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26.11.2009 17:37 Zitieren Zitieren

Lena
Gast

26.11.2009 17:37 Zitieren Zitieren

Ich will nicht zurück an die Uni

Dr. Anderson,

ich habe ein Problem, weil ich großes Heimweh nach Zuhause habe. Ich komme aus Thüringen und studiere im dritten Semester in Magdeburg. Immer wenn ich zu Besuch bei meinen Eltern bin, will ich gar nicht wieder zurück. Eigentlich gefällt es mir in Magdeburg ganz gut und die Mitbewohner sind auch ok, aber zuhause ist eben doch was anderes. Ich habe immer Sehnsucht nach zuhause, komme aber meistens ganz gut damit klar. Ich mache mir allerdings große Sorgen, dass ich nach Neujahr nicht wieder zurück an die Uni fahren will, wenn ich erstmal länger (seit Weihnachten) zuhause bin. Aber einfach wegbleiben geht ja auch nicht, oder? Was kann man da machen?

Danke im Voraus und viele Grüße von Lena

09.12.2009 21:05 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

09.12.2009 21:05 Zitieren Zitieren

Liebe Lena,
Die Abloesung vom Elternhaus faellt vielen jungen Leuten schwer, besonders dann, wenn sie nicht einfach nur innerhalb des Heimatorts umziehen, sondern zusaetzlich in eine andere Stadt, wo sie sich ihr soziales Umfeld ganz neu aufbauen muessen.
Wenn du eine gute Beziehung zu deiner Familie hast und deine Freunde alle noch zuhause wohnen, ist es besonders verstaendlich, dass du dich lieber dort, als an deinem Studienort aufhaeltst. Aber offenbar hast du an deinem Heimatort keine Uni, oder kannst zumindest nicht in dem Fach studieren, das du dir ausgewaehlt hast, daher ist es fuer deine berufliche Zukunft notwendig, in Magdeburg zu studieren.
Scheinbar hast du dort allerdings noch keinen richtigen Anschluss gefunden, denn nette Mitbewohner sind noch lange keine Freunde, und richtig heimisch bist du ja dort auch noch nicht geworden, auch wenn dir die Stadt an sich gefaellt.
So verstaendlich dein Heimweh auch ist, und so anheimelnd vertraut, wie es dir im Elternhaus gerade an solchen Feiertage zumute sein wird, wenn du tatsaechlich dem Impuls nachgeben und dein Studium in Magdeburg sausen lassen wuerdest, um in der Naehe deiner Eltern bleiben zu koennen, waere das ein Rueckfall in kindliche Abhaengigkeit. Eine solch regressives Verhalten wuerde dir zwar moeglicherweise fuer kurze Zeit Erleichterung und ein gutes Gefuehl verschaffen, sich aber auf lange Sicht sehr raechen!
Die Abnabelung vom Elternhaus, und damit auch von der vertrauten Umgebung, ist eine altersentsprechende Notwendigkeit, ein wichtiger Entwicklungsschritt, der zum Erwachsenwerden dazugehoert. Auf eigenen Fuessen zu stehen und sich an neue und unvertraute Gegebenheiten zu gewoehnen, neue Kontakte zu schliessen und damit neue Erfahrungen zu machen, sind zum Reiferwerden und fuer die eigene seelische Entwicklung einfach ungeheuer wichtig.
Dies Alles ist dir wahrscheinlich im Grunde auch selber klar, und du sagst ja auch, dass es dir im Prinzip in Magdeburg schon ganz gut gefaellt. Tust du aber auch wirklich genug, um dort auch endlich „anzukommen“ und nicht nur staendig zurueck zu schauen? Du sprichst von deinen Mitbewohnern, aber nicht von irgendwelchen Freunden.
Gibt es in deinem Semester denn niemanden, mit dem du dich in der Freizeit treffen oder etwas zusammen unternehmen koenntest? Hast du keine Seminare oder Gruppen, in denen eine etwas engere Zusammenarbeit stattfindet, sodass sich daraus auch ein freundschaftlicher Kontakt ergeben koennte. Finden an deiner Uni keine Studentenfeste statt (Fasching, Sommerfest usw?), wo du nette Leute kennenlernen koenntest? Wirst du nirgendwohin eingeladen oder zum Mitmachen aufgefordert?
Mit den alten Freunden zuhause kannst du dank Internet und Telefon ja zum Glueck leicht in Verbindung bleiben. Auf neue Leute musst du aber aktiv zugehen, und signalisieren, dass du auch an Interesse an Kontakt mit ihnen hast. Je mehr du in dieser Richtung unternimmst, desto eher wirst du dich auch an deinem Studienort richtig heimisch fuehlen.
Fuer die anstehende Ferienzeit waere es vielleicht fuer dich einfacher, ganz selbstverstaendlich an die Rueckkehr nach Magdeburg zu denken (und nicht der regressiven „Ich will nicht zurueck“-Versuchung zu verfallen), wenn du dir bereits ein paar Termine fuer die Zeit danach festlegen wuerdest, die du auf keinen Fall versaeumen darfst. Und wenn dir keine solchen Termine einfallen, wie waere es, wenn du selbst einfach ein paar nette Leute zu eine Party im Januar bei dir in Magdeburg einladen wuerdest?
Liebe Gruesse und schoene Feiertage, Dr. Karin Anderson

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