dann besteht auch nicht mehr die Gefahr, unbewusst immer wieder an Menschen zu geraten, die einen ebenfalls enttaeuschen.
Ich wuensche dir alles Gute fuer deine Arbeit an dir selbst. Ich bin sicher, dass du es schaffen wirst, denn du hast ja offenbar bereits Fortschritte gemacht und bist bereit, dir selber eine Chance zu geben. Ich wuensche dir auch, dass du irgendwann nicht mehr sagen musst, dass du "leider" hochbegabt bist, sondern dein volles Potential leben kannst!
Ganz herzliche Gruesse, Dr. Karin Anderson

 
 

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