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21.03.2008 02:23 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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21.03.2008 02:23 Zitieren Zitieren

...

Liebe...,
Ich habe deinen Bericht mit grosser Betroffenheit gelesen. Es ist gut, dass du so ausfuehrlich geschildert hast, wie sich dein Bruder veraendert hat und wodurch sich sein Verhalten von seinem frueheren unterscheidet. Ich kann mir vorstellen, dass du und deine Eltern voellig ratlos und sehr ungluecklich ueber diese negative Entwicklung deines Bruders seid.
Eine derart krasse Wesensaenderung hat nach meiner Erfahrung als Psychiaterin und Psychotherapeutin nichts mit einem normalen Losloesen eines jungen Erwachsenen vom Elternhaus zu tun. Irgendetwas wirkt auf das Gehirn deines Bruders ein, sodass sich sein Denken verzerrt hat. Das koennte entweder der Einfluss von Drogen sein oder eine echte Nervenkrankheit, wie etwa eine schizophrene Psychose mit Verfolgungsideen (oder sogar ein langsam wachsender Tumor).
Die andere Moeglichkeit waere, dass dein Bruder in Kreise geraten ist, die in kriminelle Aktivitaeten verwickelt sind (vielleicht auch im Zusammenhang mit Drogen) und daher den Kontakt abgebrochen hat, damit seine Angehoerigen nichts davon mitbekommen und weil er ausserdem ein schlechtes Gewissen hat.
Du schilderst ja, dass du frueher eine sehr gute Beziehung zu deinem Bruder hattest. Anscheinend deutete nichts darauf hin, dass er entweder autistische Zuege oder bereits eine langjaehrige problematische Entwicklung hinter sich hatte, als die Veraenderung anfing. Diese Persoenlichkeitsveraenderung ist doch sehr massiv und sehr ploetzlich! Daher scheint mir die Moeglichkeit einer schleichenden psychiatrischen Erkrankung zumindest denkbar. Es gibt naemlich Psychosen, die sehr langsam und symptomarm verlaufen, also nicht die typischen auffallend "verrueckten" Symptome aufweisen, sondern gerade so ein Sich-Zurueckziehen, Misstrauen, Schroffheit und Gefuehlskaelte, wie du von deinem Bruder beschreibst.
Leider werdet ihr vermutlich nichts anderes tun koennen, als abzuwarten, ob dein Bruder noch einmal etwas von sich hoeren laesst. Vielleicht werdet ihr ja dann auch irgendwann erfahren, was wirklich hinter dieser negativen Entwicklung steckt. Jedenfalls glaube ich nicht, dass diese Distanzierung und Zurueckweisung irgendetwas mit eurer Beziehung zu deinem Bruder zu tun hat, oder dass du oder deine Eltern ihm nie etwas bedeutet haben.
Versuch daher bitte, deinen Bruder als krank anzusehen und sein bizarres Verhalten nicht auf dich zu beziehen oder gar zu glauben, dass du dich auf deinen eigenen Gefuehle und deine eigene Wahrnehmung nicht mehr verlassen kannst.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

21.03.2008 18:28 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

21.03.2008 18:28 Zitieren Zitieren

Aber was ist mit dieser Freundin? Es scheint ja damit angefangen zu haben...
War sie der Auslöser, der die Erkrankung gezeigt hat?
Oder bei der anderen Theorie, hat sie ihn in diese kriminellen Kreise eingeführt?

Aber es scheint ja gar nichts mit dir zu tun zu haben. Du schriebst ja auch, dass er wieder "normal" dir gegenüber war, als ihr eure Spielsachen gefunden habt. Von dem her scheint es ja nihcts mit dir zu tun zu haben.
Für das schlechte Gewissen spricht dieses den Stuhl Richtung Wand drehen.
MIr erscheinen die Drogen am wahrscheinlichsten in Zusammenhang mit einem brutalen Einfluss seitens seiner Freundin.

Kennt ihr nicht die Eltern dieser Freudnin? Die müssten ja entwedre das gleiche Problem mit ihrer Tochter haben, oder haben noch Kontakt mit ihr.
Darüber könntet ihr wenigstens herausbekommen, warum es so ist. Weil es scheint ja alels von seiner Freundin auszugehen, und da könnten euch Eltern udn Bekannte von ihr euch ja am meisten weiterhelfen.

Viele Grüße
Sandy

25.03.2008 02:03 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

25.03.2008 02:03 Zitieren Zitieren

Liebe...
Es ist schon sehr eigenartig, was du ueber deinen Bruder und seine Freundin, sowie Cousine, berichtest. Die Geschichte mit dem Loeschen der Fotos, sobald (in einem oeffentlichen Forum!) sie den Verdacht haben, dass jemand sie ansehen koennte, der sie kennt, wirkt schon sehr paranoid!
Wenn dein Bruder psychisch labil und leicht beeinflussbar ist, kann es durchaus sein, dass er in eine Abhaengigkeit von jemandem geraet, der ihn mit seinen Ideen und Vorstellungen, so abwegig sie auch sein moegen, voellig ueberzeugt. Was auch immer dahinter stecken mag, diese extreme Furcht davor, dass jemand diese Fotos sehen oder ein Telefongespraech belauschen, oder sonst etwas ueber sie persoenlich erfahren koennte, klingt absolut nicht normal.
Mich erinnert dieses Verhalten auch an das von Mitgliedern einer Sekte, deren Anfuehrer seine Anhaenger glauben macht, dass die Umwelt ihnen feindlich gesonnen ist, und alle Kontakte zu Familienmitgliedern und Freunden, die nicht der Sekte angehoeren, gefaehrlich ist.
Was es auch immer ist, von dem die Freundin deines Bruders ihn ueberzeugt hat, ob es nun Drogen, kriminelle Handlungen oder der Abschottungswahn einer Sekte ist, es foerdert sicherlich seine vorhandenen psychische Probleme und tut ihm alles andere als gut.
Vielleicht koenntet ihr ja tatsaechlich etwas mehr erfahren, wenn ihr Kontakt zu den Eltern dieser Freundin aufnehmen wuerdet, wie Sandy vorschlaegt, falls so eine Moeglichkeit ueberhaupt besteht.
Das Einzige, was ihr sonst tun koennt, ist, zu warten, ob sich dein Bruder wieder meldet, und zu versuchen, mit ihm im Gespraech zu bleiben, falls er das zulaesst.
Ich wuensche dir sehr, dass er schliesslich wieder zur Besinnung kommt, und sich von diesem negativen Einfluss loesen kann.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

03.10.2013 17:30 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

03.10.2013 17:30 Zitieren Zitieren

Hallo Frau Dr. Anderson, \r\nder Beitrag ist zwar viele Jahre alt, aber ich habe das Gefühl es zieht ziemlich viel mit sich.\r\nMein Bruder hat sich 3,5 Jahre später wieder gemeldet, das warum klaerte sich nie richtig auf, seine damalige Freundin und er sind getrennt. Das Verhaeltnis ist okay, gut wird es wohl nie wieder. Immerhin besteht nun regelmaessiger Kontakt, die Wunden aber scheinen zu bleiben... \r\n\r\nich weiß nicht genau, ob dieses Ereignis Ursache sein koennte, aber seit Jahren leide ich an extremen Verlustaengsten. Die Beziehung zu meinem Ex ging ua durch Eifersucht in die Brueche und auch jetzt bei meinem neuen Freund ertappe ich mich staendig dabei, wie ich abends nicht einschlafen kann oder nachts aufwache, weil mein Kopf voller hinterfragender Gedanken ist. Er selbst gibt mir an sich keinen Grund zum Zweifel, er meldet sich taeglich, ist immer fuer mich da und ausserdem weitere Gruendr, die ich hier nicht breit treten werde, allerdings keinen Zweifel an seinen Gefuehlen lassen. Und dennoch suche ich regelrecht das Haar in der Suppe. Hier ein Bsp:\r\nEr hat eine beste Freundin, mit der er vor ueber 5 Jahren zwei Monate zusammen war, sie hatte sich damals von ihm getrennt, er trauerte ihr wohl sehr lang hinterher, beide schafften es dann diese Freundschaft audzubauen. Eigentlich ja beeindruckend. Und ich mache mir dennoch staendig Panik, kann nicht schlafen, weil zahlreiche Szenarien in meinem Kopf umhergehen. Dabei hat sie nun inzwischen wohl sogar langjaehrigen Freund und Kind mit ihm. Und dennoch diese Aengste.\r\nAls ich meinem Freund meine Aengste schilderte, reagierte der sehr verstaendnisvoll und beruhigend, das mit ihr sei wirklich gegessen, ich sei die einzige in seinem Kopf, ihm war nicht klar dass ich mir solch Gedanken mache, dabei hat er seit Monaten nichts mehr von ihr gehoert und hat wohl nichtmal das Beduerfnis sich derzeit zu melden. Und ich mache mich jede Nacht irre. Dann war erstmal zwei Wochen Ruhe im Kopf und ohne ersichtlichen Grund faengt genau das gleiche Spiel in meinem Kopf erneut an und ich kann mich nicht stoppen. Ich bin ernsthaft am ueberlegen mir psychotherapeutische Hilfe zu nehmen, traue mich allerdings nicht Recht. Was meinen Sie dazu? Ich habe das Gefuehl ich komme nicht mehr allein klar, kann gar nicht gluecklich sein, weil ich immer zu viel denke...

11.10.2013 16:52 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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11.10.2013 16:52 Zitieren Zitieren

Hallo,
Schön, dass du dich nochmal meldest, und uns ein Update gibst.
Ich kann mir schon vorstellen, dass deine starken Verlustängste in Zusammenhang mit dem immer noch verstörenden Verhalten deines Bruders steht.
Der schmerzhafte Bruch deines Bruders mit dir und deiner Familie ist zwar oberflächlich geheilt, da er den Kontakt inzwischen ja wieder aufgenommen hat, aber die Hintergründe wurden ja nie geklärt, und zu einer richtigen Aussprache und Versöhnung ist es offenbar nie gekommen.
Der Bruch mit deinem Bruder, so kränkend er auch war, ist dabei aber vermutlich nur der Trigger, der alte Verlustängste aus der frühen Kindheit aus dem Keller des Unbewussten ans Tageslicht gebracht und aufgefrischt hat.
Eine Wiederbelebung alter Kindheitsängste wirkt nämlich meist viel intensiver Wirkung als ein ganz neues Ereignis, weil sie ja, wenn auch wahrscheinlich unbewusst, viel tiefer verwurzelt sind.
Ich würde dir daher unbedingt raten, diese Probleme mit Hilfe einer Psychotherapie aufzuarbeiten.
Du weisst ja selbst, dass rationale Überlegungen deine Befürchtungen kaum beeinflussen können, sie packen dich immer wieder und zwingen deine Gedanken in einen Teufelskreis, der dich sehr quält und auf Dauer auch deine Partnerschaft gefährdet.
Da diese massiven Ängste und Zwangsgedanken auf jeden Fall krankheitswertig sind, wird deine Krankenkasse die Behandlung sicher auch übernehmen.
Mit Hilfe eines Therapeuten kannst du nicht nur den traumatischen Bruch mit deinem Bruder verarbeiten, sondern auch die alten Ängste und Selbstwertzweifel überwinden, die deine Lebensqualität und dein Vertrauen in haltbare Beziehungen so sehr beeinträchtigen.
LG, Dr. Karin Anderson

 
 

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