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10.12.2007 18:43 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

10.12.2007 18:43 Zitieren Zitieren

MAGERSUCHT - Wie kann ich meiner Freundin helfen?

Liebe Frau Dr. Anderson,

es tut mir wirklich sehr Leid, Ihre Zeit in Anspruch zu nehmen, da ich mir sehr unsicher bin, ob das der richtige Ort ist, um mein Problem anzusprechen, aber ich weiß wirklich nicht weiter.

Meine beste Freundin leidet seit diesem Sommer an Magersucht. Da wir seit diesem Schuljahr nicht mehr in dieselbe Klasse gehen, da ich das Jahr wiederhole und wir einen anderen Freundeskreis haben, kann ich mich nicht mehr so viel um sie kümmern und viel mit ihr unternehmen so wie früher. Außerdem hat sie durch den ganzen Abitur-stress sehr viel zu tun und kaum noch Zeit für mich.

Ich kenne sie schon seit dem Kindergarten und seit 7 Jahren sind wir die besten Freundinnen. Sie war nie mit sich zufrieden obwohl sie eine super Figur hat und wirklich sehr hübsch ist. DAher habe ich nie verstanden, wieso sie immer Diäts gemacht hat aber seit diesem Sommer ist wirklich alles noch schlimmer geworden. Sie hat das was sie zu sich nimmt enorm reduziert, immer weniger gegessen, sehr viel sport gemacht, viel für die Schule gelernt und hatte nie wirklich zeit sich mal richtig zu entspannen und zu erholen.

Als sie mir gestanden hat dass sie eine essstörung hat war ich natürlich total schockiert aber so etwas habe ich auch erwartet, dass das irgendwann mal passiert.
Ich war immer für sie da, hab mit ihr geredet, ihren problemen zugehört, versucht sie zu unterstüzten und zu motivieren. Ich hab sie zum essen eingeladen, für sie gekocht, sie hat das wirklich angenommen aber trotzdem sehr wenig gegeessen und hatte immer ausredne wie z.B. ich hab schon gegessen, kein appetit, oder ähnliches.

Sie ist sich aber im Klaren, dass sich etwas ändern muss, da ihr Körper das einfach nicht mehr mitmacht. Und magersucht kann auch zum Tod führen.
Seit 2 Wochen macht sie eine Therapie in einer Klinik in Frankfurt. Letztes Wochenende habe ich sie besucht, ich habe gedacht ihr würde es besser gehen, aber als sie so vor mir stand, war ich total schockiert. Sie hätte 2 kg zunehmen müssen, aber im Gegenteil sie hat sogar 3 Kilo abgenommen & wiegt nun 42 kg. Und man muss bedenken dass sie 1,75 Meter groß ist, ich bin genauso groß wie sie wiege aber 55 kg!!!
Als ich sie so vormir sah hatte ich angst wenn ich sie umarm ihr weh zu tun. Sie sah einfach so zerbrechlich aus und ihr gings schlechter denn je. Ich habe sie vorsichtig umarmt, hatte angst ihr weh zu tun.
Ich telefoniere in jeder freien Minute mit ihr, wenn sie überhaupt zeit hat und ans telefon geht..habe jetzt sogar eine festnetz-flat für mein handy. ich rede mit ihr motiviere sie soweit es geht, aber mir persönlich geht es einfach auch nicht mehr gut.
Nachdem ich sie so gesehen hab gehts mir wirklich schlecht, ich kann nicht mehr schlafen, sobald ich alleine bin denk ich immer an sie und muss immer weinen.
Ich habe sogar schlafprobleme, denn sobald ich alleine bin weine ich weil ich es einfach nicht ertragen kann meine freundin so zu sehen. Mein leben hat das auch sehr durcheinander gebracht, ich komme immer zu spät in die schule, kriege ärger von meinen lehrern, ich bin auch nicht mehr in der Lage für die Schule zu lernen, das istmittlerweile unmöglich geworden. aber die schule interessiert mich kein bisschen mehr, ich möchte nur dass es ihr gut geht. Mein freund und meine anderen Freundinnen unterstützen mich, denn das letzte was meine freundin wollte wäre das es mir schlecht geht, aber es geht wirklich nicht. ich bin ein sehr sensibler mensch und meine freundin bedeutet mir einfach alles. Ich wünschte mir würde es so gehen, und nicht ihr, denn sie hat das alles einfach nicht verdient.

Nun wäre meine Frage, was kann ich noch machen?
Ich besuche siej etzt jedes wochenende und telefoniere mit ihr. aber ich würde sogern noch mehr für sie tun.
Aber ich weiß einfach nicht mehr wie. Das macht mich alles psychisch und physisch kaputt.
Ich habe sogar fast ein Autounfall gehabt weil ich mit den Gedanken immer bei ihr bin, ich kann mich einfach nicht mehr konzentrieren.
Seit ihrer Krankheit rauche ich auch wieder, den n ich weiß nicht wie ich das alles so verarbeiten soll. Rauchen beruhigt und ich muss nicht mehr weinen.

Bitte helfen Sie mir, geben Sie mir einen Rat, wie ich meiner besten Freundin und auch mir helfen kann.
Ich kann nämlich nicht zusehen, wie es ihr von Tag zu Tag schlechter geht. Ich möchte sie einfach nicht verlieren...
Es tut mir sehr Leid, dass ich so viel geschrieben hab, und meine Rechtschreibfehler und die Groß- und Kleinschreibung möchten Sie bitte auch entschuldigen, aber ich bin grad echt nicht in der Lage auf so etwas zu achten, ich habe gerade genug andere Probleme.
Wenn Sie mir irgendwie helfen könnten, würde ich mich wirklcih sehr freuen, ich wollte sogar mal zu unserem Schulpsychologen, habe mich aber einfach nicht getraut.
Ich kann nicht so offen über meine Gefühle und gedanken reden..
Vielen Dank

30.12.2007 04:34 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

30.12.2007 04:34 Zitieren Zitieren

Liebe...,
Ich kann mir vorstellen, dass es dir sehr schlecht geht. Du hast deine Freundin sehr lieb, fuehlst dich ihr eng verbunden, moechtest alles fuer sie tun, damit es ihr gut geht, und erlebst trotzdem, dass sie dich nicht wirklich an sich heranlaesst und es ihr trotz all deiner Bemuehungen immer schlechter geht.
Die depressive Verstimmung, das Gefuehl von Hilflosigkeit und Ueberfordertsein haben etwas damit zu tun, dass du dich ihr gegenueber wie eine Therapeutin fuehlst, aber dich, anders als eine professionelle Therapeutin, innerlich nicht von ihr abgrenzen kannst.
So intensiv, wie du dich fuer deine kranke Freundin engagierst, musst du an deine Grenzen stossen, du leidest mit ihr und brennst dabei selber aus. Du laeufst psychisch auf Reserve, ohne deinen Tank wieder auffuellen zu koennen, und es gibt bereits deutliche Warnsignale, dass du dich dadurch selbst seelisch und koerperlich krank machst.
Kein Therapeut koennte die Arbeit mit Patienten ertragen, wenn er sich so wenig schuetzen kann. Um selber seelisch gesund zu bleiben, muessen professionelle Helfer lernen, ihre eigenen psychischen Grenzen zu erkennen und zu wahren.
Schwere seelische Krankheiten, wie die Magersucht, stellen fuer Helfer, die sich nicht abgrenzen koennen, eine ungeheure psychische Belastung dar. Du gibst dir soviel Muehe, setzt all dein Denken und Fuehlen fuer deine Freundin ein. Sicher ruehrt sie deine Freundschaft, aber ihre selbstzerstoererische Sucht ist offenbar staerker, es geht ihr immer schlechter und du wirst mit in diesen Strudel gezogen.
Deine Freundin hat in der Klinik professionelle Hilfe, auch wenn es, wie bei allen Essstoerungen, lange Zeit dauern kann, bis sich eine erkennbare Besserung zeigt, und die Behandlung anschlaegt. Sie muss, mit Hilfe ihrer Therapeuten, selber gesund werden wollen. Du kannst ihr diese seelische Arbeit nicht abnehmen, der Wille zur Veraenderung muss in deiner Freundin selbst wachsen.
Durch deine starke Identifizierung mit ihr hilfst du ihr nicht, sondern wirst nur selbst krank. Den groessten Freundschaftsdienst erweist du ihr, wenn du zu ihr haeltst, aber dabei gesund bleibst. Sie braucht dich als normal mitfuehlende Freundin, nicht als grenzenlos aufopferungsvolle Therapeutin, die ihretwegen depressiv wird und in der Schule versagt.
Wie soll sie, wenn sie wieder gesund ist, mit ihren Schuldgefuehlen leben, wenn sie weiss, dass du ihretwegen krank geworden bist und alles andere vernachlaessigt hast? Sie braucht dich als Vorbild fuers Gesundsein und nicht als Co-Abhaengige!
Du musst unbedingt deinen Kontakt mit deiner kranken Freundin auf eine Normalmass herunterfahren, deine Freundin haengt ja an dir, wie an einem Tropf mit Infusionsloesung!
Ich weiss, dass sich das vielleicht hart anhoert, aber hast du schon einmal daran gedacht, dass deine staendige Verfuegbarkeit es ihr vielleicht sogar ermoeglicht, sich der Kliniktherapie zu entziehen? Koennte es sein, dass sie an ihrer Magersucht festhalten kann, weil du sie staendig seelisch fuetterst und sie deswegen nicht lernen muss, selbst fuer sich zu sorgen?
Daher ist es ungeheuer wichtig, dass du jetzt nicht weiter ueberlegst, was du noch mehr fuer sie tun kannst - du kannst es nicht - sondern wie du deine gesunden Grenzen wiederfindest. Gut waere es, wenn du ueber diese Schwierigkeiten mit einem Therapeuten, vielleicht einem der Kliniktherapeuten, sprechen koenntest. Oder lass dir ein paar Gespraechstermine in einer ambulanten paychotherapeutischen Praxis geben. Das koennte dir helfen, Abstand zu gewinnen, deine Gefuehle und Gedanken zu sortieren, und dich aus der destruktiven Verstrickung, in die du geraten bist, herauszuziehen.
Das heisst ja nicht, dass du den Kontakt zu deiner Freundin ganz aufgeben sollst. Aber um deiner - und ihrer - Gesundheit willen, finde zu dir selbst zurueck, bevor du ernstlich krank wirst!
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

30.12.2007 10:09 Zitieren Zitieren

EvilSith
Pointer-User
Benutzerbild

30.12.2007 10:09 Zitieren Zitieren

Wie Frau Dr. Karin Anderson schon gesagt hat ist es nicht gut wenn du jede freie minute für sie opfertst und damit dein leben total vernachlässigst.
Du Solltest dein Leben normal weiterführen!

07.02.2008 04:07 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

07.02.2008 04:07 Zitieren Zitieren

Vielen vielen Dank für eure Antworten!!!
Aber Ihr hattet nicht Recht!
Meiner Freundin geht es viel besser, dank der Therapie hat sie jetzt in 2 Monaten fast 6 kg zugenommen.
Und das Beste kommt: Sie wird morgen entlassen. (muss aber in den sommerferien wieder in die Klinik)
Mir geht es zwar nicht gut, aber davon weiß sie gar nix.
Sie hat mich immer fröhlich und gut gelaunt erlebt. Ich hab sie immer motiviert. Und sie hat es geschafft. sie hat zwar noch nicht alles überwunden. das dauert sehr viel zeit. aber ihr gewicht ist jetzt nicht mehr lebensgefährlich sie wiegt jetzt mittlerweile 46 kg. klar ihr idealgewicht müsste 55 kg sein aber das kommt noch mit der Zeit.
Ich hab seit monaten keinen guten Schlaf, aber heute werde ich vor aufregung weil sie entlassen wird nicht schlafen können und nicht weil ich mir sorgen um sie mache.
Ich bin einfach nur happy!!
ab jetzt werde ich auch alles für die schule tun und mich nicht mehr hängen lassen.

08.02.2008 02:02 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

08.02.2008 02:02 Zitieren Zitieren

Wie schoen, dass es deiner Freundin so viel besser geht. Deine selbstlose Freundschaft hat sicher sehr dazu beigetragen, dass es dazu kommen konnte.
Ich druecke euch beiden den Daumen, dass deine Freundin nicht nur koerperlich, sondern auch seelisch ihre Mager-Sucht ueberwunden hat.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

09.02.2008 00:16 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

09.02.2008 00:16 Zitieren Zitieren

Vielen Dank Frau Dr. Anderson!
Körperlich hat sie natürlich noch zu kämpfen, muss noch eine Menge zunehmen, aber seelisch gehts ihr viel besser, sie versteht wieso es so kommen musste mit ihrer Magersucht. Sie hat wirklich sehr viel gelernt. Und das wichtigste ist sie kann wieder ohne an die Kalorien zu denken essen, was ihr schmeckt blinzeln

 
 

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