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22.09.2008 16:05 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

22.09.2008 16:05 Zitieren Zitieren

Neuroleptika absetzen

Guten Tag Fr. Dr. Anderson!

Woran erkennen der Arzt bzw. ich, wann der "richtige" Zeitpunkt gekommen ist, um Neuroleptrika langsam wieder abzusetzen?

Ich bin seit 3,5 Monaten auf 2 Neuroleptika eingestellt, davor ziemlich genau ein Jahr lang SSRI, das dann aber wegen "schizo-affektiver Symptomatik" (was ist das eigentlich genau?) abgesetzt wurde zugunsten dem einen Neuroleptika. Das zweite (sedierend) kam dann dazu, weil ich ziemlich massive Suizidgedanken hatte, gegen die ich mich so gut wie nicht schützen konnte. Das ist jetzt wie gesagt alles fast 4 Monate her. Mir geht es nicht ganz 100% gut, (also so wie vor 2 Jahren, bevor alles begann), aber auch nicht wirklich schlecht. Die Suizidgedanken sind geblieben, kommen etwa im Abstand von 2-3 Wochen ohne jegliche Vorwarnung und ohne ersichtlichen Auslöser.

Mein Arzt (FA für Psychiatrie und Psychotherapie) warf heute die Frage auf, ob man beides nun absetzen sollte.
Ich werde in 2 Wochen zu studieren anfangen. Da solche Neuanfänge und größeren Veränderungen mich eh immer relativ stark aus dem Gleichgewicht bringen, finde ich, man sollte mit dem Absetzen noch ein paar Wochen warten, bis ich mit an der Fachhochschule eingewöhnt habe und wieder einen Rhythmus und die nötige Sicherheit und Struktur habe. Das habe ich ihm auch so gesagt und er kann es glaube ich, mittragen.

Aber was mir noch zu denken gibt: Selbst wenn ich dann wieder Fuß gefasst habe und einen struturierten Tagesablauf habe, sollte man die Medikamente dann trotzdem absetzen, wenn immer noch diese Suizidgedanken regelmäßig kommen? Oder können die Tabletten da gar nichts dagegen ausrichten und ich habe die Gedanken voraussichtlich egal ob mit oder ohne medikamentöse Behandlung?

Mittlerweile glaube ich manchmal schon fast, dass mich diese Gedanken, der Wunsch zu sterben immer begleiten werden, sie sind jetzt schon so lange immer wieder da, kommen regelmäßig etwa 2 mal im Monat für einige Tage ohne jeglichen Zusammenhang und ohne "Begründung" oder Vorwarnung.
Scheinbar gibt es nichts (zumindest haben wir bis jetzt noch nichts wirksames gefunden), das ich dagegen tun kann außer abwarten und hoffen, dass sie wieder vorbeigehen und ich wie die letzten Male nichts davon in die Tat umsetze außer mich vielleicht zu schlagen um den Druck ein wenig abzubauen.

Danke für Ihre Antwort!

Steffi

05.10.2008 20:48 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

05.10.2008 20:48 Zitieren Zitieren

Gibt es dazu nichts zu sagen?
Steffi

06.10.2008 02:52 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

06.10.2008 02:52 Zitieren Zitieren

Hallo, Steffi,
Wie du schon richtig vermutest, haengt die Dauer der Neuroleptika-Therapie nicht nur vom Zustand des Patienten, sondern auch von den Umstaenden ab. So wirksame Medikamente wie Neuroleptika sollten auch nie einfach ploetzlich abgesetzt, sondern ausgeschlichen werden, um zu sehen, wie der Patient mit dieser Reduzierung zurecht kommt.
Manchmal muessen Medikamente ueber viele Jahre genommen werden. Dann ist aber immer darauf zu achten, die geringst moegliche Dosis zu waehlen, die fuer den Patienten und sein Krankheitsbild angemessen ist.
Alle sehr wirksamen Medikamente koennen Nebenwirkungen verursachen, die sich manchmal erst nach laengerem Gebrauch bemerkbar machen. Deshalb ist es richtig, dass sich dein Arzt Gedanken darueber macht, wie lange und in welcher Hoehe du deine Medikation noch brauchst. Eine grosse Umstellung der Lebensumstaende, wie ein neues Studium, ist aber sicher ein Anlass, sich diesen Schritt genau zu ueberlegen, um den Patienten nicht gerade dann einer zusaetzlichen Belastung auszusetzen, wenn er sowieso durch die neue Situation gestresst ist.
Die Diagnose einer "schizoaffektiven Symptomatik" ist eine vorsichtige Allgemeinbeschreibung. Sie meint nichts anderes, als dass deine depressive Symptomatik z. B. von Zwangsideen, wie etwa diesen urploetzlichen zwanghaften Suizidgedanken, begleitet ist.
Waehrend meiner Psychiatriezeit haben wir Aerzte uns immer solcher beschreibenden Allgemeindiagnosen bedient, um gerade jugendliche Patienten nicht mit einer praeziseren Diagnose abzustempeln, die sich spaeter vielleicht als nicht zutreffend herausstellt.
Du sagst, diese zwanghaften Gedanken kommen an manchen Tagen jeden Monat ohne jede erkenntliche Ursache und ohne Vorwarnung. Manchmal koennen solche regelmaessig alle Monate zu bestimmten Zeiten auftretenden stark depressiven Gedanken durch hormonelle Einfluesse im Zusammenhang mit der Regel beeinflusst sein. Ist diese Moeglichkeit ausgeschlossen worden?
Wenn du dich stabil fuehlst und dich an deine neue Situation gewoehnt hast, sollte sicher ein Versuch gemacht werden, deine Medikamente zu reduzieren, und zu sehen, wie es dir damit geht. Wichtig ist die begleitende Psychotherapie, um etwaige Konflikte und belastende Situationen rasch ansprechen und durcharbeiten und so seelische Krisen schneller ueberwinden zu koennen.
Ich habe viele Patienten psychotherapeutisch behandelt, die gleichzeitig Medikamente einnehmen mussten. Durch die Therapie konnten die Dosis aber meist allmaehlich reduziert werden oder die Medikamente schliesslich auch ganz abgesetzt werden.
Wann eine Reduzierung oder ein voelliges Absetzen in deinem Fall ratsam ist, haengt von deinem eigenen Gefuehl und dem Eindruck deines behandelnden Arztes ab. Diese Entscheidung sollte immer gemeinsam getroffen werden.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

14.10.2008 20:03 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

14.10.2008 20:03 Zitieren Zitieren

Zitat von =Dr. Karin Anderson:
Hallo, Steffi,
Du sagst, diese zwanghaften Gedanken kommen an manchen Tagen jeden Monat ohne jede erkenntliche Ursache und ohne Vorwarnung. Manchmal koennen solche regelmaessig alle Monate zu bestimmten Zeiten auftretenden stark depressiven Gedanken durch hormonelle Einfluesse im Zusammenhang mit der Regel beeinflusst sein. Ist diese Moeglichkeit ausgeschlossen worden?
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson



Guten Tag Fr. Dr. Anderson,
in Ihrer Antwort sprachen Sie hormonelle Einflüsse an, die evtl. als Auslöser für die Suizidgedanken in Frage kommen könnten. Gibt es eine Möglichkeit, dies auszuschließen oder gegebenenfalls als sichere Tatsache herauszufinden? Oder geht das nur über genaues Beobachten über mehrere Monate hinweg und "Tagebuch führen"? Bisher wurde in der Richtung noch nichts unternommen bzw. angesprochen. Vor fast 2 Jahren, noch vor der Behandlung, hatte ich mal den Eindruck, dass es schon Schwankungen und Zusammenhänge zum Hormonhaushalt, zur Periode gibt. Aber später hat sich das geändert, als ich dann zunächst auf SSRI eingestellt wurde. Damals hatte ich dann auch nur noch ganz selten solche Gedanken. Erst seit ich Neuroleptika nehme, kommen sie wieder verstärkt und regelmäßig mehrmals im Monat.
Steffi

16.10.2008 02:37 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

16.10.2008 02:37 Zitieren Zitieren

Liebe Steffi,
SSRI (selektive Serotoninaufnahmehemmer) wirken antidepressiv, sind aber keine Beruhigungsmittel, waehrend Neuroleptika z. B. gegen solch zwanghafte Gedankeninhalte wirken und ganz allgemein beruhigen und daempfen.
Es ist leider nie ganz einfach, das ideale Medikament oder die ideale Medikamentenkombination zu finden, die "alle Fliegen mit einer Klappe zu schlagen" und bei vielschichtigeren Krankheitsbildern alle Symptome gleich gut bekaempfen.
Es waere sicher keine schlechte Idee, tatsaechlich ein Tagebuch zu fuehren, um zu sehen, ob es da einen Zusammenhang mit vermehrten Symptomen und deinem Menstruationszyklus gibt, was du ja moeglicherweise frueher beobachtet hast.
Diese Aufzeichnungen kannst du dann zu deiner naechsten Untersuchung mitnehmen und deinem behandelnden Arzt zeigen. Du koenntest ihn dann danach fragen, ob eventuell eine zusaetzliche Hormongabe (Pille) angezeigt ist.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

 
 

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