Community

Foren-Suche

Login

Forum > Help-Forum

In diesem Forum kannst du nur lesen, nicht mehr neu posten. Hier geht es zum neuen Pointer-Forum, wo du dich über Fragen zu Uni und Studium, Job, Ausbildung und Freizeit austauschen kannst.

27.04.2009 21:53 Zitieren Zitieren

Ina85
Pointer-User

27.04.2009 21:53 Zitieren Zitieren

nochmal: "Klinikerfahrungen" und deren Auswirkungen

Zitat von =Dr. Karin Anderson:
Liebe Ina,
... Dass du keine Moeglichkeit hattest, an irgendwelchen psychotherapeutischen Angeboten teilzunehmen, ist wirklich sehr schade. Waren solche Angebote denn generell in dieser Klinik nicht vorhanden, oder hielt man dich fuer zu gefaehrdet oder nicht aufnahmefaehig genug, um daran teilzunehmen?
... Ob es eine Moeglichkeit gibt, sich nachtraeglich gegen eine Verwendung der Krankheitsdaten fuer Forschungs- bzw. Unterrichtszwecke zu wehren, weiss ich nicht. Sicher sollte eine solche Einwilligung nur auf ganz freiwilliger Basis erfolgen.
... Ich wuensche dir sehr, dass du diese negative Erfahrung hinter dir lassen kannst, es dir bald wieder besser geht und du dein Studium erfolgreich beenden kannst.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson




Guten Abend Fr. Dr. Anderson,

ja, die Klinik war sozusagen "ein Schuss nach hinten" - ich kann die ganzen Erfahrungen nicht vergessen und merke, wie sich bei mir alles immer mehr einengt, es immer mehr Gegenstände, Geräusche, Personen, Tätigkeiten usw. gibt, die mich an den Zwang und den Freiheitsentzug in der Klinik erinnern. Ich kann mittlerwiele kaum noch einen Schlüssel in die Hand nehmen, um damit meine Tür auf- oder zuzuschließen (geschweige denn ertrage ich das Geräusch, wenn es meine Mitbewohnerin oder Nachbarn auf dem Stock tun), dann kommen gleich wieder die Gefühle des Eingeschlossenseins, Nicht-raus-könnens und der ganzen Ohnmacht auf und mir kommen Tränen, die ich nciht zurückhalten kann. Auch die Kleidung, die ich ind er Klinik dabei hatte, kann ich seitdem nicht mehr anziehen, sie liegen ganz hinten im Schrank; auch baden geht nicht mehr, weil ich die Enge im Bad nicht aushalte, sobald ich einen Mann mit Glatze sehe, breche ich auch fast zusammen (und das meine ich sozusagen wörtlich, es ist dann wirklich, wie wenn meine Knie nachlassen und ich kaum noch stehen oder gehen kann - wenn ich zu Hause bin, kauere ich in solchen Situationen immer auf dem Boden, gehe auf die Knie und lege meinen Kopf auf den Boden und weine vor mich hin...) Vor ca. 1,5-2 Wochen war es eher eine nach außen gerichtete Aggression, ich habe besonders abends oft bis zu 3 Stunden im Bett "getobt", die Füße gegen die Wand gehauen, mich hin- und hergewälzt, stark geweint (aber weniger aus Traurigkeit, sondern eher Trotz, Hass und Wut), mich manchmal auch selbst geschlagen oder den Kopf gegen die Wand - bis ich dann irgendwann gottseidank vor Erschöpfung eingeschlafen bin... Im Moment ist es eher nach innen gerichtet und unauffälliger, leiser - ich kauere auf dem Boden und weine vor mich hin...

Vom Gericht bekam ich einen Bericht zugeschickt - in meiner Akte stand für jeden Tag von der Aufnahme bis zur Entlassung ausdrücklich vermerkt, dass ich NICHT suizidal sei - trotzdem haben sie mich nicht einmal in den Garten gelassen, weder alleine und auch nicht in Begleitung. Und nach 2 Wochen schrieb der Arzt ans Gericht, dass ich "fortbestehende Suizidpläne" hätte - dabei hatte ich die zu dem Zeitpunkt schon seit 16 Tagen nicht mehr, die Pläne waren schon 3 Tage vor der Aufnahme wieder weg, genauso Suizidgedanken... das macht mir so Angst, dass einfach ein Arzt irgendetwas behaupten kann, was völlig aus der Luft gegriffen ist - und das gericht dann aufgrund des Antrags von dem Arzt eine Unterbringung anordnet und mir nicht glaubt, dass ich keine Suizidgedanken mehr habe. Und warum sollte das nicht jederzeit wieder passieren, dass ein Arzt oder eine Klinik derart willkürlich handelt und ich nicht beweisen kann, dass sie einfach schlichtweg nicht die Wahrheit schreiben, sondern faktisch fast "erfundene" Tatsachen?

In dem Gutachten von dem externen Arzt (den hatte mir zum Glück die Richterin vorbeigeschickt als sie gemerkt hat, wie sehr ich unter dem Freiheitsentzug und Zwangsbehandlung leide und sich auch meine Aussagen völlig vom Arzt unterscheiden) stand auch, dass die Medikamente viel zu hoch dosiert waren (ich wiege zum einen eher wenig und ich habe auch schon früher auf ein Medikament mit ganz ähnlichem Wirkstoff genauso mit extremen Nebenwirkungen reagiert) und dass das Medikament, dass laut Klinik ein Schlafmittel sei, gar keines ist, sondern antipsychotisch wirkt (und ich war nicht psychotisch...) Dabei hatte ich ihnen das mit den Nebenwirkungen gesagt und dass auch schon andere Medikamente deswegen abgesetzt werden mussten, weil ich jeden morgen zusammengeklappt bin und mich übergeben musste - und ich hatte ihnen auch ein Schlafmittel genannt, das ich früher ohne nennenswerte Nebenwirkungen vertragen habe...
In dem Gutachten steht auch, dass die Behandlung zu eindeutigen Schäden geführt hat, eben durch die zu hoch dosierten Medikamente. (Eigentlich wollte die Richterin wissen, welche Schäden zu erwarten sind, wenn die Behandlung/Unterbringung unterbleibt - aber der Gutachter hat die Frage umgedreht und ihr stattdessen aufgezählt, welche Schäden erst durch die Behandlung auftraten - und dass er dafür ist, dass sie nicht länger gegen meinen Willen fortgesetzt wird. Weil ich sehr wohl einschätzen kann, was gut für mich ist, die Notwendigkeit erkenne, nicht suizidgefährdet sei usw. Kritisiert hat er auch, dass keine Psychotherapie stattfindet, obwohl ich ja mehrmals extra darum bat und dass ich auch nie länger mit einem Arzt reden konnte.

Nun ja, es wurden in der Klinik schon Therapien angeboten. Aber die meisten fanden in einem anderen Haus statt (das aber nur wenige Meter entfernt ist und durch den Garten mit hoher Mauer zu erreichen ist -selbst wenn man alleine rüberläuft, könnten sie mich durchs Fenster beobachten und sofort eingreifen, wenn ich "fliehen" sollte oder sonst irgendetwas tun sollte, was ich aber garantiert nicht gemacht hätte). Auf der Station gab es nur Ergotherapie, offiziell 4 mal ind erWoche je 45 Minuten. In der Realität waren es aber 2x ca. 20-max.30 min, alles andere fiel aus, fing zu spät an usw. Und eine Psychologin gab es auf der Station auch, aber wozu die da war ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, denn bis auf eine Person hatte niemand Gespräche bei ihr (und es baten noch andere darum). Ich verstehe nicht, warum ich zu gefährdet gewesen sein könnte, um an einer Therapie teilzunehmen, zumal ich es ja ausdrücklich wollte... Vom Rumsitzen alleine wird es ja nicht besser, da komme ich nicht auf die Auslöser für die Suizidgedanken und kann die Hintergründe nie verstehen und bearbeiten.

Mittlerweile habe ich mir auch eine andere Klinik in der Nähe angeschaut, auf anthroposophischer Grundlage. Sogar auf der geschlossenen Station bekommt jeder mindestens 2 Therapien pro Tag (wenn eine Person nicht alleine rauskann, wird sie eben vom Personal bis zur Therapie begleitet und wider abgeholt) und jeder darf in den Garten (entweder alleine oder mit Begleitung). Auch die Atmosphäre gefiel mir dort wesentlich besser... Auch der Ansatz, dass vor einer evtl. Zwangmaßnahme (Fixierung, Medikamente zur Sedierung) erst ein Spaziergang angeboten wird und ein Gespräch und erst wenn sich dadurch die Situation nicht entschärfen lässt Zwangmaßnahmen eingesetzt werden. Es gibt dort auch auf jeder Station ein extra Raum, in dem man einmal ein paar Stunden alleine sein kann, ohne ständig Kontakt zu anderen haben zu müssen. Den hätte ich mir so sehr gewünscht in den 4 Wochen...
Falls ich jemals wieder in eine Klinik müsste (was ich aber bestimmt nur im alleräußersten Notfall tun werde!), dann werde ich dorthin gehen und nicht wieder hier in der Stadt - da fahre ich lieber die 15 min mit dem Zug, ist ja nicht weit. Und ich glaube auch, dass ich es dort wesentlich besser ausgehalten hätte. Vorallem hätte ich dort auch wirklich Therapie machen können und wäre weitergekommen, also der Aufenthalt hätte mir voraussichtlich etwas gebracht...
Vielleicht gehe ich in den Semesterferien einmal hin für ein paar Wochen.

Meine Ärztin hat heute gemeint, dass es nicht sein kann, dass man nach einem Klinikaufenthalt erst eine Therapie braucht, um die Erfahrungen aus der Psychiatrie zu verarbeiten und wieder normal am Leben teilnehmen zu können (denn bei mir ist es wie gesagt ja momentan so, dass mich die Erinnerungen wesentlich mehr beeinträchtigen als die Symptome, die zur Einweisung geführt haben - damals ging es mir trotz allem noch besser als jetzt...). Mittlerweile spricht sie manchmal sogar schon von einer Traumatisierung. Da denke ich mir - na super, da löst eine angebliche "Behandlung" haufenweise neue Symptome aus, führt unter Umständen gar zu einer neuen "Störung" und verändert am eigentlichen Aufnahmegrund rein gar nichts...

Ina

 
 

Aktuell im Forum gelesen

Thema / Erstellt von

Letzter Beitrag

Antw.

Hits

penislänge
Unregistriert

06.06.2013 um 16:54
von 24680 Direkt zum letzten Beitrag springen

1

442

Gauck
Tonjo

19.03.2012 um 10:23
von Tonjo Direkt zum letzten Beitrag springen

0

849

freund
Biancha

14.09.2003 um 19:37
von Margret Direkt zum letzten Beitrag springen

3

970

Pille "Cileste"
Desiree17

24.04.2004 um 02:36
von Dr. Karin AndersonExpoerte Direkt zum letzten Beitrag springen

4

937

11.11.2006 um 13:29
von Unregistriert Direkt zum letzten Beitrag springen

1

1.027

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung