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11.05.2009 21:19 Zitieren Zitieren

Ina85
Pointer-User

11.05.2009 21:19 Zitieren Zitieren

nochmal Psychiatrie"erfahrungen"

Zitat von =Dr. Karin Anderson:

... Da auch der externe Gutachter sich nicht nur auf die Beantwortung der richterlichen Fragen beschraenkt, sondern sich betont zu den negativen Folgen dieser Art von Klinikbehandlung geaussert hat, muss er ebenfalls den Eindruck gehabt haben, dass diese Behandlung nicht sachgerecht war und dir moeglicherweise mehr geschadet als genuetzt hat.
...Hast du den Eindruck, dass diese starken seelischen und koerperlichen Reaktionen auf bestimmte Ausloeser und Erinnerungen allmaehlich etwas nachlassen?
...Du hast dir uebrigens mit Sicherheit ein Stueck dadurch geholfen, dass du dir ganz aktiv ein positives Gegenbild zu der Klinik, in der du warst, gesucht hast. Dadurch verfuegst du bei einer eventuellen zukuenftigen Krankenhausbehandlung ueber mehr Informationen und bessere Wahlmoeglichkeiten und hast dadurch mehr Kontrolle.
...Ich habe leider selbst die Erfahrung machen muessen, dass Klinikaerzte nicht ernstnehmen, was Patienten oder Angehoerige ueber fruehere Medikamentenunvertraeglichkeiten erzaehlen.




Liebe Fr. Dr. Anderson,
herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Nein, leider lassen die "neuen Symptome" noch immer nicht nach, werden nicht schwächer. Sie verändern sich jedoch immer wieder. Im Moment habe ich gar keinen "Halt" mehr, kann kaum aufrecht sitzen oder gehen - ich muss mich immer irgendwo hinsitzen und auch den Kopf/Oberkörper am besten auf den Tisch legen, alles andere halte ich nur kurz aus und es bedeutet unglaublich viel Anstrengung. Am liebsten liege ich im Moment auf dem harten Boden, da habe ich wenigstens einen Wiederstand und spüre mich, ansonsten "löst sich alles auf", es gibt keine Struktur mehr bei meinem Körper, kein Gefühl, keinen Halt. Auch in den Vorlesungen kann ich mich kaum zwingen einigermaßen zivilisiert zu sitzen (da kann ich mich ja schlecht auf den Boden legen...) und dann auch noch gleichzeitig mitzuschreiben und aufzupassen. Und da ich vor Angst meist erst spät einschlafe (ebenfalls auf den Boden) und auch früh aufwache, bin ich dementsprechend müde und unkonzentriert. Ich habe Angst, dass in der Nacht jemand kommt um mich "zu holen" (obwohl ich weis, dass dies zu 99% nicht geschehen wird) und wieder gegen meinen Willen in einer Klinik festhält, mich einsperrt und zu so vielem zwingt. Oder ich habe Angst, dass ich nachts wieder von der Klinik träume, was schon mehrmals vorkam, immer ein ähnlicher Traum: es kommen 2 Männer ins Zimmer und möchten, dass ich eine Tablette nehem. Da ich mich weigere, zwingen sie mich körperlich dazu, halten mich fest, legen mich aufs Bett. Ich schreie, versuche um mich zu schlagen und mich zu wehren, aber sie sind stärker und flößen mir schlussendlich gegen meinen Willen das Medikament ein. Oder ein anderer Traum bezieht sich eher auf die Nebenwirkungen, ich liege im Bett und kann kaum schlucken und auch nicht reden, ich habe Angst zu ersticken. Nach beiden Träumen wache ich oft verschwitzt und durcheinander, voller Angst auf.
Ich habe den Medikamenten nicht nur nicht zugestimmt, ich habe sie beim Aufnahmegespräch sogar komplett abgelehnt, in jeglicher Form und bat stattdessen um eine intensive psychotherapeutische/psychologische Begleitung (weil ich 1,5 Jahre die Erfahrung gemacht habe, dass vorallem Neuroleptika die Wahrnehmung massiv verändern und ich mich dadurch anders verhalte, mich kaum widererkenne. Und dass bisher kein Medikament einen positiven Einfluss auf Suizidgedanken hatte, im Gegenteil)

Oder bei einer Vorlesung überzog der Dozent nur 3-4 Minuten - das machte mich derart aggressiv und angespannt, sofort waren wieder die Gefühle des Eingesperrtseins und der totalen Fremdbestimmung da, am liebsten hätte ich geschrien und um mich geschlagen... Irgendwann kam auch der Satz "Menschen mit einer psychischen Erkankung sind die einzigste Gruppe, bei denen völlig legal Freiheitsentzug durchgeführt werden darf, ohne dass sie jemals eine Straftat begangen haben." Da konnte ich dann nicht mehr und fing an zu weinen und musste mal wieder aus der Vorlesung raus.
Aber es hilft mir, wenn ich mit meiner Therapeutin darüber reden kann.

Es macht mich auch so wütend, dass ich kein einiziges mal vernünftig über eine Untersuchung (laut Gerichtsbeschluss hätte ich sie "krankheitsbedingt" abgelehnt - dabei lag es schlicht und einfach daran, dass ich keine Infos hatte, wie die Untersuchung ablaufen soll, warum sie notwendig sein sollte usw. und auch weil viele Untersuchungen ambulant schon gemacht wurden und ich mir die Belastung von unnötigen Doppeluntersuchungen ersparen wollte), über Medikamente oder gar meine angeblichen Diagnosen aufgeklärt bin. Bei den Medikamenten wurde mir einfach gar nichts gesagt, nicht einmal, dass sie überhaupt angeordnet wurden (das erfuhr ich durch "Zufall" vom Pflehgepersonal, weil ich zur Einnahme nicht kam - ja, wenn ich nicht weis, dass ich Medikamente nehmen soll, kann ich auch nicht kommen um sie zu holen...)! Geschweige denn wusste ich die Dosierung, zu welcher ruppe das Medikament gehört, welche Nebenwirkungen auftreten können usw. Als ich einmal den Arzt nach einer begründung für das Medikament fragte, zählte er mir lauter Symptome auf, die ich nicht einmal ansatzweise hatte - diejenigen die ich hatte, waren jedoch nicht dabei...
Auch die Diagnose wurde mir nie richtig erklärt. Ich hatte dieselbe Diagnose (schwere Depression) schon einmal vor 2 Jahren, aber das was vor wenigen Wochen los war, hatte rein gar nichts damit zu tun und es waren auch nur ca. 3 Tage. Es waren diesmal komplett andere Symptome und es gab nicht ein einziges, das gleich oder zumindest ähnlich war. Die Begründung, nachdem ich mehrmals nachgefragt hatte, war dann für Depression "das hört sich besser an" und "wir behandeln Sie ja auch mit einem Antidepressivum" Die Begründung bei Asperger war "das ist halt so und das ist auch nicht schlimm", für das MRT "da gibt es schönere Bilder"...

Ist es eigentlich "normal", dass im Bericht anschließend zwar die Medikamente genannt werden, die reihenweise ausprobeirt wurden, aber nicht die jeweilige Dosierung und auch nicht mit einem Satz auf die Verträglichkeit bzw. Nebenwirkungen eingegangen wird? Ich fände es durchaus wichtig, dass nachbehandelnde Ärzte wissen, dass ich ein Medikament nicht aus "Lust und Laune" "verweigert" (das scheint mir das Lieblingswort der Ärzte zu sein...) habe, sondern weil ich die Nebenwirkungen nicht ausgehalten habe, zusammengebrochen bin, das Gefühl hatte zu ersticken usw. Vielleicht haben sie sich aber auch nicht getraut, die Dosierung reinzuschreiben, weil sie nach Aussagen mehrer Ärzte unabhängig voneinander viel zu hoch war. (Ich bekam 300 mg statt der in der Literatur empfohlenen 50-100 mg als Einstiegsdosis - und das, obwohl ich ziemlich wenig wiege und auch schon früher auf andere Medikamente mit heftigen Nebenwirkungen reagiert habe...) Auch bei einem anderen Neuroleptikum war als Bedarf 100 mg angegeben und falls es nicht ausreicht nochmal 50 mg - von demselben Medikament schlafe ich schon von 15 mg (!!) innerhalb von 1 Stunde ein bzw. kann die Augen kaum noch offen halten. Und von 30 mg habe ich einmal 22 Stunden am Stück geschlafen. Ich frage mich, was gewesen wäre, wenn ich gesagt hätte, dass ich furchtbar unruhig und angespannt bin (und das war ich eigentlich ständig, weil ich nie rausdurfte und mich nicht bewegen konnte) und die 100 mg genommen hätte - das wäre wohl einer Narkose gleichgekommen und ich hätte 3 Tage geschlafen und wäre nicht aufzuwecken gewesen...

Vor kurzem bekam ich einige Auszüge aus meiner Krankenakte (nachdem ich sie mehrfach schriftlich angefordert hatte). Daraus konnte ich entnehmen, dass ich laut Arzt eine Rückmeldung über den Erfolg und die Qualität der Behandlung und meiner Zufriedenheit mit der Klinik sowie eine Einschätzung der Symptome verweigert hätte (letzteres musste ich zu Beginn schon ausfüllen und es sollte verglichen werden, was sich wie verändert hat durch die Behandlung). Leider bekam ich den Fragebogen jedoch nie zu Gesicht und ich wurde auch nicht gefragt, ob ich ihn ausfüllen möchte (das hätte ich liebend gern und ausnahmsweise sogar freiwillig getan!)- stattdessen wurde er mit dem Vermerk "verweigert" in der Akte abgeheftet... Tja, das ist natürlich auch eine Möglichkeit, um die Rückmeldungen zu verfälschen, indem man einfasch nur die Patienten den Bogen ausfüllen lässt von denen man weis, dass sie die Behandlung gut fanden. Und schlussendlich kann dann die Klinik in den Qualitätsbericht reinschreiben, dass 99% mit der Behandlung zufrieden waren.
Ich habe mit dem Archiv Kontakt aufgenommen, stellte die falsche Anmerkung richtig und bat um nachträgliche Zusendung des Bogens.
In der Akte gab es auch für jede Woche ein Blatt mit "Behandlungszielen" für die jeweilige Woche - bei mir war in den gesamten 4 Wochen kein einziger Eintrag... Ich frage mich, ob die Behandlung denn tatsächlich so völlig ohne Plan verlief oder warum da nicht ein einziges mal etwas vermerkt war – komisch...

Auf jeden Fall ist es so, dass ich durch die ganzen neuen "Symptome" und die Erinnerungen an die Klinik kaum normal den Alltag und das Studium bewältigen kann. Und dass ich mittlerweile sogar selbst manchmal denke, dass eine erneute stationäre Therapie (natürlich nicht in der Klinik, sondern in einer anderen, die ich mir ja mittlerweile angeschaut habe) hilfreich sein könnte bzw. vielleicht sogar die beste Möglichkeit ist, um wieder "normal" am Leben teilnehmen zu können. Und wenn die Symptome nicht so heftig wären, müsste ich über die Tatsache ja sogar fast noch lachen: Da erzeugt eine sogenannte "Behandlung" in einer Klinik haufenweise neue Symptome, die sogar eine neue Diagnose rechtfertigen - und eine neue Therapie notwendig machen. Na, wenn das mal nicht eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist! :-(
Nächste Woche habe ich ein Vorgespräch in der anthroposophischen Klinik, entweder für den Sommer oder schneller, je nach dem.
Ina

17.05.2009 22:59 Zitieren Zitieren

Ina85
Pointer-User

17.05.2009 22:59 Zitieren Zitieren

so, ich habe mich für die klinik entschieden: sobald ich einen platz habe (da es nicht extrem akut ist, wohl in 1-2 wochen), werde ich dorthin gehen - stationär, auch wenn es paradox ist. die ärzte nennen es "trauma auflösen" ich sage dazu "versuchen, mit dem ganzen mist fertig zu werden und wieder ein normales leben führen zu können, weiter studieren zu können".
so wie es in den letzten wochen war, kann es nicht weitergehen.
vielelicht werde ich danach auch den therapieplatz wechseln, denn obwohl ich sie wirklich sehr mag und auch immer eine gute beziehung zu ihr hatte, ist das vertrauen zu meiner therapeutin durch den ganzen mist doch schon arg in mitleidenschaft gezogen worden (immerhin hat sie ja alles in die wege geleitet mit der ersten psychiatrie - und danach wollte sie zunächst nicht mit mir über die "behandlung" dort reden, erst nach ein paar wochen, als ich schon richtig tief drin war in den ganzen symptomen, aber alles sagen konnte ich ihr trotzdem nicht aus angst...) aber vielleicht ist danach ein neuanfang ganz sinnvoll.
Grüße
Ina

21.05.2009 23:31 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

21.05.2009 23:31 Zitieren Zitieren

wo ist denn jetzt der erste beitrag von mir hin? war er nicht beim letzten mal vor ein paar tagen noch da? oder doch nicht? komme mit der neuen gestaltung des forums noch nicht so ganz zurecht, wieder etwas neues, an das ich mich gewöhnen muss, wieder eine veränderung...
LG Ina

31.05.2009 22:31 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

31.05.2009 22:31 Zitieren Zitieren

hier nochmal mein ursprünglicher Beitrag, der ja irgendwie verschwunden ist...:


Zitat von =Dr. Karin Anderson:

... Da auch der externe Gutachter sich nicht nur auf die Beantwortung der richterlichen Fragen beschraenkt, sondern sich betont zu den negativen Folgen dieser Art von Klinikbehandlung geaussert hat, muss er ebenfalls den Eindruck gehabt haben, dass diese Behandlung nicht sachgerecht war und dir moeglicherweise mehr geschadet als genuetzt hat.
...Hast du den Eindruck, dass diese starken seelischen und koerperlichen Reaktionen auf bestimmte Ausloeser und Erinnerungen allmaehlich etwas nachlassen oder sind sie in ihrer Heftigkeit ganz unveraendert?
...Du hast dir uebrigens mit Sicherheit ein Stueck dadurch geholfen, dass du dir ganz aktiv ein positives Gegenbild zu der Klinik, in der du warst, gesucht hast. Dadurch verfuegst du bei einer eventuellen zukuenftigen Krankenhausbehandlung ueber mehr Informationen und bessere Wahlmoeglichkeiten und hast dadurch mehr Kontrolle.
...Ich habe leider selbst die Erfahrung machen muessen, dass Klinikaerzte (selbst bei Kollegen) nicht ernstnehmen (oder nicht zuhoeren), was Patienten oder Angehoerige ueber fruehere Medikamentenunvertraeglichkeiten erzaehlen.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson




Liebe Fr. Dr. Anderson,
herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Nein, leider lassen die "neuen Symptome" noch immer nicht nach, werden nicht schwächer. Sie verändern sich jedoch immer wieder. Im Moment habe ich gar keinen "Halt" mehr, kann kaum aufrecht sitzen oder gehen - ich muss mich immer irgendwo hinsitzen und auch den Kopf/Oberkörper am besten auf den Tisch legen, alles andere halte ich nur kurz aus und es bedeutet unglaublich viel Anstrengung. Am liebsten liege ich im Moment auf dem harten Boden, da habe ich wenigstens einen Wiederstand und spüre mich, ansonsten "löst sich alles auf", es gibt keine Struktur mehr bei meinem Körper, kein Gefühl, keinen Halt. Auch in den Vorlesungen kann ich mich kaum zwingen einigermaßen zivilisiert zu sitzen (da kann ich mich ja schlecht auf den Boden legen...) und dann auch noch gleichzeitig mitzuschreiben und aufzupassen. Und da ich vor Angst meist erst spät einschlafe (ebenfalls auf den Boden) und auch früh aufwache, bin ich dementsprechend müde und unkonzentriert. Ich habe Angst, dass in der Nacht jemand kommt um mich "zu holen" (obwohl ich weis, dass dies zu 99% nicht geschehen wird) und wieder gegen meinen Willen in einer Klinik festhält, mich einsperrt und zu so vielem zwingt. Oder ich habe Angst, dass ich nachts wieder von der Klinik träume, was schon mehrmals vorkam, immer ein ähnlicher Traum: es kommen 2 Männer ins Zimmer und möchten, dass ich eine Tablette nehem. Da ich mich weigere, zwingen sie mich körperlich dazu, halten mich fest, legen mich aufs Bett. Ich schreie, versuche um mich zu schlagen und mich zu wehren, aber sie sind stärker und flößen mir schlussendlich gegen meinen Willen das Medikament ein. Oder ein anderer Traum bezieht sich eher auf die Nebenwirkungen, ich liege im Bett und kann kaum schlucken und auch nicht reden, ich habe Angst zu ersticken. Nach beiden Träumen wache ich oft verschwitzt und durcheinander, voller Angst auf.
Ich habe den Medikamenten nicht nur nicht zugestimmt, ich habe sie beim Aufnahmegespräch sogar komplett abgelehnt, in jeglicher Form und bat stattdessen um eine intensive psychotherapeutische/psychologische Begleitung (weil ich 1,5 Jahre die Erfahrung gemacht habe, dass vorallem Neuroleptika die Wahrnehmung massiv verändern und ich mich dadurch anders verhalte, mich kaum widererkenne. Und dass bisher kein Medikament einen positiven Einfluss auf Suizidgedanken hatte, im Gegenteil)

Oder bei einer Vorlesung überzog der Dozent nur 3-4 Minuten - das machte mich derart aggressiv und angespannt, sofort waren wieder die Gefühle des Eingesperrtseins und der totalen Fremdbestimmung da, am liebsten hätte ich geschrien und um mich geschlagen... Irgendwann kam auch der Satz "Menschen mit einer psychischen Erkankung sind die einzigste Gruppe, bei denen völlig legal Freiheitsentzug durchgeführt werden darf, ohne dass sie jemals eine Straftat begangen haben." Da konnte ich dann nicht mehr und fing an zu weinen und musste mal wieder aus der Vorlesung raus...

Es macht mich auch so wütend, dass ich kein einiziges mal vernünftig über eine Untersuchung (laut Gerichtsbeschluss hätte ich sie "krankheitsbedingt" abgelehnt - dabei lag es schlicht und einfach daran, dass ich keine Infos hatte, wie die Untersuchung ablaufen soll, warum sie notwendig sein sollte usw. und auch weil viele Untersuchungen ambulant schon gemacht wurden und ich mir die Belastung von unnötigen Doppeluntersuchungen ersparen wollte), über Medikamente oder gar meine angeblichen Diagnosen aufgeklärt bin. Bei den Medikamenten wurde mir einfach gar nichts gesagt, nicht einmal, dass sie überhaupt angeordnet wurden (das erfuhr ich durch "Zufall" vom Pflehgepersonal, weil ich zur Einnahme nicht kam - ja, wenn ich nicht weis, dass ich Medikamente nehmen soll, kann ich auch nicht kommen um sie zu holen...)! Geschweige denn wusste ich die Dosierung, zu welcher ruppe das Medikament gehört, welche Nebenwirkungen auftreten können usw. Als ich einmal den Arzt nach einer begründung für das Medikament fragte, zählte er mir lauter Symptome auf, die ich nicht einmal ansatzweise hatte - diejenigen die ich hatte, waren jedoch nicht dabei...
Auch die Diagnose wurde mir nie richtig erklärt. Ich hatte dieselbe Diagnose (schwere Depression) schon einmal vor 2 Jahren, aber das was vor wenigen Wochen los war, hatte rein gar nichts damit zu tun und es waren auch nur ca. 3 Tage. Es waren diesmal komplett andere Symptome und es gab nicht ein einziges, das gleich oder zumindest ähnlich war. Die Begründung, nachdem ich mehrmals nachgefragt hatte, war dann für Depression "das hört sich besser an" und "wir behandeln Sie ja auch mit einem Antidepressivum" Die Begründung bei Asperger war "das ist halt so und das ist auch nicht schlimm", für das MRT "da gibt es schönere Bilder"...

Ist es eigentlich "normal", dass im Bericht anschließend zwar die Medikamente genannt werden, die reihenweise ausprobeirt wurden, aber nicht die jeweilige Dosierung und auch nicht mit einem Satz auf die Verträglichkeit bzw. Nebenwirkungen eingegangen wird? Ich fände es durchaus wichtig, dass nachbehandelnde Ärzte wissen, dass ich ein Medikament nicht aus "Lust und Laune" "verweigert" (das scheint mir das Lieblingswort der Ärzte zu sein...) habe, sondern weil ich die Nebenwirkungen nicht ausgehalten habe, zusammengebrochen bin, das Gefühl hatte zu ersticken usw. Vielleicht haben sie sich aber auch nicht getraut, die Dosierung reinzuschreiben, weil sie nach Aussagen mehrer Ärzte unabhängig voneinander viel zu hoch war. (Ich bekam 300 mg statt der in der Literatur empfohlenen 50-100 mg als Einstiegsdosis - und das, obwohl ich ziemlich wenig wiege und auch schon früher auf andere Medikamente mit heftigen Nebenwirkungen reagiert habe...) Auch bei einem anderen Neuroleptikum war als Bedarf 100 mg angegeben und falls es nicht ausreicht nochmal 50 mg - von demselben Medikament schlafe ich schon von 15 mg (!!) innerhalb von 1 Stunde ein bzw. kann die Augen kaum noch offen halten. Und von 30 mg habe ich einmal 22 Stunden am Stück geschlafen. Ich frage mich, was gewesen wäre, wenn ich gesagt hätte, dass ich furchtbar unruhig und angespannt bin (und das war ich eigentlich ständig, weil ich nie rausdurfte und mich nicht bewegen konnte) und die 100 mg genommen hätte - das wäre wohl einer Narkose gleichgekommen und ich hätte 3 Tage geschlafen und wäre nicht aufzuwecken gewesen...

Vor kurzem bekam ich einige Auszüge aus meiner Krankenakte (nachdem ich sie mehrfach schriftlich angefordert hatte). Daraus konnte ich entnehmen, dass ich laut Arzt eine Rückmeldung über den Erfolg und die Qualität der Behandlung und meiner Zufriedenheit mit der Klinik sowie eine Einschätzung der Symptome verweigert hätte (letzteres musste ich zu Beginn schon ausfüllen und es sollte verglichen werden, was sich wie verändert hat durch die Behandlung). Leider bekam ich den Fragebogen jedoch nie zu Gesicht und ich wurde auch nicht gefragt, ob ich ihn ausfüllen möchte (das hätte ich liebend gern und ausnahmsweise sogar freiwillig getan!)- stattdessen wurde er mit dem Vermerk "verweigert" in der Akte abgeheftet... Tja, das ist natürlich auch eine Möglichkeit, um die Rückmeldungen zu verfälschen, indem man einfasch nur die Patienten den Bogen ausfüllen lässt von denen man weis, dass sie die Behandlung gut fanden. Und schlussendlich kann dann die Klinik in den Qualitätsbericht reinschreiben, dass 99% mit der Behandlung zufrieden waren.
Ich habe mit dem Archiv Kontakt aufgenommen, stellte die falsche Anmerkung richtig und bat um nachträgliche Zusendung des Bogens.
In der Akte gab es auch für jede Woche ein Blatt mit "Behandlungszielen" für die jeweilige Woche - bei mir war in den gesamten 4 Wochen kein einziger Eintrag... Ich frage mich, ob die Behandlung denn tatsächlich so völlig ohne Plan verlief oder warum da nicht ein einziges mal etwas vermerkt war – komisch...

Auf jeden Fall ist es so, dass ich durch die ganzen neuen "Symptome" und die Erinnerungen an die Klinik kaum normal den Alltag und das Studium bewältigen kann. Und dass ich mittlerweile sogar selbst manchmal denke, dass eine erneute stationäre Therapie (natürlich nicht in der KLinik, sondern in einer anderen, die ich mir ja mittlerweile angeschaut habe) hilfreich sein könnte bzw. vielleicht sogar die beste Möglichkeit ist, um wieder "normal" am Leben teilnehmen zu können. Und wenn die Symptome nicht so heftig wären, müsste ich über die Tatsache ja sogar fast noch lachen: Da erzeugt eine sogenannte "Behandlung" in einer Klinik haufenweise neue Symptome, die sogar eine neue Diagnose rechtfertigen - und eine neue Therapie notwendig machen. Na, wenn das mal nicht eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist! :-)
Nächste Woche habe ich ein Vorgespräch in der anthroposophischen Klinik, entweder für den Sommer oder für sofort, jenachdem...

Ina

 
 

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