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30.03.2009 21:34 Zitieren Zitieren

Ina85
Pointer-User

30.03.2009 21:34 Zitieren Zitieren

Asperger und Depression?

ich hoffe, dass es jetzt endlich klappt und der Beitrag erscheint!!!!



Hallo Fr. Dr. Anderson,
ich (24 J.) war vor kurzem wegen einem fast durchgeführten Suizidversuch in der Psychiatrie (habe dort allerdings leider sehr schlechte Erfahrungen machen müssen: nur Medikamente, deren Sinn und Zweck mir nicht erklärt wurde und von denen ich gravierende Nebenwirkungen (ich konnte kaum noch schlucken und reden, Kreislaufkollaps) hatte; psychotherapeutische Gespräche und auch alle anderen Therapien außer Mandalas anmalen in der Ergo wurden mir nicht ermöglicht!!).
Angeblich habe ich eine rezidivierende Depression. Reicht denn die alleinige Tatsache von Suizidgefährdung aus, um die Diagnose einer Depression zu stellen? Es treffen nämlich ansonsten kein weiteres Symptom auf mich zu und der Arzt konnte mir auch nicht sagen, mit welchen Symptomen er die Diagnose begründet ("Hört sich besser an"...). Etwa 1 Woche davor hat er mir die schizoaffektive Störung erklärt, und das klang wesentlich einleuchtender für mich, weil da die ganzen Sachen wie dass ich meinen Körper überhaupt nicht mehr fühle, plötzlich alle Geräusche unglaublich laut werden usw. nach seiner Erklärung eingeschlossen sind. Was meines Wissens ja bei einer Depression überhaupt nicht der Fall ist.
Auf jeden Fall werde ich nun wieder behandelt, positive Wirkungen merke ich keine (aber ich habe ja auch keines der Symptome, die dadurch verschwinden sollen) - und in den Nebenwirkungen steht in der neu überarbeiteten Version des Beipackzettels, dass verstärkt über Suizidgedanken und -handlungen verichtet wurde im Zusammenhang mit dem Medikament... Und gerade deswegen soll ich es ja laut Klinik nehmen!! Ich bekam mein jetziges Medikament schon einmal 13 Monate und hatte in der Zeit auch Suizidgedanken (damals standen sie aber noch nicht im Beipackzettel unter den Nebenwirkungen drin). Und die Nebenwirkungen machen meiner Therapeutin (und mir) ziemliche Sorgen (Kreislaufprobleme bis hin zu Ohnmacht, Schwindel, Übelkeit, Appetitverlust, Verstopfung, frieren und schwitzen im schnellen Wechsel, extreme Müdigkeit)
Mein Psychiater fühlt sich für die Nebenwirkungen im Moment nicht „zuständig“, da er das Medikament nicht angeordnet hat und er erst auf den Bericht von der Klinik warten möchte. Aber ich habe morgen einen Termin und werde versuchen ihm klarzumachen, dass es doch so nicht weitergehen kann... Vielleicht werde ich auch den Arzt wechseln.

In den letzten Wochen hat sich wie gesagt auch immer wieder die Wahrnehmung verändert – dann kommt es mir so vor, als ob alles ganz weit weg ist, ich sehe, höre, aber es kommt irgendwie trotzdem nicht bei mir an. Oder ich fühle meinen Körper überhaupt nicht mehr...

In der Klinik wurde auch die Diagnose eines Asperger-Autismus gestellt. Es gibt schon so vieles, das auf mich zutrifft – dass für mich z.b. die Mimik von anderen Personen so etwas wie eine Geheimsprache ist, dass ich an den Augen nichts erkennen kann und deswegen auch kaum Blickkontakt halte, dass er mir unangenehm ist. Oder dass ich meinen gewohnten Ablauf brauche, meine Struktur. Dass ich von mir aus kaum Kontakt zu anderen Leuten aufnehme, „Smalltalk“ nicht beherrsche, ,ir die Gefühle anderer fremd erscheinen, ich Ironie auf Anhieb meist nicht verstehe, dass ich alles wörtlich nehme, was schon oft zu Missverständnissen geführt hat. Und so weiter...
Ich meine mich zu erinnern, dass Asperger sozialrechtlich unter seelische Behinderung fällt, was ja dann bedeuten würde, dass ich Anspruch auf Eingliederungshilfe hätte, aber wie sieht das konkret aus, an wen kann ich mich wenden?
Oder was für Unterstützungsmöglichkeiten gibt es sonst noch?
(Anm.d.Red. Hallo Ina, leider mussten wir Deinen Beitrag in einigen Bereichen kürzen, da er dort nicht unseren Foren-Regeln entsprach)
Tschüß
Ina

02.04.2009 20:43 Zitieren Zitieren

Ina85
Pointer-User

02.04.2009 20:43 Zitieren Zitieren

ok, immerhin ist der beitrag jetzt endlich einmal erschienen, wenn auch mit änderungen.
dass ich das medikament nicht nennen darf, ist mir klar, das wusste ich, aber ich wusste nicht, dass dies auch für die gruppe gilt, zu der es gehört.
und der absatz mit der maltherapie - ok, schade, dass er rausgestrichen wurde. aber hätte wohl eh nichts geändert.


da ich an der diagnose der klinik nach wie vor - berechtigte - zweifel habe, werde ich wohl den arzt wechseln, da mein ambulanter psychiater hier mich nicht nach den symptomen fragt und wenn ich sie von mir aus anspreche, dann sagt er nichts dazu, außer dass ich die möglichkeit habe, einen anderen arzt zu fragen... (ich habe über die affektiven störungen meine abschlussprüfung im fach psychiatrie geschrieben und kenne deswegen die symptome und weis, dass je nach schweregrad mindestens 4 symptome auftreten müssen, um die diagnose einer depression zu stellen. als ich den arzt nach den seiner meinung nach angeblich vorhandenen symptomen gefragt habe, hat er nach dem ersten aufgehört...)
und wenn ich ihn frage, warum ich das antidepressivum nehmen soll, dann damit ich "weniger angst habe" (das wort angst habe ich bei ihm gar nie erwähnt, weil ich nämlich gar keine habe) und warum soll ich ein medikament nehmen,d as gegen sachen wirkt, die ich gar nicht habe und dann im gegenzug die symptome verstärkt bzw. erst recht hervorruft (suizidgendaken), die es eigentlich beheben sollte?? das ist doch mehr als paradox...

und da ich eben wie gesagt nicht glaube, dass ich eine depression habe, wäre ja auch der ansatz mit einem antidepressivum falsch, dann meinetwegen wieder neuroleptika oder so.
wobei ich im moment generell gegen jegliche medikamente bin. die ständigen und starken nebenwirkungen sind weit unangenehmer als die gelegentlichen symptome. und gegen suizidgedanken hat bei mnir bisher eh noch kein medikament gewirkt. die auslöser, die es dafür gibt, kann man durch die tabletten nicht aus der welt schaffen udn das, was früher einmal geschehen ist, kann ich dadurch auch nicht plötzlich vergessen. ich meine, dass dadurch die probleme nur zugedeckt werden, so dass ich sie nicht mehr effektiv in der therapie bearbeiten kann.

05.04.2009 23:05 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

05.04.2009 23:05 Zitieren Zitieren

Liebe Ina,
Ich kann mir vorstellen, dass dich diese Unklarheiten im Umgang mit deinen Beschwerden ziemlich verwirren. Leider muessen Patienten teilweise immer noch die Erfahrung machen, dass Aerzte sich nicht die Zeit nehmen - oder nicht in der Lage sind - ihnen genaue und verstaendliche Auskuenfte ueber ihre Diagnose und die fuer notwendig gehaltenenen Behandlungsschritte zu geben.
In der Psychiatrie ist es oft nicht einfach, so eindeutige und klare Diagnosen zu stellen, wie in anderen medizinischen Fachgebieten. Gerade bei juengeren Patienten soll auch vermieden werden, sich voreilig auf "abstempelnde" Diagnosen festzulegen, die dann ein fuer alle Mal in den Akten stehen, auch wenn sie sich vielleicht spaeter irgendwann als nichtzutreffend herausstellen. (Daher vielleicht die vage Erklaerung deines Arztes, die Diagnose einer Depression "saehe besser aus".)
Vielfach laesst sich erst nach einem laengeren Krankheitsverlauf klarer erkennen, ob es sich eher um einen seelischen Ausnahmezustand aufgrund besonderer belastender Umstaende gehandelt hat, oder um eine chronische Erkrankung mit wiederholten Phasen und einem immer deutlicher erkennbaren Trend. Deine Symptome waeren im meiner damaligen Klinik moeglicherweise auch eher beschreibend als schizoaffektive Stoerung bezeichnet worden, weil sowohl Entfremdungsgefuehle als auch Suizidgedanken vorhanden sind. Auch der Begriff "Depression" ist relativ schwammig, und reicht von seelischem Herabgestimmtsein bis zur tiefen Melancholie. Daher ist das Ansprechen auf ein bestimmtes Medikament oft ein eindeutigerer Hinweis auf die zugrundeliegende Stoerung, als die Verdachtsdiagnose.
Leider koennen manche Psychopharmaka haeufig genau die Nebenwirkungen verursachen, die bei dir aufgetreten sind. Wenn auf das betreffende Medikament nicht verzichtet werden kann, werden dann zusaetzliche Medikamente gegen diese Nebenwirkungen verordnet.
Auf jeden Fall muss immer sehr genau abgewogen werden, eine wie hohe Dosis eines Psychopharmakons ueber wie lange Zeit eingenommen werden sollte, damit Nebenwirkungen nach Moeglichkeit vermieden (oder zumindest sehr verringert) werden koennen. Serotoninwiederaufnahmehemmer benoetigen meist eine laengere Zeit, bis sie ihre Wirkung voll entfalten. Wenn deine starken Nebenwirkungen aber anhalten und du zudem auch nach ausreichend langer Einnahmezeit keine Besserung durch das verordnete Medikament verspuerst, muss dein behandelnder Arzt unbedingt deine Medikation ueberpruefen und deinen Behandlungsplan umstellen.
Dein Psychiater hat sich da wirklich recht ungeschickt ausgedrueckt, natuerlich ist er "zustaendig", nachdem du aus der Klinik entlassen worden und wieder in ambulanter Behandlung bei ihm bist, und wenn der Arztbrief aus dem Krankenhaus auf sich warten laesst, gibt es schliesslich auch noch das Telefon, um schnelle Ruecksprache zu halten. Wenn du dich grundsaetzlich bei ihm nicht gut aufgehoben fuehlst, solltest du wirklich in eine andere Praxis gehen.
Viele Symptome, was du schilderst, koennten tatsaechlich auf einen Asperger Autismus zutreffen, allerdings auch im Rahmen einer schizoaffektiven Stoerung vorkommen - oder aber Ausdruck einer neurotischen Stoerung sein.
Asperger Autismus ist heutzutage leider auch so etwas wie eine "In-Diagnose", und deine Schwierigkeiten im sozialen Kontakt sind zwar sicherlich recht problematisch, lassen sich vielleicht aber auch nicht so einfach auf eine eindeutige Krankheitsdiagnose festlegen. Auf jeden Fall halte ich es fuer sehr gut und wichtig, dass du dich einer Therapie unterziehst und versuchst, mit Hilfe deiner Therapeutin an diesen Problemen zu arbeiten.
Es ist schade, dass dir in der Klinik keine weitergehenden Therapieangebote gemacht werden konnten, leider ist nicht jedes Krankenhaus personell und finanziell genuegend ausgestattet und manchmal mangelt es auch an der notwendigen psychotherapeutischen Qualifikation junger Aerzte (die oft Berufsanfaenger sind).
Ich habe selbst einge Patienten in der Klinik kunsttherapeutisch behandelt und auch gestaltungstherapeutische Seminare geleitet. Dieses psychotherapeutische Verfahren wird aber meist nur im Rahmen einer psychiatrischen Klinikbehandlung angeboten. Krankenkassen uebernehmen verstaendlicherweise nur die Kosten fuer Behandlungsmethoden, deren Wirksamkeit bereits medizinischerseit allgemein anerkannt ist. Diese Voraussetzungen erfuellt die Kunsttherapie bisher (noch) nicht, und muss daher von den Patienten selbst bezahlt werden.
Fuer Eingliederungshilfe sind meines Wissens nach die Sozialaemter zustaendig, allerdings nur dann, wenn kein anderer Traeger in Frage kommt. Ob du eventuell einen Anspruch darauf hast, muesste dir vermutlich ein Berater deines oertlichen Sozialamts sagen koennen.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

06.04.2009 16:52 Zitieren Zitieren

Ina85
Pointer-User

06.04.2009 16:52 Zitieren Zitieren

Zitat von =Dr. Karin Anderson:
Auch der Begriff "Depression" ist relativ schwammig, und reicht von seelischem Herabgestimmtsein bis zur tiefen Melancholie. Daher ist das Ansprechen auf ein bestimmtes Medikament oft ein eindeutigerer Hinweis auf die zugrundeliegende Stoerung, als die Verdachtsdiagnose.




auf das medikament, das ja angeblich antidepressiv wirken sollte, habe ich überhaupt nicht angesprochen!! (meine meinung dazu: wie soll ich auch auf ein medikament ansprechen, wenn ich die symptome gar nicht habe, gegen die es wirken soll??) - es gab zuhauf nebenwirkungen und das über wochen, bis sich der arzt dann schließlich doch erbarmt hat und mir meinen willen lies - nämlich absetzen. und seitdem geht es mir super!! die nebenwirkungen sind logischerweise weg, ich schlafe nicht mehr 3/4 vom tag, meine stimmung ist normal wie sonst auch wieder, also gut (soviel zum thema, ich sei depressiv...), ich kann wieder klar denken und mich konzentrieren usw.

während der medikamentösen behandlung war ich oft leicht reizbar und eher schlecht drauf - und das bei einem antidepressivum!! das hat meiner empfindung nach die angebliche schlechte laune erst ausgelöst, denn davor war ich immer gut drauf!

ich würde mal behaupten, dass diese tatsache - dass das medikament nämlich rein gar nichts bewirkt hat - die angebliche diagnose einer depression wiederlegt hat...
da gab es ganz andere ausläse und ursachen für die suizidgedanken und -pläne - und medikamente verdecken sie nur, aber lösen sie nicht auf, im gegenteil, man kann sie dann nicht mal richtig bearbeiten, weil sie so verdeckt sind.

Ina

 
 

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