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10.06.2009 20:35 Zitieren Zitieren

Ina85
Pointer-User

10.06.2009 20:35 Zitieren Zitieren

doch nicht in Klinik - viel zu viel Angst...

Hallo Fr. Anderson,
jetzt hatte ich ja eigentlich schon vor 2 Wochen geplant in die anthroposophische Klinik zu gehen, um wieder besser im Alltag klarzukommen und das verarbeiten zu können, was in der Psychiatrie war und was die 4 Wochen dort alles bei mir ausgelöst haben. Aber dann, als mir ein paar Tage davor die Aufnahmezeit geschickt wurde, habe ich wieder so extreme Angst bekommen. Ich habe danach 1 Nacht überhaupt nicht geschlafen und in der nächsten nur 2 Stunden, seitdem auch nie länger als 4-5 Stunden. Und ich habe fast den ganzen Tag über am ganzen Körper gezittert, konnte den Gedanken an die Klinik nicht abstellen. Am 2. Tag nach dem Brief bin ich dann zu einer Freundin ins Elsaß gefahren, besser gesagt "geflüchtet", weil ich dermaßen Panik hatte, dass mich gleich "jemand holt", wieder einsperrt, mich zwingt Medikamente zu nehmen, die ich nicht nehmen möchte und die ich nicht vertrage. Dort hatte ich wenigstens ein bisschen mehr Sicherheit, dass sie mich dort nicht finden werden (natürlich weis ich, dass mich niemand "holen" wird und auch nicht suchen). Schlussendlich habe ich in der Klinik doch abgesagt, obwohl ich es mir so fest vorgenommen hatte und ich einfach schnell viel Hilfe brauche. Aber diese schreckliche Angst, dass sich dort alles wiederholen könnte, dass es mir wie bei der anderen Psychiatrie danach so viel schlechter geht als vorher, dass niemand da ist, der mit mir redet, alles über meinen Kopf entschieden wird, ich nicht rauskann, der ganze Zwang usw. Ich weiss, dass ich Hilfe brauche, mehr als bisher, und ich möchte sie auch, möchte, dass es mir wieder besser geht, ich weiter studieren kann, wieder Freude habe ohne die ständige Angst und ohne die Erinnerungen. Ich will LEBEN!! Aber gleichzeitig habe ich so extreme Panik vor der Klinik und Ärzten allgemein. Das ist alles so unberechenbar, ich kann sie nicht einschätzen. Beim einen mal kann ich am späten Nachmittag von Suizidgedanken erzählen, dass ich den ganzen Tag über welche hatte - und beim anderen mal werde ich in die Klinik eingewiesen, weil ich 3 Tage zuvor welche hatte. WARUM?? ich getraue mich mittlerweile gar nicht mehr, mit einem Arzt überhaupt darüber zu reden. Ich habe manchmal Suizidgedanken, aber ich habe Angst es zu erzählen. Dabei möchte ich, dass meine Ärztin es weiss, ich möchte es ihr erzählen, möchte nicht damit alleine sein. Aber es geht einfach nicht...
Die letzten Wochen waren so extrem hart... Ich schlafe nur schlecht ein, weil ich Angst vor den Träumen habe und beim Schlafen nicht kontrollieren kann, was um mich herum geschieht und notfalls nicht schnell weglaufen kann. Und wenn ich schlafe, träume ich immer noch, immer wieder, den gleichen Traum. Dass mich Männer festhalten, auf das Bett drücken, mir Medikamente einflössen, ich schreie, versuche um mich zu schlagen, aber sie sind stärker und bekommen das Medikament in mich rein. Entweder wache ich dann auf oder es geht weiter im Traum mit den Nebenwirkungen, dass ich kaum schlucken und nicht mehr reden, mich kaum noch bewegen kann, alle Muskeln sind lahmgelegt, ich habe Angst zu ersticken, kann aber keine Hilfe holen... Manchmal schrecke ich nachts bis zu 4 mal hoch, wenn draußen ein Auto vorbeifährt oder ich geträumt habe. Und tagsüber habe ich dann Kopfschmerzen, weil ich viel zu wenig schlafe.
Manchmal fange ich auch heftig an zu weinen, weil irgendetwas wieder die Erinnerungenauslöst, sie zu stark sind und mich überwältigen. Und mittlerweile gibt es nichts mehr, das mich nicht daran erinnert. Der Hubschrauber, ein Polizieauto (obwohl beides nichts mit meinem Klinikaufenthalt zu tun hat und dort auch nicht vorkam), ein Mann mit einer roten Hose oder weißem Pulli, Männer mit Glatze (ist Glatze gerade modern oder nehem ich sie nur überall wahr im Gegensatz zu früher?), schwarzen Haaren, Geräusche wenn meine Mitbewohnerin eine Tür zumacht, usw. Wenn ich einen Schlüssel anfasse, habe ich teilweise immer noch dieses Gefühl, dass ich urplötzlich keine Kraft mehr habe, dann kann ich kaum noch aufrecht stehen geschweige denn gehen und muss mich danach erstmal für eine Stunde im Gang hinter der Tür auf den Boden setzen, um mich wieder zu beruhigen. In den Vorlesungen kann ich mich kaum auf das Thema konzentrieren, weil ich ständig damit beschäftigt bin, die Erinnerungen zu unterdrücken. Und wenn ich zwar mal nicht daran denke, dann habe ich ein extrem komisches Gefühl im Bauch, es ist wie wenn sich alles zusammenzieht, manchmal löst sich auch alles auf und ich spüre nichts mehr. Oder die Umgebung verändert sich, ich bekomme nur noch einen Teil davon mit, es erscheint mir alles so weit weg, ich reagiere kaum.
Wenn die Erinnerungen, die gefühle, die Angst und Wut zu stark sind, schlage ich manchmal mit dem Kopf gegen die Wand oder auf den Boden. Ich möchte es nicht tun, aber in solchen Momenten ist es die einzigste Möglichkeit, um wenigstens für ein paar Sekunden alles zu überdecken und etwas anderes zu spüren.
Verdammt, ich brauche Unterstützung, und zwar dringend, möchte so gerne jemand, der mir mit allem hilft, es ernst nimmt, dem ich vertrauen kann ohne Angst haben zu müssen. Aber das sind alles Ärzte, Kliniken - und vor denen habe ich so extreme Angst, kann nicht offen reden, befürchte, dass sich alles wiederholt...
Ina

14.06.2009 23:16 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

14.06.2009 23:16 Zitieren Zitieren

Liebe Ina,
Deine Angstgefuehle und dein Hin- und Hergerissensein sind wirklich sehr verstaendlich, nach dem, was du an negativen Erfahrungen bei deinem damaligen Klinikaufenthalt gemacht hast.
Aber leider merkst du ja, dass Weglaufen vor seinen angstvollen Gefuehlen nichts nuetzt, und dass dein Koerper und deine Seele durch physische und psychische Symptome staendig gegen die zu starke emotionale Belastung protestieren.
Eine anthroposophische Klinik hat wirklich einen ganz anderen philosophischen Ansatz als ein "schulmedizinisches" Krankenhaus, es wird weniger ein einzelnes oder eine Reihe von Symptomen gesehen als vielmehr der Mensch in seiner Gesamtheit.
Du begibst dich freiwillig dort hin, keine Autoritaet zwingt dich dazu und es werden mit Sicherheit auch keine keinerlei Zwangsmassnahmen angewendet.
Ich wuerde dir empfehlen, dich vielleicht doch zunaechst einmal als Einfuehrung mit dem anthroposophischen Denkansatz vertraut zu machen, bevor du in die Klinik gehst. Das wird dir hoffentlich etwas von deinen Aengsten nehmen und dir den Schritt dorthin leichter machen.
Zwar muss man die Lehren Rudolf Steiners (ebenso wie die von Siegmund Freud oder Karl Marx - alles Zeitgenossen) immer auch unter dem Aspekt der damaligen Zeitgeschichte sehen, aber sehr vieles ist eben auch auf die heutige Zeit uebertragbar, und Waldorfschulen und anthroposophische Kliniken zeigen, dass diese auf die ganze Person abgestimmte Menschensicht auch heute noch ihre Gueltigkeit hat.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

 
 

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