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24.10.2009 20:14 Zitieren Zitieren

AngelOfBerlin
Gast

24.10.2009 20:14 Zitieren Zitieren

Ist meine Mutter depressiv?

Meine Mutter hat sich vor fast 3 Monaten von ihrem verheirateten Freund getrennt. Der hat sie zwar geliebt, konnte sich aber nie dazu entschließen, sich endgültig von seiner Frau zu trennen. (Die beiden leben zwar nur noch nebeneinander her, aber er hat offenbar Angst vor einem finanziellen Abstieg.) Meine Mutter hatte irgendwann genug davon und hat ihm gesagt, dass sie nicht mehr sein Spielzeug sein werde, das Gewehr bei Fuß steht, damit er lebt wie der Gott in Frankreich. Sie konnte und wollte die Situation nicht mehr ertragen.

Sie sagt selbst, sie brauche noch Antworten von ihm, z. B. warum er zu feige ist, zu seiner Liebe zu stehen, oder warum er sie so „verarscht“ hat, weil er dann auf einmal behauptete, er habe doch von Anfang an gesagt, er wolle keine feste Bindung. Sie sieht ihn noch oft über die Arbeit und hat ihn auch noch einmal um ein klärendes Gespräch gebeten, um damit abschließen zu können, aber er blockt solche Versuche ihrerseits einfach ab.

Seit der Trennung ist sie wie ausgewechselt. Nichts macht ihr mehr Freude. Sie sagt selbst, dass sie vor der Beziehung vielleicht nicht glücklich, jetzt aber unglücklich sei. Und sie habe sich selbst verloren. Mir macht das alles große Sorgen, weil ich denke, dass das entschieden über normalen Liebeskummer hinausgeht. Sie hat stark abgenommen, obwohl sie genauso isst wie vorher. Sie schläft sehr viel, ist aber trotzdem ständig müde. Und sie vergräbt sich ständig hinter Büchern. Wenn sie dann mal den Anschein von Fröhlichkeit erweckt (z. B. wenn meine Großeltern da sind, um ihren Geburtstag zu feiern), habe ich das Gefühl, dass es sie viel Anstrengung kostet, diesen Schein aufrecht zu halten.

Ich mache mir sehr große Sorgen um sie, weil sie zwar behauptet, dass sie sich nichts antun würde (weil sie zu viel Angst davor hätte und ja noch für mich da sein müsse), gleichzeitig aber sagt, dass sie keine Lust mehr habe, weiterzumachen.

Wie kann ich ihr helfen?? Ich habe ihr heute vorgeschlagen, professionelle Hilfe aufzusuchen, aber das lehnt sie ab, weil sie ja da auch keine Antwort auf ihre Fragen erhalten würde. Meiner Ansicht nach macht sie alles davon abhängig, diese Fragen zu klären, aber so wie der Kerl sich verhält, bekommt sie ihre Antworten vielleicht nie.

Ich mache mir so große Sorgen um sie. Ich sage ihr auch andauernd, dass ich immer für sie da bin, dass ich sie liebe. Aber eigentlich fühle ich mich für die Situation im Moment nicht stark genug. Vor zwei Monaten ist mein Vater verstorben und daran habe ich immer noch zu knabbern, obwohl er ein wirkliches Arschloch war und ich seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm hatte. Aber darum fühle ich mich im Moment nicht in der Lage, für meine Mutter UND mich stark zu sein. Noch dazu werde ich nächstes Jahr fürs Studium wahrscheinlich aus Berlin weggehen. Dann fällt sie ja in ein noch tieferes Loch! Ich kann sie doch nicht einfach so allein lassen, wenn es ihr so geht!

Für Hilfe wäre ich wirklich überaus dankbar. Ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Ich möchte doch nur, dass sie endlich wieder sie selbst ist und wir wie früher zusammen lachen können, ohne dass das ganze einen schalen Beigeschmack hat. Manchmal denke ich, dass es endlich wieder aufwärts geht, aber das hält dann nur ein paar Stunden an.

27.10.2009 02:03 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

27.10.2009 02:03 Zitieren Zitieren

Hallo, Angel
Ich kann verstehen, dass du sehr besorgt bist. Deine Mutter ist ganz sicher depressiv, aber nicht im Sinne einer Krankheit, sondern als Ausdruck ihres Trennungsschmerzes. Drei Monate Liebeskummer erscheinen dir jetzt vielleicht uebermaessig lang, aber fuer jemanden im Alter deiner Mutter ist dieser Zeitraum absolut normal.
Deine Mutter hat sich nach einer enttaeuschenden Ehe mit deinem Vater offenbar wieder an einen Mann gebunden, der nichts von sich gibt, aber alles nimmt, und sie dabei emotional im Stich laesst und (als 2.Wahl) entwertet.
Zwar hat sie vor drei Monaten gesunderweise einen Schlussstrich gezogen und sich von ihrem Freund getrennt, aber bevor der Bauch das fuehlt, was der Kopf schon lange einsieht, kann es noch eine ganze Weile dauern
Mit dem Verlust - auch wenn er auf ihrer eigenen Entscheidung beruht - muss sie sich ja auch von all ihren Wuenschen, Hoffnungen und Illusionen in Bezug auf diese Partnerschaft trennen, und das tut sehr weh. Der Tod deines Vaters praktisch zur gleichen Zeit wie ihre Trennung von ihrem Freund mag ihr ueberdies noch einmal zusaetzlich vor Augen gefuehrt haben, dass diese herbe Enttaeuschung nicht die erste ist.
Deine Mutter leidet - und sie braucht Zeit, sich innerlich von ihren Bindungen an ihren Freund zu loesen. Nach deiner Beschreibung ist ihre Trauerreaktion dabei durchaus normal, natuerlich hat sie keinen Appetit und nimmt daher ab, natuerlich hat sie wenig Energien und ist eher muede, und sie vergraebt sich sicher in ihren Buechern, um fuer eine Zeit in eine andere Welt abzutauchen und nicht staendig an ihren Schmerz denken zu muessen.
Reaktiv depressiv ja, aber fuer ernstlich selbstmordgefaehrdet halte ich deine Mutter nicht. Ich denke, dass du ihren Worten glauben kannst, dass sie dir so etwas nicht antun wuerde, auch wenn sie zeitweilig am liebsten nicht mehr da waere.
Es ist aber klar, dass du durch ihre Trauer stark in Mitleidenschaft gezogen wirst. Du fuehlst dich ein Stueck fuer sie verantwortlich und moechtest ihr gern helfen. Das kannst du auch, aber nicht etwa dadurch, dass du deine eigenen Zukunftsplaene zurueckstellst, um in nicht altersgerechter Weise fuer deine Mutter dazusein.
Du kannst sie nicht an einem leidvollen Entwicklungsschritt hindern, sie muss diesen Abschied von illusionaeren Wuenschen und Fantasien von sich aus vollziehen - und wird am Ende daraus reifer hervorgehen und hoffentlich irgendwann in der Zukunft auch einem Mann begegnen, mit dem es ihr besser ergeht.
Deine Hilfe kann aber darin bestehen, dass du ihr zuhoerst - du bist ja offenbar erwachsen genug - und dass du sie dazu animierst, sich mehr abzulenken. Frag ihre Freunde, ob sie sich nicht mit ihr zu irgendwelchen Unternehmungen treffen koennen.
Auch wenn es sie derzeit Muehe kostet, sich in Gegenwart anderer froehlicher zu geben, als sie ist - diese Uebung ist gut fuer sie! Schlepp sie mit ins Kino oder zu einer anderen Veranstaltung, oder reg sie dazu an, irgendeinen Kurs zu besuchen (vielleicht mit einer Freundin zusammen).
Ablenkung ist gut gegen Liebeskummer und dazu kannst du sie immer auffordern. Du musst ihr aber auch Zeiten des Rueckzugs zugestehen, damit sie ihren Schmerz verarbeiten kann.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

29.10.2009 00:27 Zitieren Zitieren

AngelOfBerlin
Gast

29.10.2009 00:27 Zitieren Zitieren

Hallo,

vielen Dank für die schnelle Antwort! Jetzt ist es mir schon etwas leichter ums Herz! Ich werde Ihre Ratschläge befolgen und sie mal auf andere Gedanken bringen. Gegen Kino hat sie sich die letzten Wochen immer gesträubt, aber dann finden wir halt etwas anderes!

Noch mal vielen Dank!!

LG

 
 

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