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19.10.2008 17:04 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

19.10.2008 17:04 Zitieren Zitieren

schizophrene Störungen

Hallo Fr. Dr. Anderson,
ich fange gerade bei meinem Heilpädagogik-Studium mit einer Hausarbeit zum Thema "schizophrene Störungen im Kindes- und Jugendalter" an. Leider ist das meiste Material, das ich bisher zusammengetragen habe, auf Erwachsene bezogen.
Lässt sich denn ohne weiteres sagen, dass bei Kindern und Jugendlichen die gleichen Symptome auftreten wie bei Erwachsenen? Ich vermute eher, dass es da schon Unterschiede geben kann, wenn auch vieles sicher ähnlich ist. Liege ich da richtig?
Und wie verhält es sich mit der Bezeichnung, lassen sich die Begriffe Schizophrenie (veraltet??) und schizophrene Störung synonym verwenden? Ebenso die Bezeichnung schizophrene Psychose, oder ist das wieder eine andere Diagnose mit eigenen Symptomen?
Werden Kinder und Jugendliche mit der Symptomatik ebenfalls medikamentös behandelt wie Erwachsene? (Ich weis von vielen Psychopharmaka, dass sie gar nicht offiziell für den Einsatz bei Kindern zugelassen sind.) Oder wird da mehr Wert auf die Begleitung in Psychotherapie und Pädagogik gelegt? Welches Psychotherpaieverfahren ist ratsam?
Stephanie

24.10.2008 15:14 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

24.10.2008 15:14 Zitieren Zitieren

hei, ich hatte auch mal die diagnose, da war ich 15. ich war ein halbes jahr in der klinik und danach noch in der tagesklinik in der schule. medikamente musste ich nehmen, aber weis nicht mehr wie die hießen.
gruß
loro

25.10.2008 23:57 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

25.10.2008 23:57 Zitieren Zitieren

Liebe Stephanie,
Aufgrund der unterschiedlichen Gehirn- und psychischen Reife sind die Symptome psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen nicht die gleichen wie bei Erwachsenen. Zum Beispiel entsprechen bestimmte eindeutig krankhafte Denkinhalte und Fantasien erwachsener Schizophrener eindeutig gesunden Denkweisen und Fantasien normaler Kinder.
Wenn ein sechsjährigerSchüler fest davon überzeugt ist, dass er eine gute Zensur bekommen wird, wenn es ihm gelingt, während des Nachhausewegs nur auf die Pflastersteine und nicht auf die Spalten dazwischen zu treten, oder wenn eine Vierjährige glaubt, dass die Mama krank geworden ist, weil sie gestern so böse und wütend auf die Mama war, entspricht dieses "magische Denken" einer ganz normalen kindlichen Entwicklungsstufe. Glaubt ein Erwachsener dagegen ernstlich, er könne mit seinen Gedanken andere beeinflussen und andere könnten einen magischen Einfluss auf ihn ausüben, handelt es sich dabei vermutlich um wahnhafte Beziehungsideen - ein typisches Symptom einer Schizophrenie.
Wenn eine 14-jährige am Montag in Hochstimmung ist und alles wunderbar findet, und am Dienstag dann plötzlich alles nur noch ätzend, sie sich in ihr Zimmer einschliesst und den ganzen Tag nicht mehr blicken lässt, sind diese starken Stimmungsschwankungen im Allgemeinen normales pubertäres Verhalten. Erlebt ein Erwachsener dagegen derartig massive Hochs und Tiefs, könnte das Anyeichen einer manisch-depressiven Erkrankung sein.
Gerade wegen dieser Reifungsunterschiede halte ich frühe Festschreibungen psychiatrischer Diagnosen für Kinder und jüngere Jugendliche für problematisch. Während meiner Klinikzeit galt entsprechend auch als Lehrmeinung, dass die Diagnose einer Schizophrenie erst bei älteren Jugendlichen, bzw. jungen Erwachsenen einigermassen sicher vermutet werden konnte, wenn auffällige psychiatrische Symptome über einen längeren Zeitraum zu beobachten waren.
Die Diagnose "Schizophrenie" bedeutet das Gleiche wie "schizophrene Psychose". Eine Psychose meint immer eine schwere psychiatrische Erkrankung, während eine "schizophrene Störung" eher die Beschreibung für eine kürzer dauernde, vorübergehende, psychotische Symptomatik ist (ein anderer Ausdruck dafür ist: "psychotische Episode"blinzeln.
Um uns bei einer zum ersten Mal auftretenden schizophrenen Psychose nicht gleich auf die für den Patienten schwerwiegende Diagnose einer Schizophrenie festzulegen, haben wir in meiner Klinikzeit anfangs meist die (beschreibende) Diagnose einer "paranoid-halluzinatorischen Psychose" gestellt. Erst wenn weitere Erkrankungsschübe dazukamen und erkennen liessen, dass es sich eben nicht nur um eine einmalige Episode handelte, erfolgte die Diagnose einer Schizophrenie.
Der Einsatz von "Erwachsenen-Psychopharmaka" für Kinder und Jugendliche ist tatsächlich recht bedenklich. Gerade hier in den USA, wo leider vielerorts Medikamente wesentlich unkritischer verordnet und geschluckt werden, als in Deutschland, hat es viele Fälle von Depressionen und Selbstmorden bei Teenagern gegeben, die mit für den Einsatz bei Jugendlichen ungeprüften Psychopharmaka behandelt wurden.
Verhaltensauffällige Kinder- und Jugendliche sollten daher immer von erfahrenen Kinder- und Jugendlichenpsychiatern, -psychologen oder -psychotherapeuten untersucht und begutachtet werden. Eine medikamentöse Behandlung sollte dabei immer das Mittel der letzten Wahl sein, wenn psychotherapeutische und pädagogische Möglichkeiten nicht ausreichen.
Die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen ist anders als die von Erwachsenen. Je jünger ein Kind ist, desto mehr werden Spiel oder Gestalten als Therapiemittel eingesetzt, erst ältere Kinder drücken sich auch über die Sprache aus.
Kennst du die Bücher "Ahmet" oder "Betty" von Anneliese Ude-Pestel? Diese Beschreibungen von Kindertherapien haben mir sehr gut gefallen. Sehr empfehlenswert ist auch das Fachbuch "Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen" von Prof. Annemarie Dührssen.
Viel Erfolg bei deiner interessanten und wichtigen Ausbildung!
LG, Dr.Karin Anderson

 
 

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