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22.12.2008 14:56 Zitieren Zitieren

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22.12.2008 14:56 Zitieren Zitieren

berufsunfähig wegen psychischer erkrankung? unterstützung beim studium

Hallo Fr. Dr. Anderson,
ich (23 jahre) studiere im 1. Semester Heilpädagogik, davor habe ich eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin gemacht. Gegen Ende der Ausbildung wurde ich jedoch krank (zunächst Diagnose einer schweren Depression, im Laufe der Zeit kamen dissoziative Symptome/ Depersonalisierung hinzu, etwa ein Jahr nach der ersten Diagnose eine schizoaffektive Störung, jetzt bin ich bei Verdacht auf Psychose) Wirklich symptomfrei war ich in den letzten 1,5 Jahren nie so wirklich, aber ich konnte mit Therapie und Medikamenten einigermaßen gut leben, auch wenn es wesentlich mehr Tiefen als Höhen gab. In dieser Zeit habe ich meine Fachhochschulreife nachgeholt mit einem super Zeugnis und mich für das Studium entschlossen.
Nun kam aber vor einigen Wochen eine Ärztin auf die "Idee", dass ich von meinen Eltern Anspruch auf Unterhalt hätte für die Zweitausbildung (also mein jetztiges Studium, für das ich komplett selbst aufkommen muss), da ich in meinem ersten Beruf als Heilerziehungspflegerin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten könne... Das hat sie auch in einem Bericht an den Hausarzt so reingeschrieben, dass "Berufsunfähigkeit" vorliegt, und er sprach mich neulich darauf an.
Ich meine, wie kann sie so etwas überhaupt festmachen? Zumal sie mich zu den Zeitpunkt erst zum zweiten mal gesehen hatte und wir jeweils etwa 50-60 min gesprochen haben? (Und ich habe beschlossen, dass es kein drittes mal geben wird) Ich vermute mal, dass es da durchaus Kriterien gibt, nach denen man eine Berufsunfähigkeit beurteilt und wann eben keine vorliegt, oder?
Mir geht es jetzt weniger um die eventuellen rechtlichen Ansprüche (es wäre meiner Meinung nach eh völlig paradox, wenn ein Richter Eltern zum Unterhalt für ein Heilpädagogik-Studium verpflichten würden, wenn der Beruf der Heilerziehungspflegerin nicht mehr ausgeübt werden kann - schließlich ist da kein wesentlicher Unterschied bei der Zielgruppe, ähnliche Tätigkeiten usw.), sondern darum, wie ich mit der Zuschreibung "berufsunfähig" umgehen soll. Gibt es da irgendwelche weiteren Beratungsangebote? Ich habe da nämlich so meine Zweifel – die Ärztin wird zwar sicherlich gute Gründe dafür gehabt haben, das zu sagen und zu schreiben, bei mir ist aber trotzdem ein großes ABER.
Ok, es stimmt schon, dass ich in den letzten 1,5-2 Jahren mehrmals für jeweils 5-8 Wochen krankgeschrieben war. Aber danach war ich wieder arbeiten bzw. in der Schule/Studium, wenn auch nicht so ganz einsatzfähig. Ich meine trotzdem, dass da ein Unterschied sein muss zwischen einer Krankschreibung/Arbeitsunfähigkeit und dann gelich von Berufsunfähigkeit zu sprechen...

Dann noch etwas:
In Bezug auf das jetzige Studium, ich merke, dass ich Unterstützung bräuchte, dass ich es von der Belastbarkeit her kaum schaffe - an wen kann ich mich da wenden? Das Bachelor-Programm ist ja recht straff durchorganisiert und man kann kaum wählen, welche Module man wann macht.
Dann auch im Hinblick auf das Praxissemester: Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich nach einer Stelle mit 75% suche und mit geregelten Arbeitszeiten (sprich keinesfalls Schichtdienst), auch meine Therapeutin sieht eine 100% Stelle äußerst kritisch. Rein offiziell gibt es auch eine Bestimmung, die eine Reduzierung der Arbeitszeit um bis zu sogar 50% erlaubt, wenn man dann das Praktikum entsprechend länger macht. Aber selbst wenn ich gleich nach den Sommerferien anfange und bis zum Freitag vor Beginn des Sommersemesters arbeiten würde, ist das Praxisamt nicht einverstanden ("gleiche Bedingungen für alle"blinzeln, ich habe ihnen das schon vorgerechnet und eine Ablehnung bekommen. Ich habe ja auch nicht vor, absichtlich weniger Stunden zu leisten wie alle anderen. Aber da praktisch nur (Sonder-)Schulen in betracht kommen als mögliche Praxisstellen und die eben zwischendurch viele Ferienzeiten haben, fehlen mir ein paar Tage, selbst wenn ich früher anfange und später aufhöre als die anderen mit 100%. Die Antwort vom Praxisamt war dann demzufolge, ich solle entweder eine 100% Stelle machen oder ansonsten können sie es nicht anerkennen (sprich ich könnte nicht weiterstudieren). Gibt es da nicht noch Möglichkeiten, "Hintertüren", wie ich sie trotzdem noch überzeugen könnte, dass eben 100% definitiv nicht machbar sind. (In den letzten Ferienjobs habe ich eine volle Stelle jeweils immer genau 2 bis maximal 3 tage durchgehalten - also von den geforderten 100 Tagen weit entfernt...)

Ich habe meine Therapeutin zwar schon gefragt, aber sie konnte mir leider auch keine näheren Infos geben, wo und welche Unterstützung es gibt in solchen Fällen.

So, das waren jetzt im Grunde genommen 2 (bzw. sogar eher 3) Themenbereiche - Berufunfähigkeit, Unterstützung beim Studium und Praxissemester - aber vielleicht finde ich hierdurch Tipps, an wen ich mich wenden könnte und wie ich das Studium trotz der Bedingungen weitermachen kann und irgendwann einmal in dem Beruf arbeiten werde hoffentlich (wenn man die Stellenanzeigen durchliest, sind eh viele Stellen nur 50-75% ausgeschrieben)

Danke!
Steffi

29.12.2008 21:49 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

29.12.2008 21:49 Zitieren Zitieren

Gestern habe ich mit meiner damaligen Mentorin von meiner ersten Ausbildung telefoniert (wir haben immer noch regelmäßig Kontakt und ich vertraue ihr sehr - sie ist eine der wenigen Personen,d ie damals relativ schnell gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt und hat mich sehr gut unterstützt). Auf jeden Fall hat sie mir geraten, mich mit dem Beauftragten der FH für Studenten mit einer Behinderung/chronischen Erkrankung zusammenzusetzen und nach Lösungen zu suchen, wie evtl. trotzdem das Studium bzw. den Umfang der Lehrveranstaltungen/Leistungsnachweise pro Semester reduzierne kann und dafür dann 1-2 Semester länger studiere.
Sie weis, dass mir das Studium und die Arbeit mit Kindern mit einer Behinderung sehr am Herzen liegt - aber sie hat auch rausgehört, dass es mir zu viel ist, dass es die Grenze der Belastbarkeit im Prinzip zu oft überschreitet. Und genauso ist es auch.
Aber ich habe trotzdem großen Bammel davor, zu den Professor zu gehen. Auf der einen Seite benötige ich Unterstützung und möchte mir diese auch suchen, aber ich habe eben auch Angst vor der Stigmatisierung, die damit verbunden ist, wenn es "öffentlich" wird, warum und wieso ich das nicht alles so schaffe wie die anderen auch.
Dumme Situation...
Steffi

08.01.2009 20:10 Zitieren Zitieren

Unregistriert
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08.01.2009 20:10 Zitieren Zitieren

Hallo Steffi,
da meine Antwort von gestern wohl im Datendschungel verschwunden ist, hier nochmal einen Linktipp.

http://www.uni-hamburg.de/Behinderung/mb-nt-pk.htm

Es geht darin um den Nachteilsausgleich für Studenten mit psychischer Erkrankung. Ich konnte allerdings leider nicht rauslesen, inwiefern das bundesweit gilt oder nur in Hamburg.
Liebe Grüße
Rebekka

20.01.2009 22:02 Zitieren Zitieren

Unregistriert
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20.01.2009 22:02 Zitieren Zitieren

Zitat von =Unregistriert]Hallo Steffi,
da meine Antwort von gestern wohl im Datendschungel verschwunden ist, hier nochmal einen Linktipp.

[url]http://www.uni-hamburg.de/Behinderung/mb-nt-pk.htm[/url
:


Es geht darin um den Nachteilsausgleich für Studenten mit psychischer Erkrankung. Ich konnte allerdings leider nicht rauslesen, inwiefern das bundesweit gilt oder nur in Hamburg.
Liebe Grüße
Rebekka




@ Rebekka: danke für den Link, habe ich mir durchgelesen, werde mich mal erkundigen, inwieweit das auch hier bei mir an der FH gilt.
Im Moment bin ich krank geschrieben, ob ich die Klausuren in 2 Wochen mitschreiben kann, ist noch unsicher... MIST
Steffi

29.01.2009 20:11 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

29.01.2009 20:11 Zitieren Zitieren

@ Steffi:
geht es dir wieder besser oder biust du noch krank?
mein kumpel musste auch sein studium abbrechen, weil er es nicht geschafft hat.
aber vielelicht kann ja auch die ärztin was zu dem thema sagen? gibt es da irklich keine möglichkeiten?
thomas

30.01.2009 20:00 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

30.01.2009 20:00 Zitieren Zitieren

@ Thomas: nein, ich bin noch immer krank geschrieben. Zeit, um intensiver in der Therapie weiterzukommen. Es kommt gerade wieder so vieles hoch, mit dem ich kaum fertig werde emotional. Möchte aber nicht darüber schreiben.



Meine Ärztin ist gerade strikt gegen eine 100% Stelle beim Praxissemester. Ich habe eine Zusage für 75% in einer Sonderschule, aber der Antrag wurde vom Praxisamt abgelehnt, obwohl ich wirklich vom Ende der Sommerferien bis zum Freitag vor Vorlesungsbeginn im nächsten Semester Praktikum machen möchte, also jeden Tag ausnützen werde um auf die Stunden zu kommen. Ich habe jetzt Wiederspruch eingelegt, zusammen mit einer Begründung/Stellungsnahme von der Ärztin. Gab wohl keine andere Möglichkeit, als das jetzt doch alles "öffentlich" zu machen, das es da eben gewisse Einschränkungen gibt.

Mittlerweile ist eine Dozentin von mir über die Situation informiert und versucht mich zu unterstützen. Das kam ganz unverhofft: Als sie gemerkt hatte, dass ich schon seit 3 Wochen oder so nicht mehr in der Vorlesung war und dann von einer Kommilitonin gehört hatte, dass es mir im Moment gesundheitlich nicht gerade blendend geht, hat sie mir eine liebe Mail geschrieben. Offenbar ist ihr schon vorher aufgefallen, dass "etwas nicht so ganz ist wie es sein sollte". Sie bezog sich dabei auch auf meine Hausarbeit in Klinischer Psychologie, auf die Art und Weise, wie ich an das Thema herangegangen bin. Auf jeden Fall hatte ich mittlerweile ein persönliches Gespräch mit ihr, über die Anforderungen im Studium und auch über das Praxissemester. Sie wird sich auch nochmal aus ihrer Position heraus erkundigen, ob und welche Unterstützungsmöglichkeiten es konkret gibt.

Aber ansonsten - wenn es keine individuellen regelungen geben kann, sehe ich mich im Moment dazu gezwungen, das Studium leider abzubrechen... Und das nicht, weil ich auf der Leistungsebene es nicht schaffe. Nein, es geht mir ja um die Quantität der geforderten Leistungsnachweise, dass ich das von der Belastbarkeit her nicht schaffe, nicht um die Qualität sozusagen.
Aber das wäre wirklich extrem schade, wenn ich abbrechen müsste, denn es macht mir sehr viel Spaß und die Leistungen bis jetzt waren auch gut. Ich habe eigentlich schon das gefühl, dass ich dort richtig bin und dass das "mein" Beruf ist.
Falls ich aufhören müsste, wäre dann ja auch die Frage, was ich stattdessen mache: als Heilerziehungspflegerin kann ich nicht mehr arbeiten wegen dem Schichtdienst usw.

Ach, keine Ahnung... Ist gerade alles so komplex und verwirrend.
Aber offenbar hat hier leider auch niemand so wirklich Erfahrungen mit solchen Situationen, was ich echt schade finde...

Grüße
Steffi

09.02.2009 19:05 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

09.02.2009 19:05 Zitieren Zitieren

Ab nächster Woche habe ich einen Platz in einer psychotherapeutischen Rehaklinik und ich werde die nächsten Wochen dort sein. Vorallem im Hinblick auf das Studium und die Frage, ob ich es weitermachen kann oder abbrechen muss (was ich nicht möchte, weil es mir einfach super wichtig ist und viel Spaß macht).
Ich denke, dass ich mich danach hier nicht mehr melden werde, scheint ja eh niemand Erfahrungen in dem Gebiet zu haben. Schade...
Steffi

10.02.2009 02:21 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

10.02.2009 02:21 Zitieren Zitieren

Liebe Steffi,
Befriedigende Antworten auf deine Fragen, wie du sie dir wuenschst, kann ich dir leider nicht geben. Ueber so allgemeine Informationen, wie du sie bereits erhalten hast, gehen meine Kenntnisse ja auch nicht hinaus.
Ich kann dir daher nur einiges zu bedenken geben. Du beschreibst die grosse Diskrepanz zwischen deinem Interesse und deiner Freude am Studium der Heilpaedagogik, und deiner zu geringen Belastbarkeit bei der praktischen Arbeit in diesem Feld, die dazu gefuehrt hat, dass du deine Arbeitsversuche immer sehr schnell wieder abbrechen musstest.
So enttaeuschend es fuer dich auch ist, mit der unnachgiebigen Haltung des Pruefungsamts konfrontiert zu sein, das keine Ausnahmeregelung zulassen will - klafft nicht Wunsch und Wirklichkeit bei deiner Berufswahl wirklich zu sehr auseinander?
Ich weiss, dass Heilpaedagogik, ebenso wie viele andere Heilberufe, besonders Menschen anzieht, die aufgrund ihrer eigenen leidvoller Erfahrung anderen helfen wollen. Die hohe Sensibilitaet und das Einfuehlungsvermoegen, das viele dabei mitbringen, macht leider aber auch besonders verletzlich - es sei denn, es ist den Betreffenden gelungen, ihre eigenen Probleme so weit zu bearbeiten, dass sie sich besser gegen Ueberbelastung schuetzen koennen und der schwierigen und extrem fordernden heilpaedagogischen Taetigkeit besser gewachsen sind.
So negativ die Diagnose "Berufsunfaehigkeit" auch klingt - koennte es nicht wirklich sein, dass eine praktische Taetigkeit in diesem Beruf deine Gesundheit gefaehrden wuerde? Selbst, wenn das Pruefungsamt von seiner "Alles oder Nichts"-Forderung abliesse und dir ein Praktikum mit weniger Stunden anerkennen wuerde - koenntest du es denn dann besser durchhalten?
Du hast zwar Recht, dass viele der verfuegbaren Stellen lediglich Teilzeit und nicht Vollbeschaeftigung anbieten. In der Praxis sieht das aber leider fast nie so aus, dass du regelmaessig eine bestimmte Stundenzahl arbeiten kannst, sondern du wirst an einigen Tagen vermutlich lange arbeiten muessen, an anderen vielleicht gar nicht oder sogar geteilten Dienst haben.
Auch wenn die Mitarbeiter heilpaedagogischer Einrichtungen ihren Patienten vielfach mit grosser Anteilnahme und Verstaendnis begegen - aus meiner Praxiserfahrung weiss ich, dass sich diese fuersorgilche Haltung keineswegs auch auf die Kollegen erstreckt, sondern es wird gerade so viel Ruecksicht genommen - oder eben auch nicht - wie in anderen Berufen.
Ich frage dich, ob du dein Interesse und dein Verstaendnis fuer das Wohlergehen anderer Menschen nicht auch in einer Weise umsetzen koenntest, dass du mehr fuer - als unmittelbar mit - sehr fordernden oder beduerftigen Patienten arbeiten wuerdest.
Ich wuensche dir jedenfalls alles Gute und hoffe, dass sich dir eine bessere Moeglichkeit bietet, deinen Intellekt und deine Mitempfinden fuer andere einzusetzen.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

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