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26.02.2010 19:22 Zitieren Zitieren

Nur Gast
Gast

26.02.2010 19:22 Zitieren Zitieren

Nicht reden können

Hallo!
Hm, der Titel sagt es eigentlich schon. Obwohl es so nicht ganz korrekt ist: ich kann reden (natürlich) - nur nicht über mich. Dabei sollte ich reden, über mich, weil es nicht gut läuft. Ich will nicht sagen, es ginge mir nicht gut, denn das weiß ich einfach nicht. Überhaupt, ich finde, die Frage "Wie geht es dir?" ist eine der am schwersten zu beantwortenden Fragen. Ich weiß nie, wie ich mich fühle - denn ich fühle nichts. Kein Glück, keine Freude, keine Geborgenheit, aber auch keine Traurigkeit, keine Wut (ich merke, dass das, was immer passiert, eine Dynamik besitzt, denn das Nicht-Wahrnehmen negativer Gefühle ist noch nicht lange so), .. einfach nichts. (Obwohl mir gesagt wurde, nichts zu fühlen sei auch ein Gefühl.) Es fühlt sich einfach nur leer an, taub. Und manchmal ist da ein großes Loch. [Meine Güte, ich schreibe, als sei ich vierzehn; aber das bin ich nicht. Es liegt daran, dass ich mich nicht mal im Schriftlichen verständlich ausdrücken kann. Aber immer noch besser als das große Nichts des Mündlichen.]
Ich hatte Gespräche bei Therapeuten vereinbart. Aus mehreren Gründen. Vor allem, weil ich mir selbst nicht gut tue und das auch weiß, es aber trotzdem nicht ändere. Gemerkt habe, es allein nicht ändern zu können, weil ich - so schwer es auch ist, das zuzugeben - überfordert bin. Nur konnte ich auch dort nicht reden. Weil ich nichts zu sagen weiß. Wenn ich über mich reden soll, ist es wie ein großes schwarzes Loch in meinem Kopf. Ich kann mich an nichts erinnern, weiß nicht, was ich sagen könnte. Die Bestleistung war, so glaube ich, dass wir dort 40 min saßen und uns angeschwiegen haben. Das ist kein Problem, das vom Therapeuten abhängig ist, sondern das von mir ausgeht. Ich war bei mehreren und überall das gleiche Spiel. Vielleicht sollte ich, um der Wahrheit die Ehre zu geben, sagen, dass ich einmal mehr erzählte, so viel wie noch nie zuvor. Mir ging es danach ziemlich mies. Und ich hielt es - und tue es auch heute noch - für einen großen Fehler, so viel gesagt zu haben. Vielleicht wäre es kein Fehler gewesen, wenn ich an der Stelle weitergemacht hätte. Aber es fühlte sich einfach nur falsch und furchtbar an. Ein erster Schritt war es vielleicht. Aber was bringt ein erster Schritt, wenn dem kein zweiter folgt?
Ich würde sagen, Können ist zuallererst eine Frage des Wollens. Im Fall einer Therapie ist es vermutlich auch eine Frage von Vertrauen. Das ist ein Problem, denn ich glaube nicht, dass ich jemandem vertraue(n kann) [Ich hasse das Wort "können"; eigentlich meine ich kein Können im physischen Sinn, sondern "können" als Sammelbegriff all der verrückten und irrelevanten Kleinigkeiten und Gedankenspielchen, die am Ende dazu führen, dass es sich nach einem "nicht können" anfühlt]. Ist es eigentlich paradox, dass ich das Wort "fühlen" so häufig verwende, wenn ich doch sage, nicht zu fühlen?
Hm, ich glaube, das klingt alles furchtbar lächerlich und mein Versuch einer Erklärung ist reichlich wirr geraten. Ich bin nicht sicher, ob auch nur ansatzweise ersichtlich ist, wo mein Problem liegt.
Vielleicht der Versuch einer Zusammenfassung: ganz viel Gleichgültigkeit, ganz viel Lebensunfähigkeit, Unsicherheit, Gefühllosigkeit - aber das Wissen, dass es, wie es ist, nicht gut ist, nicht gut sein kann. Nur leider laufen Ratio und Emotio so stark auseinander, dass ich sie nicht vereint bekomme. Die Jahre ziehen ins Land, und mit ihnen auch der Glaube, dass es besser werden kann. Ich merke, dass ich mir selbst nicht helfen kann, kann aber nicht zulassen, dass mir jemand hilft - schon allein, weil ich es ja nicht mal schaffe, über mich zu reden. Und weil ich nicht beschreiben kann, wie ich mich fühle: dass ich einfach nicht weiß, was ich sagen soll, dass da, in den entscheidenden Momenten einfach nichts ist, nur Leere. (Einem sagte ich mal, dass ich weiß, dass ich eigentlich verzweifelt sein sollte. Er meinte, dass ich das wüsste, würde bedeuten, ich sei auch verzweifelt. Kann man Gefühle haben, ohne sie wahrzunehmen? Ich zweifele das an. Verzweiflung ist immerhin ein sehr starkes Gefühl. Er sagte mir außerdem, was er von mir denkt - und das war wirklich nichts Böses - aber ich habe mich schrecklich unwohl gefühlt, konnte/kann es nicht nachvollziehen und habe mich noch Tage später gefühlt, als wäre ich aufs Tiefste beleidigt worden. Da halte ich mich selbst für etwas verrückt, denn es war nichts Schlimmes, und er hat es, so vermute ich, auch nicht böse gemeint. Hm.)
Was soll ich tun? Was kann ich tun? Ich glaube, dass es gut wäre, mit jemandem zu reden. Aber allmählich - nach doch einigen Fehlschlägen [und ich wollte es wirklich, ich wollte es besser machen] - bin ich nicht mehr gewillt, mir da noch eine Chance zu geben. Gibt es ein Patentrezept zum Reden? (Mir ist klar, dass es das nicht gibt. Aber vielleicht eine Idee, woher diese große Leere [zeitweise im Kopf und permanent im Gefühl.] kommt und wie sie zu besiegen ist? Ich kann sehr stur sein; daran sollte es also nicht scheitern blinzeln)

Ich entschuldige mich für diesen vermutlich überaus wirren, undurchsichtigen und vor allem unstrukturierten (und verflucht langen) Text. Und für die vielen "ichs".

01.03.2010 11:18 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

01.03.2010 11:18 Zitieren Zitieren

Hey,

Dafür, dass du sagst, du könntest nicht über dich selbst reden, hast du hier aber einen ziemlich langen Text verfasst Lächeln. Und du hast das eigentliche Problem, das dich daran hindert, aus deiner Situation herauszukommen, doch auch schon genannt: deine Mutlosigkeit, dich anderen Menschen zu öffnen und ihnen zu vertrauen. Ich finde das nicht schlimm. Solange du dir selbst vertraust, ist das doch gar kein Problem. Ich kenne deine Geschichte nicht (weiß nicht, was du bisher erlebt hast, etc). Aber: ich finde es mutig, einen so ehrlichen und offenen Text über einen selbst in so ein Forum zu stellen, das verdient Respekt! Lächeln. Darf ich fragen, ob du weggehst, dich mit Freunden triffst usw? Und was du studierst? Bist du "erfolgreich" im Studium (sprich gute Noten)? Wenn du auf all das nicht antworten willst, kein Problem. Es ist nur so, dass man sich ja viel über sowas identifiziert und wenn es dann an irgendeinem Punkt nicht so rund läuft, kommt man ja leicht in diese "Leere", die du beschreibst (Ja, ich kenne sie auch, bei mir tritt sie auf, wenn ich "nicht mehr weiter weiß" bei einem Problem). In der Regel kommt man aus diesem "Loch" dann wieder raus, wenn man das Problem behoben hat.

Ich weiß nicht, ob ich dir mit diesem Beitrag weiterhelfen konnte, wäre schön, wenn dem so wäre Lächeln.

Ganz liebe Grüße

01.03.2010 17:32 Zitieren Zitieren

Nur Gast
Gast

01.03.2010 17:32 Zitieren Zitieren

Mutig, hm? Dumm trifft es vermutlich eher. Und unglaublich idiotisch.

Zitat von =Unregistriert]
Dafür, dass du sagst, du könntest nicht über dich selbst reden, hast du hier aber einen ziemlich langen Text verfasst Lächeln. [/QUOTE]

Das Problem ist ja auch nicht das Schreiben, sondern das Reden. Also die Art macht den Unterschied. Und das Schreiben findet ja auch eher auf unterem Niveau statt, normalerweise kann ich mich besser ausdrücken - und verständlicher. Schreiben ist aber einfacher als reden, es trifft nicht auf diese Denkblockade; reden geht gar nicht.

[QUOTE==Unregistriert
:

Und du hast das eigentliche Problem, das dich daran hindert, aus deiner Situation herauszukommen, doch auch schon genannt: deine Mutlosigkeit, dich anderen Menschen zu öffnen und ihnen zu vertrauen. Ich finde das nicht schlimm. Solange du dir selbst vertraust, ist das doch gar kein Problem.



Ich vertraue mir auch selbst nicht. Ich vertraue mir mehr als anderen, aber, hm, vertrauen in einer Art, dass ich weiß, worauf ich mich bei mir verlassen kann, eine Art "Berechenbarkeit". Es ist kein Vertrauen im Sinne von Wohlfühlen, oder Geborgenheit, oder "richtig sein", "angekommen".
Ich weiß nicht, ob es eine Frage von Mut ist. Ich fand es schwer, das erste Mal zu versuchen, mich jemandem anzuvertrauen. Ja, das brauchte vielleicht Mut. Aber dass das Reden nicht klappte, resultierte nicht aus Feigheit. Sondern daraus, dass da einfach nichts mehr war, was ich hätte sagen können. Ich kann es nicht beschreiben.

Die Leere ist nicht von äußeren Faktoren beeinflusst, sondern omnipräsent.

Ich danke dir wirklich für deine Mühe.
Ich glaube, für ein wirkliches Verstehen - sofern es das denn geben kann - müsste ich mehr erklären.

02.03.2010 08:53 Zitieren Zitieren

sigi56
Gast

02.03.2010 08:53 Zitieren Zitieren

Dass du dein Problem hier schilderst, ist sicher schon der erste Schritt in die richtige Richtung. Die Art und Weise, wie du schreibst, klingt für mich so, als seist du nicht gerade ein Ausdrucks-Legastheniker. Will sagen: Du kannst bestimmt „Mitreden“, traust dich aber nicht. (Das vermute ich jedenfalls).

Da ist es sicher genau der richtige Schritt, dich hier in einem Forum zu offenbaren. Denn auch wenn hier alles anonym ist, braucht man doch Mut, um sich mitzuteilen. Das finde ich super. Die Reaktionen auf deinen Text sind ja positiv, das heißt, du erfährst hier Bestätigung. Vielleicht brauchst du genau die auch, wenn es um das Reden geht.
Deshalb ein Tipp von einem Laien wie mir: Beobachte doch mal die Reaktionen auf die Dinge, die du sagt. Ich bin sicher, die fallen bei genauerer Betrachtung viel positiver aus, als du denkst. Das sollte dir Selbstvertrauen geben.

Außerdem schreibst du: "Ich glaube, für ein wirkliches Verstehen - sofern es das denn geben kann - müsste ich mehr erklären"

Mach das doch gerne: Wozu ist das Forum da.

Hoffe, ich konnte etwas helfen.
Grüße

18.03.2010 22:29 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

18.03.2010 22:29 Zitieren Zitieren

Hallo,
Es gibt seelische Problemstellungen, die sich, zumindest zu Beginn, dem Versuch einer, wie auch immer gearteten, Gespraechstherapie entziehen. Das Unbewusste blockiert dabei eine Umsetzung offenbar sehr angstmachender Inhalte in Worte und entzieht sie damit jedem intellektuellen Zugriffsversuch.
Aus der Schilderung deiner Sprachlosigkeit bei verschiedenen Behandlungsversuchen in ueblichen, auf Verbalisierung und bewusstem Verstehen basierenden, therapeutischen Settings wuerde ich vermuten, dass ein nonverbaler Therapieansatz moeglicherweise fuer dich geeigneter waere.
Kunsttherapie (Gestaltungstherapie) und die Tagtraumtechnik (katathymes Bilderleben nach Prof. Leuner) basieren zwar auch auf einem psychoanalytischen Denkansatz, machen sich aber die Faehigkeit des Unbewussten zunutze, sich ueber Bilder und Symbole auszudruecken, und koennen dadurch reiche eigene innere Hilfsquellen erschliessen.
Die Produkte der Patienten waehrend dieser Therapien (Bilder, Kollagen, Skulpturen oder Tagtraeume) muessen nicht intellektuell gedeutet werden, sie wirken ueber den Prozess ihrer Gestaltung zurueck auf die Seele, und regen dadurch positive Veraenderungen an.
Ich habe im Rahmen meiner Praxis mit diesen Techniken gearbeitet, und sie sehr ueberzeugend und wirksam gefunden.
LG, Dr. Karin Anderson

01.04.2010 20:53 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

01.04.2010 20:53 Zitieren Zitieren

Hallo Fr. Dr. Anderson,
bei mir ist es ähnlich - seit fast einem Jahr suche ich einen Therapieplatz. Sehr viele Therapeuten sind hoffnungslos überfüllt (habe ca. 60 angerufen) und bieten mir nicht mal einen Platz auf der Warteliste an. Aber auch 12 Vorgespräche brachten mich nicht weiter. Analytiker sagen, ich solle lieber eine Verhaltenstherapie machen, da ich mit dem Schweigen und der komplett fehelnden Struktur in der Psychoanalyse überhaupt nicht klar komme und nichts erzähle - Verhaltenstherapeuten sagen, ich solle eine Psychoanalyse machen, es sei eine längere Sache, VT könne mir mit den vergleichsweise wenigen Stunden nicht helfen.
Aber bei allen gibt es einen gemeinsamen Nenner: ich schaffe es nie, über das zu sprechen, was war, wovon ich träume, vor was/warum ich Angst habe. Also kommen alle Therapeuten zu der Einschätzung, ich sei zu instabil für eine (ambulante) Therapie, sollte lieber etwas nonverbales wie Kunsttherapie machen (mache ich auch, aber nicht wöchentlich, das wäre zu teuer, kann es mir so schon eigentlich nicht finanzieren) und auch zuerst in eine Klinik.

In einer Klinik war ich auch vor kurzem, in der ich sehr viel kunsttherapeutisch und mit Bewegung machen konnte. Ich hätte nie gedacht, dass mir z.B. Euyrthmie auch so gut tut. Aber nach nicht einmal 4 Wochen erfuhr ich an einem Tag, dass ich am nächsten gehen müsse, die Krankenkasse würde nicht mehr zahlen. Begründet wurde es von der Kasse, dass eine ambulante Therapie ausreichend sei... Genau 3 Wochen hat es gedauert, bis ich der Stationsärztin vertrauen konnte und erzählen konnte, wie es in den Situationen war, was meine Eltern früher und mehrere Männer getan haben. Und wenn es mir schlecht ging, konnte ich bis zum Schluss in der Klinik nie zu einer Pflegekraft gehen und es sagen (aufschreiben ging auch nicht - dazu braucht es ja auch Wörter), immer erst ein paar Tage danach wenn ich gefragt wurde. In solchen Situationen kann ich nciht reden - ich versuche es, möchte es jemandem sagen, dass ich z.B. nichts mehr um mich rum mitbekomme, sich alles so komisch anfühlt oder alles viel zu nah ist, ich nicht mehr weiss, wo ich "aufhöre" und wo die anderen, wo Gegenstände, die Umwelt anfangen - aber es gibt keine Wörter... Höchstens ja-nein-Fragen funktionieren manchmal, aber dazu muss mich auch erst mal jemand ansprechen, darauf aufmerksam werden, dass es mir gerade ziemlich schlecht geht.

Aber ich bin mit einer ambulanten Therapie bzw. mit dem,w as dort von mir erwartet wird - nämlich reden - völlig überfordert (und es ist bei weitem nicht aureichend, wie die KK meinte..., auch der Alltag klappt manchmal überhaupt nicht - mir geht es schlecht und ich weiss nicht, wie ich damit umgehen soll, keine Ansprechpartner bzw. nur alle 4-6 wochen mal 5 min., ich kenne nur wenig Techniken, die mir helfen, bin in vielen Situationen so hilflos, weiss nciht was ich tun soll). Ich brauche so dringend Hilfe, aber es funktioniert alles nicht, weil ich den Therapeuten nichts erzählen kann. Ich habe den Eindruck, dass mir komplett die ganzen "Voraussetzungen" fehlen für eine verbale Psychotherapie. Jede Therapeutin fragte ich danach, was ich tun könnte, um das zu üben, mich auf eine verbale Therapie einlassen zu können - niemand konnte mir konkrete Tipps geben.

Der Krankenkasse habe ich mehrmals von der Situation erzählt, sie können angeblich nichts tun. Mir weder bei der Suche helfen (ich fragte mehrmals nach einer Therapeuten/Klinik-Liste, weil ich fast alle Therapeuten aus der KV-Suche abtelefoniert hatte und die meisten keine Erfahrung in dem Bereich hatten) noch irgendetwas nonverbales wie Malen finanzieren, das mir evtl helfen könnte, die extrem große Hürde vor einer Psychotherapie zu schaffen.
Angeblich sind die Krankenkassen ja dafür zuständig, wenn es um die Behandlung einer Krankheit geht (und die liegt laut den ganzen Ärzten, Therapeuten, Klinik eindeutig vor) - aber was, wenn die Methoden, die dafür als Kassenleistung vorgesehen sind, alle viel zu schwierig für mich sind, nicht zu schaffen, viel zu "hoch" und ich viel weiter unten, auf einer ganz anderen Ebene mit meinen Fähigkeiten/Voraussetzungen?
Ich schaffe es ja nicht einmal, anonym zu einer Beratungsstelle wie Frauenhorizonte zu gehen und da zu reden.

Das Studium musste ich übrigens im Wintersemester komplett aussetzen, das Sommersemester davor im letzten Jahr hat auch kaum geklappt und auch jetzt schaffe ich es praktisch nicht (nicht wegen dem Niveau, damit komme ich super zurecht, aber es ist viel zu viel, so viele Leute in einem Raum, so unruhig, zu wenig/zu kurze Pausen zwischendrin, so viele Reize, "gefährliche" Themen etc.).

Wie kann ich es schaffen, mit einer Therapeutin zu sprechen?
Und welche Möglichkeiten gibt es sonst noch, außerhalb von einer Psychotherapie, die ja nicht funktioniert? (in der Pädagogik würde ich mit mir basale Förderung machen...) Kann mich die Krankenkasse wirklich nicht unterstützen?

Viele Grüße und Danke schon mal für Ihre Antwort
Anne

07.04.2010 17:00 Zitieren Zitieren

Susan
Gast

07.04.2010 17:00 Zitieren Zitieren

Hallo Anne,
ich hoffe, dass man dir bald helfen kann.
Ganz liebe Grüße
Susan

09.04.2010 21:50 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

09.04.2010 21:50 Zitieren Zitieren

heute hatte ich wieder ein Vorgespräch - ich bin (war bei einigen anderen danach auch schon so) danach heimgekommen, war völlig durcheinander, verstört, erschöpft, habe mich geschlagen. Wieder der Gedanke, dass ich in einer verbalen Psychotherapie völlig fehl am Platz bin, dass sie zu wneig konkret, zu wenig auf den Alltag, auf ganz praktische Dinge bezogen ist, dass ich dort überfordert bin, es einfach momentan nicht die richtige Form, Vorgehensweise, Unterstützung (wie auch immer) ist, die ich bräuchte, nichts das mir jetzt momentan helfen könnte. Es müsste alles viel weiter "unten" anfangen.

Auf der einen Seite ist eine Psychotherapie zu viel (50 min sind mir zu lange, ich kann kein Vertrauen aufbauen, nicht darüber sprechen, finde keine Worte für das was war, wie es mir geht - und ich habe auch gar nicht das Bedürfnis danach, etwas "aufzuarbeiten", ich möchte einfach nur vergessen, meine Ruhe haben, LEBEN können) - aber auf der anderen Seite wäre eine Psychotherapie auch zu wenig (ich bräuchte eine viel konkretere Unterstützung im Alltag, z.B. wenn ich nachts nach einem Traum aufwache, Panik habe, mich nicht bewegen kann, ein Kontakt pro Woche ist zu wenig).
Die Therapeutin heute gab mir z.B. einen Flyer vom weißen Ring mit - ich kann zwar nachlesen, was sie tun, wobei sie helfen - aber ich kann keinen Bezug zu mir herstellen, kann nicht hingehen/anrufen und sagen, das und das brauche ich an Unterstützung. Ich weiss in der Theorie auch viele Möglichkeiten, wenn ich z.b. nach einem Traum aufwache (Licht anmachen, Tee trinken, homöopathisches Pulver nehmen, Telefonseelsorge, lesen, Hörbuch, ...) - aber ich kann es in der Situation nicht umsetzen. Und so ist es mit vielem. Ich weiss, dass ich Hilfe brauche, aber ich kann nicht sagen, wie sie konkret aussehen soll bzw genauer gesagt kann sie nicht einfordern.

Und dieser enorme Unterschied macht mich verrückt, bringt mich ganz durcheinander: auf der einen Seite habe ich so viele Kompetenzen, Fähigkeiten, z.B. im Studium nur sehr gute Noten, viele unterschiedliche Erfahrungen, habe mir schon vieles selbst beigebracht - aber auf der anderen Seite bin ich mit so vielem überfordert, ich weiss eigentlich wie es geht, habe etwas schon oft gemacht, kenne die Angebote, Zuständigkeiten hier in der Stadt, habe genug Energie und Motivation um es eigentlich zu tun - aber ich kann es nicht umsetzen, ausführen, nicht tun. Und das macht mich einfach nur fertig. Und die Tatsache, dass ich es auch nach einem Jahr nicht schaffe, eine vernünftige Hilfe zu bekommen, etwas das mir hilft, das zu dem "passt", das ich gerade brauche, das aktuell ist.

Anne

06.05.2010 23:34 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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06.05.2010 23:34 Zitieren Zitieren

Liebe Anne,
Ich glaube dir, dass diese Situation sehr schwierig fuer dich ist. Einerseits leidest du sehr, aber andererseits sind dir die angebotenen Behandlungsmoeglichkeiten offenbar nicht zugaenglich.
Nach dem, was du schilderst, denke ich auch, dass ein weiteres Herumtelefonieren nach ambulanten Verhaltenstherapeuten oder Analytikern dir zu diesem Zeitpunkt vermutlich nicht weiterhelfen kann. Nicht nur, weil viele Praxen ueberlaufen sind, sondern weil du scheinbar ja bereits diverse Vorgespraechstermine bei verschiedenen Therapeuten gehabt hast, und alle sich fuer nicht kompetent genug erklaerten, eine Behandlung mit dir durchzufuehren.
Eine Klinikbehandlung kann fuer Patienten mit massiveren Problemen im Allgemeinen nur der erste Schritt in einem therapeutischen Prozess sein, denn naturgemaess ist so ein Aufenthalt zeitlich befristet, und du kannst dich dort nicht Monate bis Jahre aufhalten, damit ein nachhaltiger seelischer Umstrukturierungsprozess geschieht.
Die meisten Kliniken sind mit ihren Therapiekonzepten eher auf Kriseninterventionen oder mehrwoechige Aufenthalte ausgerichtet, und nicht nur Patienten wechseln oefters (was eine Gruppentherapie erheblich stoeren kann), sondern auch das therapeutische Personal. Du koenntest also noch nicht einmal sicher damit rechnen, dass die Therapeutin, der du gerade angefangen hast, Vertrauen zu schenken, dir waehrend deiner ganzen Behandlungszeit zur Verfuegung steht und nicht fuer die naechste Phase ihrer Fachausbildung in ein anderes Krankenhaus wechselt.
Eine Langzeitbehandlung ist aber sicherlich das, was du benoetigen wuerdest, um allmaehlich genuegend Vertrauen aufzubauen, damit du dich auch verbal besser oeffnen kannst.
In Deutschland sind tiefergehende, laengerfristige Methoden wie die psychoanalytisch orientierte Therapie oder die Psychanalyse von den Krankenkassen anerkannt, und auch die Kosten werden dann uebernommen, wenn es sich um eine Stoerung von Krankheitswert handelt. Aber bestimmte Verfahren sind eben (noch) nicht auf der Liste kassenanerkannter Verfahren, selbst wenn sie bereits genuegend erforscht und wirksam sind.
Dazu gehoeren einige, auf der Jungschen Psychoanalyse basierende, nonverbale Therapiemethoden wie die Kunst-/Gestaltungstherapie und die Tagtraumtechnik (Katathymes Bilderleben), wie auch die Gestaltungstherapie nach W. Reich. Das koennte sich zwar eines Tages aendern, aber sicher hoechstens dann, wenn sich die allgemeine Wirtschaftslage deutlich gebessert hat.
Du hast Recht, eine niedrigfrequente Kunsttherapie ist sicher nicht ausreichend, um nachhaltige Veraenderungen zu bewirken. Die Abstaende sind wahrscheinlich zu gross, um den notwendigen seelischen Prozess am Laufen zu erhalten.
Die gesetzliche Krankenkasse kann dir da wirklich nicht weiterhelfen, sie ist an ihre Richtlinien gebunden (die ist bundeseinheitlich und nicht etwa von den einzelnen Kassen bestimmt). Nur einige private Krankenkassen finanzieren auch nicht allgemein anerkannte Heilverfahren.
Ich wuerde dir gern einen wirklich brauchbaren Rat geben, aber leider kann ich das nicht. Ohne dass du dich zumindest ein bisschen oeffnen kannst, ist auch der erfahrenste psychoanalytische oder Verhaltenstherapeut nicht in der Lage, dich zu verstehen und mit dir zu arbeiten.
Normalerweise ist der Punkt, bei der diese Selbstueberwindung moeglich wird, eine Lebenskrise, bei der der Leidensdruck so gross ist, dass er die Angst vorm Sprechen verdraengt. Aber dieses peinvolle Sichoeffnen kann leider wirklich nur aus dir selbst heraus geschehen, nicht durch irgendeine Einwirkung von aussen.
Da es dir aber ja wirklich schlecht geht, und deine Arbeitsfaehigkeit offenbar auch gefaehrdet ist, besteht vielleicht doch nochmal die Moeglichkeit eines Aufenthalts in einer anderen psychotherapeutischen Einrichtung mit einem auf laengere Behandlungsdauer angelegtem Therapiekonzept. Nonverbale Therapieverfahren, die in ambulanten Behandlungen nicht von den Kassen uebernommen werden, koennen in Kliniken im Rahmen ihrer Therapiekonzepte oft eher angeboten werden.
Ueber diese Moeglichkeit muesstest du wohl noch einmal mit deinem behandelnden Arzt diskutieren
Du musst dir aber trotzdem darueber im Klaren sein, dass so ein Klinikaufenthalt in deinem Fall wirklich nur der erste Schritt sein kann, nicht aber eine ausreichende Behandlung.
Liebe Anne, niemand kann dir “den Pelz waschen, ohne dich dabei nass zu machen”, und um innerlich zur Ruhe zu kommen und deinen Seelenfrieden zu finden, musst du irgendwann die Tuer aufmachen, hinter der deine angsterregenden Gespenster nur allzu lebendig sind.
LG, Dr. Karin Anderson

22.09.2011 09:15 Zitieren Zitieren

nemesus
Pointer-User
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22.09.2011 09:15 Zitieren Zitieren

Ich beziehe mich auf den ersten Post dieses Threads und auf die bisher darauf gegebenen Antworten. Es tut mir leid, dass ich diesen Thread erst jetzt fand.

Wie auch immer: "Gast" schreibt:

"Überhaupt, ich finde, die Frage "Wie geht es dir?" ist eine der am schwersten zu beantwortenden Fragen. Ich weiß nie, wie ich mich fühle - denn ich fühle nichts."

Ich finde diese Frage auch sehr schwer zu beantworten, und nicht nur ich, auch der, leider bereits verstorbene, Kult-Autor Douglas Adams. Er bezeichnete Menschen, die auf die Frage "Wie geht´s" tatsächlich eine Antwort erwarten als "Guttach".

Und damit komme ich dann auch schon auf Frau Dr. Anderson, die "Unikosmos-Expertin". Meine Frage: Könnte es nicht sein, dass das Fühlen von Leere eine gesunde Reaktion auf eine zutiefst verstörende Situation ist? Ich meine, ich war selbst ein Paar Takte an der Uni. Die Studenten haben vor lauter Leistungsdruck keine Zeit, sich mit sich, ihrem Seelenleben oder ihren "Mitstudenten" zu beschäftigen. Und außerhalb der Uni ist es nicht besser. Zu viele Leute folgen ihrem Beruf, wissen aber nichts über ihre Berufung. Gute Gesprächspartner, die auch noch fähig zu tiefen Emotionen sind, nehmen mit zunehmendem Alter ab. Die letzten Worte, von Menschen, mit denen ich einst befreundet war, waren dann Sätze wie:"Bin ma schwanger.", "Hab´nen neuen Freund" oder "Habe nen neuen Job". - Und sie waren nie wieder gesehen.
Ich finde Ihren Ansatz, etwas Kreatives zu tun, ja durchaus nicht schlecht, frage mich nur, ob das einem Menschen ausreichend hilft, wenn er sich von Schlagzeilen erschlagen fühlt, in einer Gesellschaft, in der tiefe Gefühle ins handliche Twitter-Format passen müssen und in der dusslige Radio-Moderatoren mit ihrem Gewäsch am Morgen jedes Nachdenken töten aber dafür um sehr mehr betonen, wie gut drauf sie doch alle sind.
Ich habe da so meine Zweifel.

Was mich anbelangt: Ich würde gerne wissen, wer noch alles über diesen Thread stolpert, vielleicht indem er Ähnliches wie ich tat: In Google eingeben: "Nicht reden können". Leute, die sich sprachlos fühlen, empfinde ich als potentiell vielversprechende Gesprächspartner. Ich habe mich deshalb hier registriert und hoffe auf Leute, mit derartigen "Problemen", die mir ´mal eine Mail schreiben. - Vielleicht könnten wir unsere geballte Kreativität zusammenrühren und einen Weg finden, gemeinsam nach Menschen zu suchen, die einem einen Grund geben, sich nicht mehr leer zu fühlen. Das wäre ja ´mal etwas NEUES.

Mit meinen besten Wünschen,
nemesus

 
 
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