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31.07.2008 22:53 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

31.07.2008 22:53 Zitieren Zitieren

Wiedereingliederung nach Psychiatrie

Hallo,

ich bin jetzt schon seit über 3 Monaten in einer psychiatrischen Klinik. 2 Monate davon war ich auf der geschlossenen Station und mittlerweile bin ich Tagesklinisch. Ich bin da wegen Suizidalität / Manisch-Depressive Erkrankung. Bald (nächste Woche Freitag) steht meine Entlassung an. Am 11. gehe ich dann wieder in die Schule.

Ich habe Angst. Angst vor Blicken wegen meiner vernarbten Arme die ich sonst immer versteckt habe, obwohl mir jetzt beigebracht wurde dazu zu stehen habe ich Angst sie zu zeigen. Angst vor meiner Vergangenheit. Angst vor Fragen. Angst vor Tuscheleien ("Die kommt aus der Klapse..."blinzeln... Was soll ich tun? Einfach so als wäre nie etwas passiert? Die 3 Monate abwesenheit ignorieren? Die Blicke und Kommentare ignorieren?

Was meint ihr? Erfahrungen haben bestimmt die wenigsten, aber stellt euch vor das wäre einem Mitschüler passiert, wie würdet ihr euch die Wiedereingliederung wünschen?

Danke für eure Ratschläge.

K.

01.08.2008 21:51 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

01.08.2008 21:51 Zitieren Zitieren

Liebe/r K.,
ich (22) war zwar selbst noch nicht in der stationär Klinik, bin aber wegen ähnlicher Diagnose ambulant in Behandlung. Vor der Klinik habe ich (noch) zu viel Angst, aber es ist immer wieder mal im Gespräch.
Ich selbst war besonders im letzten jahr auch immer sehr darauf bedacht, dass ja niemand etwas davon erfährt, dass ich in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung bin. Aber eigentlich ist es genau das, was die Vorurteile aufrechterhält: nämlich dass es ein Tabuthema ist und wenn darüber geredet wird, dann sind es Vorurteile und nur negatives. Ich finde deswegen, man sollte, wenn es möglich ist, offen damit umgehen, zu sich und der Diagnose stehen. Als ich noch in der Ausbildung war, konnte ich mit einer Kollegin sehr offen darüber reden und ich denke, es war gut für uns beide. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich wirklich dafür interessiert. Un dsie hat auch nicht schlecht über mich geredet. Sicher, es war ungewohnt für uns beide, aber doch letztendlich besser so. Dann nach einem Umzug, Schulwechwsel in einer anderen Stadt, wollte ich neu anfangen und niemand sollte davon wissen. Mit dem Ergebnis, dass so manche Reaktion von mir, wenn es mir an manchen Tagen nicht so gut ging, nicht verstanden wurde. Vielleicht hätte ein wenig mehr Offenheit da auch nicht geschadet. Mein Wunsch wäre es, dass man sich getrauen kann und darf, darüber offen zu reden, dass man in der Psychiatrie war oder ambulant eine Therapie macht. Um so auf Dauer Voruerteile, Stigmatisierungen usw. abzubauen.
Aber ich weis auch, dass es sehr schwierig sein kann.
Ich denke,d ass es leichter ist, wenn man während dem stationären Aufenthalt Kontakt zu Freunden/Schule usw. hatte, dann wissen sie schonmal wenigstens etwas und man muss nicht wieder von ganz vorne anfangen, weil der Kontakt eben die Zeit über da war und nicht unterbrochen wurde.Das mit dem Reden, dass andere möglicherweise hinter dem Rücken der Betroffenen über einen reden, kann ganz schön verletzend sein. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir meist mehr Gedanken darüber mache, was sein könnte - dabei passiert in Wirklichkeit nur halbsoviel.
Ich hoffe, ich konnte dir durch meinen Beitrag ein klein wenig weiterhelfen - vielleicht hast du ja Lust, mir von deinen Erfahrungen mehr zu berichten? Es würde mich wirklich interessieren.
Liebe Grüße
Steffi

02.08.2008 20:34 Zitieren Zitieren

ich bin ein fisch...blub
Gast

02.08.2008 20:34 Zitieren Zitieren

darf ich fargen WARUM du in einer anstalt warst?und warum deine arme?kommen die von ritzen oder einem unfall??? aber trotzdem solltest du einfach wieder kontakte knüpfen und einfach selbstbewusst handeln was du willst^^

03.08.2008 20:41 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

03.08.2008 20:41 Zitieren Zitieren

Liebe/r K.,
ich (22) war zwar selbst noch nicht in der stationär Klinik, bin aber wegen ähnlicher Diagnose ambulant in Behandlung. Vor der Klinik habe ich (noch) zu viel Angst, aber es ist immer wieder mal im Gespräch.
Ich selbst war besonders im letzten jahr auch immer sehr darauf bedacht, dass ja niemand etwas davon erfährt, dass ich in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung bin. Aber eigentlich ist es genau das, was die Vorurteile aufrechterhält: nämlich dass es ein Tabuthema ist und wenn darüber geredet wird, dann sind es Vorurteile und nur negatives. Ich finde deswegen, man sollte, wenn es möglich ist, offen damit umgehen, zu sich und der Diagnose stehen. Als ich noch in der Ausbildung war, konnte ich mit einer Kollegin sehr offen darüber reden und ich denke, es war gut für uns beide. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich wirklich dafür interessiert. Un dsie hat auch nicht schlecht über mich geredet. Sicher, es war ungewohnt für uns beide, aber doch letztendlich besser so. Dann nach einem Umzug, Schulwechwsel in einer anderen Stadt, wollte ich neu anfangen und niemand sollte davon wissen. Mit dem Ergebnis, dass so manche Reaktion von mir, wenn es mir an manchen Tagen nicht so gut ging, nicht verstanden wurde. Vielleicht hätte ein wenig mehr Offenheit da auch nicht geschadet. Mein Wunsch wäre es, dass man sich getrauen kann und darf, darüber offen zu reden, dass man in der Psychiatrie war oder ambulant eine Therapie macht. Um so auf Dauer Voruerteile, Stigmatisierungen usw. abzubauen.
Aber ich weis auch, dass es sehr schwierig sein kann.
Ich denke,d ass es leichter ist, wenn man während dem stationären Aufenthalt Kontakt zu Freunden/Schule usw. hatte, dann wissen sie schonmal wenigstens etwas und man muss nicht wieder von ganz vorne anfangen, weil der Kontakt eben die Zeit über da war und nicht unterbrochen wurde.Das mit dem Reden, dass andere möglicherweise hinter dem Rücken der Betroffenen über einen reden, kann ganz schön verletzend sein. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir meist mehr Gedanken darüber mache, was sein könnte - dabei passiert in Wirklichkeit nur halbsoviel.
Ich hoffe, ich konnte dir durch meinen Beitrag ein klein wenig weiterhelfen - vielleicht hast du ja Lust, mir von deinen Erfahrungen mehr zu berichten? Es würde mich wirklich interessieren.
Liebe Grüße
Steffi

03.08.2008 23:03 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

03.08.2008 23:03 Zitieren Zitieren

ich denke die tuscheleien kannst du nicht vermeiden aber ich denke die meisten werden respekt davor haben dass du den weg geschafft hast.. es ist anfangs sicher schwer damit umzugehen wenn man jmd um sich herum hat der so einen weg hinter sich hat aber ich denke es wird schnell gehen dass sie dich normal behandeln wenn du offen für die neue welt bist... und wenn dich jemand fragt warum das alles war solltest du dir vielleicht eine kurze antwort überlegen und darüber stehen auch wenn ich nicht weiß ob sich jemand trauen wird da noch rumzuhaken... du wirst es schaffen dich wieder einzugliedern.. keine sorge.. ich kenne ein mädchen, dass es schon geschafft hat und einen andern jungen auch.... bei ihm war es so dass er wegen einem angekündigten amoklauf in die geschlossene kam.. als er wiederkam standen seine freunde hinter ihm und der rest überraschender weisee auch.. und ich hab ihn erst später kennengelernt und ich wusste das und hatte trotzdem kein problem mit irgendwas.. bei andern genauso...

ich wünsch dir glück und denk an dich...

liebe grüße

04.08.2008 00:23 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

04.08.2008 00:23 Zitieren Zitieren

in meiner klasse gibt es zwei mädchen, die schon einmal für einige wochen in der psychiatrie waren, einmal wegen depressionen und dann wegen ritzen/borderline. ich schätze mal, letzteres trifft auf dich zu?

das erste mädchen, eine freundin von mir, hat ihren aufenthalt dort verheimlicht. wir mussten alle erzählen, sie würde wegen ihrem rücken eine lange kur machen. hat uns natürlich keiner geglaubt. da gab es ziemlich viel getuschel, ob sie vielleicht magersüchtig wäre oder so.

bei dem anderen mädchen wussten alle, dass sie wegen ihrem ritzen freiwillig in eine psychiatrie gegangen ist. es war auch kaum mehr zu übersehen. sie hatte sehr starke schnitte an armen und beinen. als sie wiederkam, sind alle ganz natürlich mit ihr umgegangen, weil klar war, was los ist. klare verhältnisse sind immer gut. wir wussten, warum sie weg war, und haben uns mit ihr gefreut, dass sie die krankheit überwunden hat. man sieht auch bei ihr die narben, aber niemand schaut dumm oder lässt einen idiotischen kommentar ab.

falls das bei dir jedoch der fall sein sollte, würde ich darauf gar nicht reagieren. ich denke, es ist wichtig, dass du nichts verheimlichst. das schürt gerüchte. wenn du offen mit deiner krankheit umgehst, wirst du vermutlich keine dummen kommentare zu hören bekommen. ich nehme mal an, die lehrer werden darauf auch ein auge haben.

wenn du dich natürlich gibst und wie immer bist, werden die anderen auch sehr schnell ihre hemmungen verlieren und offen auf dich zugehen. du solltest jedoch nicht erwarten, dass sich auf anhieb die alte vertrautheit wiedereinstellt, dafür warst du meines erachtens einfach zu lange nicht da.

viel glück

04.08.2008 17:49 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

04.08.2008 17:49 Zitieren Zitieren

Liebe K.,
Ich kann den anderen Usern nur voll und ganz zustimmen. Je offener du mit deiner Erkrankung und deinem Klinikaufenthalt umgehst, desto weniger wird dich diese Erfahrung belasten.
Es kommt wirklich sehr auf deine eigene Haltung an, wenn du dich, wie es hier in den USA heisst, als "Survivor" und "Fighter" einer Krankheit siehst , und nicht als bemitleidenswertes (oder gar minderwertiges!) Opfer, desto eher strahlst du dieses Selbstbewusstsein auch aus und wirst von deiner Umgebung akzeptiert!
Und es ist doch wahr, du hast doch ueberlebt und gegen deine Probleme angekaempft. Das ist, wie andere hier schon gesagt haben, wirklich etwas Mutiges und zeigt, wieviel Kraft du wirklich hast!
Natuerlich heisst das nicht, dass du allen alle Einzelheiten ueber deine Erkrankung oder deine seelischen Schwierigkeiten ganz unkritisch auf die Nase binden solltest. Ebenso wenig, wie du jeden in deiner Umgebung ueber andere intime Detailsdeines Lebens Auskunft geben solltest, musst du abschaetzen, wo totale Offenheit angebracht ist (Freunde, Leute, die dir sehr nahestehen) und wo du zurueckhaltender ueber deine Erfahrungen sprechen solltest (Arbeitsplatz).
Zu deinen Narben solltest du tatsaechlich stehen, es sind ja Zeichen eines inneren Kampfes, den du bestanden hast. Du kannst sogar anderen ein wichtiges Vorbild sein, wenn du sagst, "so ging es mir, aber ich habe das ueberwunden". Aber auch hier kannst du entscheiden, wem du dich selbstbewusst so zeigen willst, wie du bist, und wo es klueger ist, sich vor Blicken zu schuetzen.
Ich wuensche dir, dass deine Eingliederung gut gelingt!
LG, Dr. Karin Anderson

04.08.2008 21:38 Zitieren Zitieren

Themenstarter
Gast

04.08.2008 21:38 Zitieren Zitieren

zuerst einmal Danke für die lieben Antworten.

Wie schon erwähnt bin ich nicht wegen Borderline in der Klinik sondern weil ich stark suizidal war (manchmal noch bin), und weil ich kaum vertretbare Stimmungsschwankungen habe (Stichwort Manische Depression -> Hyperaktivität, "hibbelig sein", Selbstüberschätzung wechselt mit Depression ab -> Suizidgedanken, Suizidversuche, eingeschränkter Antrieb etc.)
Symptome dieser Erkrankung sind wie bereits vermutet auch das Selbstverletzen also Ritzen, Brennen, Kratzen und so weiter.

Ich weiß nicht ob ich so offen damit umgehen kann, denn diese Problematik ist noch nicht überwunden. Ich verletze mich beispielsweise immernoch selber, auch wenn es schon viel seltener geworden ist (Endlich ein Erfolg den ich einsehen kann). Außerdem denke ich dass solche Narben andere Schockieren, gerade wenn man an ihnen erkennt wie klaffend die Wunden waren bzw wenn man erkennt dass sie genäht wurden. Am meisten schäme ich mich für eine breite Narbe die sich den ganzen Arm über der Pulsschlagader hinzieht.
Ich habe schon von Mitschülern mitbekommen dass sie bei einer Schülerin zutiefst geschockt waren weil sie einen Oberflächlichen Querschnitt am Handgelenk hatte. Wie soll man dann auf die Längstnarbe reagieren?
Wie soll ich zu etwas stehen was mich selbst total verunsichert?

Ein weiteres Problem was immernoch besteht sind die Stimmungsschwankungen. Ich bekomme zwar schon Medikamente die die extremen Hochs rausnehmen, aber die Tiefs sind oft noch sehr stark, sodass ich vor ein paar Wochen wieder auf der geschlossenen Station war und bei einem Selbstmordversuch fast ums Leben gekommen wäre. Zum Glück (das kann ich wenigstens auch schon sehen) waren die netten Menschen von der Intensivstation und die anderen Ärzte für mich da.
Ich habe das Gefühl ich mache alles falsch, egal was ich auch tue. Und ich meine, wenn man so verunsichert und verwirrt ist kann man schlecht zu sich stehen. Gerade wenn ich merke dass ich meine Gedanken / Impulse wieder nicht im Griff habe und vielleicht wieder hospitalisiert werden muss... Habe ich dann versagt? Ist es vielleicht nur ein endloser Kreislauf?

Ich habe einfach nur Angst andere mit in meine Scheiße zu ziehen oder zu schockieren, weil die Meisten ja gar keine Ahnung von sowas haben. Außerdem, wie bereits von Steffi erwähnt, ist Psychiatrie ein Tabuthema, welches sich in unserer Gesellschaft negativ eingeprägt hat. Werden mir nachher wegen meiner Vergangenheit Ausdrücke hinterhergerufen? Werde ich als "Emo" oder "Klapsenkind" bezeichnet? Ich stelle mich schon auf alles ein, aber ich weiß dass es mich runter ziehen wird.

Wie kann ich denn etwas mehr Selbstvertrauen / Selbstbewusstsein erlangen? Immer wenn ich mir mein Türmchen aufgebaut habe wird es wieder zerstört Stirnrunzeln

Ein langer Text. Ich habe versucht nicht zu viele Details zu erwähnen weil ich ja niemanden mit reinziehen möchte. Ich hoffe es ist okay so.

Liebe Grüße und schon mal vielen Dank Lächeln

05.08.2008 21:53 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

05.08.2008 21:53 Zitieren Zitieren

Liebe K.
hab nur Mut, es wird schon klappen mit deinem ersten Schultag nach der Klinikentlassung. Ich drücke dir die Daumen!!
Liebe Grüße
Steffi

08.08.2008 16:00 Zitieren Zitieren

Themenstarter
Gast

08.08.2008 16:00 Zitieren Zitieren

Hallo!

Ich wollte mich nur nochmal melden und den Stand der Dinge preisgeben.
Heute wurde ich entlassen.
Am Montag gehe ich ganz normal wieder in die Schule, werde versetzt.
Heute Abend gehe ich auf eine Party auf der vorraussichtlich sehr viele Mitschüler da sein werden. Vielleicht trage ich Stulpen, ansonsten halt nur meinen momentanen Verband. Ich werde nicht viel dazu sagen wo ich war. Wenn jemand fragt, sage ich dass ich schlimme Probleme hatte, Hilfe brauchte und auch bekam und dass es jetzt wieder einigermaßen gut läuft.

Ich hoffe alles klappt gut.

Liebe Grüße und vielen Dank

K.

 
 
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